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Neuigkeiten
Lithium-Debatte in Dubí
Bis in die Nachtstunden dauerte die öffentliche Debatte über die Umweltfolgen einer künftigen Lithium-Förderung im böhmischen Erzgebirge. In das Volkshaus im Stadtteil Dubí-Pozorka waren am Mittwochnachmittag mehrere Hundert Menschen gekommen, darunter auch aus dem benachbarten Sachsen. Denn die Umweltverträglichkeitsprüfung für das strategische Vorhaben, im Erzgebirge Lithium zu fördern, hat grenzüberschreitenden Charakter, weshalb zuständige sächsische Behörden, Verbände und betroffene Gemeinden in das Verfahren einbezogen sind. Die Veranstaltung am Mittwoch wurde deshalb auch ins Deutsche gedolmetscht.
Wie umstritten die geplante Förderung ist, zeigt sich daran, dass die Anhörung erst kurz vor Mitternacht beendet war, nach fast neun Stunden intensiver Debatte. Sogar die Polizei war gekommen, um die Veranstaltung abzusicher. Immerhin, die Anhörung verlief nach Einschätzung der Polizei friedlich. Anwesend waren Vertreter der Bergbaufirma Geomet sowie Vertreter des Ingenieurbüros, das die 700-seitige Projektdokumentation für die Umweltprüfung erstellt hatte. Darin eingeflossen waren bereits Hunderte Stellungnahmen.
Es kamen vor allem Vertreter der direkt betroffenen Gemeinden wie Dubí, wo im Stadtteil Cínovec das Lithium gefördert werden soll, Újezdeček, wo das Abbauprodukt auf die Eisenbahn umgeladen werden soll, und Kadaň, in dessen Ortsteil Prunéřov das Lithium verarbeitet werden soll. Auch die Bürgermeister umliegender Gemeinden wie der Stadt Teplice sowie von Košťany und Novosedlice waren anwesend.
Allein die Stadt Dubí reichte 73 Forderungen ein. „Wir haben in der Vergangenheit bereits Bergbau erlebt. In Cínovec wurde bis 1990 Erz abgebaut, im unteren Teil von Dubí Braunkohle. Teile der Stadt wurden abgebaggert und die Umwelt zerstört. Jetzt, da sich die Umwelt wieder erholt hat, kommt das nächste Projekt. Die Stadt hat der Republik viel gegeben, die Menschen bekamen dafür 2.000 Kronen Beerdigungsgeld. Ich wundere mich überhaupt nicht, dass die Menschen Angst vor der Zukunft haben“, zitiert die Presseagentur ČTK den Bürgermeister von Dubí, Jiří Kašpar.
Die Stadt und ihre Einwohner fürchten nicht nur neue Umweltzerstörung, sondern auch erhöhte Staubbelastung, mehr Schwerlastverkehr auf den Straßen und Erschütterungen der Häuser. So fragten viele der Einwohner bei der Anhörung, mit welchen Kompensationen sie für die vom Bergbau verursachte Verschlechterung der Lebensverhältnisse sie rechnen können.
Die Bürgermeister interessierte aber auch, woher die Mitarbeiter für den Bergbau kommen sollten, woher sie einpendeln, wo sie wohnen. Teplice befürchtet eine Beeinträchtigung der Thermalquellen. Die Anwesenden kritisierten auch, dass sie für Stellungnahmen nur 30 Tage hatten, obwohl die Dokumentation 700 Seiten lang ist.
Bis Ende des Jahres folgt nun eine Bearbeitung der Stellungnahmen und ihre Einarbeitung in den Forderungskatalog, den Geomet erfüllen muss. Es folgt die Ausarbeitung eines Gegengutachtens und die Vorbereitung der verbindlichen Stellungnahme der Umweltprüfung. Die Umweltprüfung ist Voraussetzung zur Erlangung der Baugenehmigung.
Nicht nur für Tschechien ist der Lithium-Abbau ein strategisch wichtiges Projekt. Die Vorkommen sind auf tschechischer Seite des Erzgebirges deutlich reicher als auf der deutschen Seite. Pro Jahr sollen künftig 3,2 Millionen Tonnen gefördert werden, was einer Jahresproduktion 37.500 Tonnen Lithiumkarbonat entspricht. Daraus können Batterien für rund 1,3 Millionen E-Autos hergestellt werden. Es ist das größte Projekt zur Förderung und Verarbeitung von Lithium in der Europäischen Union.
Edmundsklamm wieder geöffnet
Seit Donnerstag ist die Edmundsklamm wieder für Besucher geöffnet. Seitdem läuft der Betrieb wieder so, wie schon in der letzten Saison, als erstmals seit dem Großbrand im Sommer 2022 wieder Besucher durch die Klamm gehen durften. Das ist weiterhin nur in Begleitung eines erfahrenen Naturführers möglich. Zwischen 9 und 17 Uhr dürfen pro Stunde immer 20-25 Personen in einer Gruppe durch die Klamm geführt werden und mit den Booten fahren. Ein- und Ausgang zur Klamm ist weiterhin nur von Hřensko aus möglich. Das Ticket für den Zutritt zur Klamm kostet inklusive Bootsfahrt 350 Kronen (rund 14 Euro). Tickets werden neuerdings direkt am Eingang zur Klamm verkauft, eine Vorbestellung ist nicht möglich. Die Gemeinde bereitet aber den Start eines Buchungssystems über das Internet vor.
In den vergangenen Monaten mussten gefährliche Felsblöcke beseitigt und stabilisiert werden. Außerdem wurden in der Schlucht umgestürzte Bäume beseitigt sowie Bäume, die umzustürzen drohten.
Abholzungsexperte wird Nationalparkchef
In den vergangenen Tagen wurden vom tschechischen Umweltministerium zwei wichtige Führungspositionen neu besetzt. Zum Direktor des Nationalparks Riesengebirge wurde Petr Moravec ernannt. Die schon länger vakante Position des Direktors der Umweltinspektion wurde mit Pavel Straka besetzt.
Damit setzt sich der Trend fort, dass wichtige Positionen mit der Partei der Autofahrer (Motoristé) nahen Personen besetzt werden. Das Umweltministerium wird von der Motoristenpartei geführt. Petr Moravec steht vor allem der Holzfällerindustrie nahe. Zuletzt wirkte er als Lehrer an der Forstakademie in Trutnov. Kritik an der Ernennung kam schon vor Wochen aus den an den Nationalpark angrenzenden Gemeinden wie Trutnov und Vrchlabí. Sie hatten vor Moravec gewarnt. Er sei nicht kompetent für den Job. Auch die Umweltorganisation Hnutí Duha (Bewegung Regenbogen) kritisierte die Ernennung. "Der Leiter des Nationalparks braucht vor allem Expertise in Naturschutz und Führungserfahrung. Moravec hat weder das eine noch das andere", sagt der Waldschutzexperte von Hnutí Duha, Jaromír Bláha.
Der bisherige Nationalparkchef wurde bald nach Übernahme des Umweltministeriums durch die Motoristen von seinem Amt entbunden. Dahinter stand auch die Betreiberin der Wiesenbaude (Luční bouda). Ihr hatte der Nationalpark verboten, Gästen des Hotels die Anfahrt mit dem Auto zu ermöglichen.
Die zweite Personalie ist allerdings noch kontroverser. Mit Pavel Straka wurde ein Immobilienunternehmer an die Spitze jener Organisation berufen, die die Einhaltung des Naturschutzes kontrollieren soll. Sie wird aktiv bei Umweltkatastrophen, kontrolliert große Emittenten von Schadstoffen und ahndet Verstöße gegen Umweltgesetzgebung. "Er hat weder Erfahrung noch Expertise. Er handelt mit Immobilien. Das ist unglaublich", zeigte sich der Umweltminister der Vorgängerregierung Petr Hladík (KDU-ČSL) entsetzt. Er befürchtet, dass sich Straka künftig parteiisch zu großen Umweltsündern verhält. "Das geht ganz leicht, indem man vorgesehene Kontrollen vernachlässigt oder sie erst später durchführt. Der Möglichkeiten sind viele", wird Hladík in der Tageszeitung Hospodářské noviny (HN) zitiert.
Neue Museen in Nordböhmen
In Nordböhmen, nahe der Grenze zu Sachsen, haben drei spannende neue Museen eröffnet. Seit Anfang Juni zeigt eine Ausstellung in Duchcov (Dux) das Erbe der figürlichen Porzellanproduktion. Bis vor drei Jahren wurden die Figuren und Plastiken aus dem weißen Gold sogar noch in der Stadt hergestellt. Die Fabrik Royal Dux war eine bekannte Marke, bevor die Eigentümerfirma Český porcelán das Werk schloss. Kleine Teile der Produktion wurden in das Hauptwerk nach Dubí verlagert. Die 170-jährige Porzellangeschichte in Duchcov dagegen war zu Ende. Die Ausstellung befindet sich am historischen Hauptplatz Náměstí republiky 49/10 im sogenannten Scheithauer-Haus. Hier befindet sich eine Filiale des Stadtmuseums. Geöffnet ist die Ausstellung von Juni bis September, Montag bis Freitag 11-15 Uhr und am Wochenende von 10-16 Uhr. Außerhalb dieser Monate ist eine Besichtigung nach vorheriger Vereinbarung mit dem Stadtmuseum möglich. In der Ausstellung können großartige künstlerische Porzellanwerke aus verschiedenen Epochen bewundert werden.
Auch in Bílina gibt es eine große Tradition und auch sie ist bedroht: die Produktion des bekannten Biliner Sauerbrunnens (Bílinská kyselka). Das bekömmliche Wasser hat nebenbei eine medizinische Wirkung, vor allem für den Verdauungsapparat. Berühmt wurde es zu den größten Zeiten des Kurwesens im nahen Teplice. Damals wurde der Sauerbrunnen auch verordnet, damit die Kurgäste sich auch mal ein Glas Wein genehmigen konnten. Der Sauerbrunnen war dann sozusagen die Kompensation. Gemixt mit Orangensaft schmeckt er wie Fanta. Die Firma Bohemia Healing Marienbad Waters, die bis heute den Sauerbrunnen auf Teilen des Geländes des früheren Kurbades abfüllt, ist in Konkurs gegangen, produziert aber weiter und machte sogar nach Jahren wieder Gewinn. Das weitere Schicksal ist trotzdem unklar. Dafür hat im Frühling in der Partnerstadt von Dippoldiswalde ein Museum für den Sauerbrunnen eröffnet. Es befindet sich auf dem Gelände des Abfüllbetriebs unterhalb des historischen Kurhauses und macht mit der Geschichte nicht nur des Sauerbrunnens, sondern noch weiterer Heilquellen aus der nordböhmischen Region bekannt. Sie befasst sich mit der Förderung der Heilquellen, der Entwicklung der Marken und dem Kurwesen. Das Museum hat täglich 8.30 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 150 Kronen, ermäßigt 70 Kronen.
Das jüngste Museum befindet sich in Sulejovice bei Lovosice unweit der Autobahnabfahrt. Das Dorf ist bekannt für seine große Baustofffabrik, die ebenfalls eine lange Tradition hat. Also wurde am vergangenen Samstag hier das erste Ziegelmuseum Tschechiens eröffnet. In der Sammlung befinden sich rund 800 Ziegel unterschiedlicher Herkunft. Das älteste Stück stammt aus dem Jahr 1765. Da gab es in Sulejovice noch keine Ziegelei. Die wurde auf Initiative der Familie Schwarzenberg im Jahr 1846 gegründet. Den Schwarzenbergs gehörten die Ländereien rund um Sulejovice und sie setzten sich sehr für den industriellen Fortschritt ein. Das Museum befindet sich im Ortsamt an der Adresse Náves 5 und hat Montag und Donnerstag 13-17 Uhr, Dienstag 8-12, Mittwoch 10-15 und Freitag 8-11 Uhr geöffnet. Gruppen können sich unter der Adresse muzeumsulejovice@seznam.cz auch außerhalb der Öffnungszeiten anmelden. Der Eintritt ist frei, eine Spende wird erbeten.
Bestsellerautorin Tučková gastiert in Dresden
Sie führt in Tschechien regelmäßig die Bestsellerlisten an. Kateřina Tučková wurde in Tschechien mit ihrem Roman "Die Vertreibung der Gerta Schnirch" auf einen Schlag bekannt. Der Roman, der von der Vertreibung der Deutschen aus der Stadt Brünn handelt, wurde auch ins Deutsche übersetzt. Auch jeder weitere Roman von ihr kam bei der Leserschaft in Tschechien sehr gut an. Am kommenden Dienstag gastiert sie mit ihrem neuen Buch "Weißwasser", tschechisch: Bílá voda, im Landhaus Dresden. Das Buch liegt bisher nur auf Tschechisch vor. Vielleicht wird ja am Dienstag bekannt gegeben, wann das spannende Buch auf Deutsch erscheint. Es handelt vom Schicksal eines Nonnenklosters in einem abgelegen Winkel an der polnischen Grenze. Der Ort war für Tučkovás Buch titelgebend. Beginn ist 19 Uhr, Karten für 5 und 3 Euro gibt es an der Abendkasse. Mit der Autorin spricht Šárka Atzenbeck, Tschechisch-Lektorin an der TU Dresden, die Übersetzerin Martina Lisa trägt Teile des Buches auf Deutsch vor.
Neuauflage für Ostrov-Festival
Einige Jahre war es wieder etwas ruhiger in dem Dorf Ostrov (Eiland), direkt an der Grenze zu Sachsen, eingerahmt von Felsen, abgeschieden, fast nicht mehr Tschechien und doch noch nicht Sachsen. Eine Idylle für Kletterer, aber auch all jene, die sich mal eine Auszeit nehmen wollen, auch vom Handysignal. Denn das ist hier nicht sehr stark.
Stark wird es aber an diesem Wochenende sein, und laut, denn es findet das deutsch-tschechische Festival Ostrov/Eiland statt. Freitag und Samstag spielen Bands aus Tschechien und Deutschland, darunter große Namen wie Letní kapela, Die Ukrainiens, Bratři. Květy musste leider absagen. Dafür kommen noch weitere Bands von beiden Seiten der Grenze, die wahrscheinlich bald bekannt werden. Der Eintritt kostet 500 Kronen, ermäßigt 200. Übernachten ist vor Ort auf dem Campingplatz möglich.
Ausrichter des Festivals sind der Verein Kultura Tisá und Jugendclub Rosenthal e.V., die dabei mit EU-Fördermitteln unterstützt werden. Mancher wird sich noch an das Festival Rock on the Rocks erinnern, das hier vor Jahren Fans anlockte. Auch das war ein deutsch-tschechisches Festival und der Verein Kultura Tisá schon damals mit an Bord. Nun gibt es also eine Fortsetzung.
Eröffnung der neuen Bike Trails
Die neuen Radwege für Geländefahrten im deutsch-tschechischen Grenzgebiet von Sebnitz und Dolní Poustevna erlebten heute ihre Eröffnung. Die ersten vier der 14 sogenannten Trails sind fertig und werden das ganze Wochenende über festlich eingeweiht. Radfahrer können dann rund 10 der insgesamt 31 geplanten Kilometer testen. Die fertigen Trails befinden sich vor allem auf tschechischer Seite. Gefeiert wird aber auf beiden Seiten der Grenze mit Ständen und Parkmöglichkeiten am SoliVital sowie an den Fischteichen in Poustevna. Ganz fertig wird der grenzübergreifende Bike-Park „Borderless Trails“ im nächsten Jahr. Für das Frühjahr 2027 ist eine große Eröffnung geplant.
In Tschechien sind extra angelegt Geländewege für Räder schon länger sehr beliebt. Ein großer Park befindet sich im tschechisch-polnischen Grenzgebiet im Isergebirge. Nun gibt es die erste deutsch-tschechische Anlage, die sich rund um den Gerstenberg erstreckt. Die Strecken sind nach Schwierigkeitsgrad eingestuft, wobei auf den leichtesten, blauen Strecken auch Anfänger fahren können. Es gibt sowohl bergab als auch bergauf führende Strecken.
Finanziert wird der Bau der Anlage aus INTERREG-Mitteln der EU für den tschechisch-deutschen Grenzraum. Die Förderung beläuft sich auf über 2,8 Millionen Euro. Lead-Partner des Projekts ist die Große Kreisstadt Sebnitz. Weitere Projektpartner sind Dolní Poustevna und Neustadt in Sachsen.
Tschechien will mehr Güterverkehr auf die Schiene bringen
Der Verkehr auf den Straßen nimmt zu und Gütereisenbahnunternehmen stecken in Problemen. Außerdem gelingt es nicht, CO2 einzusparen. Ursprünglich hatte die EU geplant, bis 2030 30 Prozent des Güterverkehrs auf der Schiene zu haben. Momentan betrifft das nur 16 Prozent. Der Wert ist schlechter als noch vor Jahren, als er bei 20 Prozent lag.
Tschechien will das ändern und hat nun eine europäische Initiative zur Rettung des Güterverkehrs auf der Schiene angestoßen. Ziele sind der Abbau von Bürokratie und von immer noch vorherrschenden Barrieren im grenzüberschreitenden Verkehr sowie die Unterstützung der Infrastruktur. Nach mehreren Verhandlungen konnte der tschechische Verkehrsminister Ivan Bednárek (SPD) nun elf Staaten hinter der Initiative zusammenbringen, die inklusive Tschechien 42 Prozent der Einwohner der Europäischen Union repräsentieren. Das reiche laut Minister Bednárek aus, damit die Initiative von der EU-Kommission angenommen wird. Die muss sich nun damit befassen und Lösungen erarbeiten.
Ausschlaggebend für den Erfolg war letztendlich, dass sich auch Polen der Initiative anschloss. Frankreich sagte zu, sich mit dem Vorschlag noch zu befassen, ebenso Deutschland. Allerdings meinte Minister Bednárek im Interview mit der Tageszeitung Hospodářské noviny, dass ihm unter der Hand mitgeteilt worden wäre, dass die Schuldenbremse in Deutschland ein Hindernis wäre und europäische Fördermittel vor allem in den Erzgebirgsbasistunnel fließen sollten.
Zoo Ústí freut sich über Seehund-Nachwuchs
16 Jahre musste der Bergzoo in Ústí nad Labem (Aussig) auf Nachwuchs bei den Seehunden warten. Die Tierart mit ihrem Felsenbassin gleich nahe dem unterem Eingang gehört zu den beliebtesten Tieren des Zoos. Wie der Zoo mitteilt, wurde das Seehundjunge in der Nacht vom Sonntag auf den Montag entbunden.
Für Besucher ist das Seehundbecken momentan gesperrt, denn die ersten Tage sind für ein Seehundjunges noch sehr kritisch und ein Überleben nicht gesichert. Auch die Zoobahn fährt nicht, denn ihre Strecke führt direkt an dem Becken vorbei. Bis auf weiteres fällt auch die öffentliche Fütterung der Seehunde aus.
Die erfolgreiche Seehundezucht ist etwas ganz Besonderes. 2010 war es erstmals gelungen, dass die Seehunde Nachwuchs bekamen. Die kleine Hündin starb allerdings nach drei Monaten an einem Gehirnschlag. Diesmal hofft der Zoo auf ein längeres Leben des Seehundjungen.
Gehälter in Tschechien steigen überraschend stark
Gute Stimmung in Tschechien. Wie das Statistikamt ČSÚ berichtet, stieg das Bruttodurchschnittsgehalt im ersten Quartal 2026 gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal um 8,1 Prozent auf 50.282 Kronen (2.067 Euro). Aufgrund der relativ niedrigen Inflation von 1,6 Prozent blieb eine durchschnittliche reale Steigerung von beachtlichen 6,4 Prozent.
Das Wachstum ist sowohl in den verschiedenen Branchen als auch regional sehr ungleich verteilt. Während die Gehälter von Mitarbeitenden in der Immobilienbranche (+22,1 Prozent), der Verwaltung (+18,8 Prozent) und dem Bauwesen (+12,6 Prozent) überdurchschnittlich zulegten, ging es für Mitarbeitende im Bereich Produktion und Verteilung von Strom, Gas, Wärme bei den Gehältern mit 2,1 Prozent nur leicht nach oben. Allerdings verdient das Personal in der Branche mit durchschnittlich 87.404 Kronen im Monat (3.592 Euro) ohnehin schon gut. Am besten werden Mitarbeitende in IT- und Kommunikationsfirmen bezahlt. Sie bekommen durchschnittlich 98.776 Kronen im Monat (4.060 Euro). Am unteren Ende der Gehaltstabelle hält sich das Hotel- und Gastgewerbe mit durchschnittlich 30.688 Kronen brutto im Monat (1.261 Kronen).
Wie gut man verdient, hängt in Tschechien auch ganz markant vom Wohnort ab. In Prag liegt das durchschnittliche Bruttomonatsgehalt bei 67.945 Kronen (2.793 Euro). Dagegen verdient man im Bezirk Karlovy Vary (Karlsbad) im Schnitt nur 42.391 Kronen (1.742 Euro).
Beobachter gehen davon aus, dass sich der starke Anstieg nicht fortsetzt. E sist zudem unsicher, wie sich die Inflation weiter entwickelt. Im ersten Quartal schlug der amerikanisch-iranische Krieg noch nicht ganz zu Buche. Die Inflation hatte in Tschechien zwischen 2021 und 2023 dafür gesorgt, dass real immer weniger verdient wurde. Seit Anfang 2024 steigen die Realgehälter ununterbrochen und haben die damaligen Verluste längst wettgemacht.
Früherer Senator Oto Neubauer ist tot
Der langjährige Bürgermeister der Stadt Trmice (Türmitz) bei Ústí nad Labem (Aussig) und Senator Oto Neubauer ist tot. Er starb am Tag seines 95. Geburtstags, am 8. Juni. Neubauer gehörte zu den Menschen, die nach 1989 aktiv die Stadt Trmice und die Politik mitgestaltet haben. Er trat damals in die wiedergegründete sozialdemokratische Partei ČSSD ein und half, die älteste Partei Tschechiens wieder zu etablieren. Von 1994 bis 2006 führte er als Bürgermeister die Geschicke seiner Stadt, die sich erst nach 1989 von Ústí nad Labem selbständig gemacht hatte. 1996 wurde Neubauer für den Wahlkreis Ústí nad Labem als erster Politiker in den neu gegründeten Senat gewählt. Er gestaltete Politik auch auf Bezirksebene, als er für vier Jahre bis 2004 Abgeordneter des Bezirksparlaments und danach Mitglied der Kommission für auswärtige Beziehungen war. Oto Neubauer war auch viele Jahre bis 2018 in der Euroregion Elbe/Labe aktiv und ist der Träger der Ehrenmedaille der Euroregion. 2014 erhielt er für seine Verdienste die Ehrenbürgerschaft von Trmice.
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Václav-Havel-Bibliothek droht Schließung
Der dem früheren tschechischen Präsidenten Václav Havel gewidmeten Bibliothek droht das Aus. Nachdem die Witwe von Václav Havel, die Schauspielerin Dagmar Havlová, ihre Unterstützung für die Bibliothek zurückgezogen hat, ist der weitere Betrieb der Institution akut gefährdet.
Der Rückzug der 73-jährigen Präsidentenwitwe ist der letzte Tiefpunkt, den die Bibliothek nach wochenlangen Auseinandersetzungen erleiden musste. Im Mai hatte das Team der Bibliothek geschlossen die Kündigung zum Ende Juni eingereicht. Einziger Grund: die chaotische Leitungstätigkeit des Direktors Tomáš Sedláček und damit verbunden verschiedene Auffassungen von der Ausrichtung der Bibliothek. Sedláček hält dagegen, dass er nur seine Vision erfülle, mit der er vor einem Jahr ins Amt gekommen war. Der 49-jährige Sedláček ist ein bekannter Volkswirtschaftler, der sogar noch im Beratergremium von Václav Havel gearbeitet hat. Er wurde vor allem bekannt durch sein in viele Sprachen übersetztes Buch „Die Ökonomie von Gut und Böse“, das 2012 mit dem Deutschen Wirtschaftspreis ausgezeichnet wurde. Zuvor hatten schon vier von fünf Mitgliedern des Verwaltungsrats ihr Amt aufgegeben, nachdem sie erfolglos versucht hatten, Direktor Sedláček zu kündigen, dem sie vorwerfen, seine Pflichten nicht zu erfüllen.
Die Bibliothek ist nun vor allem durch die Rücktritte und Kündigungen bedroht. Zu den bekanntesten Mitarbeitern der Bibliothek zählt der erfolgreiche Schriftsteller Jáchym Topol, der in der Bibliothek als Dramaturg tätig ist. Topol gehörte seit seiner Jugend zum engen Kreis um Václav Havel. Ebenfalls im Team ist noch bis Ende Juni die Lektorin Anna Freimannová. Die 75-jährige war selbst vor 1989 im Untergrund und hat sich um die Herausgabe von Václav Havels Werk verdient gemacht.
Der Weggang der Verwaltungsratsmitglieder ist zudem mit dem Ende der finanziellen Unterstützung der Bibliothek verbunden. Die wurde zu großen Teilen durch die Unternehmer Zdeněk Bakala und Karel Komárek gesichert. Bakala hat bereits angekündigt, kein Geld mehr zu geben. Komárek hat sich noch nicht endgültig geäußert. Beide waren Mitglieder des Verwaltungsrats.
Die Bibliothek entstand 2004 nach dem Vorbild der Bibliothek ehemaliger amerikanischer Präsidenten, nachdem Havel Anfang 2003 nach über 13 Jahren als tschechoslowakischer bzw. tschechischer Präsident aus dem Amt geschieden war. Die Bibliothek hat sich noch zu seinen Lebzeiten zu einer wichtigen Institution entwickelt, in der nicht nur das Vermächtnis Václav Havels gepflegt wurde, sondern die bis heute wichtige Debatten anstößt, Publikationen herausbringt und Ausstellungen veranstaltet, aber auch intensiv mit Jugendlichen arbeitet. Sie wurde lange von dem Schriftsteller, Übersetzer und Diplomaten Michal Žantovský geleitet.
Nun hat das letzte verbliebene Mitglied des Verwaltungsrates, der Politiker David Dušek, angekündigt, die Bibliothek mit neuen Sponsoren und einem neuen Team fortzuführen. Ohne die Namensrechte, die Dagmar Havlová hält, dürfte das aber schwierig werden.
Marsch erinnerte an Postelberger Massaker
Mit einem Marsch von Postoloprty (Postelberg) nach Žatec (Saaz) erinnerten mehrere Hundert Menschen an die Opfer, die bei dem Massaker an Angehörigen der deutschen Minderheit Ende Mai, Anfang Juni 1945 umgekommen waren. Bei der Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei waren von der tschechoslowakischen Armee und nicht näher bezeichneten bewaffneten Einheiten vor allem Männer in der Kaserne von Postoloprty zusammengetrieben und dann mehrere Tage lang gefoltert und erschossen worden. Quellen sprechen von 800 bis 1.200 Opfern, teils sogar bis 2.000. Es ist damit bis zu den Ereignissen in Srebrenica das blutigste Massaker der Nachkriegszeit in Europa.
Seit 2022 wird den Opfern mit dem Marsch gedacht. Dabei engagieren sich vor allem Schüler von Gymnasien in der näheren Umgebung. Auch der Prager Erzbischof Stanislav Přibyl marschierte mit. Er hatte – noch als Bischof von Litoměřice – dieses Jahr zum Jahr der Versöhnung erklärt mit zwölf Veranstaltungen, die an das Leid erinnern, welches Deutsche Tschechen und Tschechen Deutschen angetan haben.
Auflösung der Porzellanfabrik in Dubí abgewendet
Ein Antrag zur Liquidation der Porzellanfabrik in Dubí (Eichwald) wurde von der Aktionärsversammlung nicht angenommen. Dafür wäre eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig gewesen.
Die Porzellanfabrik Český porcelán produziert seit 1864 Porzellan. Bekannt ist sie vor allem für das Zwiebelmuster, das sie in Lizenz der Porzellanmanufaktur in Meißen herstellt. Doch hohe Energiepreise sind an der Firma nicht spurlos vorüber gegangen. Trotzdem hat das Unternehmen genug Aufträge und ausreichend Barmittel, um Gehälter zu zahlen, meldet die Tageszeitung Mladá fronta Dnes unter Berufung auf Vladimír Feix, einen der größten Aktionäre. Doch angeblich gehe es einem Teil der Aktionäre um fehlende Dividenden. Sie würden an ihrem Anteil zu wenig verdienen, da die Gewinne in der Regel wieder in die Firma investiert würden. Feix nannte den Versuch, die Firma zu liquidieren, ein ohne Not geplantes Unterfangen. Hinter dem Antrag zur Auflösung steht der in Hongkong ansässige Aktionär Renown Trading Limited, der 9,8 Prozent der Aktien hält.
Größte Aktionäre sind die beiden Brüder Vladimír und Radislav Feix. Sie haben ihre Beteiligungen von ihrem Vater, Vladimír Feix senior, geerbt, der die Firma über 50 Jahre geführt hatte, bevor er 2021 starb. Zusammen halten sie knapp 46 Prozent der Anteile. Wie es nun mit der Porzellanfabrik weitergeht, ist offen. Die Firma ist nicht nur auf dem heimischen Markt erfolgreich, sondern verkauft ihr Porzellan vor allem auch in Europa und Asien.
Tschechien erlebt größte Trockenheit seit 65 Jahren
Der Frühling war in diesem Jahr in Tschechien der trockenste seit 1961. Das geht aus den Aufzeichnung des Tschechischen Hydrometeorologischen Instituts hervor. Demnach war der Frühling dieses Jahres trockener als der bisherige Rekordwert aus dem Jahr 1993. Am wenigsten regnete es im April, nur wenig mehr Niederschlag gab es im März. Der Frühling gehörte zugleich auch zu den wärmsten, wobei die zwölf wärmsten Frühlingszeiten sich alle nach dem Jahr 2000 ereigneten. So übertraf die Durchschnittstemperatur der drei Frühlingsmonate die langfristigen Normalwerte um 0,9 Grad Celsius.
Zdislava-Schädel ein letztes Mal gezeigt
Bei der feierlichen Wallfahrtsmesse am vergangenen Samstag wurde der Schädel der Heiligen Zdislava noch einmal gezeigt. Wohlbehalten lag er auf dem Altar. Doch danach wurde er an einem geheimen Ort abgelegt. In Zukunft soll er nicht mehr wie bisher öffentlich ausgestellt, sondern zu den sterblichen Überresten der Heiligen gelegt werden. Grund ist der Diebstahl, bei dem der Schädel am 12. Mai entwendet wurde. Der Täter hatte den Schädel dann in Beton gegossen und wollte ihn im Wasser versenken. Doch gerade noch rechtzeitig konnte er von der Polizei gefasst werden. In einem 16-stündigen Marathon hatten zwei Restauratoren die Reliquie danach heil aus dem Beton herausgelöst.
Nun sei es an der Zeit, den Schädel im Grab der Heiligen Zdislava abzulegen, so Erzbischof Stanislav Přibyl. Er hatte die Wallfahrt erst vor einem Jahr wiederbelebt, damals noch als Bischof von Litoměřice (Leitmeritz). Erst jetzt sei aber bekannt geworden, dass der Schädel bereits in den 1970er Jahren zerbrochen war. Die über 800 Jahre alte Reliquie war damals vom Experten Emanuel Vlček zusammengesetzt worden. Deshalb sei es nur verantwortlich, den Schädel jetzt zu schützen. Zu der Ablage im Grab werde es im kleinen Rahmen kommen, so der Erzbischof von Prag. Diese Ablage müsse nicht endgültig sein. Anders wäre es bei einem erneuten Diebstahl oder jedweder anderen Beschädigung. „Das könnte dann endgültig sein, und das wollen wir nicht riskieren“, so Přibyl.
Zdislava wurde 1907 seliggesprochen, 1995 erfolgte die Heiligsprechung. Sie ist Patronin der Familien, aber auch des Bezirks Liberec, des Bistums Litoměřice und des tschechischen Volkes. Ihr Schädel wurde fast 120 Jahre in einem Reliquiar auf einem Seitenaltar direkt über ihrem Grab ausgestellt.
Dora Kaprálová gewinnt Europäischen Literaturpreis
Die in Berlin lebende tschechische Autorin Dora Kaprálová erhält für ihren Roman „Die Mariborhypnose“ den diesjährigen Preis der Europäischen Union für Literatur. Die Jury wählte sie unter 14 Kandidaten aus. Der Preis wurde vergangene Woche auf der Internationalen Buchmesse in Warschau verliehen. Der Roman verarbeitet mit einer ungewöhnlichen Optik Kaprálovás Aufenthalt in der slowenischen Stadt Maribor. Er sei eine poetische und spielerische Erzählung über Illusion, Vorstellungskraft und die Suche nach Hoffnung in einer unsicheren Welt, steht in einer Mitteilung.
Damit feiert Kaprálová, die im vergangenen Jahr auch bei den Tschechisch-Deutschen Kulturtagen in Dresden auftrat, bereits den zweiten großen Triumph. Vor einem Monat hatte sie den höchsten tschechischen Literaturpreis „Magnesia Litera“ für das „Buch des Jahres“ erhalten. Die deutsche Übersetzung erschien im Berliner Verlag mikrotext.
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Beim Tschechischen Filmmittwoch am 3. Juni bieten wir eine ganz besondere Spezialität: den komplett rückwärts laufenden Experimentalfilm "Happy end" von 1967 von Regisseur Oldřich Lipský. Wir glauben mit einiger Sicherheit sagen zu können: So einen Film haben Sie noch nicht gesehen!
Der Schlachter Bedřich liegt eingangs unter der Guillotine, ohne Kopf. Doch warum wurde er hingerichtet? Was hat er angestellt? Das erzählt er uns selbst und geht dabei Schritt für Schritt zurück. Allerdings erzählt er es verkehrt herum, also vorwärts. Klingt verwirrend, ist aber vor allem lustig. Da sind einige Klimmzüge notwendig, um Bild und Erzählung in Einklang zu bringen. Wir folgen ihm dennoch auf dem Weg zurück über die schreckliche Tat bis hin zum romantischen Beginn seiner Ehe. Dabei werden zerbrochene Dinge wieder heil, tote Menschen stehen wieder auf und Ertrunkene werden wieder zu tollen Schwimmern.
Keine Angst, man bekommt davon keine Kopfschmerzen. Manchmal gibt es zwar Knoten im Gehirn, aber das ist nicht so schlimm. Dafür ist es sehr lustig. Und der Film ist eine solche Einmaligkeit, dass man ihn unbedingt gesehen haben muss.
Mit Publikumslieblingen wie Vladimír Menšík und Josef Abrhám haben sich einige Vertreter der ersten Riege tschechischer Schauspieler auf das Experiment in den "wilden 60ern" der tschechischen Kinematografie eingelassen.
Wir haben wieder zwei Vorstellungen angesetzt, um 18.15 und um 20 Uhr.
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