Derweil in Tschechien... 5/26
06.02.2026
Führungswechsel bei der Brücke|Most-Stiftung
Nach fast 30 Jahren an der Spitze der Brücke|Most-Stiftung hat Professor Helmut Köser Ende Januar den Vorsitz des Vorstands abgegeben. Zum neuen Vorstandsvorsitzenden wurde einstimmig Peter Baumann gewählt, der die Stiftung bereits von 1997 bis 2017 als Geschäftsführer maßgeblich mit aufgebaut hat. Er übernimmt die Funktion ehrenamtlich.
Professor Köser gründete die Brücke|Most-Stiftung 1997 gemeinsam mit seiner Mutter Gertrud Köser mit dem Ziel, die Verständigung und Zusammenarbeit in Ost-Mitteleuropa nachhaltig zu fördern und Menschen dies- und jenseits der Grenze näher zusammenzubringen. Unter seiner Leitung etablierte sich die Stiftung als wichtiger Akteur im Bereich der interkulturellen Bildung, Begegnung und Wissensvermittlung. Zahlreiche grenzüberschreitende Projekte setzten Maßstäbe im deutsch-tschechischen und ostmitteleuropäischen Austausch.
Zu den prägenden Initiativen zählen unter anderem die seit 1999 stattfindenden Tschechisch-Deutschen Kulturtage (seit 2018 in Trägerschaft der Euroregion Elbe/Labe), ein seit 2001 bestehendes Stipendienprogramm für tschechische und slowakische Studierende an der Musikhochschule in Dresden sowie vielfältige Angebote der historisch-politischen Bildung. Seit 2019 koordiniert und unterstützt sie im Auftrag des Sächsischen Kultusministeriums als Landesservicestelle »Lernorte des Erinnerns und Gedenkens« Fahrten sächsischer Schulgruppen zu Lern- und Erinnerungsorten innerhalb Deutschlands und Europas.
Peter Baumann würdigte Helmut Köser als eine Schlüsselfigur in der deutsch-tschechischen Zivilgesellschaft: „Mit seiner Vision und seinem unermüdlichen Engagement hat Professor Köser nicht nur eine Stiftung aufgebaut, sondern echte Brücken zwischen Menschen und Kulturen geschaffen. Sein Wirken hat generationenübergreifend Impulse für ein friedliches und gemeinsames Europa gesetzt.“
Professor Köser blickt mit Dankbarkeit auf die Entwicklung der Stiftung zurück: „Es erfüllt mich mit großer Freude, zu sehen, wie aus einer Idee ein lebendiges Netzwerk des Austauschs, Lernens und gegenseitigen Respekts entstanden ist. Ich bleibe der Stiftung selbstverständlich als Stifter verbunden. Aus meiner Sicht sind die inhaltliche Neuorientierung und personelle Erneuerung der Stiftung, an der wir seit 2018 arbeiten, abgeschlossen. Ich bin überzeugt, dass der neu aufgestellte Vorstand meine und unsere gemeinsamen Ziele mit großem Engagement fortführt. Es ist mein Wunsch, dass die Brücke-Villa in Dresden-Blasewitz das Herz der Stiftung bleibt.“
Demos für den Präsidenten
Zehntausende Menschen haben am 1. Februar auf mehreren Demonstrationen in Tschechien ihre Unterstützung für den tschechischen Präsidenten Petr Pavel gezeigt. Dem Aufruf der Initiative Milion chvilek na podporu prezidenta Petra Pavla (Millionen Momente zur Unterstützung des Präsidenten Petr Pavel) folgten allein in Prag so viele Menschen, dass sie gar nicht alle auf den Altstädter Ring (Staroměstské náměstí) passten. Demonstrationen fanden auch in weiteren Städten wie Hradec Králové, Pardubice, Zlín, Vrchlabí, Jeseník, Třeboň und Uherské Hradiště statt.
Die Demonstrationen waren eine Reaktion auf den Druck des Außenministers Petr Macinka auf Präsident Pavel, den Ehrenvorsitzenden der Motoristen-Partei Filip Turek zum Umweltminister zu ernennen (wir berichteten im letzten Newsletter).
Nach einem Treffen zwischen Präsident Pavel und Premierminister Andrej Babiš zu Wochenbeginn erklärte der Premier die Kausa Turek für abgeschlossen. "Präsident Pavel werde Turek nicht zum Umweltminister ernennen und damit ist das Kapitel für mich erledigt", so Babiš. Politische Beobachter sahen nach der Auseinandersetzung mit Pavel und Babiš zwei Gewinner und den Motoristen als den großen Verlierer. Es sei aber auf absehbare Zeit nicht zu erwarten, dass die Motoristen einen neuen Kandidaten oder eine Kandidatin für das Ministeramt präsentieren, um nicht diese herbe Niederlage eingestehen zu müssen. Der Streit dürfte also – wenn auch weniger extrem – noch eine Weile weiter köcheln.
Papst ernennt neuen Prager Erzbischof
Neuer Erzbischof von Prag ist der bisherige Bischof von Litoměřice (Leitmeritz) Stanislav Přibyl. Papst Leo ernannte ihn am 2. Februar, dem katholischen Feiertag Lichtmess, zum 38. Erzbischof von Prag. Er tritt sein Amt am 25. April an. So lange bleibt er noch Administrator des Bistums Litoměřice.
Mit Přibyl leitet Papst Leo einen Generationswechsel ein. Přibyl ist mit 54 Jahren der seit über 100 Jahren jüngste Erzbischof von Prag. Er folgt auf Jan Graubner, der das Amt nicht einmal vier Jahre innehatte. Graubner war bei seiner Amtseinführung allerdings schon 74 Jahre alt. Mit 75 Jahren reichte er bei Papst Franziskus sein Rücktrittsgesuch ein, wie es in dem Alter vorgesehen ist. Graubner folgte damals auf Erzbischof Dominik Duka, der im November letzten Jahres verstorben war.
Stanislav Přibyl selbst war auch nur kurze Zeit Bischof von Litoměřice. Sein Amt trat er vor nicht einmal zwei Jahren an. Dieses Jahr machte er auf sich aufmerksam, weil er das Jahr 2026 als Jahr der Versöhnung deklarierte und sich damit auf die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus der Diözese Litoměřice bezog. Jeden Monat wird an verschiedenen Orten der Diözese, die für die teils gewaltsamen Taten der Vertreibung stehen, eine Gedenkmesse gefeiert.
Přibyl galt für die Wahl zum neuen Erzbischof als Favorit. Er stammt aus einer musikbegeisterten Familie aus Prag, seine erste Pfarrstelle hatte er im mittelböhmischen Bergbaustädtchen Přibram inne, wo er sich um die Restaurierung der bedeutenden barocken Wallfahrtsstätte Heiliger Berg verdient machte.
Später wechselte er als Generalvikar nach Litoměřice, wo er bis 2016 wirkte. Danach war er für sieben Jahre Sekretär der Tschechischen Bischofskonferenz und ab 2024 Bischof von Litoměřice. Přibyl hat nicht nur einen Abschluss und einen Doktortitel der Theologie, sondern er absolvierte auch ein Magisterstudium an der sozioökonomischen Fakultät der Jan-Evangelista-Purkyně-Universität in Ústí nad Labem (Aussig). 2025 wurde ihm von der Katholischen Fakultät der Karls-Universität Prag der Doktortitel für Kunstgeschichte verliehen. Seit 1995 ist er Mitglied des Redemptoristenordens.
Pünktlich und beliebt - die Tschechische Eisenbahn
Die Züge der Tschechischen Eisenbahn České dráhy (ČD) waren 2025 laut einer Pressemitteilung so pünktlich wie seit neun Jahren nicht mehr. 88,2 Prozent der fast 2,5 Millionen Züge war pünktlich, 0,6 Prozentpunkte mehr als 2024. Würde bei der Eisenbahn das Akademische Viertel gelten, also eine tolerierte Verspätung von 15 Minuten, wären 98,5 Prozent aller ČD-Züge pünktlich gewesen.
Insgesamt wurden 168 Millionen Reisende transportiert, das war geringfügig weniger als 2024. ČD machte für den Rückgang die seit Langem niedrigsten Kraftstoffpreise verantwortlich. Außerdem plagten die Eisenbahn langfristige Baustellen, nicht nur in Tschechien, sondern auch im Ausland wie an der deutsch-tschechischen Grenze im Elbtal zwischen Bad Schandau und Schöna sowie zwischen Hamburg und Berlin. Dagegen sorgte die neue Fernverbindung Baltic expres nach Polen für mehr Fahrgäste. ČD hofft, angesichts weniger Baustellen in diesem Jahr wieder mehr Fahrgäste transportieren zu können. Vom Niveau der Zeit vor Corona mit 182,1 Millionen Fahrgästen im Jahr 2019 ist České dráhy noch weit entfernt.
Die Tschechische Eisenbahn punktete aber nicht nur mit Pünktlichkeit und neuen Verbindungen, sondern setzte die Modernisierung ihrer Züge fort. Auf Fernverbindungen in und außerhalb Tschechiens wurden weitere ComfortJet-Züge eingesetzt. Neu kamen insgesamt 450 Züge mit WLAN hinzu. Insgesamt fahren nun in Tschechien 5.277 Zugverbindungen mit WLAN. 4.603 Verbindungen haben Steckdosen und USB-Anschlüsse und 7.379 Verbindungen von České dráhy sind barrierefrei.
Das wird auch von den Reisenden honoriert. In der eigenen App Můj vlak (Mein Zug) erreichte České dráhy 2025 eine Bewertung von 4,21 von 5 möglichen Punkten. Das ist laut České dráhy der bisher höchste Wert seit Einführung der Bewertung. 2023 lag der Wert bei 4,1 Punkten. An der Bewertung nahmen laut České dráhy fast 173.000 Reisende teil, die 834.000 Bewertungen abgaben.
Tschechien bleibt abstinent im Februar
Auch in Deutschland ist die ursprünglich aus Großbritannien stammende Initiative "Dry January" inzwischen sehr populär. Während die Teilnehmer dieser Kampagne sich nun aber schon entspannt zurücklehnen können, geht in Tschechien der trockene Monat erst los. "Suchej únor" (übersetzt: Trockener Februar) heißt hier die entsprechende Kampagne, die den Alkoholkonsum hinterfragen soll. Der ist in Tschechien tatsächlich sehr hoch. 1,6 Millionen Menschen haben Statistiken zufolge ein riskantes Trinkverhalten. Außerdem ist die gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung des Biertrinkens in Tschechien ja allgemein bekannt. Aber auch im Land des Biers ändert sich das Trinkverhalten. Inzwischen wird viel mehr alkoholfreies Bier getrunken, das es oft auch gezapft und in sehr guter Qualität gibt. Auch der Konsum von höherprozentigen Spirituosen geht langfristig zurück.
Die 2013 gegründete Kampagne erlebt wachsenden Zuspruch. Ursprünglich richtete sie sich nur an Männer, später an die ganze Gesellschaft. Der Verein "Suchej únor" zählte zuletzt rund 1,5 Millionen registrierte Teilnehmer. Diese erhalten über eine Webseite und/oder App tägliche Begleitung und Unterstützung bei der Abstinenz, verbunden mit Tricks und täglichen Gedanken für die innere Reflexion. In diesem Jahr steht der Trockene Februar unter den vier Themen Zeit, Liebe, Schlaf, Geld. Da der Februar genau 28 Tage hat, wird jede Woche immer von einem neuen Thema getragen.
Tschechien ist mit dem trockenen Februar übrigens nicht allein. 2021 schloss sich die Slowakei offiziell der Kampagne an. Auch in Kanada gibt es statt eines Trockenen Januar einen Trockenen Februar (Dry Feb). Gegründet ungefähr zur gleichen Zeit, wussten die Kampagnen Dry January und Suchej únor lange nichts voneinander. Warum man in Tschechien ausgerechnet auf den Karnevalsmonat Februar kam, begründete einer der Gründer Petr Freimann kürzlich in dem Podcast Sober Heroes ganz simpel: "Wir hatten zu Beginn des neuen Jahrs überlegt, was man Gutes für die Gesundheit tun kann und kamen auf einen Monat abstinent leben. Und dann haben wir einfach im nächstbesten Monat losgelegt."
Wisente sollen im Duppauer Gebirge angesiedelt werden
Im Duppauer Gebirge (Doupovské hory) im Nordwesten Tschechiens entsteht in den kommenden Jahren ein Reservat für Wisente und Wildpferde. Auf mehr als 130 Hektar Fläche sollen zunächst sieben Wisente und zwölf Wildpferde angesiedelt werden. Die Umweltschutzorganisationen Česká krajina und Refugium, die sich an dem Projekt beteiligen, haben bereits mit den Ankauf von geeigneten Flächen begonnen. Um das Projekt zu finanzieren, wurde auch eine Spendensammlung initiiert. Von den benötigten 2,5 Millionen Kronen (100.000 Euro) ist bereits fast ein Drittel zusammengekommen. Wisente leben in Tschechien bereits im mittelböhmischen Milovice, wo sich einst ebenfalls ein militärisches Sperrgebiet befand. In dem Schutzgebiet leben 50 Wisente auf 350 Hektar Fläche. Wildpferde sind in Tschechien bereits verbreiteter und wurden schon an mehreren Orten gezüchtet.
Für den Teil des Duppauer Gebirges ist die Haltung von Wisenten die Idealvariante, heißt es bei der tschechischen Akademie der Wissenschaften. Die Tiere sollen helfen, den Charakter der offenen Landschaft zu erhalten.
Das geplante Reservat liegt im Osten des Gebirges, in dem kleineren Teil, der sich im Bezirk Ústí befindet. Es grenzt an das militärische Schutzgebiet, das heute den größten Teil des Duppauer Gebirges einnimmt. Das Duppauer Gebirge war bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg besiedelt, bis die überwiegend deutsche Bevölkerung vertrieben wurde. Zentrum war einst die Kleinstadt Duppau mit rund 1.600 Einwohnern. Ab 1955 wurde in dem Gebirge das militärische Sperrgebiet Hradiště eingerichtet und die noch verbliebene Bevölkerung vertrieben. Dabei verschwand nicht nur die Stadt Duppau, sondern noch weitere 76 Dörfer und Einzelgehöfte.
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