Derweil in Tschechien... 7/26
20.02.2026
Starker Gästezuwachs in Nordböhmen
Der Bezirk Ústí gewinnt an Attraktivität als Urlaubsregion. 2025 verzeichneten Übernachtungseinrichtungen so viele Gäste wie noch nie seit Beginn der Statistik im Jahr 2012. Laut Statistikamt übernachteten im vergangenen Jahr über 660.000 Gäste, 4,3 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Dabei sorgten Gäste aus dem Ausland für die stärkste Dynamik. Ihre Zahl erhöhte sich um 8,6 Prozent auf 228.007, die Zahl der Gäste aus Tschechien um 2,2 Prozent auf 432.335. Es stieg auch die Zahl der Übernachtungen, insgesamt um 5,6 Prozent auf 1,7 Millionen Nächte. Das macht im Schnitt 2,6 Übernachtungen pro Gast. Tschechische Touristen blieben im Schnitt mit 2,7 Übernachtungen etwas länger als Gäste aus dem Ausland (2,4 Nächte). Fast die Hälfte der ausländischen Touristen kam mit fast 112.000 aus Deutschland. Danach folgten fast 30.000 Gäste aus Polen und knapp 15.000 Touristen aus der Slowakei.
In den letzten Jahren stieg die Zahl der Touristen im Bezirk Ústí kontinuierlich an, vor allem die Zahl derer aus Tschechien. Auch landesweit boomt der Tourismus. Das Vor-Corona-Niveau von knapp 22 Millionen Touristen in ganz Tschechien wurde bereits 2024 übertroffen. Im vergangenen Jahr übernachteten in ganz Tschechien 23,5 Millionen Menschen in Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen oder auf Campingplätzen. Dabei wurde mit 10,9 Millionen erst 2025 das Vor-Corona-Niveau bei ausländischen Touristen übertroffen. Die Zahl einheimischer Touristen war bereits 2022 über das Vor-Pandemie-Niveau hinaus gewachsen.
Motoristen ziehen Kandidat Turek zurück
Vor zwei Wochen bereits erklärte der tschechische Premierminister Andrej Babiš das Thema „Turek“ für beendet. Der Streit um die Nominierung des Ehrenvorsitzenden der Autofahrerpartei Motoristé, Filip Turek, war eskaliert. Der Chef der Autofahrerpartei Petr Macinka hatte dem Staatspräsidenten in mehreren SMS gedroht. Präsident Petr Pavel ging damit an die Öffentlichkeit und in die Offensive. Es folgten im ganzen Land massive Demonstrationen zu Pavels Unterstützung, die auch die weiteren Tage und Wochen fortgesetzt wurden. Offiziell blieben Macinka und Turek stur und hielten am Kandidaten für den Posten des Umweltministers fest. Dieser hatte in der Vergangenheit Beiträge in sozialen Medien veröffentlicht, welche die Herrschaft der Nationalsozialisten verharmloste, andere Beiträge waren xenophob oder beleidigten Minderheiten. Staatspräsident Pavel sah Turek danach nicht als geeigneten Kandidaten für ein Ministeramt.
Doch Anfang der Woche die 180-Grad-Wende: Die Motoristen präsentierten auf einmal den Abgeordneten Igor Červený als neuen Kandidaten für den Posten des Umweltministers. Červený war vor seiner Zeit als Abgeordneter als Projektmanager an verschiedenen Prager Hochschulen bzw. der Karls-Universität tätig. Präsident Petr Pavel hatte angekündigt, sich vor einer Ernennung zunächst mit Červený treffen zu wollen, was gestern auf der Prager Burg geschah. Nach dem Gespräch wurde verlautbart, dass der Präsident den Minister am Montag ernennen wird.
Politologen sehen hinter dem plötzlichen Meinungsumschwung drei Ursachen. In Meinungsumfragen war die Kleinpartei von vorher 7 Prozent um zwei Prozentpunkte abgestürzt und damit an den Rand der 5-Prozent-Hürde geraten. Außerdem machte Regierungschef Andrej Babiš Druck. Ihm begann, die ganze Affäre auf die Nerven zu gehen und er befürchtete, dass seine Regierungsarbeit Schaden nehmen könnte. Und drittens beklagten sich Außenministerium und Umweltministerium, dass ihr Chef, Petr Macinka, zu wenig im Hause ist. Macinka hatte beide Ministerien geführt. Ursprünglich war der Plan, das beizubehalten, so lange Turek nicht ernannt würde.
Bereits neun Grenzmarktbuden in Hřensko beseitigt
Das Grenzdorf Hřensko (Herrnskretschen) hat seinen Willen durchgesetzt. Laut Tschechischem Rundfunk sind neun Buden auf dem von Angehörigen der vietnamesischen Minderheit in Tschechien betriebenen Grenzmarkt bereits verschwunden. Die Gemeinde hatte all jene Budenbesitzer zur Beseitigung aufgefordert, deren Verkaufsstände unrechtmäßig auf öffentlichem Gemeindegrund stehen. Die Betreiber hatten dafür seit 2004 eine Ausnahmegenehmigung, die aber abgelaufen war. Dabei handelt es sich um drei kleinere und sechs größere Stände. Insgesamt stehen nun noch zwei betroffene Marktstände. Mit dem einen Händler stehe die Gemeinde noch in Verhandlungen um Detailfragen. Ein Händler reagierte nicht auf die Aufforderung der Gemeinde, die nun einen Rechtsanwalt beauftragte, die Angelegenheit zu klären.
„Uns ist klar, dass damit Einkaufsmöglichkeiten wegfallen. Aber wir möchten, dass bestimmte Regeln eingehalten werden“, hatte Bürgermeisterin Kateřina Horáková im Dezember dem Tschechischen Rundfunk erklärt. Von der Beseitigung der Marktstände verspricht sich die Gemeinde mehr Ästhetik im öffentlichen Dorfbild.
Nach Höhlensperrung: Fledermauspopulation erholt sich
Vor fünf Jahren hatte die Verwaltung des Nationalparks Böhmische Schweiz mehrere Höhlen im Elbtal sperren lassen. Fledermäuse, die in den Höhlen überwintern, sollten so vor Höhlentouristen geschützt werden. Die Höhlen im Elbsandsteingebirge sind ein beliebtes Ziel von Kletterern vor allem im Winter, wenn die Sandsteinfelsen nicht bestiegen werden dürfen. Allein im Elbtal auf tschechischer Seite gibt es Hunderte verschieden große Höhlen.
Nach fünf Jahren konstatiert der Nationalpark eine Verbesserung der Fledermauspopulation. Bei der letzten Zählung verzeichneten Nationalparkranger in den Elbtalhöhlen allein 24 Arten der Kleinen Hufeisennase, sechs Arten des Großen Mauseohrs und sechs Arten der Fransenfledermaus. Insgesamt kontrolliert der Nationalpark auf dem Gebiet der Böhmischen Schweiz und des Elbsandsteingebirges regelmäßig 16 Höhlen.
Wann verschwindet das Loch von Ústí?
Die Stadt Dresden hatte einst das Wiener Loch, eine ungenutzte Baugrube am Wiener Platz , die erst nach 15 Jahren geschlossen wurde. Die Bezirksstadt Ústí nad Labem (Aussig) hat ihr „Loch“ nun schon seit 14 Jahren, einen speziellen Namen hat es aber nicht bekommen. Alle in Ústí nennen es einfach nur das "Loch" und jeder weiß, was gemeint ist: Es geht ebenfalls um eine Baugrube am Rande des zentralen Platzes Mírové náměstí (Friedensplatz), in der aber immerhin schon zwei Etagen Tiefgarage gebaut wurden. Deshalb ist das Loch auch nicht so tief wie damals in Dresden. Doch seit vielen Jahren passiert hier nichts mehr, und neuesten Erkenntnissen zufolge müssen auch die beiden Untergeschosse mindestens angepasst werden.
Nun entschied eine Mehrheit im Stadtrat, dass die Firma BBP Stavby Management das dort geplante Gebäude vollenden solle. Aber es ist abzusehen, dass das Loch von Ústí länger als 15 Jahre bestehen wird. Laut Vertrag muss BBP Stavby Management spätestens neun Monate nach Inkrafttreten mit dem Weiterbau beginnen. 2029 soll das Gebäude fertig sein.
Das „Loch von Ústí“ und die damit verbundenen Entscheidungen der Stadtratsmehrheit stehen allerdings in der Kritik der Opposition. Die hielt schon den Ankauf der Bauruine für 73 Millionen Kronen (2,9 Millionen Euro) für einen Fehler. Ein Gutachten hatte gerade einmal einen Wert von 37 Millionen Kronen ermittelt. Die Firma BBP Stavby Management geht mit der Übernahme des Baus wenig Risiko ein. Auch das kritisiert die Opposition. Denn die Stadt erhält zwar 1,5 Millionen Kronen jährlich für das Recht, auf städtischem Grund bauen zu dürfen. Gleichzeitig wird die Stadt aber nach Fertigstellung über 1,7 Millionen Kronen Miete pro Jahr zahlen, was schon jetzt vertraglich vereinbart wurde.
Früher befand sich anstelle des ewigen Neubaus ein kleiner Park.
Děčín stärkt den öffentlichen Nahverkehr
Während Städte in Deutschland unter Haushaltsproblemen leiden und deshalb anfangen, wie in Dresden oder Chemnitz beim öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu kürzen, geht die nordböhmische Stadt Děčín (Tetschen) den umgekehrten Weg. Seit Februar wurden für die wichtigsten Buslinien die Intervalle im Berufsverkehr von 15 auf 10 Minuten verkürzt. Das betrifft die Zeit wochentags am Morgen und Nachmittag. Aber auch am Wochenende kam es zu Verbesserungen. Außerdem kehrten die Nachtlinien 232 und 233 zurück. Grund für den Schritt ist die hohe Nachfrage. Außerdem passen die kürzeren Intervalle auch zu den Zielen der Stadtführung. „Wir möchten, dass die Menschen bei ihren Wegen durch die Stadt wenn möglich mehr mit den Bussen fahren statt mit dem Auto“, sagte Vizebürgermeister Ondřej Smíšek. Weder er noch jemand anders in der Stadtführung gehört übrigens der Grünen Partei an, die in Tschechien nur mit zwei einzelnen Abgeordneten im Landesparlament und in vielen Kommunalparlamenten gar nicht vertreten ist. In Děčín gehört der Oberbürgermeister zur rechtspopulistischen Partei ANO von Premierminister Andrej Babiš. Er koaliert mit pragmatischen Politikern von Wahlbündnissen, die am ehesten dem Mitte-Rechts-Spektrum zuzuordnen sind.
Mit der Entscheidung zur Verbesserung des ÖPNV werden sich die gefahrenen Kilometer in diesem Jahr um 5 Prozent erhöhen. Die verkürzten Intervalle sind in Děčín aber nicht neu. Früher fuhren Buslinien im Berufsverkehr stellenweise sogar alle acht Minuten. Auch die Nachtlinien gab es bereits.
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