The small project fund is implemented as a project within the framework of the INTERREG Saxony-Czech Republic program. The project number is 100686415. The total costs of the project, including administration and funding for small projects, amount to EUR 4,848,600.
Festival KAMEN!CE 2026 - Grenzenlose Kultur
Projektnummer:
EEL-0665-CZ-13-04-2026
Lead Partner:
Město Česká Kamenice
Nám. Míru 219, 40721 Česká Kamenice
Project partner:
Fajn e.V.
Hermannstraße 6, 09111 Chemnitz
Period:
13.04.2026 - 30.09.2026
Funding:
12.923,77 € Euro
Inhalt
Das KAMEN!CE Festival hat sich in den fünf Jahren seines Bestehens zu einer anerkannten städtischen Veranstaltung entwickelt, die spielerisch verschiedene Genres und Kulturen miteinander verbindet. Durch ein vielseitiges Programm für alle Generationen und die Verbindung von bildender Kunst und Gemeinschaftsleben hat es sich als kulturelles Ereignis mit überregionaler Bedeutung etabliert.
Das Festival findet im historischen Zentrum von Česká Kamenice statt – an einem Ort, an dem sich symbolisch drei geschützte Landschaftsgebiete treffen: die Böhmische Schweiz, das Lausitzer Gebirge und das Böhmische Mittelgebirge. Diese besondere Umgebung verleiht der Veranstaltung eine einmalige Atmosphäre und einen unverwechselbaren Genius loci. Ziel des Festivals ist es, Begegnungen zwischen tschechischer und deutscher Kultur zu ermöglichen und einen nachhaltigen grenzüberschreitenden Dialog zu fördern.
Alle Festivalaktivitäten sind öffentlich zugänglich und finden an Orten mit ausreichender Kapazität für alle Interessierten statt. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen des grenzüberschreitenden Programms ist kostenlos. Das Programm ist zweisprachig (Tschechisch und Deutsch) – die literarische Abendveranstaltung wird zweisprachig moderiert, während Workshop und Vortrag simultan gedolmetscht werden.
Zu den Programmhöhepunkten gehören ein Workshop zum Thema PostOst-Perspektiven der jungen Generation, ein literarischer Abend mit Ingo Schulze und Radek Fridrich, ein sprachwissenschaftlicher Vortrag von Doz. Karel Oliva. Alle Veranstaltungen finden an frei zugänglichen Festivalorten statt und richten sich an Besucherinnen und Besucher von beiden Seiten der Grenze.
Das Festival wird gezielt auch in Deutschland, insbesondere in Dresden, beworben – durch eine ansprechende visuelle Kampagne und Kommunikation in den sozialen Medien. Dadurch wird die Bekanntheit des Festivals gesteigert, neue Zielgruppen werden erreicht, und als praktisches Angebot steht ein Sonderbus von Dresden nach Česká Kamenice und zurück zur Verfügung.
Hauptziel des Projekts ist es, durch das Festivalprogramm einen Raum für Begegnungen zwischen tschechischer und deutscher Kultur zu schaffen und den langfristigen grenzüberschreitenden Dialog zu stärken.
Aktivitäten
Begleitprogramm: Lesungen, Vorträge und der Workshop „PostOst“
Tschechisch-deutsche Literaturbegegnung: Zwischen Sprachen, zwischen Landschaften
Der literarische Abend verbindet Lesungen und Vorträge zweier herausragender Persönlichkeiten der Gegenwartsliteratur – des deutschen Schriftstellers Ingo Schulze und des tschechischen Dichters und Prosautors Radek Fridrich. Er bietet einen Blick auf den deutsch-tschechischen Raum als gemeinsame Kulturlandschaft, in der sich verschiedene historische Erfahrungen und sprachliche Traditionen überschneiden.
Beide Autoren widmen sich seit Langem Themen des Grenzraums, der Erinnerung an Orte, historischen Wendepunkten und sprachlicher Pluralität. Texte in deutscher und tschechischer Sprache, ergänzt durch Kommentare und Interpretationen, zeigen, wie Literatur die Erfahrung des Lebens „zwischen Sprachen“ einfängt und wie das historische Zusammenleben und die Konflikte zwischen tschechischer und deutscher Bevölkerung das heutige Verständnis von Landschaft und Identität prägen.
Der Abend schafft Raum für einen Dialog zweier Perspektiven – der sächsischen und der tschechischen, literarischen und persönlichen – und lädt dazu ein, darüber nachzudenken, wie sich Vergangenheit durch zeitgenössische Literatur lesen lässt.
Radek Fridrich (1968) ist ein tschechischer Dichter, Erzähler und Publizist aus Nordböhmen, dessen Werk eng mit dem tschechisch-deutschen Grenzgebiet, der sudetischen Landschaft und der Erinnerung an Orte geprägt von den Nachkriegsveränderungen verbunden ist. In seinen Büchern verknüpft er Literatur, Geschichte und persönliche Erfahrung mit der Landschaft, in der sich tschechische und deutsche Spuren überlagern.
Ingo Schulze (1962) ist ein deutscher Schriftsteller aus Dresden, dessen Werk in zahlreiche Sprachen übersetzt und mit vielen Literaturpreisen ausgezeichnet wurde. In seinen Prosatexten und Essays beschäftigt er sich mit Erinnerung, Grenzen, kultureller Identität und Mitteleuropa – der deutsch-tschechische Raum bildet einen wichtigen Teil seines literarischen Denkens.
Geplanter Termin: Freitag, 5.6., 14:00 Uhr, in der Umgebung des Kulturhauses, Dauer ca. 2,5 Stunden
Sprachwissenschaftlicher Vortrag von Doz. Karel Oliva
Wie haben Tschechisch und Deutsch über Jahrhunderte in den Grenzgebieten der böhmischen Länder zusammengelebt? Und wie spiegelte sich dieses Zusammenleben – und gelegentliche Aufeinandertreffen – in der Alltagssprache, den lokalen Dialekten, Familiennamen oder Ortsnamen wider?
Der Vortrag von Doz. Karel Oliva widmet sich der Entwicklung des Tschechischen und Deutschen im Gebiet der Sudeten, wo tschechische und deutsche Bevölkerung über lange Zeiträume intensiv miteinander in Kontakt standen. Die Zuhörer erfahren, wie sich die Sprachen gegenseitig beeinflussten, welche Übergangsformen und „hybriden“ Sprachweisen entstanden und welche Spuren dieses Zusammenlebens bis heute in der Region zu finden sind.
Karel Oliva ist ein bedeutender tschechischer Sprachwissenschaftler, Bohemist und langjähriger Popularisator der tschechischen Sprache, der von 2003 bis 2016 Direktor des Instituts für die tschechische Sprache der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik war.
Geplanter Termin: Freitag, 5.6., 17:00 Uhr, in der Umgebung des Kulturhauses, Dauer ca. 2 Stunden
Diskussionspanel: PostOst-Perspektiven der jungen Generation in Tschechien und Ostdeutschland
Das Diskussionspanel beleuchtet Erfahrungen, Identität und gesellschaftliche Herausforderungen der jungen Generation im postsozialistischen Raum – aus tschechischer und ostdeutscher Sicht. An der Vorbereitung und Durchführung sind mehrere Initiativen beteiligt, darunter das Netzwerk Nachwendekinder, das sich seit Jahren mit der ostdeutschen Erfahrung beschäftigt, Teil des Programms der Europäischen Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 ist und Erfahrung in der deutsch-tschechisch-polnischen Zusammenarbeit hat.
Die Podiumsdiskussion richtet sich an die breite Öffentlichkeit, der Eintritt ist frei.
Die Organisatoren planen, Schulgruppen aus Dresden und Česká Kamenice – vor allem Schülerinnen und Schüler der zweiten und dritten Jahrgänge der vierjährigen Gymnasien – einzuladen und zur aktiven Teilnahme anzuregen. Die Jugendlichen haben die Möglichkeit, den ganzen Tag auf dem Festival zu verbringen, am Programm teilzunehmen und ihre Altersgenossen aus dem jeweils anderen Land informell zu treffen.
Geplanter Termin: Samstag, 6.6., 10:00 Uhr, in der Umgebung des Kulturhauses, Dauer ca. 4 Stunden
Lesung / Vortrag zum Thema Neonazismus und rechte Radikalisierung in Ostdeutschland
Dieses Gesprächsformat widmet sich dem Thema Rechtsextremismus in Ostdeutschland und zielt darauf ab, Erfahrungen auszutauschen, Sensibilität für das Thema zu fördern und gemeinsame Reflexionen zu ermöglichen, von denen beide Seiten profitieren können.
Kristina Lunz hat ihre Teilnahme zugesagt. Sie ist deutsche Autorin, Unternehmerin und feministische Aktivistin sowie Gründerin des Centre for Feminist Foreign Policy. Sie ist Autorin der Bestseller „Die Zukunft der Außenpolitik ist feministisch“ (auch ins Englische und Tschechische übersetzt) und „Empathie und Widerstand“.
Geplanter Termin: Samstag, 6.6., 14:00 Uhr, in der Umgebung des Kulturhauses, Dauer ca. 3 Stunden
Ergebnisse, Mehrwert, Nachhaltigkeit
Durch die Umsetzung des Projekts wird die deutsch‑tschechische kulturelle Zusammenarbeit spürbar gestärkt und neue Partnerchaften zwischen Künstlerinnen und Künstlern, Kulturinstitutionen sowie einer breiten Öffentlichkeit im Grenzraum entstehen. Die gemeinsame Dramaturgie des Festivals KAMEN!CE, die in enger Kooperation mit dem deutschen Verein Fajn e.V. und weiteren Partnern um das Programm der Europäischen Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 erarbeitet wird, sorgt für eine regelmäßige Teilnahme deutscher musikalischer, literarischer und Bildungsformate, darunter Literaturabende, Diskussionspanels zum Thema PostOst und Bildungsveranstaltungen für ein breites Publikum. Konkrete Ergebnisse sind unter anderem Fachvorträge, Literaturabende und Bildungsformate für Jugendliche und die breite Öffentlichkeit, an denen etwa 100 direkte aktive Teilnehmende und rund 5 000 Festivalbesucherinnen und -besucher teilnehmen werden.
Eine besondere Stärke und Innovation des Projekts für das geförderte Gebiet liegt darin, dass im Rahmen einer städtischen Multifestival‑Veranstaltung Literatur und Bildungsformate mit pädagogischen Themen für junge Menschen und die breite Öffentlichkeit verknüpft werden – mit Fokus auf grenzüberschreitenden Dialog, soziale Inklusion und Bildung zu posttotalitären und postsowjetischen Erfahrungen. Das frei zugängliche Programm im historischen Stadtkern stellt sicher, dass auch Besucherinnen und Besucher einbezogen werden, die sich sonst selten an klassischen Kulturveranstaltungen beteiligen, wodurch das Gemeinschaftsleben, der generationenübergreifende Austausch und die Wahrnehmung des deutsch‑tschechischen Raums als gemeinsame Kulturlandschaft gestärkt werden.
Die Ergebnisse des Projekts werden auf beiden Seiten der Grenze als Grundlage für weitere gemeinsame kulturelle und Bildungsaktivitäten genutzt – vor allem durch die nachfolgenden Jahrgänge des Festivals KAMEN!CE, durch Schulausfahrten aus Dresden und Česká Kamenice sowie durch Programm‑ und Projektaustausch mit Fajn e.V. und weiteren Initiativen in der Region. Die entstandenen persönlichen und institutionellen Kontakte (z. B. zwischen dem Verein Nachwendekinder, deutschen und tschechischen Kulturorganisationen und Schulen) fließen in die Vorbereitung weiterer grenzüberschreitender Projekte, Bildungsmodule und Programme für junge Menschen ein.
Nach Projektabschluss plant der Antragsteller, die Zusammenarbeit mit dem deutschen Partner fortzusetzen – durch regelmäßige Jahrgänge des internationalen Festivals, durch das Konzept der deutsch‑tschechischen Dramaturgie im Rahmen von KAMEN!CE, aber auch über einzelne Austausch‑ und Begegnungsprojekte im Rahmen regionaler und europäischer Kooperationen. Auf diese Weise wird eine langfristige Verankerung des deutsch‑tschechischen Dialogs im kulturellen Alltag beider Länder und eine nachhaltige Weiterentwicklung der Nachbarschaftszusammenarbeit im sächsisch‑tschechischen Grenzraum vorbereitet.