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Neuigkeiten
Nationalpark meldet höchste Waldbrandstufe
Seit der Nacht vom Mittwoch auf den Donnerstag gilt im Nationalpark Böhmische Schweiz die höchste Warnstufe vor Brandgefahr. Damit reagierte die Verwaltung des Nationalparks auf Daten aus Sensoren, die im Gebiet des Nationalparks angebracht sind. Berücksichtigt werden auch Vorhersagen des Tschechischen Hydrometeorologischen Dienstes.
Für Besucher des Nationalparks bedeutet das einige Einschränkungen. Markierte Wege dürfen nicht verlassen werden und zwischen 22 Uhr und 6 Uhr ist das Betreten des Nationalparkgebiets verboten. Besucher werden an 48 Zugangswegen zum geschützten Gebiet auf die Einschränkungen hingewiesen.
Die höchste Waldbrandstufe bedeutet auch eine erhöhte Bereitschaft der Ranger und anderer Mitarbeiter des Nationalparks. Immer morgens und in den Abendstunden lassen diese Beobachtungsdrohnen mit Wärmebildkameras aufsteigen. Ranger sind mit Notwassersäcken mit 20 Litern Wasser unterwegs und häufiger im Gelände als sonst. Wer gegen die Vorgaben verstößt, muss mit Strafen rechnen. Das gilt umso mehr für Vergehen gegen Regeln, die auch sonst gelten, wie das Verbot zu Zelten, Lagerfeuer anzufachen, das Rauchverbot oder die Nutzung von Kochern.
Bei aller Waldbrandgefahr ist die tschechische Feuerwehr für Einsätze in dem oft unwegsamen Gelände des Nationalparks inzwischen besser ausgestattet. „Quads und Drohnen helfen. Und es hat sich gezeigt, dass in so einem schwierigen Gelände das Löschen mit Hubschraubern am wirkungsvollsten ist“, zitiert die Tageszeitung Děčínský deník Martin Laníček, den Chef der Feuerwehr im Bezirk Ústí.
Verfassungsrichter schicken Präsident zum NATO-Gipfel
Das tschechische Verfassungsgericht hat in einer Eilentscheidung die Teilnahme von Staatspräsident Petr Pavel beim NATO-Gipfel in Ankara in zwei Wochen angeordnet. Die Regierung hat die Teilnahme zu ermöglichen und darf sie in keiner Weise behindern.
Das Gericht ging bei der Entscheidung von den bisherigen Gepflogenheiten aus. Demnach hatte der tschechische Präsident immer an NATO-Gipfeln teilgenommen. Nur einmal im Jahr 2022 musste der damalige tschechische Präsident Miloš Zeman seine Teilnahme wegen Krankheit absagen.
Präsident Pavel hatte am Montag eine Kompetenzklage beim Verfassungsgericht eingereicht, nachdem die Regierung entschieden hatte, dass der Präsident nicht teilnehmen und Premier Andrej Babiš die Delegation führen solle. Dabei geht es nicht nur um seine Teilnahme am Gipfel, sondern um die Verteilung der Kompetenzen unter den höchsten Staatsämtern wie Präsident und Premierminister. Diese Klage ist noch nicht entschieden. Beobachtern zufolge sei damit erst in einigen Monaten zu rechnen, weil es sich um eine grundlegende Frage handelt. Auch sei nicht entschieden, ob das Gericht dem Präsidenten letztendlich in allen Punkten folgt.
Mit der vorläufigen Entscheidung des Verfassungsgerichts ist der monatelange Streit um die Teilnahme des Präsidenten am NATO-Gipfel noch lange nicht beendet. Nun verlagert er sich zu der Frage, wer die Delegation führen soll. Die Regierung hatte dafür Premier Babiš vorgesehen. Rein protokollarisch führt die Delegation allerdings immer das höchste Verfassungsorgan, also der Präsident.
Premier Babiš kündigte an, die „ungewöhnlich schnelle“ Entscheidung zu respektieren, nannte sie aber „völlig absurd“. „Die Außenpolitik sollte auf dem NATO-Gipfel die Regierung verteidigen, die für sie auch laut Verfassung verantwortlich ist. Deshalb denke ich, dass die Entscheidung des Verfassungsgerichts gegen die Interessen der Tschechischen Republik verstößt“, erklärte Babiš auf dem Kurznachrichtendienst „X“. Außenminister Petr Macinka von den Motoristen wiederum warf Pavel einen „Verfassungsputsch“ vor. Macinka wolle das Urteil respektieren, fügte aber hinzu: „Der Präsident hat der Regierung den Krieg erklärt und hetzt die tschechische Gesellschaft auf.“
Proteste gegen Streichung der Rundfunkgebühren
Mitarbeiter von Tschechischem Fernsehen Česká televize (ČT) und Tschechischem Rundfunk Český rozhlas (ČRo) sind am Montag in einen 24-stündigen Warnstreik getreten. Knapp ein Viertel der Beschäftigten beteiligte sich aktiv, die übrigen sicherten den gesetzlichen Versorgungsauftrag ab. Zuschauer und Hörer konnten den Streik an verschiedenen Zeichen erkennen. Nicht nur, dass über ihn auf den Webseiten berichtet wurde. Es kam auch zu Protestminuten, in denen die Bildschirme schwarz bzw. die Radios still blieben. Die Mitarbeiter kamen an diesem Tag in schwarzer Kleidung auf Arbeit und formierten sich kurz vor Mittag zu einer Menschenkette rund um das Rundfunkgebäude im Stadtteil Vinohrady. Weitere Hundert Mitarbeiter des Fernsehens versammelten sich mittags zu einer einstündigen Protestveranstaltung vor dem Fernsehgebäude, bei der auch bekannte Künstler auftraten. Bereits am Sonntag waren mehrere Tausend Menschen einem Aufruf der Organisation Milion chvilek (Millionen Momente) zur Unterstützung öffentlich-rechtlicher Medien gefolgt.
Laut Regierung sollen die Medien nämlich künftig ihren öffentlich-rechtlichen Status verlieren. Die Rundfunkgebühren werden laut Regierungsbeschluss abgeschafft und durch eine Finanzierung aus dem Staatshaushalt ersetzt. Momentan beträgt die Gebühr für das Tschechische Fernsehen 150 Kronen (rund 6,25 Euro) und für Radio 55 Kronen (2,30 Euro) im Monat. Der Regierungsentwurf sieht vor, dass die Öffentlich-Rechtlichen nicht nur anders finanziert werden, sondern auch weniger Geld bekommen. So sollen die Zuwendungen künftig 15 Prozent unter dem jetzigen Niveau liegen, was Einsparungen von 1,4 Milliarden Kronen bedeutet. Das würde laut ČT und ČRo dazu führen, dass 470 bis 700 der 4.250 Beschäftigten entlassen werden müssten. Ein Entwurf des Parlaments wiederum rechnet mit Einsparungen eines höheren dreistelligen Millionen-Kronen-Betrags.
Der Streik wurde von der Mitarbeiterinitiative Veřejnoprávně initiiert. Es wurden weitere Aktionen angekündigt.
Polizei übernimmt ikonische Notenbank-Filiale
Für das ikonische Gebäude der Tschechischen Notenbank ČNB in Ústí nad Labem (Aussig) konnte ein Käufer gefunden werden. Für 43 Millionen Kronen geht es in den Besitz einer anderen staatlichen Institution über, denn hier zieht das Polizeipräsidium ein. Bis Jahresende wird die Notenbank noch Mieterin sein. Dann soll das Gebäude, das sich ganz in der Nähe des Hauptbahnhof und gegenüber dem Einkaufszentrum Forum befindet, saniert werden. Bekannt wurde das 1994 errichtete Gebäude durch das große Pendel an der Fassade.
Bis vor zwei Jahren konnte man hier noch an Schaltern alte Kronenscheine, die sich in Reisetaschen oder irgendwo in den Tiefen des Haushalts fanden, in aktuelle umwandeln. Ende 2024 stellte die Notenbank aus Spargründen jedoch den Betrieb mehrerer Filialen ein, darunter auch in Ústí. Zuerst endet der Schalterbetrieb, Ende dieses Jahres zieht die Bank ganz aus. Die nächste Stelle, wo man von Sachsen aus alte Kronenscheine eintauschen kann, ist nun die Zentrale in Prag. Außerdem gibt es noch die Filialen in Brno, Ostrava und Hradec Králové. Die Schließung der Filialen hängt mit dem Übergang der Notenbank zur digitalen Kommunikation zusammen, heißt es.
Tschechische Filme im Sommerkino Ústí
Nach 13 Jahren sind im Sommerkino von Ústí nad Labem wieder Filme zu sehen. Damit macht das Sommerkino seinem Namen wieder alle Ehre. Lange gab es hier maximal Konzerte und Partys, doch inzwischen erwartet die Besucher wieder ein breites Programm. Dazu gehören Yoga am Morgen und am Abend, Stand-up Comedy, Reisevorträge, Kindertheater, Konzerte und eben neuerdings wieder Filme. Als erster läuft am 5. August der Klassiker „Hoří, má panenko“ (Der Feuerwehrball) von Miloš Forman. Weitere Filme, die zur Aufführung kommen, sind „Brügge sehen ... und sterben?“, „Palm Springs“ oder der tschechische Film „Mimořádná událost“ (Ausnahmesituation), der 2022 bei den Tschechisch-Deutschen Kulturtagen gezeigt wurde. Wer also des Tschechischen mächtig ist und Klassiker in romantischer Sommeratmosphäre erleben will, sollte sich die Chance nicht entgehen lassen. Hat zwar nicht ganz das Flair wie am Elbufer, dafür kann man die großartige Überdachung des Architekten Josef Slíva und des Experten für Stahlkonstruktionen Josef Zeman aus dem Jahr 1954 bewundern.
Beim Tschechischen Filmmittwoch am 1. Juli zeigen wir die Komödie »Panelstory aneb Jak se rodí sídliště« (Panelstory oder Wie eine Siedlung entsteht) von 1979. Die bekannte Regisseurin Věra Chytilová, eine der wenigen Frauen innerhalb der Tschechoslowakischen Neuen Welle, schildert darin auf ungewöhnliche Weise das chaotische Leben in einer noch im Bau befindlichen Prager Plattenbausiedlung.
Ungewöhnlich ist vor allem die chaotische Erzählweise des Films, die viele Anekdoten mit diversen Figuren verwebt und so das Chaos auf der "bewohnten Baustelle" hervorhebt. Wir begegnen einem Jungen, der aus der Kita abhaut und den Tag auf seine Weise verbringt, einem alten Mann vom Lande, der etwas Menschlichkeit in das anonyme Nebeneinander bringen will, einer schwangeren Studentin, einem eitlen Schauspieler, nicht sehr arbeitsamen Bauarbeitern beim Bier, einem etwas korrupten Malermeister uvm. Jede der Anekdoten ist mit feinem Humor erzählt, und es ergibt sich das Bild einer Gemeinschaft ganz und gar nicht sozialistisch idealer Menschen, die vor allem versuchen, sich irgendwie durchzuwurschteln.
Deshalb musste der Film auch zwei Jahre warten, bevor er nach Fertigstellung in die Kinos kam. „Dabei handelt es sich nicht um eine kritische Reaktion auf das Regime, sondern vielmehr um eine Betrachtung menschlichen Verhaltens“, sagte Věra Chytilová später. Nun, auch das war ein Problem, wenn es zu ehrlich war.
Wir haben für diesen berühmten Film wieder zwei Vorstellungen angesetzt, um 17:45 Uhr und um 20 Uhr. Die spätere ist schon fast wieder ausverkauft, also beeilen Sie sich lieber, wenn Sie die besuchen wollen.
Lithium-Debatte in Dubí
Bis in die Nachtstunden dauerte die öffentliche Debatte über die Umweltfolgen einer künftigen Lithium-Förderung im böhmischen Erzgebirge. In das Volkshaus im Stadtteil Dubí-Pozorka waren am Mittwochnachmittag mehrere Hundert Menschen gekommen, darunter auch aus dem benachbarten Sachsen. Denn die Umweltverträglichkeitsprüfung für das strategische Vorhaben, im Erzgebirge Lithium zu fördern, hat grenzüberschreitenden Charakter, weshalb zuständige sächsische Behörden, Verbände und betroffene Gemeinden in das Verfahren einbezogen sind. Die Veranstaltung am Mittwoch wurde deshalb auch ins Deutsche gedolmetscht.
Wie umstritten die geplante Förderung ist, zeigt sich daran, dass die Anhörung erst kurz vor Mitternacht beendet war, nach fast neun Stunden intensiver Debatte. Sogar die Polizei war gekommen, um die Veranstaltung abzusicher. Immerhin, die Anhörung verlief nach Einschätzung der Polizei friedlich. Anwesend waren Vertreter der Bergbaufirma Geomet sowie Vertreter des Ingenieurbüros, das die 700-seitige Projektdokumentation für die Umweltprüfung erstellt hatte. Darin eingeflossen waren bereits Hunderte Stellungnahmen.
Es kamen vor allem Vertreter der direkt betroffenen Gemeinden wie Dubí, wo im Stadtteil Cínovec das Lithium gefördert werden soll, Újezdeček, wo das Abbauprodukt auf die Eisenbahn umgeladen werden soll, und Kadaň, in dessen Ortsteil Prunéřov das Lithium verarbeitet werden soll. Auch die Bürgermeister umliegender Gemeinden wie der Stadt Teplice sowie von Košťany und Novosedlice waren anwesend.
Allein die Stadt Dubí reichte 73 Forderungen ein. „Wir haben in der Vergangenheit bereits Bergbau erlebt. In Cínovec wurde bis 1990 Erz abgebaut, im unteren Teil von Dubí Braunkohle. Teile der Stadt wurden abgebaggert und die Umwelt zerstört. Jetzt, da sich die Umwelt wieder erholt hat, kommt das nächste Projekt. Die Stadt hat der Republik viel gegeben, die Menschen bekamen dafür 2.000 Kronen Beerdigungsgeld. Ich wundere mich überhaupt nicht, dass die Menschen Angst vor der Zukunft haben“, zitiert die Presseagentur ČTK den Bürgermeister von Dubí, Jiří Kašpar.
Die Stadt und ihre Einwohner fürchten nicht nur neue Umweltzerstörung, sondern auch erhöhte Staubbelastung, mehr Schwerlastverkehr auf den Straßen und Erschütterungen der Häuser. So fragten viele der Einwohner bei der Anhörung, mit welchen Kompensationen sie für die vom Bergbau verursachte Verschlechterung der Lebensverhältnisse sie rechnen können.
Die Bürgermeister interessierte aber auch, woher die Mitarbeiter für den Bergbau kommen sollten, woher sie einpendeln, wo sie wohnen. Teplice befürchtet eine Beeinträchtigung der Thermalquellen. Die Anwesenden kritisierten auch, dass sie für Stellungnahmen nur 30 Tage hatten, obwohl die Dokumentation 700 Seiten lang ist.
Bis Ende des Jahres folgt nun eine Bearbeitung der Stellungnahmen und ihre Einarbeitung in den Forderungskatalog, den Geomet erfüllen muss. Es folgt die Ausarbeitung eines Gegengutachtens und die Vorbereitung der verbindlichen Stellungnahme der Umweltprüfung. Die Umweltprüfung ist Voraussetzung zur Erlangung der Baugenehmigung.
Nicht nur für Tschechien ist der Lithium-Abbau ein strategisch wichtiges Projekt. Die Vorkommen sind auf tschechischer Seite des Erzgebirges deutlich reicher als auf der deutschen Seite. Pro Jahr sollen künftig 3,2 Millionen Tonnen gefördert werden, was einer Jahresproduktion 37.500 Tonnen Lithiumkarbonat entspricht. Daraus können Batterien für rund 1,3 Millionen E-Autos hergestellt werden. Es ist das größte Projekt zur Förderung und Verarbeitung von Lithium in der Europäischen Union.
Edmundsklamm wieder geöffnet
Seit Donnerstag ist die Edmundsklamm wieder für Besucher geöffnet. Seitdem läuft der Betrieb wieder so, wie schon in der letzten Saison, als erstmals seit dem Großbrand im Sommer 2022 wieder Besucher durch die Klamm gehen durften. Das ist weiterhin nur in Begleitung eines erfahrenen Naturführers möglich. Zwischen 9 und 17 Uhr dürfen pro Stunde immer 20-25 Personen in einer Gruppe durch die Klamm geführt werden und mit den Booten fahren. Ein- und Ausgang zur Klamm ist weiterhin nur von Hřensko aus möglich. Das Ticket für den Zutritt zur Klamm kostet inklusive Bootsfahrt 350 Kronen (rund 14 Euro). Tickets werden neuerdings direkt am Eingang zur Klamm verkauft, eine Vorbestellung ist nicht möglich. Die Gemeinde bereitet aber den Start eines Buchungssystems über das Internet vor.
In den vergangenen Monaten mussten gefährliche Felsblöcke beseitigt und stabilisiert werden. Außerdem wurden in der Schlucht umgestürzte Bäume beseitigt sowie Bäume, die umzustürzen drohten.
Abholzungsexperte wird Nationalparkchef
In den vergangenen Tagen wurden vom tschechischen Umweltministerium zwei wichtige Führungspositionen neu besetzt. Zum Direktor des Nationalparks Riesengebirge wurde Petr Moravec ernannt. Die schon länger vakante Position des Direktors der Umweltinspektion wurde mit Pavel Straka besetzt.
Damit setzt sich der Trend fort, dass wichtige Positionen mit der Partei der Autofahrer (Motoristé) nahen Personen besetzt werden. Das Umweltministerium wird von der Motoristenpartei geführt. Petr Moravec steht vor allem der Holzfällerindustrie nahe. Zuletzt wirkte er als Lehrer an der Forstakademie in Trutnov. Kritik an der Ernennung kam schon vor Wochen aus den an den Nationalpark angrenzenden Gemeinden wie Trutnov und Vrchlabí. Sie hatten vor Moravec gewarnt. Er sei nicht kompetent für den Job. Auch die Umweltorganisation Hnutí Duha (Bewegung Regenbogen) kritisierte die Ernennung. "Der Leiter des Nationalparks braucht vor allem Expertise in Naturschutz und Führungserfahrung. Moravec hat weder das eine noch das andere", sagt der Waldschutzexperte von Hnutí Duha, Jaromír Bláha.
Der bisherige Nationalparkchef wurde bald nach Übernahme des Umweltministeriums durch die Motoristen von seinem Amt entbunden. Dahinter stand auch die Betreiberin der Wiesenbaude (Luční bouda). Ihr hatte der Nationalpark verboten, Gästen des Hotels die Anfahrt mit dem Auto zu ermöglichen.
Die zweite Personalie ist allerdings noch kontroverser. Mit Pavel Straka wurde ein Immobilienunternehmer an die Spitze jener Organisation berufen, die die Einhaltung des Naturschutzes kontrollieren soll. Sie wird aktiv bei Umweltkatastrophen, kontrolliert große Emittenten von Schadstoffen und ahndet Verstöße gegen Umweltgesetzgebung. "Er hat weder Erfahrung noch Expertise. Er handelt mit Immobilien. Das ist unglaublich", zeigte sich der Umweltminister der Vorgängerregierung Petr Hladík (KDU-ČSL) entsetzt. Er befürchtet, dass sich Straka künftig parteiisch zu großen Umweltsündern verhält. "Das geht ganz leicht, indem man vorgesehene Kontrollen vernachlässigt oder sie erst später durchführt. Der Möglichkeiten sind viele", wird Hladík in der Tageszeitung Hospodářské noviny (HN) zitiert.
Neue Museen in Nordböhmen
In Nordböhmen, nahe der Grenze zu Sachsen, haben drei spannende neue Museen eröffnet. Seit Anfang Juni zeigt eine Ausstellung in Duchcov (Dux) das Erbe der figürlichen Porzellanproduktion. Bis vor drei Jahren wurden die Figuren und Plastiken aus dem weißen Gold sogar noch in der Stadt hergestellt. Die Fabrik Royal Dux war eine bekannte Marke, bevor die Eigentümerfirma Český porcelán das Werk schloss. Kleine Teile der Produktion wurden in das Hauptwerk nach Dubí verlagert. Die 170-jährige Porzellangeschichte in Duchcov dagegen war zu Ende. Die Ausstellung befindet sich am historischen Hauptplatz Náměstí republiky 49/10 im sogenannten Scheithauer-Haus. Hier befindet sich eine Filiale des Stadtmuseums. Geöffnet ist die Ausstellung von Juni bis September, Montag bis Freitag 11-15 Uhr und am Wochenende von 10-16 Uhr. Außerhalb dieser Monate ist eine Besichtigung nach vorheriger Vereinbarung mit dem Stadtmuseum möglich. In der Ausstellung können großartige künstlerische Porzellanwerke aus verschiedenen Epochen bewundert werden.
Auch in Bílina gibt es eine große Tradition und auch sie ist bedroht: die Produktion des bekannten Biliner Sauerbrunnens (Bílinská kyselka). Das bekömmliche Wasser hat nebenbei eine medizinische Wirkung, vor allem für den Verdauungsapparat. Berühmt wurde es zu den größten Zeiten des Kurwesens im nahen Teplice. Damals wurde der Sauerbrunnen auch verordnet, damit die Kurgäste sich auch mal ein Glas Wein genehmigen konnten. Der Sauerbrunnen war dann sozusagen die Kompensation. Gemixt mit Orangensaft schmeckt er wie Fanta. Die Firma Bohemia Healing Marienbad Waters, die bis heute den Sauerbrunnen auf Teilen des Geländes des früheren Kurbades abfüllt, ist in Konkurs gegangen, produziert aber weiter und machte sogar nach Jahren wieder Gewinn. Das weitere Schicksal ist trotzdem unklar. Dafür hat im Frühling in der Partnerstadt von Dippoldiswalde ein Museum für den Sauerbrunnen eröffnet. Es befindet sich auf dem Gelände des Abfüllbetriebs unterhalb des historischen Kurhauses und macht mit der Geschichte nicht nur des Sauerbrunnens, sondern noch weiterer Heilquellen aus der nordböhmischen Region bekannt. Sie befasst sich mit der Förderung der Heilquellen, der Entwicklung der Marken und dem Kurwesen. Das Museum hat täglich 8.30 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 150 Kronen, ermäßigt 70 Kronen.
Das jüngste Museum befindet sich in Sulejovice bei Lovosice unweit der Autobahnabfahrt. Das Dorf ist bekannt für seine große Baustofffabrik, die ebenfalls eine lange Tradition hat. Also wurde am vergangenen Samstag hier das erste Ziegelmuseum Tschechiens eröffnet. In der Sammlung befinden sich rund 800 Ziegel unterschiedlicher Herkunft. Das älteste Stück stammt aus dem Jahr 1765. Da gab es in Sulejovice noch keine Ziegelei. Die wurde auf Initiative der Familie Schwarzenberg im Jahr 1846 gegründet. Den Schwarzenbergs gehörten die Ländereien rund um Sulejovice und sie setzten sich sehr für den industriellen Fortschritt ein. Das Museum befindet sich im Ortsamt an der Adresse Náves 5 und hat Montag und Donnerstag 13-17 Uhr, Dienstag 8-12, Mittwoch 10-15 und Freitag 8-11 Uhr geöffnet. Gruppen können sich unter der Adresse muzeumsulejovice@seznam.cz auch außerhalb der Öffnungszeiten anmelden. Der Eintritt ist frei, eine Spende wird erbeten.
Bestsellerautorin Tučková gastiert in Dresden
Sie führt in Tschechien regelmäßig die Bestsellerlisten an. Kateřina Tučková wurde in Tschechien mit ihrem Roman "Die Vertreibung der Gerta Schnirch" auf einen Schlag bekannt. Der Roman, der von der Vertreibung der Deutschen aus der Stadt Brünn handelt, wurde auch ins Deutsche übersetzt. Auch jeder weitere Roman von ihr kam bei der Leserschaft in Tschechien sehr gut an. Am kommenden Dienstag gastiert sie mit ihrem neuen Buch "Weißwasser", tschechisch: Bílá voda, im Landhaus Dresden. Das Buch liegt bisher nur auf Tschechisch vor. Vielleicht wird ja am Dienstag bekannt gegeben, wann das spannende Buch auf Deutsch erscheint. Es handelt vom Schicksal eines Nonnenklosters in einem abgelegen Winkel an der polnischen Grenze. Der Ort war für Tučkovás Buch titelgebend. Beginn ist 19 Uhr, Karten für 5 und 3 Euro gibt es an der Abendkasse. Mit der Autorin spricht Šárka Atzenbeck, Tschechisch-Lektorin an der TU Dresden, die Übersetzerin Martina Lisa trägt Teile des Buches auf Deutsch vor.
Neuauflage für Ostrov-Festival
Einige Jahre war es wieder etwas ruhiger in dem Dorf Ostrov (Eiland), direkt an der Grenze zu Sachsen, eingerahmt von Felsen, abgeschieden, fast nicht mehr Tschechien und doch noch nicht Sachsen. Eine Idylle für Kletterer, aber auch all jene, die sich mal eine Auszeit nehmen wollen, auch vom Handysignal. Denn das ist hier nicht sehr stark.
Stark wird es aber an diesem Wochenende sein, und laut, denn es findet das deutsch-tschechische Festival Ostrov/Eiland statt. Freitag und Samstag spielen Bands aus Tschechien und Deutschland, darunter große Namen wie Letní kapela, Die Ukrainiens, Bratři. Květy musste leider absagen. Dafür kommen noch weitere Bands von beiden Seiten der Grenze, die wahrscheinlich bald bekannt werden. Der Eintritt kostet 500 Kronen, ermäßigt 200. Übernachten ist vor Ort auf dem Campingplatz möglich.
Ausrichter des Festivals sind der Verein Kultura Tisá und Jugendclub Rosenthal e.V., die dabei mit EU-Fördermitteln unterstützt werden. Mancher wird sich noch an das Festival Rock on the Rocks erinnern, das hier vor Jahren Fans anlockte. Auch das war ein deutsch-tschechisches Festival und der Verein Kultura Tisá schon damals mit an Bord. Nun gibt es also eine Fortsetzung.
Eröffnung der neuen Bike Trails
Die neuen Radwege für Geländefahrten im deutsch-tschechischen Grenzgebiet von Sebnitz und Dolní Poustevna erlebten heute ihre Eröffnung. Die ersten vier der 14 sogenannten Trails sind fertig und werden das ganze Wochenende über festlich eingeweiht. Radfahrer können dann rund 10 der insgesamt 31 geplanten Kilometer testen. Die fertigen Trails befinden sich vor allem auf tschechischer Seite. Gefeiert wird aber auf beiden Seiten der Grenze mit Ständen und Parkmöglichkeiten am SoliVital sowie an den Fischteichen in Poustevna. Ganz fertig wird der grenzübergreifende Bike-Park „Borderless Trails“ im nächsten Jahr. Für das Frühjahr 2027 ist eine große Eröffnung geplant.
In Tschechien sind extra angelegt Geländewege für Räder schon länger sehr beliebt. Ein großer Park befindet sich im tschechisch-polnischen Grenzgebiet im Isergebirge. Nun gibt es die erste deutsch-tschechische Anlage, die sich rund um den Gerstenberg erstreckt. Die Strecken sind nach Schwierigkeitsgrad eingestuft, wobei auf den leichtesten, blauen Strecken auch Anfänger fahren können. Es gibt sowohl bergab als auch bergauf führende Strecken.
Finanziert wird der Bau der Anlage aus INTERREG-Mitteln der EU für den tschechisch-deutschen Grenzraum. Die Förderung beläuft sich auf über 2,8 Millionen Euro. Lead-Partner des Projekts ist die Große Kreisstadt Sebnitz. Weitere Projektpartner sind Dolní Poustevna und Neustadt in Sachsen.
Tschechien will mehr Güterverkehr auf die Schiene bringen
Der Verkehr auf den Straßen nimmt zu und Gütereisenbahnunternehmen stecken in Problemen. Außerdem gelingt es nicht, CO2 einzusparen. Ursprünglich hatte die EU geplant, bis 2030 30 Prozent des Güterverkehrs auf der Schiene zu haben. Momentan betrifft das nur 16 Prozent. Der Wert ist schlechter als noch vor Jahren, als er bei 20 Prozent lag.
Tschechien will das ändern und hat nun eine europäische Initiative zur Rettung des Güterverkehrs auf der Schiene angestoßen. Ziele sind der Abbau von Bürokratie und von immer noch vorherrschenden Barrieren im grenzüberschreitenden Verkehr sowie die Unterstützung der Infrastruktur. Nach mehreren Verhandlungen konnte der tschechische Verkehrsminister Ivan Bednárek (SPD) nun elf Staaten hinter der Initiative zusammenbringen, die inklusive Tschechien 42 Prozent der Einwohner der Europäischen Union repräsentieren. Das reiche laut Minister Bednárek aus, damit die Initiative von der EU-Kommission angenommen wird. Die muss sich nun damit befassen und Lösungen erarbeiten.
Ausschlaggebend für den Erfolg war letztendlich, dass sich auch Polen der Initiative anschloss. Frankreich sagte zu, sich mit dem Vorschlag noch zu befassen, ebenso Deutschland. Allerdings meinte Minister Bednárek im Interview mit der Tageszeitung Hospodářské noviny, dass ihm unter der Hand mitgeteilt worden wäre, dass die Schuldenbremse in Deutschland ein Hindernis wäre und europäische Fördermittel vor allem in den Erzgebirgsbasistunnel fließen sollten.
Zoo Ústí freut sich über Seehund-Nachwuchs
16 Jahre musste der Bergzoo in Ústí nad Labem (Aussig) auf Nachwuchs bei den Seehunden warten. Die Tierart mit ihrem Felsenbassin gleich nahe dem unterem Eingang gehört zu den beliebtesten Tieren des Zoos. Wie der Zoo mitteilt, wurde das Seehundjunge in der Nacht vom Sonntag auf den Montag entbunden.
Für Besucher ist das Seehundbecken momentan gesperrt, denn die ersten Tage sind für ein Seehundjunges noch sehr kritisch und ein Überleben nicht gesichert. Auch die Zoobahn fährt nicht, denn ihre Strecke führt direkt an dem Becken vorbei. Bis auf weiteres fällt auch die öffentliche Fütterung der Seehunde aus.
Die erfolgreiche Seehundezucht ist etwas ganz Besonderes. 2010 war es erstmals gelungen, dass die Seehunde Nachwuchs bekamen. Die kleine Hündin starb allerdings nach drei Monaten an einem Gehirnschlag. Diesmal hofft der Zoo auf ein längeres Leben des Seehundjungen.
Gehälter in Tschechien steigen überraschend stark
Gute Stimmung in Tschechien. Wie das Statistikamt ČSÚ berichtet, stieg das Bruttodurchschnittsgehalt im ersten Quartal 2026 gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal um 8,1 Prozent auf 50.282 Kronen (2.067 Euro). Aufgrund der relativ niedrigen Inflation von 1,6 Prozent blieb eine durchschnittliche reale Steigerung von beachtlichen 6,4 Prozent.
Das Wachstum ist sowohl in den verschiedenen Branchen als auch regional sehr ungleich verteilt. Während die Gehälter von Mitarbeitenden in der Immobilienbranche (+22,1 Prozent), der Verwaltung (+18,8 Prozent) und dem Bauwesen (+12,6 Prozent) überdurchschnittlich zulegten, ging es für Mitarbeitende im Bereich Produktion und Verteilung von Strom, Gas, Wärme bei den Gehältern mit 2,1 Prozent nur leicht nach oben. Allerdings verdient das Personal in der Branche mit durchschnittlich 87.404 Kronen im Monat (3.592 Euro) ohnehin schon gut. Am besten werden Mitarbeitende in IT- und Kommunikationsfirmen bezahlt. Sie bekommen durchschnittlich 98.776 Kronen im Monat (4.060 Euro). Am unteren Ende der Gehaltstabelle hält sich das Hotel- und Gastgewerbe mit durchschnittlich 30.688 Kronen brutto im Monat (1.261 Kronen).
Wie gut man verdient, hängt in Tschechien auch ganz markant vom Wohnort ab. In Prag liegt das durchschnittliche Bruttomonatsgehalt bei 67.945 Kronen (2.793 Euro). Dagegen verdient man im Bezirk Karlovy Vary (Karlsbad) im Schnitt nur 42.391 Kronen (1.742 Euro).
Beobachter gehen davon aus, dass sich der starke Anstieg nicht fortsetzt. E sist zudem unsicher, wie sich die Inflation weiter entwickelt. Im ersten Quartal schlug der amerikanisch-iranische Krieg noch nicht ganz zu Buche. Die Inflation hatte in Tschechien zwischen 2021 und 2023 dafür gesorgt, dass real immer weniger verdient wurde. Seit Anfang 2024 steigen die Realgehälter ununterbrochen und haben die damaligen Verluste längst wettgemacht.
Früherer Senator Oto Neubauer ist tot
Der langjährige Bürgermeister der Stadt Trmice (Türmitz) bei Ústí nad Labem (Aussig) und Senator Oto Neubauer ist tot. Er starb am Tag seines 95. Geburtstags, am 8. Juni. Neubauer gehörte zu den Menschen, die nach 1989 aktiv die Stadt Trmice und die Politik mitgestaltet haben. Er trat damals in die wiedergegründete sozialdemokratische Partei ČSSD ein und half, die älteste Partei Tschechiens wieder zu etablieren. Von 1994 bis 2006 führte er als Bürgermeister die Geschicke seiner Stadt, die sich erst nach 1989 von Ústí nad Labem selbständig gemacht hatte. 1996 wurde Neubauer für den Wahlkreis Ústí nad Labem als erster Politiker in den neu gegründeten Senat gewählt. Er gestaltete Politik auch auf Bezirksebene, als er für vier Jahre bis 2004 Abgeordneter des Bezirksparlaments und danach Mitglied der Kommission für auswärtige Beziehungen war. Oto Neubauer war auch viele Jahre bis 2018 in der Euroregion Elbe/Labe aktiv und ist der Träger der Ehrenmedaille der Euroregion. 2014 erhielt er für seine Verdienste die Ehrenbürgerschaft von Trmice.
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