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Neuigkeiten
Václav-Havel-Bibliothek droht Schließung
Der dem früheren tschechischen Präsidenten Václav Havel gewidmeten Bibliothek droht das Aus. Nachdem die Witwe von Václav Havel, die Schauspielerin Dagmar Havlová, ihre Unterstützung für die Bibliothek zurückgezogen hat, ist der weitere Betrieb der Institution akut gefährdet.
Der Rückzug der 73-jährigen Präsidentenwitwe ist der letzte Tiefpunkt, den die Bibliothek nach wochenlangen Auseinandersetzungen erleiden musste. Im Mai hatte das Team der Bibliothek geschlossen die Kündigung zum Ende Juni eingereicht. Einziger Grund: die chaotische Leitungstätigkeit des Direktors Tomáš Sedláček und damit verbunden verschiedene Auffassungen von der Ausrichtung der Bibliothek. Sedláček hält dagegen, dass er nur seine Vision erfülle, mit der er vor einem Jahr ins Amt gekommen war. Der 49-jährige Sedláček ist ein bekannter Volkswirtschaftler, der sogar noch im Beratergremium von Václav Havel gearbeitet hat. Er wurde vor allem bekannt durch sein in viele Sprachen übersetztes Buch „Die Ökonomie von Gut und Böse“, das 2012 mit dem Deutschen Wirtschaftspreis ausgezeichnet wurde. Zuvor hatten schon vier von fünf Mitgliedern des Verwaltungsrats ihr Amt aufgegeben, nachdem sie erfolglos versucht hatten, Direktor Sedláček zu kündigen, dem sie vorwerfen, seine Pflichten nicht zu erfüllen.
Die Bibliothek ist nun vor allem durch die Rücktritte und Kündigungen bedroht. Zu den bekanntesten Mitarbeitern der Bibliothek zählt der erfolgreiche Schriftsteller Jáchym Topol, der in der Bibliothek als Dramaturg tätig ist. Topol gehörte seit seiner Jugend zum engen Kreis um Václav Havel. Ebenfalls im Team ist noch bis Ende Juni die Lektorin Anna Freimannová. Die 75-jährige war selbst vor 1989 im Untergrund und hat sich um die Herausgabe von Václav Havels Werk verdient gemacht.
Der Weggang der Verwaltungsratsmitglieder ist zudem mit dem Ende der finanziellen Unterstützung der Bibliothek verbunden. Die wurde zu großen Teilen durch die Unternehmer Zdeněk Bakala und Karel Komárek gesichert. Bakala hat bereits angekündigt, kein Geld mehr zu geben. Komárek hat sich noch nicht endgültig geäußert. Beide waren Mitglieder des Verwaltungsrats.
Die Bibliothek entstand 2004 nach dem Vorbild der Bibliothek ehemaliger amerikanischer Präsidenten, nachdem Havel Anfang 2003 nach über 13 Jahren als tschechoslowakischer bzw. tschechischer Präsident aus dem Amt geschieden war. Die Bibliothek hat sich noch zu seinen Lebzeiten zu einer wichtigen Institution entwickelt, in der nicht nur das Vermächtnis Václav Havels gepflegt wurde, sondern die bis heute wichtige Debatten anstößt, Publikationen herausbringt und Ausstellungen veranstaltet, aber auch intensiv mit Jugendlichen arbeitet. Sie wurde lange von dem Schriftsteller, Übersetzer und Diplomaten Michal Žantovský geleitet.
Nun hat das letzte verbliebene Mitglied des Verwaltungsrates, der Politiker David Dušek, angekündigt, die Bibliothek mit neuen Sponsoren und einem neuen Team fortzuführen. Ohne die Namensrechte, die Dagmar Havlová hält, dürfte das aber schwierig werden.
Marsch erinnerte an Postelberger Massaker
Mit einem Marsch von Postoloprty (Postelberg) nach Žatec (Saaz) erinnerten mehrere Hundert Menschen an die Opfer, die bei dem Massaker an Angehörigen der deutschen Minderheit Ende Mai, Anfang Juni 1945 umgekommen waren. Bei der Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei waren von der tschechoslowakischen Armee und nicht näher bezeichneten bewaffneten Einheiten vor allem Männer in der Kaserne von Postoloprty zusammengetrieben und dann mehrere Tage lang gefoltert und erschossen worden. Quellen sprechen von 800 bis 1.200 Opfern, teils sogar bis 2.000. Es ist damit bis zu den Ereignissen in Srebrenica das blutigste Massaker der Nachkriegszeit in Europa.
Seit 2022 wird den Opfern mit dem Marsch gedacht. Dabei engagieren sich vor allem Schüler von Gymnasien in der näheren Umgebung. Auch der Prager Erzbischof Stanislav Přibyl marschierte mit. Er hatte – noch als Bischof von Litoměřice – dieses Jahr zum Jahr der Versöhnung erklärt mit zwölf Veranstaltungen, die an das Leid erinnern, welches Deutsche Tschechen und Tschechen Deutschen angetan haben.
Auflösung der Porzellanfabrik in Dubí abgewendet
Ein Antrag zur Liquidation der Porzellanfabrik in Dubí (Eichwald) wurde von der Aktionärsversammlung nicht angenommen. Dafür wäre eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig gewesen.
Die Porzellanfabrik Český porcelán produziert seit 1864 Porzellan. Bekannt ist sie vor allem für das Zwiebelmuster, das sie in Lizenz der Porzellanmanufaktur in Meißen herstellt. Doch hohe Energiepreise sind an der Firma nicht spurlos vorüber gegangen. Trotzdem hat das Unternehmen genug Aufträge und ausreichend Barmittel, um Gehälter zu zahlen, meldet die Tageszeitung Mladá fronta Dnes unter Berufung auf Vladimír Feix, einen der größten Aktionäre. Doch angeblich gehe es einem Teil der Aktionäre um fehlende Dividenden. Sie würden an ihrem Anteil zu wenig verdienen, da die Gewinne in der Regel wieder in die Firma investiert würden. Feix nannte den Versuch, die Firma zu liquidieren, ein ohne Not geplantes Unterfangen. Hinter dem Antrag zur Auflösung steht der in Hongkong ansässige Aktionär Renown Trading Limited, der 9,8 Prozent der Aktien hält.
Größte Aktionäre sind die beiden Brüder Vladimír und Radislav Feix. Sie haben ihre Beteiligungen von ihrem Vater, Vladimír Feix senior, geerbt, der die Firma über 50 Jahre geführt hatte, bevor er 2021 starb. Zusammen halten sie knapp 46 Prozent der Anteile. Wie es nun mit der Porzellanfabrik weitergeht, ist offen. Die Firma ist nicht nur auf dem heimischen Markt erfolgreich, sondern verkauft ihr Porzellan vor allem auch in Europa und Asien.
Tschechien erlebt größte Trockenheit seit 65 Jahren
Der Frühling war in diesem Jahr in Tschechien der trockenste seit 1961. Das geht aus den Aufzeichnung des Tschechischen Hydrometeorologischen Instituts hervor. Demnach war der Frühling dieses Jahres trockener als der bisherige Rekordwert aus dem Jahr 1993. Am wenigsten regnete es im April, nur wenig mehr Niederschlag gab es im März. Der Frühling gehörte zugleich auch zu den wärmsten, wobei die zwölf wärmsten Frühlingszeiten sich alle nach dem Jahr 2000 ereigneten. So übertraf die Durchschnittstemperatur der drei Frühlingsmonate die langfristigen Normalwerte um 0,9 Grad Celsius.
Zdislava-Schädel ein letztes Mal gezeigt
Bei der feierlichen Wallfahrtsmesse am vergangenen Samstag wurde der Schädel der Heiligen Zdislava noch einmal gezeigt. Wohlbehalten lag er auf dem Altar. Doch danach wurde er an einem geheimen Ort abgelegt. In Zukunft soll er nicht mehr wie bisher öffentlich ausgestellt, sondern zu den sterblichen Überresten der Heiligen gelegt werden. Grund ist der Diebstahl, bei dem der Schädel am 12. Mai entwendet wurde. Der Täter hatte den Schädel dann in Beton gegossen und wollte ihn im Wasser versenken. Doch gerade noch rechtzeitig konnte er von der Polizei gefasst werden. In einem 16-stündigen Marathon hatten zwei Restauratoren die Reliquie danach heil aus dem Beton herausgelöst.
Nun sei es an der Zeit, den Schädel im Grab der Heiligen Zdislava abzulegen, so Erzbischof Stanislav Přibyl. Er hatte die Wallfahrt erst vor einem Jahr wiederbelebt, damals noch als Bischof von Litoměřice (Leitmeritz). Erst jetzt sei aber bekannt geworden, dass der Schädel bereits in den 1970er Jahren zerbrochen war. Die über 800 Jahre alte Reliquie war damals vom Experten Emanuel Vlček zusammengesetzt worden. Deshalb sei es nur verantwortlich, den Schädel jetzt zu schützen. Zu der Ablage im Grab werde es im kleinen Rahmen kommen, so der Erzbischof von Prag. Diese Ablage müsse nicht endgültig sein. Anders wäre es bei einem erneuten Diebstahl oder jedweder anderen Beschädigung. „Das könnte dann endgültig sein, und das wollen wir nicht riskieren“, so Přibyl.
Zdislava wurde 1907 seliggesprochen, 1995 erfolgte die Heiligsprechung. Sie ist Patronin der Familien, aber auch des Bezirks Liberec, des Bistums Litoměřice und des tschechischen Volkes. Ihr Schädel wurde fast 120 Jahre in einem Reliquiar auf einem Seitenaltar direkt über ihrem Grab ausgestellt.
Dora Kaprálová gewinnt Europäischen Literaturpreis
Die in Berlin lebende tschechische Autorin Dora Kaprálová erhält für ihren Roman „Die Mariborhypnose“ den diesjährigen Preis der Europäischen Union für Literatur. Die Jury wählte sie unter 14 Kandidaten aus. Der Preis wurde vergangene Woche auf der Internationalen Buchmesse in Warschau verliehen. Der Roman verarbeitet mit einer ungewöhnlichen Optik Kaprálovás Aufenthalt in der slowenischen Stadt Maribor. Er sei eine poetische und spielerische Erzählung über Illusion, Vorstellungskraft und die Suche nach Hoffnung in einer unsicheren Welt, steht in einer Mitteilung.
Damit feiert Kaprálová, die im vergangenen Jahr auch bei den Tschechisch-Deutschen Kulturtagen in Dresden auftrat, bereits den zweiten großen Triumph. Vor einem Monat hatte sie den höchsten tschechischen Literaturpreis „Magnesia Litera“ für das „Buch des Jahres“ erhalten. Die deutsche Übersetzung erschien im Berliner Verlag mikrotext.
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Sudetendeutsche hoffen auf Wiederholung in Tschechien
Dies ist nun bereits der dritte Newsletter, in dem der Sudetendeutsche Tag in Brno prominent erwähnt wird. Falls Sie sich nach den Gründen fragen, weil das für unsere Grenzregion ja eher von untergeordneter Bedeutung zu sein scheint: Dem ist diesmal nicht so. Sowohl das wunderbare Zeichen der Einladung der Sudetendeutschen nach Tschechien, die in Brno oft als „unsere Landsleute“ bezeichnet wurden, als auch die politischen Querelen darum haben einen großen Einfluss auf die deutsch-tschechischen Beziehungen. Sie haben eine intensive Diskussion in der tschechischen Gesellschaft angestoßen, deren (hoffentlich positive) Folgen wir vermutlich erst in einigen Jahren rückblickend einschätzen können. Sie finden ganz unten auch ein paar persönliche Eindrucke von vor Ort.
Der Sudetendeutsche Tag in Brno begann bereits am Donnerstag mit einer Gedenkveranstaltung am Hauptbahnhof an Gleis 5, von wo die Transporte in KZs abgegangen waren. Daran nahmen u.a. der Sohn von Sir Nicholas Winton, der 1939 fast 700 jüdische Kinder vor den Nazis gerettet hatte, sowie zwei der sog. Winton-Kinder teil. Am Freitag gab es ein öffentliches Fest mit Musik und Tanz im Stadtzentrum von Brno, dem auch viele Einheimische beiwohnten.
Sonnabend und Sonntag waren die Haupttage mit vielen Ständen, Veranstaltungen und einigen Reden tschechischer und deutscher Vertreter in einer Messehalle, woran nach persönlicher Schätzung etwa 2000 Menschen teilnahmen. Dabei wurde der tschechische Schriftsteller und Widerständler gegen das kommunistische Regime, Milan Uhde, mit dem Karlspreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft ausgezeichnet. Die Nationalsozialisten hatten 18 Mitglieder von Uhdes Familie ermordet, trotzdem engagierte er sich zeitlebens in der Versöhnungsarbeit.
Zudem fand am Sonnabend der von Meeting Brno organisierte Brünner Versöhnungsmarsch Pohořelice (Pohrlitz) nach Brno statt, den diesmal ca. 1300 Menschen ganz oder teilweise absolvierten. Am Montag ging das Treffen mit einem Gedenkakt für die Opfer des Nationalsozialismus vor dem Kaunitz-Wohnheim, der ehemaligen Gestapo-Zentrale in Brünn, zu Ende.
Die im Vorfeld befürchteten Gegenproteste hielten sich in Grenzen. Bei den Gedenkveranstaltungen und dem Versöhnungsmarsch waren mal einige Dutzend, mal bis zu 200 Protestierende zu sehen. Eine in den sozialen Medien viel diskutierte Aktion war die Errichtung einer symbolischen Mauer aus Kartons vor dem Messegelände. Davon bekamen die Besucher des Sudetendeutschen Tages jedoch nichts mit, da dieser in einer Halle am anderen Ende des Messegeländes platziert war. Stattdessen dürften die Besucherinnen und Besucher eines parallel stattfindenden Anime-Festivals irritiert worden sein. Das beruhte angesichts deren kreativen Outfits vermutlich auf Gegenseitigkeit.
Die größte Gegenveranstaltung fand am Sonntag im Zentrum von Brno statt, wo ca. 2500 Menschen aus ganz Tschechien an einer vor allem von der Kommunistischen Partei (KSČM) organisierten Kundgebung mit anschließender Demonstration teilnahmen. Das war allerdings weit weg vom Messegelände. Normalerweise versuchen solche Gegenproteste ja immer, in Sicht- und Hörweite ihrer Gegner zu gelangen, aber das war hier nicht der Fall. Es ging wohl vor allem um Bilder für die Medien und vielleicht auch um den inneren Zusammenhalt einer im Abstieg begriffenen Partei.
Die Sudetendeutschen hoffen indes auf eine Wiederholung in Tschechien. 2027 wird der Sudetendeutsche Tag wieder in Bayern, und zwar in Nürnberg stattfinden. Doch danach wäre eine Ausrichtung im Wechsel schön, so der Vorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bernd Posselt, im Bayerischen Rundfunk. Von tschechischer Seite hätten mehrere Städte Interesse an einer Ausrichtung gezeigt.
Schluckenauer Zipfel vor fünfmonatiger Straßensperrung
Ab 1. Juni wartet auf Autofahrer, aber auch Einwohner am Rande des Schluckenauer Zipfels eine fünfmonatige Leidenszeit. Grund ist die fünfmonatige Sperrung der Staatsstraße 9 zwischen Svor und Nová huť. Die ist nötig, weil die tschechische Straßen- und Autobahndirektion eine Umgehung des Ortes Svor baut. Das anspruchsvolle Gelände lässt keine andere Möglichkeit zu, als eine großräumige Umleitung.
Die „9“ ist die Hauptverbindung für den Straßenverkehr in und aus dem Schluckenauer Zipfel mit dem tschechischen Binnenland. Als Staatsstraße ist sie auch für große LKW mit mehr als 7,5 Tonnen Gewicht ausgelegt. Ein Teil dieser Fahrzeuge nutzt die Straße „9“ auch für den Transit weiter nach Deutschland. Diese LKW müssen nun umgeleitet werden. Gerade die Transit-LKW dürften das Gebiet ab Montag weiträumig umfahren. Auf der Umleitungsstrecke ist mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen zu rechnen. Touristen und Ausflügler aus Sachsen sollten sie also besser meiden. Um das Ausweichen auf sehr kleine Straßen zu vermeiden, wurde die Straße von Horní Světlá unterhalb der Lausche über Nová huť nach Kytlice als Einbahnstraße Richtung Kytlice ausgewiesen.
In den Gemeinden an der Umleitungsstrecke, aber auch sonst im Schluckenauer Zipfel hatte der Plan zur Sperrung im Vorfeld Protest ausgelöst. Sie erfuhren davon nur aus den Medien und kritisieren bis heute die mangelnde Kommunikation mit der Straßen- und Autobahndirektion. Immerhin konnten sie gemeinsam mit den Verwaltungen der Bezirke Ústí und Liberec erreichen, dass die Dauer der Sperrung von ursprünglich 24 Wochen auf 20 Wochen gekürzt wurde. Sie sollte also nur bis zum 16. Oktober dauern. Allerdings wurde vom zuständigen Bezirksamt in Liberec keine Strafzahlung im Falle einer Überschreitung dieses Termins festgelegt.
Wiedereröffnung der Edmundsklamm im Juni
Seit der Winterpause mussten Touristen in der Böhmischen Schweiz aus Sicherheitsgründen auf die beliebten Fahrten mit dem Boot in der Edmundsklamm verzichten. Nun ist es aber bald wieder so weit. Bereits im Juni sollen die Boote wieder fahren.
Grund für die Sperrung war ein Felsblock rund 130 Meter über dem Wanderweg zur Anlegestelle der Boote. Der instabile Teil des Felsblocks wurde bis Freitag von einer Spezialfirma abgetragen und zerkleinert. Der Rest des Blocks wurde gesichert und mit einem Netz versehen, das eventuell sich lösende Steine zurückhalten soll.
„Wir würden gern Anfang Juni eröffnen, warten aber noch auf ein geologisches und ein dendrologisches Gutachten“, sagte die Bürgermeisterin von Hřensko, Kateřina Horáková, im Tschechischen Rundfunk.
Seit der Wiedereröffnung nach dem großen Waldbrand im Sommer 2022 dürfen Touristen nur in professioneller Begleitung und in Gruppen in die Edmundsklamm, da die Gefahr eines Felsbruchs immer noch gegeben ist. Der Nationalpark Böhmische Schweiz untersucht regelmäßig die Stabilität der Felsen.
Die Gemeinde Hřensko hat aber angekündigt, bald ein Buchungssystem in Betrieb zu nehmen, so dass der Eintritt in die Klamm auch bequem Online gebucht werden kann. Die Zahl der Eintritte soll sich auch etwas erhöhen, bleibt aber weiterhin begrenzt.
Die Wilde Klamm, wo ebenfalls Boote fahren, ist bereits seit Karfreitag in Betrieb, allerdings weiterhin nur von der unteren Anlegestelle aus zu erreichen. Dahin gelangen Wanderer entweder von Mezná oder von Růžová.
Schicht-Projekt bringt Ústí wichtigen Museumspreis
Das Projekt „Königreich der Seifenblasen“ des Bezirksmuseums in Ústí nad Labem wurde mit dem tschechischen Museumspreis „Gloria musealis“ ausgezeichnet. Dabei geht es um das Werk der Unternehmerfamilie Schicht, die im Stadtteil Schreckenstein mit der Produktion von Kosmetik, Drogeriewaren und Öl groß wurde. Später schloss sich Schicht sogar zu dem multinationalen Konzern Unilever zusammen, der bis heute besteht.
Der Titel des Projekts ist auch der Titel eines Dokumentarfilms über die Schicht-Familie, der im vergangenen Jahr nach sieben Jahren Drehzeit seine Premiere hatte. Dieser sei aber nur der glorreiche Abschluss des Projekts, so Martin Krsek vom Museum in Ústí. Die Hauptarbeit durch die Museumsmitarbeiter, zu denen neben Krsek noch weitere wie Tomáš Okurka zählen, war das fast 20-jährige Bemühen, wieder Kontakt zur Schicht-Familie zu knüpfen und ihr Vertrauen zurückzugewinnen. Die Familie war nach 1945 vertrieben worden und hatte ihr Eigentum in der Tschechoslowakei verloren. Dabei war das Verhältnis der Familie zu den Ereignissen der 1930er und 1940er Jahre nicht einheitlich. Ein Teil der Familie paktierte mit den Nationalsozialisten, ein Teil unterstützte offen den tschechoslowakischen Widerstand im Exil.
Der Dokumentarfilm wird übrigens am 5.11. im Rahmen der Tschechisch-Deutschen Kulturtage 2026 in Dresden laufen.
Kurstadt Teplice leidet unter dem Iran-Konflikt
Der Krieg zwischen den USA und dem Iran hat auch Auswirkungen auf den Kurbetrieb im nordböhmischen Teplice. Traditionell ist die Kurstadt Ziel vieler Gäste aus den arabischen Ländern, vor allem von der arabischen Halbinsel. Doch diese Gäste bleiben momentan aus. „Wir haben zurzeit nur wenige Klienten aus dem Nahen Osten. Der Konflikt hat große Auswirkungen, ob man zu uns anreisen kann, also ob es überhaupt Flugverbindungen gibt“, wird Iveta Slížková von dem Kurbetrieb zitiert. In Teplice hofft man nun auf tschechische Klienten, zumindest auf jene, die sonst in den Nahen Osten gereist wären. Ob die Rechnung aufgeht, ist offen. Der Dachverband geht schon jetzt von einer schwachen Saison aus.
Taiwanesische Firma plant Großinvestition in Nordböhmen
Die kommende Eröffnung des Halbleiterwerks von ESMC in Dresden wirkt auch bis Nordböhmen. Tschechien hatte sich wiederholt für Zulieferfirmen angeboten. Nun plant die taiwanesische Firma i-TRANS Global ihr europäisches Logistikzentrum für Halbleiterchemikalien in Nordböhmen. Momentan sei man auf der Suche nach einem geeigneten, fast 17.000 Quadratmeter großen Grundstück.
Unterstützt wird die Firma dabei vom Bezirk Ústí sowie der staatlichen Agentur CzechInvest, die bei der Firmenansiedlung hilft. Das Logistikzentrum soll zu Beginn des Jahres 2028 in Betrieb gehen, so der Plan. i-TRANS will in das Zentrum 20 Millionen Euro investieren. Es sollen 60 Arbeitsplätze entstehen.
In einer zweiten Phase stellt sich i-TRANS eine tiefere Zusammenarbeit mit tschechischen Chemikalienherstellern vor. Neben der Nähe zu Dresden ist die Ausrichtung der Industrie im Bezirk Ústí auf die Chemiebranche der zweite Hauptgrund für die Ansiedlung in Nordböhmen.
Persönlicher Eindruck vom Sudetendeutschen Tag
Als Besucher vor Ort möchte ich hier noch ein paar persönliche Eindrücke hinzufügen: Das leider immer noch weit verbreitete Bild der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SdL) als Hort jener, die die Vertreibung gegen die Verbrechen des Nationalsozialismus ausspielen und ihr früheres Eigentum zurückhaben wollen, ist (mittlerweile) vollkommen falsch. Vor allem Bernd Posselt als Vorsitzender hat in den letzten 25 Jahren dafür gesorgt, dass die SdL für Ewiggestrige, Revanchisten und Altnazis ein ungemütlicherer Hort geworden ist. Ich habe vor Ort weder an den Ständen noch in Veranstaltungen noch am Biertisch irgendetwas vernehmen können, was solche Ansichten widergespiegelt hätte.
In allen Reden von deutscher Seite wurden ohne Ausnahme zuerst die Verbrechen der Nazis und die Mitschuld der Sudetendeutschen daran benannt. Das Leid der Vertreibung wurde nicht verschwiegen, aber immer in diesen Kontext gesetzt. Ganz im Sinne der Deutsch-Tschechischen Erklärung von 1997 wurde deutlich, dass man in der Bewertung der Vergangenheit nicht einer Meinung sein muss, aber dennoch an einer gemeinsamen Zukunft in guter Nachbarschaft mitarbeiten will. Damit sind kein Vergessen und kein Schlussstrich gemeint, sondern die gemeinsame, unvoreingenommene Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Gerade Bernd Posselt hat immer wieder betont, dass es nicht um Schuld und Vorwürfe gehe, sondern um die Lehren, die man aus den Geschehnissen ziehen muss, um daraus für die Zukunft zu lernen. Im Hinblick auf die Beneš-Dekrete wurde z.B. betont, dass man diese nicht revidieren wolle, ihren Grundansatz von Kollektivschuld und kollektiver Bestrafung in einer aufgeklärten Gesellschaft aber keinesfalls akzeptieren könne. Ich fürchte allerdings, dass beide einfach nicht totzukriegen sind.
Die tschechischen Rednerinnen und Redner betonten alle die Wichtigkeit von Aussöhnung, Aufarbeitung und Vergebung, und es war schön zu sehen, wie jeder Satz von Ihnen vom Publikum eifrig beklatscht wurde (und das noch vor der Übersetzung). Ich hatte den Eindruck, dass die anwesenden Sudetendeutschen unheimlich dankbar für die Einladung nach Tschechien waren. Sie sind wirkliche deutsch-tschechische Brückenbauer, und das wurde honoriert.
Rüdiger Kubsch
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Beim Tschechischen Filmmittwoch am 3. Juni bieten wir eine ganz besondere Spezialität: den komplett rückwärts laufenden Experimentalfilm "Happy end" von 1967 von Regisseur Oldřich Lipský. Wir glauben mit einiger Sicherheit sagen zu können: So einen Film haben Sie noch nicht gesehen!
Der Schlachter Bedřich liegt eingangs unter der Guillotine, ohne Kopf. Doch warum wurde er hingerichtet? Was hat er angestellt? Das erzählt er uns selbst und geht dabei Schritt für Schritt zurück. Allerdings erzählt er es verkehrt herum, also vorwärts. Klingt verwirrend, ist aber vor allem lustig. Da sind einige Klimmzüge notwendig, um Bild und Erzählung in Einklang zu bringen. Wir folgen ihm dennoch auf dem Weg zurück über die schreckliche Tat bis hin zum romantischen Beginn seiner Ehe. Dabei werden zerbrochene Dinge wieder heil, tote Menschen stehen wieder auf und Ertrunkene werden wieder zu tollen Schwimmern.
Keine Angst, man bekommt davon keine Kopfschmerzen. Manchmal gibt es zwar Knoten im Gehirn, aber das ist nicht so schlimm. Dafür ist es sehr lustig. Und der Film ist eine solche Einmaligkeit, dass man ihn unbedingt gesehen haben muss.
Mit Publikumslieblingen wie Vladimír Menšík und Josef Abrhám haben sich einige Vertreter der ersten Riege tschechischer Schauspieler auf das Experiment in den "wilden 60ern" der tschechischen Kinematografie eingelassen.
Wir haben wieder zwei Vorstellungen angesetzt, um 18.15 und um 20 Uhr.
Neues zur Schnellbahnstrecke Dresden-Prag
Auf dem Weg zur Realisierung des Erzgebirgsbasistunnels für die Schnellbahnstrecke Dresden-Prag wurde nun ein wichtiger Schritt gemacht: Nach einem positiven Votum des Verkehrsausschusses hat am Donnerstag der Bundestag der von der Bahn vorgelegten Vorplanung für die Neubaustrecke Dresden–Prag zugestimmt. Diese sieht einen Volltunnel ab Heidenau vor. In den ursprünglichen Planungen der Deutschen Bahn sah das noch anders aus, doch die intensive Arbeit der Bürgerinitiative „Basistunnel nach Prag“ hat sich ausgezahlt
Gleichzeitig geht aus dem Bericht, der dem Beschluss zugrunde lag, hervor, dass die Kosten für die Strecke auf deutscher Seite auf bis zu 8 Mrd. Euro steigen können. Vor einigen Jahren war von 1,3 Mrd. Euro die Rede, vor zwei Jahren noch von ca. 2,3 Mrd. Euro. Nun geht man von Kosten in Höhe von 5,6 Mrd. Euro aus, zu denen Puffer für steigende Baukosten und weitere unvorhersehbare Kosten gerechnet werden, die zur Schätzung von 8 Mrd. Euro führen. Darin wäre die Finanzierung von weiteren Forderungen aus der Region wie mehr Lärmschutz oder besserer Ausstattung der Feuerwehren noch gar nicht enthalten. Dennoch schätzt die Bundesregierung das Vorhaben als wirtschaftlich ein. Man hofft auf eine großzügige Förderung durch die EU.
Die Strecke war auch das wichtigste Thema des Treffens von Sachsens Infrastrukturministerin Regina Kraushaar mit dem neuen tschechischen Verkehrsminister Ivan Bednárik. Beide betonten die hohe Bedeutung des Vorhabens und drängen den Bund, den für die weiteren Planungen notwendigen Staatsvertrag abzuschließen sowie die rund 20 Mio. Euro an Planungskosten in den nächsten Haushalt einzustellen. Die Staatsministerin hatte am Donnerstag in einer Rede im Bundestag nochmals für die Zustimmung zu dem Projekt geworben.
Der Tunnel wird einmal ca. 30 Kilometer lang sein, davon 18 km auf deutscher Seite. Die Züge sollen im Tunnel bis zu 200 km/h erreichen, später auf tschechischer Seite Richtung Prag sogar bis zu 320 km/h. Durch das gesamte Vorhaben soll man Prag von Dresden in einer Stunde statt heute 2,5 Stunden erreichen. Die Deutsche Bahn hat bisher das Jahr 2032 für den Baustart avisiert und möchte rund 12 Jahre später fertig sein.
Schädel der heiligen Zdislava gerettet
Vorige Woche wurde der als Reliquie verehrte Schädel der Heiligen Zdislava aus der Basilika des Heiligen Vavřinec (Laurentius) im nordböhmischen Jablonné nad Podještědí (Gabel) gestohlen. Die Polizei fasste den Täter bereits nach zwei Tagen, wie wir letzte Woche vermelden konnten. Er hatte jedoch den Schädel in Beton gegossen, um ihn in einem Fluss zu versenken, weil er mit der Zurschaustellung nicht einverstanden war.
Restauratoren ist es gelungen, den Schädel nahezu unversehrt aus dem Beton zu befreien. Die Dominikaner, zu deren Kloster die Basilika gehört, sprachen daraufhin von einem Wunder. Allerdings waren beim Diebstahl fünf Absplitterungen vom Schädel entstanden, weil der Täter ein zu kleines Loch ins Schutzglas geschlagen hatte. Diese Splitter sollen nun wieder befestigt werden.
Hakenkreuze in Cheb
Auf das Gebäude in Cheb (Eger), in dem u.a. der "Bund der Deutschen - Landschaft Egerland" seinen Sitz hat, wurden in der Nacht zum Mittwoch Hakenkreuze gesprüht. Die Polizei ermittelt, und die Stadt Cheb verurteilte die Tat sehr deutlich. Der Bürgermeister erklärte, dass es in Cheb keinerlei Probleme mit den deutschen Landsleuten gebe, ganz im Gegenteil: „Wir verstehen uns gut mit dem Büro des Bundes der Deutschen und stehen in Kontakt; auch deshalb haben wir ihnen einen Platz direkt auf dem Marktplatz zur Verfügung gestellt. Was in der Nacht passiert ist, ist für uns daher inakzeptabel“.
Es ist vermutlich nicht zu weit hergeholt, einen Zusammenhang zwischen dieser Tat und der durch den ablehnenden Beschluss des tschechischen Parlaments zur Ausrichtung des Sudetendeutschen Tages in Brno (wir berichteten) erzeugten Diskussion zu sehen. Richard Neugebauer, Präsident der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik (LV), äußerte sich diesem Sinne. Und in dieselbe Richtung gehen auch einige Kommentare unter einem entsprechenden Facebook-Beitrag der Stadt Cheb, sowohl dafür als auch dagegen. Sollte sich das bewahrheiten, würde es die letzte Woche hier geäußerte Befürchtung bestätigen, dass das Ausspielen der antideutschen Karte im politischen Wettbewerb nicht ohne Folgen bleiben kann, auch wenn die Initiatoren des Parlamentsbeschlusses das verneinen.
Der Sudetendeutsche Tag begann am Donnerstag mit einer Gedenkveranstaltung an die Opfer des Nationalsozialismus am Bahnhof in Brno. Dagegen protestierten rund 100 Menschen, die ausgerechnet bei dieser Veranstaltung den Vorwurf der Nähe zum Nationalsozialismus auf ihre Plakate schrieben. Wir sind vor Ort und werden nächste Woche an dieser Stelle ein Resümee des gesamten Wochenendes ziehen.
Hinsichtlich der durchaus geteilten Meinung der tschechischen Bevölkerung zur Einladung des Sudetendeutschen Tages nach Brno hat Radio Prag einen sehr aufschlussreichen Artikel verfasst.
Im Juni können wir Ihnen innerhalb von nur 8 Tagen gleich drei vollkommen unterschiedliche tschechisch-deutsche Kulturveranstaltungen empfehlen.
Exkursion zum Thema "Esskultur früher und heute" am 6. Juni
Schloss Weesenstein lädt am 6. Juni im Rahmen eines deutsch-tschechischen Projektes ein zur kulinarischen Entdeckungsfahrt nach Zubrnice und Česká Kamenice. An beiden Orten wird viel Geschichte der Kulinarik und darüber hinaus vermittelt.
Mehr Informationen und Anmeldung
Lesung mit Jaroslav Rudiš auf dem Dampfer am 9. Juni
Auch drei Tage später geht es um Kulinarik: Jaroslav Rudiš liest aus seinem Buch "Gebrauchsanweisung für Bier", aber diesmal auf dem Dampfschiff "Leipzig", während dieses zwischen Terrassenufer und Pillnitz an der schönen abendlichen Dresdner Kulisse vorübergleitet.
Mehr Informationen und Anmeldung
Country & Folk Festival mit sportlichem Familienwettbewerb in Osek am 13. Juni
Bereits zum 33. Mal findet am 13. Juni das Country & Folk Festival "Osecká kytara" (Oseker Gitarre) in – Sie ahnen es – Osek statt. Am Vormittag können sich tschechische und deutsche (Familien-)Teams in einem abwechslungsreichen sportlichen Wettbewerb messen. Dafür können Sie sich auf unserer Website anmelden.
Gegen Mittag treten verschiedene tschechische und deutsche Musikgruppen mit Kindern und Jugendlichen auf, u.a. aus Dippoldiswalde.
Später beginnt dann das eigentliche Country & Folk-Programm mit Bands bzw. Solokünstlern aus Tschechien und Sachsen. Mit dabei sind Bob a bobci aus Nordböhmen, Ina Schirmer aus Olbernhau, Sabina Uxová aus Kolín, b.country aus Thum, Lubomír Stranďa Stráník aus dem Erzgebirge und die älteste rein weibliche Country-Band Schovanky, die schon mit Johnny Cash auf der Bühne stand.
Das Festival wird aus dem Kleinprojektefonds der Euroregion Erzgebirge/Krušnohoří gefördert.
Mehr Informationen und Anmeldung zum Wettbewerb
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