Euroregion Elbe/Labe

Wochenrückblick Nr. 37

Denkzettel-Wahl auch in Tschechien – Umtausch alter Kronen endet in Banken – Bezirk Ústí lockt als Drehort für Filme – Fachtagung zu "Heimwehtourismus" Vertriebener in Teplice

14.06.2024

Denkzettel-Wahl auch in Tschechien

Auch in Tschechien wurden die Europawahlen zu einer Abrechnung mit der Regierungspolitik. Zwar konnte das Bündnis Spolu von Premierminister Petr Fiala noch einen relativ guten zweiten Platz mit 6 der 21 Mandate verzeichnen. Dafür wurden die Bürgermeisterpartei und vor allem die Piraten kalt erwischt. Diese hatten vor fünf Jahren noch 3 Mandate geholt, kamen diesmal aber nur noch auf eins.

Erwartungsgemäß gewann die Partei ANO des früheren Premierministers Andrej Babiš und zieht mit 7 Mandaten ins EU-Parlament ein. ANO profitierte von der auf 36,45 Prozent gestiegenen Wahlbeteiligung. Das war ein Zuwachs um fast acht Prozentpunkte. Zu den Verlierern zählt auch die EU-feindliche rechtsnationale SPD, die nur die Abkürzung mit der deutschen Sozialdemokratie gemein hat. Sie gewannen nur noch 1 statt 2 Mandaten. Gewöhnlich schaffen es die Rechtspopulisten um den Tschechojapaner Tomio Okamura in Parlamentswahlen auf um die 10 Prozent. Diesmal überschritt man mit Ach und Krach die 5 Prozent.

Völlig überraschend kam das Wahlbündnis aus „Autofahrern und Schwur“ auf über 10 Prozent, was für zwei Mandate im neuen EU-Parlament reicht. Sie setzten auf den Rennfahrer Filip Turek als Spitzenkandidat, der mit einigen geschmacklosen Gesten und Nazi-Sprüche gutheißender Rhetorik auffiel. Das kam offenbar gut an.

Knapp dahinter lief das Wahlbündnis „Stačilo!“ (Es reicht!) ein. Dabei handelt es sich um eine ähnliche Plattform wie der BSW in Deutschland. Auch die Kommunistin und langjährige EU-Abgeordnete Kateřina Konečná ist rhetorisch versiert und in Fragen wie Klimaschutz und Migration eher weiter rechts als links zu verorten. Das reichte zu 2 Mandaten.

Im Bezirk Ústí, wo ANO traditionell ihre Hochburg hat, schnitt die Partei noch deutlich besser ab als in der ganzen Republik. Entsprechend weniger Prozente hatte das Bündnis Spolu. Leicht besser sah es auch für die Autofahrer und das Bündnis von Kateřina Konečná sowie die Okamura-Partei aus. Bürgermeister und Piraten lagen unter dem Republikschnitt.

Insgesamt gesehen brachten die Europawahlen einen weiteren Zugewinn für europakritische Parteien. Sie treten überwiegend für eine rigidere Migrationspolitik und eine Abschwächung des Green Deal ein. Die Zahl ihrer Mandate stieg von vormals rund 12 auf nun 16-17.

Umtausch alter Kronen endet in Banken

Alte und neue Banknoten mit Sicherheitsmerkmalen
Unten eine alte, oben eine neue Banknote mit Sicherheitsmerkmalen (© ČNB)

Der Umtausch alter Banknoten ist ab 1. Juli nur noch in Filialen der Tschechischen Notenbank ČNB möglich. Dabei handelt es sich um Banknoten im Wert von 100, 200, 500, 1.000 und 2.000 Kronen, die in den Jahren 1995 bis 1999 ausgegeben wurden. Sie wurden Ende Juni 2022 aus dem Verkehr gezogen. Bis Ende Juni nimmt sie noch jede Geschäftsbankfiliale entgegen und tauscht sie gegen neue Scheine ein.

Die alten Scheine unterscheiden sich von den neuen Banknoten vor allem durch die Breite des Sicherheitsstreifens. Der ist bei den neuen Scheinen breiter. Außerdem bleibt die Farbe des Streifens unverändert, wenn man den Geldschein wendet. Die Streifen der neuen Scheine ändern ihre Farbe von braunviolett auf grün. Weitere Merkmale sind farbige Punkte im weißen Feld links und das angegebene Jahr der Ausgabe (siehe Bild).

Laut Notenbank sind noch rund 41 Millionen alte Banknoten im Umlauf. Neben der Zentrale in Prag gibt es auch in Ústí nad Labem die Möglichkeit, die Banknoten umzutauschen.

Bezirk Ústí lockt als Drehort für Filme

Úštěk im Film Kolja (Haus der Mutter)
Úštěk heute
Úštěk im Film Kolja (Haus der Mutter) und heute (© filmovamista.cz)

Es gibt Orte in Nordböhmen, die man meint, schon einmal gesehen zu haben. Nämlich im Film. Die Kleinstadt Úštěk bei Litoměřice zum Beispiel mit ihrer malerischen und vor allem immer noch historischen Kulisse war Schauplatz in Filmen wie der US-amerikanischen Tragikomödie Jojo Rabbit oder dem tschechischen Oscar-Gewinner Kolja aus den 1990er Jahren. Manchmal tauchen Orte auch nur kurz auf, wie die Tissaer Wände in den Chroniken von Narnia genauso wie das Prebischtor. Wer mehr dazu recherchieren möchte, dem empfehlen wir die Seite www.filmovamista.cz.

Der Bezirk Ústí möchte das Filmgeschäft nun gern ausbauen und legt ein 50 Millionen Kronen (rund 2 Millionen Euro) umfassendes Förderprogramm auf. Gefördert wird sowohl die Produktion von Kinofilmen, als auch TV-Streifen, Serien sowie Dokumentarfilmen. Auch wenn die Fördersummen überschaubar sind – pro Film sind maximal 3,5 Millionen Kronen (140.000 Euro) möglich – rechnet der Bezirk mit einer guten Nachfrage. Die Fördergelder stammen aus dem Fonds "Gerechte Transformation", der für die Regionen aufgelegt wurde, die aus der Kohleförderung aussteigen. Allein für den Bezirk Ústí sind in dem Fonds 15 Milliarden Kronen (600 Millionen Euro) vorgesehen.

Dass mehr als Geld dazu gehört, Filmproduktionen nach Nordböhmen zu locken, dessen ist man sich bewusst. Seit acht Jahren unterstützt ein Filmbüro des Bezirk Ústí Filmproduktionen. Es vermittelt attraktive Drehorte und kümmert sich um die Kommunikation mit den zuständigen Gemeinden, Behörden und Institutionen. Der Bezirk Ústí verspricht sich davon direkte Einnahmen aus dem Filmgeschäft sowie eine indirekte Förderung des Tourismus.

Fachkonferenz zu "Heimwehtourismus" Vertriebener in Teplice

Wie haben private Reisen Vertriebener Sudetendeutscher aus der DDR in die alte tschechische Heimat zu neuen Freundschaften und Aussöhnung beigetragen? Wie schwierig waren diese Reisen und welche Konflikte standen im Weg? Diesen und weiteren Fragen widmete sich eine von der Euroregion Elbe/Labe gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft e.V. organisierte Fachtagung in Teplice mit dem Titel "Vertriebene, (Heimweh-) Touristen und 'Neusiedler'" in den Grenzgebieten der DDR, Tschechoslowakei und der Volksrepublik Polen. Rund 70 Teilnehmer aus Tschechien und Deutschland hörten Vorträge von 15 Wissenschaftlern aus Tschechien, Deutschland und Polen und setzten sich in fünf Gesprächsrunden von mehreren Seiten mit der Thematik auseinander. Eröffnet wurde die Tagung durch den Vizehauptmann des Bezirks Ústí, Jiří Řehák. Die Tagung selbst fand auch an einem ungewöhnlichen Ort statt: in den Räumen des Garden Restaurant der Brauerei Monopol nahe dem Kurviertel Šanov (Schönau), das durch Verbindung historischer Bausubstanz und Neubau entstand.

 

 


 

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