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Sudetendeutsche hoffen auf Wiederholung in Tschechien
Dies ist nun bereits der dritte Newsletter, in dem der Sudetendeutsche Tag in Brno prominent erwähnt wird. Falls Sie sich nach den Gründen fragen, weil das für unsere Grenzregion ja eher von untergeordneter Bedeutung zu sein scheint: Dem ist diesmal nicht so. Sowohl das wunderbare Zeichen der Einladung der Sudetendeutschen nach Tschechien, die in Brno oft als „unsere Landsleute“ bezeichnet wurden, als auch die politischen Querelen darum haben einen großen Einfluss auf die deutsch-tschechischen Beziehungen. Sie haben eine intensive Diskussion in der tschechischen Gesellschaft angestoßen, deren (hoffentlich positive) Folgen wir vermutlich erst in einigen Jahren rückblickend einschätzen können. Sie finden ganz unten auch ein paar persönliche Eindrucke von vor Ort.
Der Sudetendeutsche Tag in Brno begann bereits am Donnerstag mit einer Gedenkveranstaltung am Hauptbahnhof an Gleis 5, von wo die Transporte in KZs abgegangen waren. Daran nahmen u.a. der Sohn von Sir Nicholas Winton, der 1939 fast 700 jüdische Kinder vor den Nazis gerettet hatte, sowie zwei der sog. Winton-Kinder teil. Am Freitag gab es ein öffentliches Fest mit Musik und Tanz im Stadtzentrum von Brno, dem auch viele Einheimische beiwohnten.
Sonnabend und Sonntag waren die Haupttage mit vielen Ständen, Veranstaltungen und einigen Reden tschechischer und deutscher Vertreter in einer Messehalle, woran nach persönlicher Schätzung etwa 2000 Menschen teilnahmen. Dabei wurde der tschechische Schriftsteller und Widerständler gegen das kommunistische Regime, Milan Uhde, mit dem Karlspreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft ausgezeichnet. Die Nationalsozialisten hatten 18 Mitglieder von Uhdes Familie ermordet, trotzdem engagierte er sich zeitlebens in der Versöhnungsarbeit.
Zudem fand am Sonnabend der von Meeting Brno organisierte Brünner Versöhnungsmarsch Pohořelice (Pohrlitz) nach Brno statt, den diesmal ca. 1300 Menschen ganz oder teilweise absolvierten. Am Montag ging das Treffen mit einem Gedenkakt für die Opfer des Nationalsozialismus vor dem Kaunitz-Wohnheim, der ehemaligen Gestapo-Zentrale in Brünn, zu Ende.
Die im Vorfeld befürchteten Gegenproteste hielten sich in Grenzen. Bei den Gedenkveranstaltungen und dem Versöhnungsmarsch waren mal einige Dutzend, mal bis zu 200 Protestierende zu sehen. Eine in den sozialen Medien viel diskutierte Aktion war die Errichtung einer symbolischen Mauer aus Kartons vor dem Messegelände. Davon bekamen die Besucher des Sudetendeutschen Tages jedoch nichts mit, da dieser in einer Halle am anderen Ende des Messegeländes platziert war. Stattdessen dürften die Besucherinnen und Besucher eines parallel stattfindenden Anime-Festivals irritiert worden sein. Das beruhte angesichts deren kreativen Outfits vermutlich auf Gegenseitigkeit.
Die größte Gegenveranstaltung fand am Sonntag im Zentrum von Brno statt, wo ca. 2500 Menschen aus ganz Tschechien an einer vor allem von der Kommunistischen Partei (KSČM) organisierten Kundgebung mit anschließender Demonstration teilnahmen. Das war allerdings weit weg vom Messegelände. Normalerweise versuchen solche Gegenproteste ja immer, in Sicht- und Hörweite ihrer Gegner zu gelangen, aber das war hier nicht der Fall. Es ging wohl vor allem um Bilder für die Medien und vielleicht auch um den inneren Zusammenhalt einer im Abstieg begriffenen Partei.
Die Sudetendeutschen hoffen indes auf eine Wiederholung in Tschechien. 2027 wird der Sudetendeutsche Tag wieder in Bayern, und zwar in Nürnberg stattfinden. Doch danach wäre eine Ausrichtung im Wechsel schön, so der Vorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bernd Posselt, im Bayerischen Rundfunk. Von tschechischer Seite hätten mehrere Städte Interesse an einer Ausrichtung gezeigt.
Schluckenauer Zipfel vor fünfmonatiger Straßensperrung
Ab 1. Juni wartet auf Autofahrer, aber auch Einwohner am Rande des Schluckenauer Zipfels eine fünfmonatige Leidenszeit. Grund ist die fünfmonatige Sperrung der Staatsstraße 9 zwischen Svor und Nová huť. Die ist nötig, weil die tschechische Straßen- und Autobahndirektion eine Umgehung des Ortes Svor baut. Das anspruchsvolle Gelände lässt keine andere Möglichkeit zu, als eine großräumige Umleitung.
Die „9“ ist die Hauptverbindung für den Straßenverkehr in und aus dem Schluckenauer Zipfel mit dem tschechischen Binnenland. Als Staatsstraße ist sie auch für große LKW mit mehr als 7,5 Tonnen Gewicht ausgelegt. Ein Teil dieser Fahrzeuge nutzt die Straße „9“ auch für den Transit weiter nach Deutschland. Diese LKW müssen nun umgeleitet werden. Gerade die Transit-LKW dürften das Gebiet ab Montag weiträumig umfahren. Auf der Umleitungsstrecke ist mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen zu rechnen. Touristen und Ausflügler aus Sachsen sollten sie also besser meiden. Um das Ausweichen auf sehr kleine Straßen zu vermeiden, wurde die Straße von Horní Světlá unterhalb der Lausche über Nová huť nach Kytlice als Einbahnstraße Richtung Kytlice ausgewiesen.
In den Gemeinden an der Umleitungsstrecke, aber auch sonst im Schluckenauer Zipfel hatte der Plan zur Sperrung im Vorfeld Protest ausgelöst. Sie erfuhren davon nur aus den Medien und kritisieren bis heute die mangelnde Kommunikation mit der Straßen- und Autobahndirektion. Immerhin konnten sie gemeinsam mit den Verwaltungen der Bezirke Ústí und Liberec erreichen, dass die Dauer der Sperrung von ursprünglich 24 Wochen auf 20 Wochen gekürzt wurde. Sie sollte also nur bis zum 16. Oktober dauern. Allerdings wurde vom zuständigen Bezirksamt in Liberec keine Strafzahlung im Falle einer Überschreitung dieses Termins festgelegt.
Wiedereröffnung der Edmundsklamm im Juni
Seit der Winterpause mussten Touristen in der Böhmischen Schweiz aus Sicherheitsgründen auf die beliebten Fahrten mit dem Boot in der Edmundsklamm verzichten. Nun ist es aber bald wieder so weit. Bereits im Juni sollen die Boote wieder fahren.
Grund für die Sperrung war ein Felsblock rund 130 Meter über dem Wanderweg zur Anlegestelle der Boote. Der instabile Teil des Felsblocks wurde bis Freitag von einer Spezialfirma abgetragen und zerkleinert. Der Rest des Blocks wurde gesichert und mit einem Netz versehen, das eventuell sich lösende Steine zurückhalten soll.
„Wir würden gern Anfang Juni eröffnen, warten aber noch auf ein geologisches und ein dendrologisches Gutachten“, sagte die Bürgermeisterin von Hřensko, Kateřina Horáková, im Tschechischen Rundfunk.
Seit der Wiedereröffnung nach dem großen Waldbrand im Sommer 2022 dürfen Touristen nur in professioneller Begleitung und in Gruppen in die Edmundsklamm, da die Gefahr eines Felsbruchs immer noch gegeben ist. Der Nationalpark Böhmische Schweiz untersucht regelmäßig die Stabilität der Felsen.
Die Gemeinde Hřensko hat aber angekündigt, bald ein Buchungssystem in Betrieb zu nehmen, so dass der Eintritt in die Klamm auch bequem Online gebucht werden kann. Die Zahl der Eintritte soll sich auch etwas erhöhen, bleibt aber weiterhin begrenzt.
Die Wilde Klamm, wo ebenfalls Boote fahren, ist bereits seit Karfreitag in Betrieb, allerdings weiterhin nur von der unteren Anlegestelle aus zu erreichen. Dahin gelangen Wanderer entweder von Mezná oder von Růžová.
Schicht-Projekt bringt Ústí wichtigen Museumspreis
Das Projekt „Königreich der Seifenblasen“ des Bezirksmuseums in Ústí nad Labem wurde mit dem tschechischen Museumspreis „Gloria musealis“ ausgezeichnet. Dabei geht es um das Werk der Unternehmerfamilie Schicht, die im Stadtteil Schreckenstein mit der Produktion von Kosmetik, Drogeriewaren und Öl groß wurde. Später schloss sich Schicht sogar zu dem multinationalen Konzern Unilever zusammen, der bis heute besteht.
Der Titel des Projekts ist auch der Titel eines Dokumentarfilms über die Schicht-Familie, der im vergangenen Jahr nach sieben Jahren Drehzeit seine Premiere hatte. Dieser sei aber nur der glorreiche Abschluss des Projekts, so Martin Krsek vom Museum in Ústí. Die Hauptarbeit durch die Museumsmitarbeiter, zu denen neben Krsek noch weitere wie Tomáš Okurka zählen, war das fast 20-jährige Bemühen, wieder Kontakt zur Schicht-Familie zu knüpfen und ihr Vertrauen zurückzugewinnen. Die Familie war nach 1945 vertrieben worden und hatte ihr Eigentum in der Tschechoslowakei verloren. Dabei war das Verhältnis der Familie zu den Ereignissen der 1930er und 1940er Jahre nicht einheitlich. Ein Teil der Familie paktierte mit den Nationalsozialisten, ein Teil unterstützte offen den tschechoslowakischen Widerstand im Exil.
Der Dokumentarfilm wird übrigens am 5.11. im Rahmen der Tschechisch-Deutschen Kulturtage 2026 in Dresden laufen.
Kurstadt Teplice leidet unter dem Iran-Konflikt
Der Krieg zwischen den USA und dem Iran hat auch Auswirkungen auf den Kurbetrieb im nordböhmischen Teplice. Traditionell ist die Kurstadt Ziel vieler Gäste aus den arabischen Ländern, vor allem von der arabischen Halbinsel. Doch diese Gäste bleiben momentan aus. „Wir haben zurzeit nur wenige Klienten aus dem Nahen Osten. Der Konflikt hat große Auswirkungen, ob man zu uns anreisen kann, also ob es überhaupt Flugverbindungen gibt“, wird Iveta Slížková von dem Kurbetrieb zitiert. In Teplice hofft man nun auf tschechische Klienten, zumindest auf jene, die sonst in den Nahen Osten gereist wären. Ob die Rechnung aufgeht, ist offen. Der Dachverband geht schon jetzt von einer schwachen Saison aus.
Taiwanesische Firma plant Großinvestition in Nordböhmen
Die kommende Eröffnung des Halbleiterwerks von ESMC in Dresden wirkt auch bis Nordböhmen. Tschechien hatte sich wiederholt für Zulieferfirmen angeboten. Nun plant die taiwanesische Firma i-TRANS Global ihr europäisches Logistikzentrum für Halbleiterchemikalien in Nordböhmen. Momentan sei man auf der Suche nach einem geeigneten, fast 17.000 Quadratmeter großen Grundstück.
Unterstützt wird die Firma dabei vom Bezirk Ústí sowie der staatlichen Agentur CzechInvest, die bei der Firmenansiedlung hilft. Das Logistikzentrum soll zu Beginn des Jahres 2028 in Betrieb gehen, so der Plan. i-TRANS will in das Zentrum 20 Millionen Euro investieren. Es sollen 60 Arbeitsplätze entstehen.
In einer zweiten Phase stellt sich i-TRANS eine tiefere Zusammenarbeit mit tschechischen Chemikalienherstellern vor. Neben der Nähe zu Dresden ist die Ausrichtung der Industrie im Bezirk Ústí auf die Chemiebranche der zweite Hauptgrund für die Ansiedlung in Nordböhmen.
Persönlicher Eindruck vom Sudetendeutschen Tag
Als Besucher vor Ort möchte ich hier noch ein paar persönliche Eindrücke hinzufügen: Das leider immer noch weit verbreitete Bild der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SdL) als Hort jener, die die Vertreibung gegen die Verbrechen des Nationalsozialismus ausspielen und ihr früheres Eigentum zurückhaben wollen, ist (mittlerweile) vollkommen falsch. Vor allem Bernd Posselt als Vorsitzender hat in den letzten 25 Jahren dafür gesorgt, dass die SdL für Ewiggestrige, Revanchisten und Altnazis ein ungemütlicherer Hort geworden ist. Ich habe vor Ort weder an den Ständen noch in Veranstaltungen noch am Biertisch irgendetwas vernehmen können, was solche Ansichten widergespiegelt hätte.
In allen Reden von deutscher Seite wurden ohne Ausnahme zuerst die Verbrechen der Nazis und die Mitschuld der Sudetendeutschen daran benannt. Das Leid der Vertreibung wurde nicht verschwiegen, aber immer in diesen Kontext gesetzt. Ganz im Sinne der Deutsch-Tschechischen Erklärung von 1997 wurde deutlich, dass man in der Bewertung der Vergangenheit nicht einer Meinung sein muss, aber dennoch an einer gemeinsamen Zukunft in guter Nachbarschaft mitarbeiten will. Damit sind kein Vergessen und kein Schlussstrich gemeint, sondern die gemeinsame, unvoreingenommene Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Gerade Bernd Posselt hat immer wieder betont, dass es nicht um Schuld und Vorwürfe gehe, sondern um die Lehren, die man aus den Geschehnissen ziehen muss, um daraus für die Zukunft zu lernen. Im Hinblick auf die Beneš-Dekrete wurde z.B. betont, dass man diese nicht revidieren wolle, ihren Grundansatz von Kollektivschuld und kollektiver Bestrafung in einer aufgeklärten Gesellschaft aber keinesfalls akzeptieren könne. Ich fürchte allerdings, dass beide einfach nicht totzukriegen sind.
Die tschechischen Rednerinnen und Redner betonten alle die Wichtigkeit von Aussöhnung, Aufarbeitung und Vergebung, und es war schön zu sehen, wie jeder Satz von Ihnen vom Publikum eifrig beklatscht wurde (und das noch vor der Übersetzung). Ich hatte den Eindruck, dass die anwesenden Sudetendeutschen unheimlich dankbar für die Einladung nach Tschechien waren. Sie sind wirkliche deutsch-tschechische Brückenbauer, und das wurde honoriert.
Rüdiger Kubsch
Beim Tschechischen Filmmittwoch am 3. Juni bieten wir eine ganz besondere Spezialität: den komplett rückwärts laufenden Experimentalfilm "Happy end" von 1967 von Regisseur Oldřich Lipský. Wir glauben mit einiger Sicherheit sagen zu können: So einen Film haben Sie noch nicht gesehen!
Der Schlachter Bedřich liegt eingangs unter der Guillotine, ohne Kopf. Doch warum wurde er hingerichtet? Was hat er angestellt? Das erzählt er uns selbst und geht dabei Schritt für Schritt zurück. Allerdings erzählt er es verkehrt herum, also vorwärts. Klingt verwirrend, ist aber vor allem lustig. Da sind einige Klimmzüge notwendig, um Bild und Erzählung in Einklang zu bringen. Wir folgen ihm dennoch auf dem Weg zurück über die schreckliche Tat bis hin zum romantischen Beginn seiner Ehe. Dabei werden zerbrochene Dinge wieder heil, tote Menschen stehen wieder auf und Ertrunkene werden wieder zu tollen Schwimmern.
Keine Angst, man bekommt davon keine Kopfschmerzen. Manchmal gibt es zwar Knoten im Gehirn, aber das ist nicht so schlimm. Dafür ist es sehr lustig. Und der Film ist eine solche Einmaligkeit, dass man ihn unbedingt gesehen haben muss.
Mit Publikumslieblingen wie Vladimír Menšík und Josef Abrhám haben sich einige Vertreter der ersten Riege tschechischer Schauspieler auf das Experiment in den "wilden 60ern" der tschechischen Kinematografie eingelassen.
Wir haben wieder zwei Vorstellungen angesetzt, um 18.15 und um 20 Uhr.
Neues zur Schnellbahnstrecke Dresden-Prag
Auf dem Weg zur Realisierung des Erzgebirgsbasistunnels für die Schnellbahnstrecke Dresden-Prag wurde nun ein wichtiger Schritt gemacht: Nach einem positiven Votum des Verkehrsausschusses hat am Donnerstag der Bundestag der von der Bahn vorgelegten Vorplanung für die Neubaustrecke Dresden–Prag zugestimmt. Diese sieht einen Volltunnel ab Heidenau vor. In den ursprünglichen Planungen der Deutschen Bahn sah das noch anders aus, doch die intensive Arbeit der Bürgerinitiative „Basistunnel nach Prag“ hat sich ausgezahlt
Gleichzeitig geht aus dem Bericht, der dem Beschluss zugrunde lag, hervor, dass die Kosten für die Strecke auf deutscher Seite auf bis zu 8 Mrd. Euro steigen können. Vor einigen Jahren war von 1,3 Mrd. Euro die Rede, vor zwei Jahren noch von ca. 2,3 Mrd. Euro. Nun geht man von Kosten in Höhe von 5,6 Mrd. Euro aus, zu denen Puffer für steigende Baukosten und weitere unvorhersehbare Kosten gerechnet werden, die zur Schätzung von 8 Mrd. Euro führen. Darin wäre die Finanzierung von weiteren Forderungen aus der Region wie mehr Lärmschutz oder besserer Ausstattung der Feuerwehren noch gar nicht enthalten. Dennoch schätzt die Bundesregierung das Vorhaben als wirtschaftlich ein. Man hofft auf eine großzügige Förderung durch die EU.
Die Strecke war auch das wichtigste Thema des Treffens von Sachsens Infrastrukturministerin Regina Kraushaar mit dem neuen tschechischen Verkehrsminister Ivan Bednárik. Beide betonten die hohe Bedeutung des Vorhabens und drängen den Bund, den für die weiteren Planungen notwendigen Staatsvertrag abzuschließen sowie die rund 20 Mio. Euro an Planungskosten in den nächsten Haushalt einzustellen. Die Staatsministerin hatte am Donnerstag in einer Rede im Bundestag nochmals für die Zustimmung zu dem Projekt geworben.
Der Tunnel wird einmal ca. 30 Kilometer lang sein, davon 18 km auf deutscher Seite. Die Züge sollen im Tunnel bis zu 200 km/h erreichen, später auf tschechischer Seite Richtung Prag sogar bis zu 320 km/h. Durch das gesamte Vorhaben soll man Prag von Dresden in einer Stunde statt heute 2,5 Stunden erreichen. Die Deutsche Bahn hat bisher das Jahr 2032 für den Baustart avisiert und möchte rund 12 Jahre später fertig sein.
Schädel der heiligen Zdislava gerettet
Vorige Woche wurde der als Reliquie verehrte Schädel der Heiligen Zdislava aus der Basilika des Heiligen Vavřinec (Laurentius) im nordböhmischen Jablonné nad Podještědí (Gabel) gestohlen. Die Polizei fasste den Täter bereits nach zwei Tagen, wie wir letzte Woche vermelden konnten. Er hatte jedoch den Schädel in Beton gegossen, um ihn in einem Fluss zu versenken, weil er mit der Zurschaustellung nicht einverstanden war.
Restauratoren ist es gelungen, den Schädel nahezu unversehrt aus dem Beton zu befreien. Die Dominikaner, zu deren Kloster die Basilika gehört, sprachen daraufhin von einem Wunder. Allerdings waren beim Diebstahl fünf Absplitterungen vom Schädel entstanden, weil der Täter ein zu kleines Loch ins Schutzglas geschlagen hatte. Diese Splitter sollen nun wieder befestigt werden.
Hakenkreuze in Cheb
Auf das Gebäude in Cheb (Eger), in dem u.a. der "Bund der Deutschen - Landschaft Egerland" seinen Sitz hat, wurden in der Nacht zum Mittwoch Hakenkreuze gesprüht. Die Polizei ermittelt, und die Stadt Cheb verurteilte die Tat sehr deutlich. Der Bürgermeister erklärte, dass es in Cheb keinerlei Probleme mit den deutschen Landsleuten gebe, ganz im Gegenteil: „Wir verstehen uns gut mit dem Büro des Bundes der Deutschen und stehen in Kontakt; auch deshalb haben wir ihnen einen Platz direkt auf dem Marktplatz zur Verfügung gestellt. Was in der Nacht passiert ist, ist für uns daher inakzeptabel“.
Es ist vermutlich nicht zu weit hergeholt, einen Zusammenhang zwischen dieser Tat und der durch den ablehnenden Beschluss des tschechischen Parlaments zur Ausrichtung des Sudetendeutschen Tages in Brno (wir berichteten) erzeugten Diskussion zu sehen. Richard Neugebauer, Präsident der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik (LV), äußerte sich diesem Sinne. Und in dieselbe Richtung gehen auch einige Kommentare unter einem entsprechenden Facebook-Beitrag der Stadt Cheb, sowohl dafür als auch dagegen. Sollte sich das bewahrheiten, würde es die letzte Woche hier geäußerte Befürchtung bestätigen, dass das Ausspielen der antideutschen Karte im politischen Wettbewerb nicht ohne Folgen bleiben kann, auch wenn die Initiatoren des Parlamentsbeschlusses das verneinen.
Der Sudetendeutsche Tag begann am Donnerstag mit einer Gedenkveranstaltung an die Opfer des Nationalsozialismus am Bahnhof in Brno. Dagegen protestierten rund 100 Menschen, die ausgerechnet bei dieser Veranstaltung den Vorwurf der Nähe zum Nationalsozialismus auf ihre Plakate schrieben. Wir sind vor Ort und werden nächste Woche an dieser Stelle ein Resümee des gesamten Wochenendes ziehen.
Hinsichtlich der durchaus geteilten Meinung der tschechischen Bevölkerung zur Einladung des Sudetendeutschen Tages nach Brno hat Radio Prag einen sehr aufschlussreichen Artikel verfasst.
Im Juni können wir Ihnen innerhalb von nur 8 Tagen gleich drei vollkommen unterschiedliche tschechisch-deutsche Kulturveranstaltungen empfehlen.
Exkursion zum Thema "Esskultur früher und heute" am 6. Juni
Schloss Weesenstein lädt am 6. Juni im Rahmen eines deutsch-tschechischen Projektes ein zur kulinarischen Entdeckungsfahrt nach Zubrnice und Česká Kamenice. An beiden Orten wird viel Geschichte der Kulinarik und darüber hinaus vermittelt.
Mehr Informationen und Anmeldung
Lesung mit Jaroslav Rudiš auf dem Dampfer am 9. Juni
Auch drei Tage später geht es um Kulinarik: Jaroslav Rudiš liest aus seinem Buch "Gebrauchsanweisung für Bier", aber diesmal auf dem Dampfschiff "Leipzig", während dieses zwischen Terrassenufer und Pillnitz an der schönen abendlichen Dresdner Kulisse vorübergleitet.
Mehr Informationen und Anmeldung
Country & Folk Festival mit sportlichem Familienwettbewerb in Osek am 13. Juni
Bereits zum 33. Mal findet am 13. Juni das Country & Folk Festival "Osecká kytara" (Oseker Gitarre) in – Sie ahnen es – Osek statt. Am Vormittag können sich tschechische und deutsche (Familien-)Teams in einem abwechslungsreichen sportlichen Wettbewerb messen. Dafür können Sie sich auf unserer Website anmelden.
Gegen Mittag treten verschiedene tschechische und deutsche Musikgruppen mit Kindern und Jugendlichen auf, u.a. aus Dippoldiswalde.
Später beginnt dann das eigentliche Country & Folk-Programm mit Bands bzw. Solokünstlern aus Tschechien und Sachsen. Mit dabei sind Bob a bobci aus Nordböhmen, Ina Schirmer aus Olbernhau, Sabina Uxová aus Kolín, b.country aus Thum, Lubomír Stranďa Stráník aus dem Erzgebirge und die älteste rein weibliche Country-Band Schovanky, die schon mit Johnny Cash auf der Bühne stand.
Das Festival wird aus dem Kleinprojektefonds der Euroregion Erzgebirge/Krušnohoří gefördert.
Mehr Informationen und Anmeldung zum Wettbewerb
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Tschechisches Parlament lehnt Sudetendeutschen Tag ab
© Sudetendeutsche Landsmannschaft
Erstmals in seiner Geschichte wird der Sudetendeutsche Tag auf dem Gebiet Tschechiens stattfinden: In diesem Jahr wird das von der Sudetendeutschen Landsmannschaft traditionell zu Pfingsten veranstaltete Treffen auf Einladung in Brno (Brünn) unter dem Motto "Alles Leben ist Begegnung" gefeiert.
Wenige Tag vor Beginn dieses historischen Ereignisses hat sich nun eine knappe Mehrheit im tschechischen Parlament gegen das Treffen ausgesprochen. Einer Vorlage der tschechischen Regierungskoalition aus ANO, Motoristen und der rechtsextremen SPD stimmten 73 von nur 77 anwesenden Abgeordneten zu. Drei ANO-Abgeordnete und der Umweltminister für die Motoristen Igor Červený enthielten sich der Stimme. Insgesamt umfasst das Parlament 200 Abgeordnete, die Regierungskoalition hat 108 Sitze. Die Parlamentarier der Opposition verließen für die Zeit der Abstimmung geschlossen den Saal.
Mit dem Beschluss lehnt das Parlament die 76. Auflage des Sudetendeutschen Tags auf dem Boden der Tschechischen Republik ab und rief die Organisatoren auf, die Veranstaltung abzusagen. Der Beschluss verweist zudem auf die Teile der Sudetendeutschen, die die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestehenden Verhältnisse in Zweifel ziehen. Er verurteilt jegliche Äußerungen des historischen Revisionismus, Relativierung nationalsozialistischer Verbrechen und eine Anfechtung der Rechts- und Eigentumsverhältnisse im Tschechien der Nachkriegszeit, sprich die sogenannten Benesch-Dekrete. Dabei muss erwähnt werden, dass sich die Sudetendeutsche Landsmannschaft unter Bernd Posselt schon vor 11 Jahren von solchen Forderungen verabschiedet hat. Ohne diese Fortschritte wäre die Einladung nach Brno niemals erfolgt.
Redner der Regierungskoalition verwiesen außerdem darauf, dass die Beziehungen zwischen Deutschland und Tschechien die besten in der modernen Geschichte seien und dass die Ablehnung des Sudetendeutschen Tags diese auch nicht beeinträchtigen sollten. Die Ausrichtung des Sudetendeutschen Tags in Brünn sei allerdings „nicht sehr glücklich und öffne alte Wunden“, so die Rednerin der ANO-Partei Taťána Malá, bzw. „eine politische Provokation“, so der Redner der Motoristen, Sportminister Boris Šťastný. Gleichzeitig hob das Parlament die Bedeutung der Deutsch-Tschechischen Deklaration von 1997 hervor, welche die Existenz der Benesch-Dekrete bestätigt, aber in die Vergangenheit verweist. Eine wichtige Folge der Deklaration war die Gründung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, zu dessen weiterer Finanzierung sich die Außenminister beider Staaten, Johann Wadephul und Petr Macinka, vergangene Woche in Berlin bekannten.
Der Sudetendeutsche Tag in Brno findet auf Einladung der Organisation Meeting Brno statt. Sie organisiert seit Jahren den Versöhnungsmarsch, der an die Vertreibung der Brünner Deutschen nach dem 2. Weltkrieg erinnert. Die Organisatoren bestätigten, dass der Sudetendeutsche Tag trotz der Entscheidung der Parlamentarier wie geplant stattfindet. Sie sehen im Beschluss des Abgeordnetenhauses einen Ausdruck der Schwäche und Angst vor der eigenen Vergangenheit und keinen Ausdruck des nationalen Selbstbewusstseins. Der Vorsitzende der Piratenpartei in Brünn, Adam Zemek, bezeichnete den Beschluss als eine Schande.
Der Vorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bernd Posselt (CSU), hat die Abstimmung als „Farce und Karikatur eines parlamentarischen Prozesses“ bezeichnet. Er wies darauf hin, dass auch von den Abgeordneten der Regierungsparteien etwa ein Drittel nicht erschienen sei oder nicht mitgestimmt habe, darunter Ministerpräsident Babiš (Partei Ano).
In der Vergangenheit hatte die rechtsextreme SPD bereits eine Protestveranstaltung gegen den Sudetendeutschen Tag durchgeführt. Mehrere Online-Petitionen auf dem Portal Petice.com mit insgesamt knapp 30.000 Unterzeichnern wenden sich gegen den Sudetendeutschen Tag in Tschechien. Eine weitere Petition von Anfang Mai zur Unterstützung des Sudetendeutschen Tags zählt bislang etwas über 6.000 Unterzeichner.
Die Zahl tschechischer Teilnehmer beim Sudetendeutschen Tag steigt schon seit Jahren. Gleichzeitig nimmt der Anteil der tschechischen Bevölkerung, die gegenüber Deutschland und den Deutschen Vorbehalte haben, stetig ab, liegt aber Umfragen zufolge immer noch bei etwa 25 bis 30 Prozent.
Ein paar politische Punkte bei diesem Teil der Bevölkerung zu machen, dürfte das wesentliche Ansinnen der beiden kleinen rechtslastigen Regierungsparteien gewesen sein, die beide (inbesondere die Motoristen) in Umfragen sehr schlecht dastehen. Auch wenn sie betonen, die deutsch-tschechischen Beziehungen mit dem Beschluss nicht zu belasten, ist es ein Spiel mit dem Feuer, wenn immer wieder die antideutsche Karte gezogen wird, sobald man sich einen kleinen Vorteil davon verspricht.
Diebstahl und Rückkehr einer Heiligenreliquie in Tschechien
Schock in Tschechien: Am Dienstagabends stahl ein Unbekannter den Schädel der Heiligen Zdislava aus Basilika des Heiligen Vavřinec (Laurentius) im nordböhmischen Jablonné nad Podještědí (Gabel) nahe der Grenze zu Sachsen. Der Täter soll laut Polizei ausgenutzt haben, dass die Alarmanlage kurz vor der Messe am Abend ausgeschaltet war. Als sich der Priester für die Messe vorbereitete, zerschlug er das zweifache Glas des Reliquienschreins. Der Priester konnte nur noch sehen, wie der Täter aus der Kirche verschwand. Zur Tat soll es demnach zwischen 18 und 18.15 Uhr gekommen sein.
Bereits am Donnerstagabend meldete die Polizei aber, den Tatverdächtigen im benachbarten Bezirk Mittelböhmen gefasst zu haben. Der Täter soll sich nach er Tat umgezogen haben und nach Mladá Boleslav gefahren sein. Zugleich deutete die Polizei bereits an, zu wissen, wo sich die 800 Jahre alte Reliquie befindet. Am Freitagnachmittag teilte sie dann bei einer Pressekonferenz in Česká Lípa (Böhmisch Leipa) weitere Einzelheiten mit. Demnach hatte der Täter den Schädel in Beton gegossen, um ihn im Fluss zu versenken. Der Verdächtige habe sich laut Polizei zum Diebstahl bekannt. Er hatte den Schädel aber nicht verkaufen wollen. Ihn ärgerte, dass er abgetrennt vom Körper in der Kirche ausliegt, und er wollte ihm ewige Ruhe verschaffen.
Ob sich der Schädel unversehrt aus dem Beton auslösen lässt, war am Freitag noch unklar. Momentan wird das von Restauratoren versucht. Für Gläubige hat der Schädel vor allem einen geistlichen Wert. Zdislava war eine böhmische Adlige, die sich vor allem für Arme einsetzte. Sie begründete auch das Kloster in Jablonné v Podještědí. Sie starb mit gerade einmal 32 Jahren und wurde in der Laurentiusbasilika zur letzten Ruhe gebettet.
1907 erfolgte die Seligsprechung und 1995 wurde sie von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen. Sie wird als Schutzheilige der Armen und Leidenden verehrt. Seit dem Jahr 2000 ist sie auch die Patronin der Diözese Litoměřice (Leitmeritz). Zum Schrein mit ihrem Schädel pilgern jedes Jahr Zehntausende Menschen. In Jablonné wird ihr immer am 30. Mai mit einer Wallfahrt gedacht. Bis dahin soll in der Basilika ein neuer Schrein mit Panzerglas installiert werden.
Schwere Ausschreitungen beim Fußballgipfel
Nach schweren Ausschreitungen im Spitzenspiel der tschechischen Fußballliga zwischen Slavia Prag und Sparta Prag verhängte der Ligaverband schwere Strafen vor allem gegen die Heimmannschaft Slavia. Beim Spiel am vergangenen Samstag hatten Slavia-Fans kurz vor Ende der Nachspielzeit den Rasen gestürmt und mehrere Spieler von Sparta Prag angegriffen. Am schwersten betroffen war der Torhüter der Gäste, Jakub Surovčík. Das Spiel, das zum Zeitpunkt des Fansturms 3:2 für Slavia stand, wurde 3:0 für Sparta gewertet. Slavia erhielt die Höchststrafe von 10 Millionen Kronen (ca. 400.000 Euro) und muss vier Heimspiele ohne Zuschauer austragen. Das betrifft noch zwei Heimspiele in der Meisterrunde und die ersten zwei Heimspiele in der neuen Saison 2026/27.
Durch die neue Wertung des Spiels war das Rennen um die Meisterschaft kurzzeitig noch mal offen. Nach einem Sieg im nächsten Spiel (vor leeren Rängen) bei gleichzeitigem Unentschieden von Sparta konnte sich Slavia dennoch vorzeitig die Meisterschaft und die Teilnahme an der Gruppenphase der Champions League in der kommenden Saison sichern. Zum Feiern war Slavia aber nicht zumute. Der Vorfall wird den Klub noch eine Weile beschäftigen. Die Randalierer sollen lebenslängliche Stadionverbote erhalten. Die Polizei meldete bereits, einen Großteil der Personen identifiziert zu haben. Die polizeilichen Ermittlungen werden fortgesetzt. Auch Sparta Prag erhielt eine kleinere Strafe, da auch Sparta-Anhänger den Rasen gestürmt hatten. Slavia Prag geht aufgrund der Randale von Verlusten in Höhe von 50 Millionen Kronen (ca. 2 Millionen Euro) aus.
Schadensbilanz für Waldbrand in der Böhmischen Schweiz
Der Nationalpark beziffert den durch den Waldbrand Anfang Mai verursachten Schaden auf 15 bis 20 Millionen Kronen, also auf bis zu 800.000 Euro. Das betrifft vor allem den Schaden, den das Feuer am Wald verursacht hat, aber auch die Kosten des Löscheinsatzes. Der Nationalpark macht nun seinen Versicherungsschutz geltend.
Zugleich teilte der Nationalpark mit, dass das betroffene Gebiet zwischen den Orten Rynartice und Chřibská länger gesperrt bleibt. Denn es drohen weitere Schäden durch umstürzende Bäume, aber auch Felsstürze sind möglich. Das müssen nun untersucht werden. Außerdem sind Wege zu beräumen und Risikobäume zu fällen. Viele Wege wurden auch durch den Löscheinsatz in Mitleidenschaft gezogen. Der Brand vernichtete zudem junge Buchen und Tannen, die erst 10 bis 15 Jahre alt waren.
Er war in unwegsamen Gelände am 2. Mai ausgebrochen. Bis zum 7. Mai, als der Brand auch dank einsetzenden Regens endgültig gelöscht wurde, kamen 2.581 Feuerwehrleute zum Einsatz. Hubschrauber kippten über dem Brandgebiet fast 3 Millionen Liter Wasser aus. Trotz des schwierigen Geländes konnte die Ausbreitung des Brandes nach 52 Stunden gestoppt werden. Vom Brand waren 100 Hektar Wald betroffen, zehnmal weniger als beim riesigen Waldbrand im Sommer 2022.
Tschechien ringt um Vorranggebiete für Windkraft
Die tschechischen Ministerien für Umwelt, Industrie und Handel sowie für regionale Entwicklung haben 80 Gebiete für den schnelleren Bau von Windkraftanlagen und 14 Gebiete für den Bau von Fotovoltaikanlagen ausgewiesen. Ein Beschluss über die Vorranggebiete bis Ende August ist eine Voraussetzung, um EU-Mittel zu erhalten. Momentan läuft das Verfahren für öffentliche Stellungnahmen.
Für den Bezirk Ústí sind zwei Gebiete vorgesehen: eins bei Kryštofovy Hamry im Erzgebirge und eins bei Podbořany im Kreis Louny. Ein weiteres liegt zwar vor allem im Mittelböhmischen Bezirk, befindet sich aber in der Nähe zum ikonischen Berg Říp. Diesen Standort lehnt die Bezirksverwaltung von Ústí ab. Auch gegen den Erzgebirgsstandort hat die Verwaltung wegen der Nähe zu einer Funkanlage der Armee Vorbehalte. Im Bezirk Liberec sind Windkraftanlagen im ehemaligen Sperrgebiet Ralsko und im Kreis Semily vorgesehen.
Allerdings fährt der Politiker der Motoristen, Filip Turek, derzeit eine Kampagne gegen den Bau von Windrädern. Turek ist Beauftragter der Regierung für Klimapolitik und den Green Deal, allerdings ein erklärter Gegner dessen. Eigentlich wollte er Umweltminister werden, was Staatspräsident Petr Pavel allerdings ablehnte. Nun möchte Turek über das neue Baugesetz dafür sorgen, dass trotz Vorranggebieten wenig Windkraftanlagen gebaut werden. So möchte er im Gesetz die Abstandsregelungen verschärfen. In Vorranggebieten müssen Windräder mindestens 900 Meter von Wohnhäusern entfernt sein, so seine Vorstellung. Außerhalb von Vorranggebieten sollen es 1,2 Kilometer sein, wenn das Windkraftwerk nicht höher als 240 Meter ist.
Tschechien liegt beim Bau von Windkraftwerken deutlich hinter anderen Ländern der Europäischen Union. Bisher sind in dem Land etwas über 200 Windräder in Betrieb. Diese produzieren ungefähr ein Prozent der elektrischen Energie in Tschechien. Um die Verpflichtung von 3 Gigawatt installierte Leistung zu erfüllen, müssten 500 bis 600 weitere Windräder errichtet werden.
Industrieminister Karel Havlíček hatte bereits gesagt, dass das von der Vorgängerregierung bis 2030 erklärte Ziel von 30 Prozent Energie aus erneuerbaren Quellen nicht erreichbar ist. Aktuell werden in Tschechien 18 Prozent aus erneuerbaren Quellen produziert. Dominant ist Atomenergie, an zweiter Stelle steht noch die Stromerzeugung aus Kohle. Tschechien möchte aber in den 2030er Jahren aus der Kohleverstromung aussteigen.
Angeblich sind in Tschechien Windräder nicht beliebt. Eine Umfrage des Instituts STEM/MARK zeigt aber ein anderes Bild. Demnach sehen 74 Prozent der Befragten Windkraft positiv. Noch beliebter sind Wasserkraftwerke und Solaranlagen. Atomkraft steht bei zwei Dritteln der Befragten hoch im Kurs. Am unbeliebtesten ist die Kohle, die nur 23 Prozent der Befragten positiv sehen.
Tschechien unterstützt Dorfläden
Der Bezirk Ústí beteiligt sich erneut am Programm des Ministeriums für Industrie und Handel zur Unterstützung von Dorfläden. Konkret bewirbt sich der Bezirk um 3,8 Millionen Kronen (knapp 160.000 Euro), die an Läden in Dörfern bis 1.000 Einwohner ausgegeben werden. Seit dem Start des Programms im Jahr 2021 hat der Bezirk so bereits 17 Millionen Kronen (700.000 Euro) an 200 Läden in der Region verteilt. Das Geld ist für die Auszahlung von Gehältern für Verkaufspersonal, für die Begleichung von Energie-, Telefon- und Internetkosten oder für Kassengebühren gedacht. Jeder Laden kann zwischen 20.000 und 100.000 Kronen (800-4.100 Euro) erhalten. Voraussetzung ist, dass die Läden vornehmlich Lebensmittel, Getränke und Tabakwaren anbieten.
Die Zahl von Läden bis 400 Quadratmeter Fläche lag 2023 in ganz Tschechien bei 11.701. Gegenüber 2017 ging ihre Zahl damit um mehr als 2.000 Geschäfte zurück. Allerdings hat sich der Rückgang inzwischen verlangsamt. Gegenüber 2019 waren es nur 400 Verkaufsstellen weniger.
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