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Neuigkeiten
Neuer Wanderweg über die tschechische Grenze
Wanderer haben eine neue Möglichkeit, von Sachsen nach Tschechien zu wandern und umgekehrt. Am 11. April wurde der neue markierte Wanderweg von Schmilka nach Hřensko (Herrnskretschen) in der Sächsisch-Böhmischen Schweiz eingeweiht. Die neue Route führt streng genommen nicht nach Hřensko, sondern mündet rund 100 Meter oberhalb der Wasseraufbereitungsanlage auf den markierten roten Wanderweg zum Prebischtor (Pravčická brána).
Er ist daher auch eine gute Alternative für alle, die das beliebte Wanderziel ansteuern und nicht auf der Straße von Schmilka nach Hřensko laufen möchten. Außerdem muss man nicht an einer Vielzahl von Verkaufsbuden eher fragwürdigen Angebots vorbei. Insgesamt hat der neue markierte Weg eine Länge von knapp drei Kilometern.
Von Schmilka kommend, kann man am oberen Ende des Dorfes nach rechts auf den gelb markierten Wanderweg mit dem Querstrich einbiegen. Der führt auf dem historischen Grenzweg zur tschechischen Grenze. Eine erste Abzweigung Richtung Tschechien lässt man noch rechts liegen, um später auf den durch ein grünes Dreieck markierten grenzüberschreitenden Wanderweg zu stoßen. Die vertraute Markierung im System des Klubs tschechischer Touristen wurde nicht vorgenommen.
Der erste Teil, der an den Hängen des Langen Horns (Dlouhý roh) aufwärts führt, ist komplett neu und wurde am steilen Hang größtenteils mit Stufen gesetzt. Oben angekommen führt der Weg auf der „Prasečí cesta“ (wörtlich: Schweineweg) ins Tal der Suchá Bělá (Dürre Biele) und stößt dort auf den erwähnten rot markierten Wanderweg zum Prebischtor. Leider müssen Wanderer wie bisher dann doch noch ein längeres Stück entlang der Straße laufen. Ein Wanderweg entlang der Ruhezone, der direkt im Wald an den Aufstieg zum Prebischtor anschließt, wurde nicht markiert. Alternativ kann man am Abzweig zum Prebischtor auch den gelb markierten Weg Richtung Mezná (Stimmersdorf) wählen.
Für den Rückweg nach Schmilka kann man sich von Hřensko auch in den Bus setzen. Die Linie 435 von Mezná nach Schmilka verkehrt am Wochenende stündlich. Sie hält auch in Mezní Louka (Rainwiese) und am Abzweig zum Prebischtor (Tři prameny). Es empfiehlt sich, ein Einzelticket in der deutschsprachigen App DÚKapka zu kaufen. Das Elbe-Labe-Ticket gilt zwar auch, lohnt sich allein für die kurze Strecke aber nicht.
Der neue Weg ist der erste grenzüberschreitende markierte Wanderweg seit Gründung des Nationalparks Böhmische Schweiz. Allerdings befindet er sich ganz am Rand der Nationalparke. Ohne Verbindung bleibt weiter das Gebiet zwischen der Grenze bei Schmilka und dem Grenzübergang am früheren Zadní Jetřichovice (Hinterdittersbach). Den Aufruf, einen der bestehenden historischen Wanderwege wie den Stimmersdorfer Weg oder die Verbindung zum Großen Zschand wieder zu öffnen, lehnt der Nationalpark ab.
Streit um NATO-Gipfel
Das nächste Gipfeltreffen der NATO-Länder ist zwar erst im Juli., doch in Tschechien wird seit Wochen erbittert gestritten, wer die tschechische Delegation leiten und wer an ihr beteiligt sein wird. Geht es nach Außenminister Petr Macinka (Autofahrerpartei), wird die Delegation nicht von Präsident Petr Pavel geleitet, wie es traditionell bisher der Fall war. Macinka möchte Pavel auch sonst nicht in der offiziellen Delegation dabeihaben. Ein aktueller Regierungsbeschluss über die Nutzung der offiziellen Flugzeuge weist für die Delegation zum NATO-Gipfel als Teilnehmer nur Premierminister Andrej Babiš, Außenminister Macinka und Verteidigungsminister Jaromír Zůna (SPD) aus.
Der Präsident repräsentiert Tschechien in Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik. Dafür hat er weitreichende Vollmachten. So wird kein Botschafter ohne die Zustimmung des Präsidenten entsandt. Daraus resultiert die bisherige Praxis, dass der Präsident nicht nur Teil der Delegation bei NATO-Gipfeln ist, sondern sie auch führt. Dass Macinka mit dieser Tradition ausgerechnet bei dem früheren Vorsitzenden des NATO-Militärausschusses brechen will, lässt sich nur mit dem monatelangen Streit um die Besetzung des Umweltministeriums verstehen. Präsident Pavel hatte sich geweigert, den Kandidaten der Autofahrer, Filip Turek, zu ernennen. Grund war für Pavel Tureks frühere rechtsextreme und fremdenfeindliche Äußerungen. Im Februar musste die Autofahrerpartei, deren Vorsitzender Macinka ist, Turek als Kandidat kleinlaut zurückziehen.
Präsident Pavel hatte zuletzt in einem Brief an Premier Andrej Babiš unterstrichen, dass er davon ausgeht, die tschechische Delegation zum NATO-Gipfel anzuführen. Beide Politiker treffen sich in der nächsten Woche und werden wohl auch über diese Frage beraten. Die Frage, wer am NATO-Gipfel teilnimmt, ist aber auch inhaltlich pikant. Während Pavel als Befürworter erhöhter Militärausgaben gilt, hat die Regierung von Andrej Babiš im Haushalt 2026 die Mittel für den Verteidigungsetat auf unter zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts heruntergefahren. Das ist deutlich unter dem Ziel, zu dem sich die NATO-Mitgliedsstaaten verpflichtet haben.
Aufsteiger im tschechischen Wohlstandsindex
Von Platz 162 auf 90. Das ist die Bilanz der Stadt Litoměřice (Leitmeritz) im tschechischen Wohlstandsindex der Regionen innerhalb eines Jahres. Den Wohlstandsindex stellt die Bank Česká spořitelna jedes Jahr neu auf Basis der Datenplattform „Europa in Daten“ zusammen und entwickelt nach 49 Indikatoren eine Rangfolge. Zu den Indikatoren gehören unter anderem die wirtschaftliche Situation, Zugang zu medizinischer Pflege, Bildung, Wohnung, die Umwelt oder die Freizeitangebote, aber auch die Geschwindigkeit des Internets.
Zu den größten Aufsteigern zählten in diesem Jahr zwei weitere Städte aus den sogenannten Sudeten, wie die Gebiete an der Grenze zu Deutschland, Österreich und Polen in Tschechien genannt werden. Die schneiden bei solchen Erhebungen häufig schlecht ab. Doch Nový Bor (Haida) machte einen noch größeren Satz von 174 auf 92. Zweitbester Aufsteiger war die Kleinstadt Králíky (Grulich) in Ostböhmen, nahe der Grenze zu Polen, die von Platz 108 auf 35 sprang.
Spitzenreiter wurde zum zweiten Mal in Folge die Stadt Turnov (Turnau) im Bezirk Liberec am Rande des Böhmischen Paradieses (Český ráj). Danach folgt wie schon im letzten Jahr der beliebte mährische Kurort Luhačovice. Auf den dritten Platz schaffte es überraschend die ostböhmische Kleinstadt Žamberk (Senftenberg).
Auch wenn mit Litoměřice eine Stadt aus dem Bezirk Ústí einen Achtungserfolg zielen konnte, sieht es für den Rest des Bezirks trübe aus. Neben Litoměřice platzierte sich mit Varnsdorf nur noch eine Stadt unter den ersten 100 Regionen. Dagegen fanden sich mit Chomutov (Komotau), Litvínov (Oberleutensdorf), Teplice (Teplitz), Louny (Laun), Podbořany (Podersam) und Bílina (Bilin) gleich sechs Städte und Regionen unter den letzten zehn Plätzen. Bílina landete dabei knapp vor dem westböhmischen Horšovský Týn (Bischofteinitz) auf dem vorletzten Platz..
Zulassungsprüfungen für weiterführende Schulen gestartet
Für alle Neuntklässler in Tschechien ist es gerade eine entscheidende Zeit, denn am 10. April begannen die Aufnahmetests für die weiterführenden Schulen. Wer nach der Grundschule, die in Tschechien nach der neunten Klasse endet, das Abitur anstrebt, kann sich wahlweise an einem Gymnasium, einer Mittelschule, einer Mittelfachschule oder einer Handelsakademie bewerben. Außer am Gymnasium besteht auch die Möglichkeit, die Schule mit einer Berufsausbildung abzuschließen. Mittelschulen weisen zudem auch schon eine Fachspezialisierung auf, selbst wenn man mit Abitur abschließt.
Doch der Weg zu Gymnasium oder Mittelschule führt ausschließlich über einen Test, der landesweit einheitlich ist. Er besteht aus einer Prüfung in Mathematik (70 Minuten) und in Deutsch (60 Minuten).
In der Regel beginnen die Grundschüler schon ein Jahr früher mit der Vorbereitung. Die Tests sind gefürchtet. Selbst Schüler mit gutem Allgemeinwissen sind schon gescheitert. Man muss eher die innere Logik des Tests verstehen, um erfolgreich zu sein. Deshalb gibt es spezielle Agenturen, die die Schüler gezielt auf die Aufnahmetests vorbereitet. Kaum ein Schüler kommt ohne solch eine Agentur aus. Das ist also ein interessanter Unternehmenszweig in Tschechien im Bereich Bildung/Fortbildung.
Schüler können sich an bis zu drei Schulen bewerben. An welcher Schule es mit der Aufnahme klappt, hängt auch vom Renommee der Schule ab. Für manche Schulen braucht es ein erstklassiges Testergebnis, bei anderen reicht ein gutes. Die Ergebnisse stehen Mitte Mai fest.
Schloss günstig zu verkaufen
Es ist bereits der vierte Versuch, das Schloss von Milešov zu verkaufen. Und diesmal entschied sich der Bezirk Ústí als Eigentümer zu einem rasanten Schritt: Der Preis fiel auf 29,9 Millionen Kronen, umgerechnet rund 1,25 Millionen Euro. Damit liegt er noch unter der Empfehlung eines Gutachtens, das seinen Wert auf 33 Millionen Kronen geschätzt hatte. Bei der ersten Versteigerung vor zwei Jahren kostete das Schloss noch 99 Millionen Kronen, also über 4 Millionen Euro. Die öffentliche Versteigerung findet am 13. Mai statt. Interessenten müssen als Sicherheit fast 3 Millionen Kronen hinterlegen. Zum Schloss gehören mehrere Bauobjekte.
Was nach einem Schnäppchen aussieht, wird noch viel Geld kosten. Denn der Zustand des Schlosses macht Investitionen erforderlich. Immerhin ist es noch nicht so lange her, dass in dem Schloss gewohnt wurde. Bis vor drei Jahren diente das Schloss noch als Altersheim. Davor war es schon Schule, Erholungsheim und Heilanstalt.
Gebaut wurde es im 14. Jahrhundert auf einem Felsensporn. Im 16. Jahrhundert wurde es zu einem Renaissanceschloss umgebaut. Es folgte ein barocker Umbau zur Mitte des 17. Jahrhunderts sowie eine weitere Renovierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das Schloss liegt malerisch am Fuße des höchsten Gipfels des Böhmischen Mittelgebirges Milešovka (Milleschauer).
Milešov ist übrigens nicht das einzige Schloss, das gerade verkauft wird. Immobilienmakler bieten auch die Schlösser in Encovany, Cítoliby und Vršovice bei Louny zum Verkauf.
Menschenkette für den Wolfsberg
Wie bekommt man 800 Sack Zement, eine Menge Formsteine und weiteres Baumaterial auf den 591 Meter hohen Gipfel Vlčí hora (Wolfsberg) nahe Krásná Lípa (Schönlinde)? Am besten, indem ganz viele Menschen mit anpacken. Denn der Wolfsberg hat zwar einen Aussichtsturm, aber keinen Lastenaufzug. Also musste das ganze Material per Hand nach oben getragen werden. Dass es aber so schnell geht, wie am vergangenen Samstag, hätte wohl der kühnste Optimist nicht zu glauben gewagt. Binnen zwei Stunden war alles oben. Zu verdanken war das den 127 Freiwilligen, die nicht nur mit anpackten, sondern gleich eine Menschenkette bildeten. Insgesamt waren knapp 20 Höhenmeter auf 150 Metern Länge zu überwinden. Also für jeden etwas mehr als einen Meter.
Aus dem Baumaterial entsteht in den kommenden Wochen eine Aussichtsplattform an dem Ort, an dem einst eine Berghütte stand. Die wurde allerdings vor drei Jahren durch Brandstiftung zerstört. Dabei wurde auch der Aussichtsturm in Mitleidenschaft gezogen, der aber wieder erneuert und eröffnet werden konnte.
Die Menschenkette kümmerte sich aber nicht nur um den Transport des Materials. Für jeden transportierten Sack Zement wurden auch 20 Kronen für die medizinische Behandlung eines kranken Jungen aus Dolní Podluží (Niedergrund) gespendet.
Preisdeckel für Kraftstoff in Tschechien
Die am 2. April von der tschechischen Regierung beschlossene Regelung zu Höchstpreisen für Kraftstoff fand am Dienstag erstmals Anwendung. Die Regierung legt seitdem täglich um 14 Uhr die Höchstpreise für Benzin und Diesel fest, die am nächsten Tag (bzw. übers Wochenende) gelten. Die Basis der festgelegten Preise bilden Marktdaten, insbesondere die Großhandelspreise. Die eigentliche Einschränkung besteht darin, dass für normale Kraftstoffe eine Gewinnmarge von 2,50 CZK pro Liter nicht überschritten werden darf. Zugleich wurden die Steuern auf Kraftstoffe um 2,35 CZK/l gesenkt.
Am Dienstag wurden als Höchstpreise für Mittwoch bei Benzin 43,15 CZK (1,77 €) und bei Diesel 49,59 CZK (2,03 €) pro Liter festgelegt. Für das Wochenende und Montag wurden heute auf der Website des Finanzministeriums 41,95 CZK (1,72 €) bzw. 45,90 CZK (1,88 €) pro Liter bekanntgegeben. Dort findet man auch einen hypothetischen Preis ohne Regulierung, mit dem die Regierung sich anscheinend selbst auf die Schulter klopfen möchte.
Staatsvertrag mit Vatikan ist verfassungswidrig
Als eines der letzten Länder Europas hat Tschechien 2024 einen Staatsvertrag mit dem Vatikan zur Regelung der Beziehungen geschlossen. Dieser muss jedoch durch Senat, Parlament und den Präsidenten ratifiziert werden. Die ersten beiden Schritte sind erfolgt, doch einige Senatoren haben ihn dem Verfassungsgericht zur Prüfung von acht konkreten Punkten vorgelegt. In zweien davon hat das Gericht letzte Woche entschieden, dass diese nicht mit der tschechischen Verfassung vereinbar seien.
Zum einen geht es dabei um das Beichtgeheimnis, welches laut Vertrag für katholische Priester unbeschränkt gelten soll, während es bei anderen Religionsgemeinschaften eingeschränkt ist. So müssten diese z.B. melden, wenn in der Beichte jemand eine schwere Straftat ankündigt, wozu katholische Priester hingegen nicht verpflichtet wären. Der zweite Punkt sind Einschränkungen beim Zugang zu den Archiven der katholischen Kirche.
Die Ratifizierung kann aufgrund des Urteils nicht vollendet werden. Nun ist es an der neuen Regierung, eine geänderte Version des Vertrages mit dem Vatikan auszuhandeln.
Tschechen sehen viele Länder positiver
Das renommierte tschechische Meinungsforschungsinstitut STEM führt seit vielen Jahren eine Untersuchung zur Einstellung der tschechischen Öffentlichkeit zu diversen anderen Ländern durch. Für 2025 zeigt diese einen leichten Anstieg der Sympathiewerte hinsichtlich vieler europäischer Länder. Die Befragten bewerten dabei ihre persönliche Einstellung mit Schulnoten von 1 bis 5. In der Auswertung wird dann insbesondere auf den Anteil derer Bezug genommen, die die Noten 1 und 2 verteilten.
Spitzenreiter war 2025 Österreich mit 71% (Note 1 und 2), dicht gefolgt von der Schweiz (69%), Italien und Polen (je 68%) sowie der Slowakei (67%). Deutschland rangiert mit 54% im Mittelfeld und bildet eine nahe beieinander liegende Gruppe mit Slowenien, Frankreich, Belgien, Japan und Großbritannien.
Interessant ist die Untersuchung vor allem in der Betrachtung längerer Zeitreihen (siehe Grafik). So lässt sich z.B. für die USA (orange Linie) seit 1994 und für Frankreich (weinrot) und Großbritannien (grün) seit etwa 2012 ein deutlicher Abwärtstrend erkennen. Für Deutschland (türkis) hingegen ist der Trend seit 1994 leicht ansteigend, allerdings mit sehr starken Ausschlägen, die oft aktuelle politische Entwicklungen widerspiegeln. So ist z.B. bei allen vier Ländern eine starke Delle im Jahr 2004 sowie eine etwas leichtere 2015/2016 erkennbar.
Hinsichtlich der Visegrád-Staaten (Tschechien, Polen, Slowakei, Ungarn) zeigt sich, dass einerseits Ungarn weit abgeschlagen bei 40% liegt, andererseits aber die Popularität der Slowakei seit rund 10 Jahren deutlich sinkt, während die Polens in den letzten fünf Jahren deutlich gestiegen ist.
In der Umfrage werden nicht nur Länder, sondern auch international bedeutende Persönlichkeiten bewertet. Den Spitzenplatz nimmt dabei Papst Leo XIV. ein, gefolgt von Emmanuel Macron und Karel Nawrocki. Interessanterweise schneidet auch Friedrich Merz recht gut ab und liegt auf Platz 5, wobei er allerdings 36% der Befragten unbekannt war. Unter denen, die ihn kannten, genoss er eine ähnliche Popularität wie Macron.
Mercedes-Benz Trucks investiert in Cheb
Vorige Woche hat Mercedes-Benz Trucks angekündigt, in Cheb (dt. Eger) eine neue Fabrik zur Montage von LKW zu errichten. Diese soll eine Produktionskapazität von 25.000 Fahrzeugen pro Jahr erreichen. Dabei sollen rund 1100 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Mercedes will rund 300 Mio. Euro investieren und die Produktion bis 2030 aufnehmen. Für die strukturschwache Region ist das ein enorm wichtiges Projekt, welches einerseits die über dem Landesschnitt liegende Arbeitslosigkeit signifikant senken, aber auch das unter dem Landesschnitt liegende Lohnniveau erhöhen wird.
Erfolgreiche Spendenaktion für Anschlagsopfer
Am 19. Januar hatte ein Mann in der Stadtverwaltung von Chřibská (Kreibitz) im Schluckenauer Zipfel den Hausmeister Libor Cicvárek erschossen und sechs Menschen verletzt (wir berichteten). Danach erschoss er sich selbst. Der Bezirk Ústí hatte eine Spendenaktion für die Angehörigen des Todesopfers sowie die Verletzten gestartet, die diese Woche zu Ende ging. Es sind rund 1,1 Mio. CZK (ca. 45.000 Euro) aus 499 Spenden von Privatpersonen, Gemeinden und weiteren juristischen Personen zusammengekommen, wie jetzt mitgeteilt wurde. Von der Summe werden auf Beschluss des Rats des Bezirkes Ústí die Ehefrau von Libor Cicvárek 500.000 CZK, seine beiden Söhne je 250.000 CZK und die Verletzten je 25.000 CZK erhalten.
Zudem hat Hejtman Richard Brabec dem tschechischen Staatspräsidenten Petr Pavel vorgeschlagen, Libor Cicvárek mit der Heldenmedaille auszuzeichnen in Anerkennung dessen, dass er trotz der Lebensgefahr dem schwer verletzten Bürgermeister erste Hilfe geleistet, Kolleginnen vor dem Angreifer geschützt und noch im Sterben einen Kollegen telefonisch gewarnt habe, was diesem vermutlich das Leben rettete.
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Edmundsklamm: Vielleicht schon im Mai
Seit Mittwoch pendeln wieder die Boote mit Touristen in der Wilden Klamm. Pünktlich vor Ostern hat eine der größten Attraktionen in der Böhmischen Schweiz wieder geöffnet. Über die Feiertage erwartet der Ort Hřensko (Herrnskretschen) einen regelrechten Ansturm, was auch an dem großen Ostermarkt mit fast 40 Ständen in der Ortsmitte rund um die Kirche liegen wird.
Auch die Betriebszeit in der Wilden Klamm wurde verlängert. Das letzte Boot startet nunmehr erst 17.30 Uhr. In der Wilden Klamm fahren die Boote von der unteren Anlegestelle flussaufwärts und landen wieder am Ausgangsort. Neuerdings kann man an der Anlegestelle auch mit Karte zahlen.
Gesperrt bleibt vorerst jedoch die Edmundsklamm. Neue geologische Untersuchungen hatten fünf gefährliche Objekte identifiziert, die nun gesichert werden müssen, bevor wieder Touristen in die Klamm gelassen werden können. Für die Sicherung wurde bereits eine Firma gefunden und es laufen intensive Gespräche mit dem Nationalpark Böhmische Schweiz. Die Bürgermeisterin hofft auf eine Inbetriebnahme spätestens Ende Mai.
Für ihre Geduld werden Besucher aber belohnt, denn die Gemeinde plant in dieser Saison doppelt so viele Besucher pro Tag in die Klamm zu lassen wie im letzten Jahr. Damals handelte es sich um eine Art Testphase. Zuletzt hatte die Gemeinde 150 Tickets pro Tag verkauft. In diesem Jahr sollen es mindestens 300 sein. Dafür werden neu zwei Boote zu Wasser gelassen. Wenn alles gut geht, wird dann auch schon das Reservierungssystem über das Internet laufen. Nach Ostern soll der Gemeinderat beschließen, das Geld für die Einführung des Systems bereitzustellen. Damit wird die gleiche Firma beauftragt, die so ein System bereits seit längerer Zeit erfolgreich in den Adršpacher Felsen und seit kurzem auch in den Tyssaer Wänden betreibt.
Niedrigste Geburtenzahl seit 1785
Das tschechische Statistikamt hat diese Woche die aktuellen Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung veröffentlicht. Zwar sei im Jahr 2025 die Zahl der Einwohner des Landes um ca. 6.300 auf 10.915.839 Personen gestiegen. Dies wäre jedoch nur der Zuwanderung zu verdanken, während die natürliche Bevölkerungsentwicklung einen Sterbeüberschuss von ca. 35.700 Personen aufweist.
Die Zahl der Geburten hätte im letzten Jahr mit 77.600 Kindern einen historischen Tiefstand seit 1785 erreicht, als die statistische Erfassung der Bevölkerung in den böhmischen Ländern begann. 47% der Kinder kamen außerehelich zur Welt, die meisten Kinder wurden von Frauen im Alter zwischen 30 und 32 Jahren geboren.
Tschechien fährt zur Fußball-WM
Während die Italiener zum dritten Mal außen vor bleiben, nimmt die tschechische Fußballnationalmannschaft der Männer erstmals seit 20 Jahren wieder an einer WM teil. Im Play-off-Finale siegten die Tschechen vorgestern über das Team aus Dänemark im Elfmeterschießen. Ein solches entschied auch schon beim Halbfinale vor einer Woche gegen Irland über ihr Weiterkommen, nachdem es auch dort nach Verlängerung 2:2 gestanden hatte. Sowohl Kommentatoren als auch Spieler merkten jedoch (selbst-) kritisch an, dass die Spiele keine hohe Qualität gehabt hätten. Nun tritt die Mannschaft ab dem 12. Juni bei der WM in den USA, Kanada und Mexiko in Gruppe A gegen Südkorea, Südafrika und Mexiko an. Trainer Miroslav Koubek wird mit 74 Jahren übrigens der älteste Trainer bei der WM sein.
Wie öffnen die Läden über Ostern?
Auch in Tschechien ist der Karfreitag seit Längerem ein Feiertag. Wer aber im Nachbarland dennoch einkaufen möchte, muss sich keine Sorgen machen. Alle Läden sind Karfreitag geöffnet. Auch Karsamstag kauft man ein wie an jedem Samstag. Geöffnet haben Läden auch am Ostersonntag. Allerdings könnten einige Geschäfte ihre Öffnungszeiten kürzen. Geschlossen ist einzig am Ostermontag. Anders als in Deutschland, ist in Tschechien der Ostermontag der eigentlich wichtige Feiertag. Da werden viele beliebte Bräuche gefeiert. Immer beliebter wird auch die Tradition von Ostermärkten, z.B. in Úštěk am Sonnabend oder in den Teplicer Kolonnaden bis Montag.
Eine gute Übersicht zu den tschechischen Osterbräuchen hat das Landesecho publiziert. Die reichen von der lustigen, mit peinlicher Historie verbundenen Lieferung von Eiern aus Velvary nach Prag bis zum durchaus umstrittenen Brauch, junge Frauen mit Weidenruten zu schlagen. Heute sollte man sich z.B. nicht wundern, wenn man grünes Bier serviert bekommt. Im Regionalmuseum in Ústí nad Labem kann man eine Ostereierausstellung besuchen, während die Galerie des Verbandes der Ostereiermaler in Libotenice in diesem Jahr anscheinend nur nach telefonischer Voranmeldung öffnet.
Museen vernetzen sich grenzüberschreitend
45 Teilnehmer aus knapp 20 Institutionen vorwiegend aus dem Bereich Museen und Archive in Sachsen und Tschechien trafen sich am Montag zu einem Workshop auf Schloss Weesenstein. Die Teilnehmer unterhielten sich sowohl auf Tschechisch und Deutsch als auch Englisch. Der Workshop diente vor allem zur Vernetzung. Rund ein Drittel der Teilnehmer kam aus Tschechien wie dem Schloss Velké Březno, dem Freilichtmuseum Zubrnice sowie aus dem Gebietsmuseum in Děčín (Tetschen). Thematisch befasste sich der Workshop mit dem Thema "Anbauen, Einkaufen, Essen – Historische Versorgungssysteme vermitteln", das in verschiedenen Museen im Grenzgebiet eine wichtige Rolle spielt. Der Workshop war Teil des Interreg-Projekts „Kindheit in Adel und Bürgertum in historischer Perspektive“ von Schloss Weesenstein und dem Gebietsmuseum Děčín.
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Radio Prag vor dem Aus?
Die internationalen Sender des tschechischen Rundfunks Český rozhlas sollen laut Außenminister Petr Macinka abgeschafft werden. Kommende Woche will der Minister mit dem Sender, dessen Auslandsradios vom Außenministerium finanziert werden, einen neuen Vertrag über die Finanzierung für dieses Jahr unterzeichnen. Demnach würde der Sender nur noch etwas über 26 Millionen Kronen erhalten, statt wie geplant 35 Millionen. 2027 möchte der Minister die Förderung komplett einstellen. Er halte den Sender für überflüssig. Bei einem TV-Interview stellte sich heraus, dass der Minister dachte, der Sender sei für jene Tschechen, die im Ausland leben. Die mehrsprachigen Sender (unter anderem auf Englisch, Deutsch, Französisch) werden aber von Menschen gehört, die des Tschechischen nicht mächtig sind und die sich für Tschechien interessieren. Die Auslandssender sind daher eine Form der Werbung im Ausland. Die internationalen Webseiten besuchten laut Český rozhlas im letzten Jahr rund 8 Millionen Menschen, die meisten aus Deutschland, Frankreich, USA, Österreich, Spanien und Großbritannien. Am meisten werden die Sendungen auf Englisch, Deutsch und Französisch gehört. Ein Ende der finanziellen Unterstützung würde auch das Ende der Auslandssender bedeuten, die in diesem Jahr ihren 90. Geburtstag feiern.
Ob es zur Einstellung der finanziellen Unterstützung kommt, hängt nun vom Medienausschuss des tschechischen Parlaments ab. Wie Medien berichten, stößt eine mögliche Abschaffung der Auslandssender bei den Abgeordneten der Regierungspartei ANO auf Widerspruch. Die Oppositionsparteien kritisieren das Unterfangen ohnehin.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht in Tschechien derzeit unter immensen Druck. Die Regierung möchte die Mittel drastisch kürzen, die Gebühren abschaffen und den Rundfunk direkt aus dem Staatshaushalt finanzieren. Treiber sind vor allem die beiden kleinen Parteien in der Regierung, die rechtsradikale SPD und die Autofahrer, deren Stimmanteile in Umfragen momentan unter der 5-Prozent-Hürde liegen.
Massenprotest in Prag
Fast eine Viertel Million Menschen protestierte am vergangenen Samstag in Prag gegen die aktuelle tschechische Regierung. Die Demonstration im Letná-Park stand unter dem Motto "Wir lassen uns nicht unsere Zukunft stehlen" und warf der Regierung Korruption, Machtmissbrauch, Abschaffung von Institutionen und die Einführung von Manieren osteuropäischer Autokraten vor. Die Demonstranten befürchten vor allem eine Erosion der demokratischen Institutionen und beklagen die Aggressivität vor allem der beiden kleinen Regierungsparteien. Zu der Demonstration hatte der Verein "Milion chvilek pro demokracii" (Eine Million Augenblicke für die Demokratie) aufgerufen. Es sprachen unter anderem bekannte Schauspieler wie der 90-jährige Schauspieler und Drehbuchautor Zdeněk Svěrák ("Kolja"), der Schauspieler Ondřej Trojan und die Sängerin Aneta Langerová.
Der Letná-Park ist der Ort für große Demonstrationen in Tschechien. Eine ähnlich große Demo 2019 läutete das Ende der ersten Regierung ein. Der Verein Milion chilek ist unabhängig von Parteien und Politikern und stützt sich rein auf die Zivilgesellschaft. Im Letná-Park fand auch die bisher größte Demonstration in der Geschichte Tschechiens und auch der Tschechoslowakei statt. 1989 demonstrierten hier auf dem Höhepunkt der Samtenen Revolution 750.000 Menschen aus der ganzen Tschechoslowakei.
Tyssaer Wände beschränken Zutritt
Wer seinen Osterausflug zu den Tyssaer Wänden (Tiské stěny) plant, sollte nichts dem Zufall überlassen. Denn sonst könnte es passieren, dass man zwar in Tisá ist, aber die Wände nur von Ferne sieht. Denn die Gemeinde wird mit Beginn der neuen Ausflugssaison am 1. April täglich nur noch maximal 2.000 Menschen in die beliebte Felsenwelt lassen. An Tagen mit vielen Besuchern wie zu Ostern kann es also passieren, dass schlicht ausverkauft ist.
Dass der Zutritt zur Felsenwelt Geld kostet, ist nichts Neues. Eintrittskarten gibt es an kleinen Verkaufsbuden an den zwei Eingängen. Das Ticket für Erwachsene kostet aktuell 100 Kronen, also etwas mehr als 4 Euro. Kinder bis 15 Jahre, Studenten bis 26 Jahre und Senioren mit über 65 Jahren zahlen nur die Hälfte. Es gibt auch ein Familienticket für bis zu drei Kindern für 250 Kronen. Kinder unter 6 Jahren zahlen nichts.
Allerdings könnten sogar Frühaufsteher leer ausgehen, denn die Gemeinde hat ein Online-Ticketsystem gestartet. Wer also für den Osterausflug auf Nummer Sicher gehen möchte, sollte die Eintrittskarten hier kaufen. Auf der Ticket-Plattform wird auch angezeigt, wie viele Eintrittskarten noch erhältlich sind. Für den Ostersonntag sind momentan noch alle 2.000 Tickets zu haben. Die Plattform hat eine tschechische, deutsche und englische Sprachversion.
Die Gemeinde Tisá plant übrigens mit regelmäßigen Ticketkontrollen. Das Gebiet ist ja nicht eingezäunt, weshalb sich findige Besucher am Einlass vorbei mogeln könnten. Das möchte die Gemeinde verhindern und wird regelmäßig mit zwei bis drei Personen zum Kontrollieren im Terrain sein.
Einschränkungen beim Besuch von beliebten Ausflugszielen nehmen in den letzten Jahren zu. Zuerst kam es dazu in der Felsenwelt von Adršpach, einer ähnlich faszinierenden Landschaft wie den Tyssaer Wänden, nur größer. In der Böhmischen Schweiz gibt es seit letztem Jahr einen begrenzten Ticketverkauf für die Edmundsklamm (Edmundova soutěska). Das ist zwar bedingt durch die Zerstörungen während des Waldbrands vor vier Jahren. Doch die Gemeinde Hřensko (Herrnskretschen), der die Wege in der Klamm gehören und welche die Kahnfahrten organisiert, möchte den begrenzten Zutritt auch künftig beibehalten, wenn auch mit höherer Personenzahl pro Tag, sobald dies möglich ist.
Weniger Bier aus Velké Březno
Der niederländische Braukonzern Heineken hat angekündigt, in seiner Brauerei in Velké Březno (Großpriesen) künftig weniger Bier zu brauen. Hintergrund ist die sinkende Nachfrage nach Bier, nicht nur in Tschechien, sondern weltweit. So möchte der Konzern weltweit 5.000 bis 6.000 Stellen streichen. In Velké Březno sollen keine Mitarbeiter entlassen werden, heißt es. Allerdings wird es bis auf Weiteres auch keine Brauereiführungen mehr geben.
Für die Region ist das ein harter Schlag. Heineken hatte nach der Übernahme bereits die Brauerei Zlatopramen in Ústí nad Labem (Aussig) im dortigen Stadtteil Krásné Březno (Schönpriesen) geschlossen. In Velké Březno wird das beliebte Bier Březňák gebraut, das auch nach Deutschland exportiert wird.
Das Bier ist vor allem für sein Logo bekannt. Das ziert nämlich seit 1906 das Konterfei des früheren Bahnmitarbeiters Viktor Cibich (1856-1916). Seine Identität fand der frühere Leiter des Stadtarchivs von Ústí nad Labem, Vladimír Kaiser, in langen Recherchen heraus. Kaiser fand letztendlich auch das Grab von Cibich. Der wohlgenährte und zufriedene Cibich war sogar Vorbild für weitere Logos im Ausland. Wohlgenährt und zufrieden konnte Cibich schon deshalb sein, weil ihm als Gegenleistung eine lebenslange Bierrente zugestanden wurde. Sein Bier bekam er also in den örtlichen Lokalen kostenlos.
Verein rettet Ballsaal im Schicht-Werk
Der historische Ballsaal der Schicht-Werke in Ústí nad Labem im Stadtteil Střekov (Schreckenstein) erlebt seine Wiedereröffnung. Wo Generationen das Tanzbein geschwungen haben, eröffnet am Samstag eine Fotoausstellung. Die Ausstellung ist eine Benefizveranstaltung zur Rettung des Ballsaals. Gezeigt werden unter anderem Motive des Verwaltungsgebäudes der berühmten Schicht-Werke mit ihrem opulenten Ballsaal.
Vor wenigen Jahren schien allerdings das Ende dieses historischen Gebäudes gekommen. Wo die Familie Schicht im 19. Jahrhundert mit der Produktion von Seifen begann, entstand schnell eines der größten Werke der Monarchie. Neben Seifen wurde unter anderem auch Magarine und weitere Drogeriewaren hergestellt. Berühmt war die Seife mit dem Hirsch (Jelen) als Logo. Hier ist die Wiege des heutigen Weltkonzerns Unilever. Nach 1945 wurde das Werk in Ústí jedoch verstaatlicht, trotzdem produzierte es bis in die 2010er Jahre. Dann wurde das Werk aufgespalten. Heute wird hier weder Seife, noch Margarine produziert. Das Verwaltungsgebäude steht seit 2011 leer und sollte vor drei Jahren abgerissen werden. Dazu kam es auch zum Teil, ein Flügel musste weichen. Der ältere Teil mit dem Ballsaal wurde jedoch unter Denkmalschutz gestellt. Deshalb konnte der Verein Střek-ON den Eigentümer überzeugen, den Saal zu vermieten.
Nach einem Jahr ist es nun so weit, der Saal wird mit einer Vernissage eingeweiht. Der Eintritt kostet 70 Euro für zwei Personen. Der Erlös ist für die sensible Sanierung des Saals und seinen weiteren Betrieb bestimmt. Nach der Vernissage mit Musik und Tanz, die 15 Uhr beginnt, wird bis 22 Uhr gefeiert. Auch am Sonntag ist der Saal den ganzen Tag geöffnet. Weitere Informationen unter Sál Šichtovka.
Tschechen steigen wegen Benzinpreisen auf Öffis um
Gestiegene Preise für Benzin und vor allem Diesel sind inzwischen auch in Tschechien angekommen. Laut eines Berichts der Tageszeitung Mladá fronta Dnes (MfD) macht sich das inzwischen im Verkehrsverhalten bemerkbar, auch im Bezirk Ústí. Vor allem auf Buslinien, die kleinere Orte mit Städten verbinden, sei die Auslastung gestiegen. Belastbare Zahlen liegen dem Bezirk, der die Fahrten bestellt, nicht vor. Die Zeitung stützt sich aber auf Aussagen von Passagieren und Busfahrern. Demnach seien einige Verbindungen vor allem im Berufsverkehr viel stärker ausgelastet als noch vor zwei Wochen.
Arbeitspendler, die auf einen öffentlichen Verkehr umsteigen können, der regelmäßig, planbar und vor allem in einer mit dem Auto vergleichbaren Fahrtzeit unterwegs ist, sind deshalb laut der Wissenschaftlerin Hana Brůhová Foltýnová von der Universität in Ústí nad Labem (UJEP) auch die ersten, die vom Auto auf Bus oder Zug umsteigen. Sie erwartet aber nicht, dass Autofahrer in größerer Menge auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Je 10 Prozent Teuerung seien es erfahrungsgemäß 1 bis 4 Prozent der Autonutzer, die umsteigen.
Die Preise für Benzin und Diesel liegen inzwischen deutlich höher als noch vor Wochen. Benzin kostete im Schnitt 1,75 Euro der Liter, Diesel 1,95 Euro. Damit ist der alte Abstand zwischen deutschen und tschechischen Preisen von gut 30 Cent fast wieder hergestellt.
In Tschechien waren die Preise zunächst langsamer gestiegen als in Deutschland, weil der Staat über seine Firma Čepro die Preise niedrig hielt. Čepro betreibt die Netze Eurooil und Robin Oil mit fast 300 Tankstellen, was schon eine kleine Marktmacht darstellt. Industrieminister Karel Havlíček hatte Čepro angewiesen, die Kraftstoffe weiter zu den Preisen zu verkaufen, wie sie vor dem Angriff auf Iran eingekauft wurden. In Deutschland hatten Tankstellenketten dagegen die Preise sofort erhöht, hier ist allerdings auch der Staat an keinen Tankstellen beteiligt.
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