Euroregion Elbe/Labe

COUREG - COURAGE HABEN UND UNSERE REGION GESTALTEN

Projektpartner

Im Rahmen des Projekts CouReg wird die langjährige Kooperation zwischen der TU Dresden und der Univerzita J.E. Purkyné Usti nad Labem im Fachbereich Politikwissenschaft verstärkt.

Sämtliche wissenschaftlichen Aktivitäten werden von den Universitäten gemeinsam koordiniert. Die TU Dresden übernimmt dabei die Rolle des Lead Partners.

Für die praktische Durchführung wird mit der Aktion Zivilcourage e.V. in Pirna zusammen arbeiten, einem etablierten Anbieter politischer Bildung und demokratischer Jugendarbeit in der Region Sächsische Schweiz, welcher bereits vielerlei Bildungsangebote in Zusammenarbeit mit Schulen durchführt.

In Tschechien fungiert das Büro der Euroregion Elbe/Labe als Partner für Kontakte zu Gemeinden, in denen die Studierenden ihre Untersuchungen durchführen können. Die Programmteile des interkulturellen Austausches werden ebenfalls hier koordiniert.

Projektaufbau

1) Vier Workshops für Studierende

Das Ziel der Workshops besteht in einer verbesserten Kooperation zwischen der TU Dresden und der UJEP in Ústí nad Labem. Dies umfasst die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, gemeinsames Lernen junger Deutscher und Tschechen und interpersonelle Begegnung. Die Studierenden erlangen neues Wissen zur demokratischen Kultur und interkulturelle Kompetenzen. Die zweisprachigen Workshops werden sich mit folgenden Themen befassen: Theorie und Praxis der Zivilcourage, demokratische Kultur, soziale Spannung in den Grenzgebieten, Problem des Rechtsradikalismus und praktische Übungen.

2) Bildungsmodul für Schülerinnen und Schüler

Es werden insgesamt 10 interkulturelle Bildungsprogramme für Schulen in den Grenzgebieten durchgeführt. In Sachsen nehmen vier Oberschulen auf dem Gebiet der Euroregion Elbe teil (2x Pirna, Dohna, Sebnitz). Dazu kommen das Berufliche Schulzentrum Vogtland und das Schiller-Gymnasium Pirna. In Tschechien wird es an vier Schulen/základní školy auf dem Gebiet der Euroregion Elbe (Ústí nad Labem, Tisá, Dubí, Chlumec) gehen. Das Bildungsprogramm besteht aus 90 Minuten Lehre und Simulationen und wird vom deutsch-tschechischen Projektteam durchgeführt (unter Mitarbeit von allen Partnern, Studierenden der beiden Universitäten und der Lehrerinnen und Lehrer vor Ort).

Um die Chancen zu steigern, dass junge Menschen Zivilcourage zeigen, werden in diesem Bildungsmodul theoretische Erkenntnisse aufgegriffen und in praktischen Übungen bearbeitet und trainiert. Es wird dazu eingeladen, eigene Einstellungen und Werte in Form von soziometrischen Aufstellungen und Diskussionen zu reflektieren. Des Weiteren wird die eigene Körperwahrnehmung und -wirkung durch (non-)verbale Übungen zu zweit oder mit der gesamten Gruppe geübt insbesondere zu Grenzsetzung und rollentypischen Auftreten und Wirkung (u.a. Statustheater zu Tätern, Opfer, Beobachtern). Der Schwerpunkt liegt auf exemplarischem Lernen anhand von konkreten Zivilcourage-Situationen in Rollenspielen, durch Beispielvideos sowie digitalen Zivilcourage-Spielen, um das Verhalten und Handeln in kritischen Situationen zu trainieren. Die geplanten Ergebnisse dieser Schulprojekte bestehen ebenfalls darin, dass demokratische Potentiale besprochen und sichtbar gemacht werden, neues Wissen und interkulturelle Kompetenzen vermittelt werden.

Beide Formate schaffen neue Angebote für interkulturellen Dialog und kulturelle Identifikation für junge Menschen zwischen 14 und 25 Jahren in einer strukturschwachen Region.

3) Didaktische Materialien zur Lehre der Zivilcourage

Auch für andere Schulen wird unser Bildungsmodul zur Zivilcourage und zum zivillgesellschaftlichen Engagement junger Menschen auf der Projekt-Webseite mit didaktischen Lehrmitteln in deutscher und tschechischer Sprache veröffentlicht. Es besteht ein Bedarf an diesen (digitalen) Angeboten – diese Lücke möchte unser Projekt schließen.

4) Ergebnisse für breite Öffentlichkeit & Wissenschaft

Für die breite Öffentlichkeit werden durch die Studierenden und die Projektpartner sämtliche Befunde aufbereitet. Dies geschieht einerseits in Form dieser Webseite, die unsere Geschichten über Courage und Demokratie erzählt und andererseits in Form eines Lehrbuchs zur politischen Bildung, welche als Handreichung für Didaktiker der politischen Bildungsarbeit verfügbar gemacht wird. Die politikwissenschaftlichen Implikationen des Projekts CouReg werden durch die beiden Universitäten analysiert und für die Fachöffentlichkeit publiziert.

Auch für politisch Verantwortliche sind die Befunde zu den Vorstellungen junger Menschen interessant, denn sie geben Aufschluss über positive Beispiele couragierten und demokratischen Handelns sowie über Vorstellungen Menschen hinsichtlich der Entwicklung der Grenzregion.

Projektaktivitäten

Am 19.4.2021 fand das erste von drei gemeinsamen Universitätsseminaren der Univerzita J. E. Purkyně und der TU Dresden statt. Unter dem Titel „Demokratische Werte in Tschechien und Deutschland“ erhielten die 33 Studierenden zuerst eine Einführung in die normativen Grundlagen der politischen Systeme beider Länder. Danach arbeiteten die deutsch-tschechischen Studierendenteams in verschiedenen Workshops gemeinsam an einzelnen Grundwerten von Demokratien. Sie tauschten sich dabei zu aktuellen Herausforderungen in den beiden Ländern aus und überlegten, was Politik und Zivilgesellschaft tun müsse, um die Herausforderungen in Demokratieförderung, Umweltschutz und dem Regieren im Mehrebenensystem zu bewältigen.

So wurde beispielsweise der Einfluss Russlands auf die Politik beider Länder besprochen, über politischen Extremismus und Populismus, die Rolle der Europäischen Union, aber auch über ganz persönliche Erfahrungen mit Erasmus-Programmen, dem täglichen Einkaufen unter dem Aspekt von Nachhaltigkeit oder der Verfügbarkeit von Impfungen in der aktuellen Corona-Pandemie.

Am 3.5.2021 folgte der zweite Universitätsworkshop zum Thema „Zivilcourage – Partizipation – gesellschaftliches Engagement“. Nach einer theoretischen Einführung in das Konzept ging es darum, dass  letzten Jahren immer mehr Initiativen, Preise, Kampagnen und Trainingsprogramme zur Förderung von Zivilcourage entstanden. Gleichzeitig schrecken uns immer wieder Übergriffe, Gewalt, Diskriminierung auf. Grund genug, zu hinterfragen, was Zivilcourage ausmacht, wie wir sie fördern können und welche Rolle Selbstwirksamkeitserfahrungen von Bürgerinnen und Bürgern in einer Demokratie spielen können. Gibt es Möglichkeiten durch verbesserte Bürgerbeteiligung und Förderung freiwilligen Engagements mehr Menschen Mut zur Courage zu geben?

„Einführung in die Bildungsarbeit“ hieß es dann im dritten Workshop am 17.5.2021. Unter den drei Fragestellungen:

  • Ausbildung zum Peer-Teamer – wie geht das?
  • Politische Bildung in der Schule – was darf ich?
  • Aufbau eines Onlineseminars – wie mache ich das?

warfen wir einen Blick in die Praxis der politischen Bildungsarbeit. Beronders intensiv diskutierten wir, wo die Grenzen einer politischen Bildung für Zivilcourage liegen müssen und wie sich Anleiter und Lehrende entsprechend der Prinzipien des Beutelsbacher Konsens' in schwierigen Situationen verhalten sollen. Dabei wurde es auch interaktiv und wir testeten diverse digitale Tools und kleine Spiele, die Onlineseminare aufwerten können. Unter der ZIM-Formel besprachen wir, wie ein Workshop-Angebot in Schulen geplant werden sollte. Damit bekamen alle Teilnehmenden einen Vorgeschmack auf die Vertiefungssitzung, in der es dann um die konkrete Planung der Schulprojekte geht, die unsere Studierenden in Schulen durchführen werden. 

Am 31.5.2021 schließen wir unsere Reihe der Onlineseminare mit dem Themengebiet "Zivilcourage praktisch fördern“ ab. Dann heißt es "Machen ist wie Wollen, nur krasser!". Denn Vorfälle von Ausgrenzung, Bedrohung und Diskriminierung sind Teil unseres Alltags. Doch nur wenige schauen hin oder greifen gar ein – oft bleibt es nur bei guten Absichten. Sich mutig für andere einzusetzen und zivilcouragiert zu handeln, lässt sich jedoch trainieren und es bedarf keineswegs Heldentaten, um Ungerechtigkeiten wirksam zu begegnen! Im letzten deutsch-tschechischen Universitätsworkshop zeigen uns Mitarbeiterinnen des Pirnaer Vereins Aktion Zivilcourage e.V., wie sich Handlungskompetenzen vermitteln lassen, damit Menschen in Situationen von Bedrohung und Diskriminierung mutig eingreifen und dazu beitragen, dass Konflikte mittels Verständigung gelöst werden.

5) Am 19.-21.11.2021 fand Workshop für Studenten der TU Dresden und UJEP

Programm:

13:15   Anreise

 16:00 Eröffnung des Workshops Begrüßung durch den Bürgermeister von Tisá Tomáš Kratochvíl

workshop v pátek na OÚ Tisá, 19.11.2021

16:15  -Präsentation der Geschichte des tschechisch-deutschen Zusammenlebens in der Grenzregion 1920-1946 mit Bezirkshauptmann Jiří Řehák, unterstützt von KPF EEL, Interreg VA ČR-Sachsen

17:00 - Diskussion

17:30 -Kaffeepause

18:00 - Einführung: Demokratische Werte und ihre Herausforderungen

19:30 - Abfahrt nach Ústí nad Labem

Am Samstag den 20.11.2021 (UJEP)

9:00 Bürglerliches Engagement und grenzüberschreitende Zusammenarbeit - Vladimír Lipský, Lukáš Novotný

9:45 Demokratie in CZE und Wahlen 2021 Jan Švestka, Pavel Maškarinec

11:00 Pause

11:30 Einen Zivilcourage Workshop gestalten, dann Arbeitsgruppen

13:00 Mittagspause

14:00 Fortsetzung der Arbeitsgruppen und Präsentation der Ergebnisse

16:30 Besuch der Ausstellung "Unsere Deutschen", Museum Ústí nad Labem

EXKURSION am 25.-27. 3. 2022 

 „Zivilcourage – Partizipation – gesellschaftliches Engagement“ / „Občanská kuráž – participace – společenská angažovanost“

Vom 25. bis zum 27.3. 2022 arbeiteten Studierende der Univerzita Jana Evangelisty Purkyně Ústí nad Labem und der Technischen Universität Dresden im Rahmen des Projekts „CouReg: Mít kuráž a utvářet náš region / Courage haben und unsere Region gestalten“ gemeinsam zum Thema Zivilcourage und Demokratieförderung.

Die Studierenden wurden vom GSW-Sprecher und Dekan der Fakultät Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften, Prof. Dr. Christian Prunitsch, und Dr. Cathleen Bochmann, CouReg-Projektleiterin, herzlich begrüßt. Im Anschluss folgte eine interessante Führung durch den Sächsischen Landtag und ein kurzes Planspiel, in dem die Studierenden die Rolle der Abgeordneten übernahmen. Im Gespräch mit dem CDU-Abgeordneten Marko Schiemann nutzen die Teilnehmenden die Möglichkeit offene Fragen zu klären. Bei einem gemeinsamen Abendessen wurde der erste Exkursionstag ausgewertet.

Der zweite Tag startete in der Gedenkstätte Bautzner Straße. Michael Schlosser, der wegen versuchter Republikflucht in der politischen Haftanstalt eingesperrt war, führte uns durch das Gebäude und erzählte aus seinem Leben. Die Studierenden hatten die Möglichkeit Einsicht in die Akte von Herrn Schlosser zu nehmen und Fragen zur Haftanstalt und Inhaftierung zu stellen. Nach einer kleinen Stärkung berichtete Marta Kozlowska (Forum MIDEM), Expertin für Polen, Migration und Demokratie, wie die Herausforderungen der Geflüchteten aus der Ukraine bewältigt werden. Der zweite Themenkomplex des Nachmittags widmet sich "„Nachhaltigkeit und Klimaschutz vor Ort“. Während eines Walk & Talk in Kleingruppen diskutierten die Studierenden aktuelle klimapolitische Herausforderungen, den Mehrwert des Abkommen von Paris und Handlungsmöglichkeiten. Martin Wunderlich von der LAG Queeres Netzwerk Sachsen setzte sich in seinem Vortrag mit der Frage auseinander, wie sich politisch für Vielfalt und Gleichstellung eingesetzt werden kann. In der anschließenden Diskussion stellten die Teilnehmenden viele Fragen und kamen mit Herrn Wunderlich ins Gespräch.

Die Exkursion wurden durch eine multimediale Stadtführung und einen Spaziergang durch die Dresdener Altstadt bei schönstem Sonnenschein abgerundet.

Workshop des Projekts Courage haben und unsere Region gestalten


Der Abschlussworkshop des Projekts Courage haben und unsere Region gestalten" findet am 13. Mai 2022 statt. Programm

Abschlusskonferenz "Občanská odvaha a demokracie / Zivilcourage und Demokratie"

Abschlusskonferenz "Občanská odvaha a demokracie / Zivilcourage und Demokratie"

 

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Wie steht es um die deutsch-tschechischen Beziehungen in der Grenzregion? Wie können wir im Bildungsbereich noch besser zusammenarbeiten, wie Zivilcourage in den Schulen fördern. Um diese Fragen ging es bei der Abschlusskonferenz im Projekt CouReg, die am 13. Mai 2022 an der Universität Ústi nad Labem stattfand. Vladimír Lipský, Vertreter der Euroregion, und Lukáš Novotný (UJEP) begrüßten die zahlreichen Gäste – Studierende, Wissenschaftler:innen und Praktiker:innen der Demokratiearbeit.

Patrick Reitinger, historisch arbeitender Geograph von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, eröffnete den inhaltlichen Teil der Konferenz mit einem Vortrag zu den deutsch-tschechischen Beziehungen. Er präsentierte bedeutende historische Meilensteine wie die Gründung der Ersten Tschechoslowakischen Republik, den Zweiten Weltkrieg oder das Ende des Kalten Krieges und ihre Bedeutung für die Gegenwart. Zentral für die Demokratien beiderseits der Grenze, so Reitinger, sei vor allem eines: Streit. Nur, wenn wir uns austauschen und diskutieren, können wir auch Verständnis für unterschiedliche Perspektiven gewinnen, die oft durch unterschiedliche historische Erfahrungen entstanden sind. Und nur dann, wenn wir miteinander reden, uns füreinander interessieren, nur dann wächst eine starke Zivilgesellschaft.

 

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Reitinger betonte, dass wir formal bis zum Ende des Kalten Krieges, praktisch aber auch darüber hinaus, nicht eine deutsche Perspektive haben – sondern zwei. Er fokussierte sich dann vor allem auf die westdeutsche Perspektive, genauer auf die bayrisch-tschechischen Beziehungen seit 1918. Mit der Gründung der Ersten Tschechoslowakischen Republik stellte sich im Grenzgebiet die Frage der nationalen Zugehörigkeit. Das Münchener Abkommen von 1938 führte zur Vertreibung der tschechoslowakischen Bevölkerung aus dem Sudetenland, das die Erste Tschechoslowakische Republik an das Deutsche Reich abtreten musste. Der Zweite Weltkrieg war geprägt von Vertreibung und nationalsozialistischen Gräueltaten. Die Einteilung in Nationalitäten aber, so Reitinger, sei absurd. Kontrahenten waren nicht „die“ Deutschen gegen „die“ Tschechen, sondern Unterstützer:innen und Widerständige. Die Nachkriegszeit war geprägt durch die Beneš-Dekrete, die eine Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei sowie ihre Enteignung festlegten.

Die Zeit des Kalten Krieges war die Zeit einer Systemgrenze: Bayern auf der einen Seite, die Tschechoslowakei und Sachsen auf der anderen Seite. Das wirkt bis heute nach. Mit dem Ende der Sowjetunion und der friedlichen Auflösung der Tschechoslowakei in zwei Länder 1992 begann eine neue Ära, die in der deutsch-tschechischen Erklärung von1997 und dem EU-Beitritt der Tschechische Republik im Jahr 2004 gipfelte: Mit diesen Meilensteinen etablierten sich Formate des Austauschs. Die Beziehungen zu Bayern blieben jedoch weiter angespannt. Erst im Jahr 2010 erfolgte ein offizieller Besuch eines bayrischen Ministerpräsidenten in Prag.

 

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Für Reitinger ist klar: Wir brauchen einen gemeinsamen Blick in die Zukunft, einen, der die unterschiedlichen Perspektiven miteinbezieht. So kann das friedliche Zusammenleben im deutsch-tschechischen Grenzgebiet auch ein Vorbild für andere von Konflikten betroffene Grenzregionen sein. 

Eben jene Zusammenarbeit stand im Fokus des folgenden Slots. Bei der von Cathleen Bochmann vom Aktion Zivilcourage e.V. moderierten Podiumsdiskussion ging es um verschiedene Aspekte der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, insbesondere um die Kooperation im Schulwesen. Auf dem Podium saßen Expert:innen aus verschiedensten Bereichen: Markéta Meissnerová, Generalkonsulin der Tschechischen Republik in Dresden, Vladimír Handl, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Internationale Beziehungen der Karlsuniversität in Prag, der sich in seiner Arbeit besonders mit den deutsch-tschechischen Beziehungen beschäftigt sowie Rüdiger Kubsch von der Euroregion Elbe aus Dresden und die Studentin Bianca Brendel vom deutsch-tschechischen Jugendforum.

 

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Schnell wurde klar: Die Frage, wie gut die Beziehungen eigentlich sind, ist gar nicht so leicht zu beantworten. Meissnerová und Brendel sahen insbesondere vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie eine gute, ausgeprägte Zusammenarbeit, wenngleich sich viele Aktivitäten generelle in der Zusammenarbeit auf den Grenzraum fokussierten, so Brendel. Kubsch hingegen relativierte die Beziehungen: Nur etwa 10 Prozent der Deutschen hätten überhaupt irgendeine Beziehung zur Tschechische Republik, diese fände auch medial in Deutschland kaum Beachtung. Gerade im Alltag der Menschen sei die grenzübergreifende Zusammenarbeit ein kleinteiliger Prozess, der oft durch Sprachbarrieren erschwert wird.  Man müsse zwischen verschiedenen Ebenen unterscheiden, so der Prager Forscher Handl: Die pragmatische, dezentrale, entpolitisierte Zusammenarbeit sei bereits sehr gut. Politisch hingegen sei sie wenig konsistent und oft zu sehr von nationalen Interessen geprägt.

Wie aber können wir unsere Zusammenarbeit und unsere Beziehungen künftig gestalten? Bei dieser Frage ging es erneut um die problematischen Sprachbarrieren. Das Podium war sich einig, dass aktuell vor allem der Ukrainekrieg und das damit verbundene Flüchtlingsaufkommen herausfordernd sind, aber auch Themen wie Demokratie, wirtschaftliche Entwicklung, Digitalisierung und Klimawandel zukünftig die Beziehungen prägen werden. „Es wird Streit geben“, so Bochmann zum Schluss der Podiumsdiskussion, „aber es ist wichtig, konstruktiv zu streiten, Transformation als Aushandlungsprozess zu begreifen.“ Dafür seien Vertrauen und das „Kennen der Spielregeln“ erforderlich.

Nach der Mittagspause widmete sich Jan Charvát (UJEP) in seinem dem Thema „Hate speech vs. Zivilcourage im Kontext der sozialen Kohäsion“. Er Teilergebnisse des Projekts „Smart for Democracy and Diversity“ an dem sieben Partnerorganisationen aus sechs europäischen Ländern beteiligt sind. Im Rahmen von Erasmus Plus interviewten die Forscher:innen Personen, die Erfahrungen mit Hate Speech haben. Diese kamen aus der Tschechischen Republik, Deutschland, den Niederlanden, Portugal und Italien. Nachdem Jan Charvát verdeutlichte, dass es nicht eine Definition von Hate Speech gibt, präsentierte er kurz die tschechische Rechtslage sowie die Diskussion, ob von Hate Speech betroffene Opfer sind. Anschließend verdeutlichte er, dass häufig Menschen, die sichtbar anders sind, Ziel von Hate Speech sind. Die Befragungen haben gezeigt, dass Hate Speech zu Stress und Machtlosigkeit führt. Wichtig anzuerkennen, so Charvát, sei auch: Hate Speech findet sowohl online als auch offline statt.

 

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Was aber kann man im Umgang mit Hate Speech tun? Konflikte vermeiden, Counter-Speech, also verbale Verteidigung, um Hilfe bitten.  Online kann man eine Nachricht mit Hate Speech veröffentlichen und so nicht nur den Angreifer aus der Anonymität holen, sondern auch beweisen, dass überhaupt ein verbaler Angriff stattgefunden hat. Charvát wies auch auf die zahlreichen negativen Konsequenzen von Hate Speech hin – machte aber auch klar, dass man diese kollektiv teilen und damit sogar zum Empowerment beitragen kann. Abschließend spannte Charvát den Bogen zurück zur Zivilcouarge: „Betroffene wünschen sich Schutz von Umstehenden, sie wollen, dass diese sich einbringen, die Situation ernst nehmen und empathisch mit den Betroffenen umgehen.“

 

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Wie gehen Schüler:innen damit um, wenn sie im Klassenchat mit Hate Speech konfrontiert werden – einem sozialen Raum also, der für Erwachsene nicht zugänglich ist? Unter anderem darum ging es im Vortrag von Agnes Scharnetzky, Mitarbeiterin an der JoDDiD, TU Dresden. Sie präsentierte ein Schulmodul zur Demokratieerziehung, bei dem die Schüler:innen ihre Toleranzgrenze diskutieren. Sie bekommen Grafiken, die auf echten Beispielen beruhen und digitale Posts, Memes und Nachrichten darstellen: Mal wird ein antisemitisches Meme gezeigt, mal ein Spruch der Identitären Bewegung. Mal handelt es sich um Verharmlosungen, mal um handfeste Straftaten. Zuerst einmal müssen die Schüler:innen die Botschaften überhaupt decodieren – und dann diskutieren, wie sie damit umgehen würden: Ignorieren/ konsumieren, reagieren, Erwachsenen melden, vielleicht sogar anzeigen? Ziel ist es, die Schüler:innen zu sensibilisieren und zu ermutigen, problematische Inhalte zu melden und anzusprechen. Das Modul soll ein Bewusstsein dafür schaffen, dass (soziale) Regeln, die im analogen Zusammenleben bestehen, auch im digitalen Raum gelten.  

 

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Vom öffentlichen Raum Schule ging es im nächsten Vortrag in den öffentlich-privaten Graubereich der häuslichen Gewalt. Martina Vojtíšková (Interventionszentrum, Ústí nad Labem) konzentrierte sich in ihrem Vortrag „Häusliche Gewalt – Kinder – Schulen“ auf die unterschiedlichen Definitionen von häuslicher Gewalt, die tschechische Rechtslage, sowie die aktuelle Situation in Tschechien. In jeder fünften bis sechsten Familie, so die Beraterin, spiele häusliche Gewalt eine Rolle. Wie viele Fälle publik werden, hänge aber auch stark von Ausbildung und Schulung der Polizist:innen sowie dem sozialen Umfeld in Schulen und Kindergärten ab. Deshalb seien die Zahlen in verschiedenen Regionen der Tschechischen Republik sehr unterschiedlich – obwohl eigentlich eher von einer Gleichverteilung auszugehen sei. Häusliche Gewalt, so Vojtíšková, müsse von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen werden. „Dafür brauchen wir eine einheitliche Definition und ein einheitliches Verständnis von häuslicher Gewalt.“

 

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Zum Abschluss präsentierten Vertreterinnen vom Aktion Zivilcourage e.V. die Ergebnisse des Projekts. Cathleen Bochmann stellte zunächst die wissenschaftlichen Befunde vor: Sowohl auf sächsischer als auch auf tschechischer Seite könne man Demokratiedefizite feststellen -  gerade deshalb sei das Kernanliegen von CouReg, die Förderung der Demokratie, so wichtig. Ein wesentliches Element sei hier Zivilcourage, die in Anlehnung an Gerd Mayer als spezifischer Typus sozialen Handelns verstanden wird: Wenn eine Person (seltener eine Gruppe) freiwillig für die legitimen, primär nicht-materiellen Interessen und die personale Integrität vor allem anderer Personen, aber auch des Handelnden selbst, eintritt und sich dabei an humanen und demokratischen Prinzipien orientiert – dann ist das Zivilcourage. Sie kann in spezifischen Situationen in unterschiedlichen sozialen Kontexten und Öffentlichkeiten stattfinden.

 

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Ausgehend von diesem Grundverständnis stellten Sarah Junghans und Yvonne Bonfert die einzelnen Bausteine des Projekts vor: digitale und analoge Zivilcourageausbildung der Studierenden, ein Blockseminar in Ústí, Exkursionen noch Most und Dresden sowie die Schulworkshops, die unter Anleitung des Aktion Zivilcourage e.V. von den Studierenden vorbereitet und gehalten wurden. Auch der Vortrag selbst hatte Workshop-Charakter. Die Teilnehmenden diskutierten etwa, wann sie das letzte Mal mutig waren und was für sie eigentlich zivilcouragiertes Handeln ist. Auch wenn es hier in Detailfragen Unterschiede gab, so war doch allen klar: Wir brauchen Zivilcourage, gerade in der Grenzregion.

Exkursion

„Von Angesicht zu Angesicht“, anstatt „Rücken an Rücken“

Unter diesem Motto möchten wir am 26.6.2021 aufbrechen in die deutsch-tschechische Grenzregion. Studierende der Univerzita Jana Evangelisty Purkyně Ústí nad Labem und der Technischen Universität Dresden erleben gemeinsam die Grenzregion und sprechen über Wege, sie zukünftig zu gestalten.

Ablaufplan

Treff: Wiener Straße 40, 01069 Dresden

Ab 8.00 Uhr Covid-Schnelltest

8.30 Abfahrt Bus Total Tankstelle

Strukturwandel einer Region

10.00-12.00 Uhr Schloss „Jezeří: Braunkohletagebau als Bedrohung von Kulturgütern, aktuelle Proteste gegen die Abholzung alter Wälder, Gespräch mit Aktivisten
Lunch-Pakete

12.30-14.00 Uhr Kirche Mariä Himmelfahrt Most: Kommunistischer Planungsneubau einer Stadt, Versetzung der alten Kirche

Kennenlernen der Gegend

14.15-15.15 Uhr dt.-cz. Partnerübung: Most entdecken

Minderheitenrechte

15.30 Uhr Chanov, Besuch eines Sinti-Roma-Viertel, Gespräch mit Aktivisten & Vertretern der Community

Kultureller Abend

Ab 17.00 Uhr gemeinsames Abendessen im Restaurace "Severka", Kultkneipe der TV-Serie Most!, welche Probleme Nordböhmens thematisiert

Evtl. Abstecher: Kapelle kaple Sinutec: bürgerschaftliches Engagement, verwaiste Dörfer

20.00 Uhr Rückfahrt nach Dresden

 

 

Mit Studierenden von der UJEP Ustí nad Labem und der TU Dresden beschäftigen wir uns mit dem Thema Zivilcourage und gesellschaftlichem Engagement. Ein wichtiger Schwerpunkt liegt dabei auf dem Trainieren von zivilcouragiertem Handeln. Sowohl in Deutschland als auch in Tschechien üben wir mit Schülerinnen und Schülern, wie man sich in gewaltvollen Situationen verhalten kann. Dabei reicht die Bandbreite von körperlichen Auseinandersetzungen auf dem Schulhof, über Ausgrenzung bis hin zu Gesellschaftlichen Schieflagen wie z.B. der Diskriminierung von verschiedenen Gruppen. Zivilcourage ist immer dann erforderlich, wenn eine Person oder eine Gruppe Gewalt erfährt. Dies kann körperlich, psychisch, aber auch strukturell bedingt sein.

 

Metaplan-Sammlung© C. Bochmann

Das Eingreifen in solchen Situationen ist wichtig, doch oft trauen sich Menschen das nicht zu, haben Angst davor sich zu blamieren oder selbst einen Schaden davon zu tragen. Doch das muss nicht sein. Zivilcourage kann man üben. Jede und Jeder hat die Kraft Menschen zur Seite zu stehen und zum Beispiel die Polizei zu informieren oder weitere Zuschauer anzusprechen, um einzugreifen. Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern trainieren wir, wie man in solchen Situationen handeln kann. Die Materialien werden im Anschluss auf Tschechisch und Deutsch publiziert und Lehrkräften auf beiden Seiten der Grenze zur Verfügung gestellt.

 

Pilot-Workshops in ausgewählten Grundschulen


Studenten üben mit Jugendlichen aus der Region, wie sie auf Aggressionen reagieren können


Wie man auf Aggressionen in der Umgebung reagiert oder wie man in Grenzsituationen Zivilcourage zeigt, sind nur einige der Themen, die bereits in diesen Wochen im Rahmen von Schülerworkshops behandelt werden, die von Studenten des Fachbereichs Politikwissenschaft an der Philosophischen Fakultät der Universität UJEP für Grundschüler auf dem Gebiet der Euroregion Elbe/Labe vorbereitet werden.

Ein spezieller Workshop für Schüler der 8. und 9. Klassen von Grundschulen zum Thema "Zivilcourage" fand vor zwei Wochen in der Neštěmická-Grundschule in Ústí nad Labem und am Donnerstag, den 24. März, in der Dr. Miroslav-Tyrš-Grundschule in Děčín und der Tisá-Grundschule statt. Neben den tschechischen Studenten nahmen auch ihre Kollegen aus Dresden an den Workshops teil.

"Es ist sinnvoll, bereits in der Grundschule mit den Schülerinnen und Schülern über bürgerschaftliches Engagement zu sprechen, denn es ist wichtig zu erkennen, dass wir durch unser tägliches Verhalten gegenüber anderen den Zustand der demokratischen Gesellschaft in der Tschechischen Republik verbessern", sagt Jan Švestka, Student im ersten Jahr des Masterstudiengangs Politikwissenschaften an der Philosophischen Fakultät der Universität UJEP.

Diese Bildungsblöcke werden im Rahmen des tschechisch-sächsischen Projekts "Courage haben und unsere Region gestalten" organisiert, das von den politikwissenschaftlichen Instituten der Universitäten in Ústí nad Labem und Dresden gemeinsam mit der Euroregion Elbe/Labe und der Aktion Zivilcourage aus Pirna durchgeführt wird.

Die Vorbereitung der Schüler auf diese schulischen Aktivitäten ist eines der Hauptziele dieses Projekts. "Mit jungen Menschen in den Schulen zu sprechen und ihnen zu zeigen, wie sie in verschiedenen Grenzsituationen reagieren könnten, zum Beispiel wenn sie körperlich oder anderweitig angegriffen werden oder wenn sie sich für jemanden einsetzen müssen, ist ein wichtiger Teil der politischen Bildung", sagt Dozent Lukáš Novotný von der Philosophischen Fakultät der Universität UJEP.

Die Kooperationspartner wollen mit diesem Projekt dazu beitragen, dies in der Region Ústí nad Labem zu entwickeln. Die Aktivitäten an Schulen werden in den nächsten Wochen fortgesetzt, beispielsweise in Dubí auf tschechischer Seite, aber auch tschechische Schüler werden an Bildungsaktivitäten an Schulen in Sachsen teilnehmen, beispielsweise am Friedrich-Schiller-Gymnasium in Pirna.

Darüber hinaus arbeiten Studierende der Philosophischen Fakultät der Universität UJEP seit März 2021 an verschiedenen anderen kleineren Projekten zu den Themen Zivilcourage und Demokratieförderung in der deutsch-tschechischen Grenzregion. Ihre Aktivitäten haben zu Podcasts, Interviews, Studienmaterial und Videos geführt.

 

Kontaktperson. Mgr. Lukáš Novotný, M.A., Dr.phil., lukas.novotny@ujep.cz, 

Grundschule in Tisá, am 24.3.2020

 

Dr. Miroslav Tyrš Grundschule in Děčín am 24.3.2022

 

 

Workshop am 21.4. ab 8:50 hod. in Hauptschule Dubí 1

 

Workshop am 21.4. ab 11.00 hod. in Hauptschule Dubí 2

Zum Herunterladen

Flyer - Workshop 1

Flyer - Workshop  2

Flyer - Workshops 11/12.2021

Praktische Übungen zur Zivilcourage:
Ausbildungsmodule und didaktische Hilfsmittel

Feedback und Warm-up

Gewaltskala

Handlungsstrategien_Videos

Beispiele von Videen

,- greif an - zasáhni

- lenk ab - odveď pozornost

sei laut-buď hlasitý

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