Derweil in Tschechien... 3/26
23.01.2026
Schock nach Gewalttat in Chřibská
Bei einer Schießerei im Rathaus von Chřibská (Kreibitz) im Schluckenauer Zipfel wurden am Montag zwei Menschen getötet und sechs verletzt. Der Täter, laut Polizei ein 39-jähriger rückfälliger Straftäter, wohnhaft in Chřibská, hatte am Vormittag zunächst begonnen, das Rathaus vom Haus gegenüber zu beschießen, war danach mit vier Waffen in das Gebäude eingedrungen und hatte um sich geschossen. Dabei wurden der Bürgermeister Jan Macháč angeschossen und der Hausmeister erschossen sowie noch eine weitere Person verletzt. Als die Polizei eintraf, verletzte der Täter drei Beamte und erschoss sich dann selbst. Eine Mitarbeiterin des Rathauses wurde offenbar durch einen Schuss aus einer Polizeiwaffe angeschossen. Sie und noch die zweite verletzte Person befinden sich noch im Krankenhaus in Ústí nad Labem (Aussig), sind aber nicht in Lebensgefahr. Die anderen Verletzten wurden bereits nach Hause entlassen.
Als Motiv vermutet die Polizei persönliche Probleme des Täters. Einen Terrorakt schloss sie aus. Der Mann war drogenabhängig und handelte mit Drogen. Laut Polizei hatte es der Täter im Rathaus auf eine bestimmte Person abgesehen. Bei ihm in der Wohnung wurden von der Polizei noch zwei weitere Waffen gefunden. Keine der Waffen hielt der Täter auf legale Weise.
Der Schock in dem kleinen Städtchen, das für die einst älteste Glashütte Tschechiens bekannt ist, sitzt tief. Die Familie des erschossenen Hausmeisters erfuhr große Hilfsbereitschaft. Der Bezirk Ústí hat inzwischen ein Spendenkonto eingerichtet und selbst 200.000 Kronen (ca. 8.300 Euro) zur Unterstützung der Familie des Hausmeisters und der Verletzten sowie für alles, was sonst in Chřibská jetzt gebraucht wird, bereitgestellt.
Der Fall zeigt auch das Problem des illegalen Waffenbesitzes in Tschechien. Eine Amnestie soll bis Ende Juni ermöglichen, dass illegale Waffen bei der Polizei abgegeben oder legalisiert werden. Insgesamt steigt auch der legale Waffenbesitz seit Jahren an (wir berichteten in Ausgabe 2/26).
Bahnhofsgebäude Moldava steht wieder zum Verkauf
Das Projekt zum Aufbau eines Eisenbahnmuseums im Bahnhofsgebäude des Dorfes Moldava (Moldau) an der Grenze zu Sachsen ist gescheitert. Der Verein, der den Bahnhof im Herbst 2024 gekauft hat, konnte bis heute den Kaufpreis nicht zahlen. Die Gemeinde Moldava hat das Gebäude deshalb erneut zum Verkauf angeboten. Interessenten können bis Ende Februar ein Angebot einreichen. Es gibt keinen Mindestpreis. Die Höhe des Preises ist auch nicht zwangsläufig das entscheidende Kriterium. Die Gemeindevertretung, die über den Verkauf entscheidet, wird die Entscheidung auch von der künftigen Nutzung abhängig machen.
Dabei sah das Konzept eines Eisenbahnmuseums vielversprechend aus. Doch der Verein, der früher ein entsprechendes Museum mit eigenen Loks und weiteren Schienenfahrzeugen im mittelböhmischen Zdice betrieb, kam seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nach. Nach einer Anzahlung von 5000.000 Kronen kam nichts mehr. Man hatte sich auf einen Kaufpreis von 3 Millionen Kronen (125.000 Euro) geeinigt. "Wir hatten die Zahlungsfrist für die weiteren Raten schon zwei Mal verlängert. So ging das jetzt nicht mehr weiter", kommentierte der Bürgermeister von Moldava, David Leitermann.
Ob die neue Ausschreibung allerdings Erfolg haben wird, ist mehr als unsicher. Schon in der Vergangenheit hatte sich die Gemeinde wiederholt erfolglos um einen Verkauf bemüht. Wer möchte schon ein riesiges Gebäude am Ende einer Bahnstrecke direkt an der Grenze zu Sachsen? Helfen würde, wenn die früher durchgehende Eisenbahnverbindung von Most (Brüx) über Osek (Ossegg) und Dubí (Eichwald) und Moldava weiter nach Holzhau und Rechenberg-Bienenmühle wieder durchgängig bis Freiberg befahren würde. Bemühungen vor allem der Gemeinden an der Bahnstrecke waren allerdings bislang nicht von Erfolg gekrönt. Die deutsche Seite müsste das letzte Teilstück von Holzhau nach Moldava neu bauen.
Der Verein kämpft trotzdem um sein Museumsprojekt und hat eine Spendenaktion gestartet, mit der 1 Million Kronen eingenommen werden soll. Bis jetzt sind schon über 70.000 Kronen eingegangen.
Kofola übernimmt Naturkosmetikhersteller
Die Firma Nobilis Tilia mit Sitz in dem kleinen Dorf Vlčí hora (Wolfsberg) am Rande des Nationalparks Böhmische Schweiz hat sich bei der Herstellung von Naturkosmetik nicht nur in Tschechien einen Namen gemacht. Nun wurde das Unternehmen über 30 Jahre nach Firmengründung an einen neuen Eigentümer verkauft. Der hört auf den klangvollen Namen Kofola, welche auch in Sachsen einigen als tschechische Kola bekannt ist. Der Getränkehersteller Kofola mit Sitz in Ostrava produziert jedoch nicht nur die beliebte Kofola, sondern auch viele weitere Marken. Kofola hat 14 Produktionsbetriebe in fünf Ländern Mittel- und Südeuropas. Zum Portfolio gehören auch die Mineralwasser Rajec und Korunní, die Biersorten Holba, Zubr und Litovel, aber auch der Produzent von Kräutermischungen und Tees Leros. An Leros wird nun auch Nobilis Tilia angegliedert. Kofola wolle so Synergien schaffen und vor allem auf dem Gebiet der Naturkosmetik weiter wachsen.
Nobilis Tilia wurde 1990 von dem Lehrer und Naturwissenschaftler Zbyněk Šedivý gegründet. Dabei ist der Firmenname die lateinische Übersetzung von Krásná Lípa (Schönlinde), der Kleinstadt, auf deren Fluren sich auch Vlčí hora befindet. Seit Mitte der 1990er Jahre war am Unternehmen das Ehepaar Adela und Petr Zrubeckovi beteiligt. Das Trio konzentrierte sich vor allem auf Aromatherapie auf der Basis von ätherischen Ölen sowie Hautpflege. Am Firmensitz wurde nicht nur produziert, sondern in einem Laden auch verkauft. Es entstand eine Teestube, ein Kosmetiksalon sowie ein Kräutergarten. Nach und nach entwickelte sich Nobilis Tilia in dem touristisch geprägten Gebiet zu einem bedeutenden Arbeitgeber.
„Nach 30 Jahren unternehmerischer Tätigkeit haben wir gespürt, dass es an der Zeit ist, das Steuer weiterzugeben. Mit Kofola verbindet uns die gleiche Philosophie, Werte, aber auch die Leidenschaft für Kräuter und Nachhaltigkeit. Wir sehen in der Verbindung Potenzial für Synergien, die Entwicklung neuer Gelegenheiten sowie auch Expansion“, wird Adéla Zrubecká in einer Pressemitteilung zitiert.
Landkarte soll UNESCO-Erbe werden
Die älteste Landkarte Tschechiens ist auf dem besten Weg, Teil des UNESCO-Weltkulturerbes zu werden. Mit der Aufnahme in das Nationale Verzeichnis der Tschechischen Republik hat sie nun einen entscheidenden Schritt zur Nominierung genommen. Gedruckt im Jahr 1518, wird sie gar nicht so weit weg von Sachsen verwahrt, im Staatlichen Gebietsarchiv in Litoměřice (Leitmeritz). Das Archiv kümmert sich um das bedeutende Werk im Auftrag seines Eigentümers, des Bistums Litoměřice.
Die Landkarte mit der ältesten Darstellung Böhmens und Mährens ist das Werk des Lehrers, Arztes und Kartografen Nikolaus Claudianus, auf Tschechisch Mikuláš Klaudián, weshalb sie auch unter dem Namen Klaudián-Karte bekannt ist. Klaudián hatte mit der Karte aufklärerische Absichten. Er gehörte den Böhmischen Brüdern an oder der Unitas Fratrum (Brüder-Unität), wie sie sich selbst nannte. Diese war aus der Hussiten-Bewegung im 15. Jahrhundert hervorgegangen. Klaudián entwarf die Karte selbst, die übrigens für Pilger gedacht und deshalb nach Süden, also Richtung Rom, ausgerichtet war. Drucken ließ er sie 1518 beim Nürnberger Buchdrucker Hieronymus Höltzel.
Fluss Bílina wird aus Rohren befreit
In den 1980er Jahren musste der Fluss Bílina (Biela) in Rohren verschwinden. Grund war der Braunkohletagebau in Nordböhmen. Zwischen Chomutov (Komotau) und Most (Brüx) blieb kein Stein mehr auf dem anderen. Es wurden Städte und Dörfer abgerissen, Eisenbahnlinien und Straßen umgeleitet, Seen und Parks verschwanden. Bis heute wird die Landschaft durch Tagebaue, Kraftwerke, Hochspannungsleitungen und Kohlezüge geprägt. Einziges Verbindungsstück in der Mondlandschaft zwischen den beiden Städten war der Ervenický koridor, benannt nach der Kleinstadt Ervenice (Seestadtl) mit rund 5.000 Einwohnern, die in den 1950er Jahren ebenfalls den Tagebauen weichen musste. Über den Korridor führte fortan die Eisenbahnstrecke, eine vierspurige Straße sowie die Bílina in unterirdischen Rohren.
Das soll sich nun ändern. In diesem Jahr beginnt der Wasserbetrieb Povodí Ohře damit, den Fluss aus den Rohren zu befreien. Die ersten Arbeiten sollen je nach Wetterlage gleich im Frühjahr starten. Auf einer Länge von fast 5 Kilometern wird ein neues Flussbett geschaffen. Die Bílina wird vorübergehend in ein Behelfsbett geleitet. Nach der Fertigstellung sollen dann nach und nach auch wieder Lebewesen in den Fluss einziehen.
Die Bílina galt lange Zeit als der am meisten verschmutzte Fluss Tschechiens. Sie entspringt an der Uppilawiese im Erzgebirge, südlich des 878 Meter hohen Gipfels Kamenná hůrka (Steinhübel), fließt durch die Kleinstadt Jirkov (Görkau) und dann durch das Kohle- und Chemiegebiet im Erzgebirgsvorland, durch die Städte Most und Bílina (Bilin) an weiteren Tagebauen und Kraftwerken vorbei und später bei Ústí nad Labem am Chemiebetrieb Spolchemie vorbei, um nahe des Hauptbahnhofs in die Elbe zu münden.
Dolní Žleb bekommt Feuerwehrhaus
Tschechien verbessert den Hochwasserschutz für das kleine Dolní Žleb (Niedergrund) an der Elbe kurz vor der Grenze mit Sachsen. Dolní Žleb ist ein Ortsteil von Děčín (Tetschen), der bei Hochwasser regelmäßig nicht mehr per Auto, sondern nur noch per Bahn erreichbar ist. Deshalb mussten bisher Feuerwehr und Rettungsdienst bei Hochwasser ihre Technik aus Děčín vorab nach Dolní Žleb verlegen, für den Fall, dass es zum Einsatz kommt. Allerdings geschah dies unter sehr provisorischen Bedingungen. Nun hat das Dorf das passende Gebäude für die Feuerwehr und den Rettungsdienst gefunden. Denn die Stadt Děčín kaufte das alte Feuerwehrgebäude von einem privaten Eigentümer. Das Gebäude will die Feuerwehr aus eigener Kraft herrichten und hier künftig Technik lagern, aber auch einen beheizten Ruheraum, Dusche und Toilette einrichten. Teile der Löschtechnik und ein Fahrzeug sollen langfristig nach Dolní Žleb verlagert werden. Das gleiche gilt auch für den Rettungsdienst.
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