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Derweil in Tschechien... 8/26

Neubaustrecke Dresden-Prag im Bundestag – Erfolgreiche Olympia-Bilanz – So sehen die Stationen für die Jeschken-Seilbahn aus – Gerta-Schnirch-Film punktet auf HBO – Tschechien hat neuen Umweltminister – Einkaufszentrum Olympia Teplice wird erweitert

27.02.2026

Neubaustrecke Dresden-Prag erreicht Bundestag

Tunnelmündung bei Chlumec (Visualisierung)
Tunnelmündung bei Chlumec (Visualisierung) (© Deutsche Bahn)

Die Vorplanung für den Neubau der Eisenbahnstrecke von Dresden nach Prag hat den Bundestag erreicht. Demzufolge hat das Bundesverkehrsministerium dem Bundestag die Unterlagen für die parlamentarische Befassung mit der Neubaustrecke von Dresden bis zur Grenze mit Tschechien vorgelegt. Kern des Projektes ist der 30 km lange Erzgebirgstunnel, der letzten Sommer von der tschechischen Regierung gebilligt wurde. Seitdem wird auf die Entscheidung der deutschen Seite gewartet. Dafür ist der Bundestag zuständig. Die sächsische Infrastrukturministerin Regina Kraushaar bezeichnete die Vorlage gegenüber der Nachrichtenagentur dpa als "ganz wichtiges Signal an die Menschen im sächsischen Elbtal und an unsere tschechischen Nachbarn". Jetzt müssten schnellstmöglich weitere Schritte folgen. "Ich bitte die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, zügig die notwendigen Befassungen vorzunehmen und anschließend eine verlässliche Finanzierung im Bundeshaushalt abzusichern", rief die Ministerin den Bundestag auf. Für zügiges Handeln gebe es laut der Ministerin einen wichtigen Grund: "Werden jetzt die Haushaltsmittel für die nächsten Planungsschritte bereitgestellt, bleibt das Zeitfenster für die EU-Förderung und die gemeinsame Umsetzung mit Tschechien offen." Die Neubaustrecke soll die Reisezeit zwischen Dresden und Prag von derzeit 2,5 Stunden auf eine Stunde verkürzen. Stimmt der Bundestag der Fortführung des Vorhabens zu und sichert die Finanzierung ab, kann der bereits vorbereitete Staatsvertrag mit der Tschechischen Republik unterzeichnet werden.

Tschechien investiert in seinen Teil der Hochgeschwindigkeitsstrecke nach heutigen Berechnungen fast 1,9 Milliarden Euro. Das erste Teilstück soll 2039 in Betrieb gehen. Die ganze Strecke soll bis 2045 fertig sein. Zwischen Dresden und Prag soll es nur noch maximal zwei Halte geben: einen in Ústí nad Labem (Aussig) und einen zweiten bei Roudnice nad Labem (Raudnitz). Kraushaar betonte den überregionalen Charakter der Neubaustrecke. Sie schließe eine wichtige Lücke zur Verbindung der Hauptstädte Berlin, Prag und Wien.

Erfolgreiche tschechische Olympia-Bilanz

Mit fünf Medaillen ist die tschechische Olympia-Delegation von den Winterspielen in Cortina und Mailand nach Hause zurückgekehrt. Neben zwei goldenen gelang der Gewinn von zwei silbernen und einer Bronzemedaille. Mit Platz 16 in der Medaillenwertung konnte man eine Wintersportnation wie Finnland sowie Slowenien und Polen hinter sich lassen. Von der Wertigkeit her war es die drittbeste Bilanz seit Bestehen der Tschechischen Republik. Nach Anzahl der Medaillen insgesamt war es für Tschechien die bislang viertbeste Bilanz.

Zuzana Maděrová holt olympisches Gold im Snowboard
Zuzana Maděrová holt olympisches Gold im Snowboard (© Facebook Xinhua)

Allerdings verteilten sich die Medaillen schlussendlich etwas anders als erwartet. Im parallelen Snowboard-Slalom schied Titelverteidigerin Ester Ledecká bereits im Viertelfinale aus. Und doch gab es Gold für Tschechien. Denn für die dreifache Olympiasiegerin (sowohl auf Ski als auch auf dem Snowboard) sprang Zuzana Maděrová in die Bresche. Vor den Augen von Präsident Petr Pavel holte sie im Finale Gold.

Auch das zweite Gold ging zumindest außerhalb des Landes etwas überraschend nach Tschechien. Der gerade einmal 19-jährige Eisschnelläufer Metoděj Jílek kürte sich über die Langstrecke von 10.000 Metern zum Olympiasieger. Er selbst hatte das Ziel Olympiasieg selbstbewusst vor Augen und brachte auf der Langdistanz eine beeindruckende Triumphfahrt aufs Eis. Dazu kam über 5.000 Meter noch eine Silbermedaille, bei der er Gold nur knapp verpasst hatte. Damit übernahm er den Staffelstab von der legendären Martina Sáblíková, die die Welt einst in jungen Jahren ähnlich überrascht hatte wie nun Jílek. Dabei gab es in den frühen Jahren von Sáblíková in Tschechien nicht einmal eine Wettkampfbahn für Eisschnellläufer.

Ebenfalls Silber gewann die 32-jährige Eva Adamczyková im Snowboardcross. Damit holte sie bereits ihre dritte Olympiamedaille und hat den Medaillensatz aus Gold, Silber und Bronze nun komplett. 2022 musste sie Olympia in Peking wegen eines doppelten Beinbruchs knapp oberhalb des Sprunggelenks auslassen. 2023 krönte sie eine phänomenale Rückkehr mit dem Weltmeistertitel. Vor 14 Monaten brachte sie ihren Sohn Kryštof zur Welt, um nun nach durchwachsener Saison bei Olympia wieder ihre absolute Weltklasse zu zeigen.

Die fünfte tschechische Medaille war allerdings die größte Überraschung. Am vorletzten Wettkampftag holte sie im Biathlon-Massenstart der Frauen die 25-jährige Tereza Voborníková. Für sie war es die erste Einzelmedaille bei Olympia und für Tschechien die erste Olympiamedaille im Biathlon seit der Silbermedaille im Sprint 2018 für Michal Krčmář. Wie Teamkollege Krčmář und Eva Adamczyková stammt auch Voborníková übrigens aus Vrchlabí (Hohenelbe) im Riesengebirge.

So sehen die Stationen für die Jeschken-Seilbahn aus

Visualisierung der Bergstation der Seilbahn zum Ještěd (Jeschken)
Visualisierung der Bergstation der Seilbahn zum Ještěd (Jeschken) (© SIAL)

In Liberec wurden die Entwürfe für die neuen Stationen der Seilbahn auf den beliebten Gipfel Ještěd (Jeschken) vorgestellt. Das in Liberec ansässige Architekturbüro SIAL hatte den Auftrag von der Stadt erhalten. SIAL hat eine lange Tradition. Ihr Mitgründer Karel Hubáček entwarf einst den ikonischen Fernsehturm auf dem Jeschken, der zugleich Restaurant und Hotel ist.

Die Entwürfe für die Stationen knüpfen an den Entwurf für die neue Seilbahn aus der Feder der Designerin Anna Marešová an, die bereits früher vorgestellt wurden. Neu besteht die Seilbahnstrecke aus einer Tal-, einer Berg- und einer Zwischenstation, die sich an der Straße zur Baude Ještědka befindet.

Die Bergstation unmittelbar unterhalb des Berghotels wird kleiner sein als die ursprüngliche. Gleichzeitig verbessert sie die Zufahrt für Rettungsfahrzeuge. Die Zufahrtsstraße verläuft direkt unterhalb der Bergstation. Die größte Neuerung ist die Talstation, die um mehrere Hundert Meter talwärts entstehen soll. Ihre neue Lage befindet sich direkt neben der Endhaltestelle der Straßenbahn. Der dortige Parkplatz erhält noch eine Überbauung und damit eine zweite Etage. So stehen in Zukunft 782 Stellplätze für PKW statt 529 zur Verfügung.

Bis die neue Bahn wieder auf den Gipfel fährt, wird es aber noch lange dauern. Schätzungen gehen von einer Inbetriebnahme frühestens 2030 aus.

In dieser Woche wurde zudem das Berghotel samt Funkturm und Restaurant verkauft. Es gehört nun dem Bezirk Liberec. Bisher war die Sende- und Telekomfirma České Radiokomunikace der Eigentümer. Durch den Verkauf, der sich inklusive Originalmobiliar aus den 1970er Jahren auf 7,6 Millionen Euro beläuft, sei das Gebäude für eine Nutzung durch die Öffentlichkeit gesichert, hieß es vom Bezirk Liberec.

Gerta-Schnirch-Film punktet auf HBO

Barborá Váchová als junge Gerta Schnirch im gleichnamigen FilmEs wird eines der Filmereignisse nicht nur Tschechiens in diesem Jahr. Die Verfilmung des Bestsellers von Kateřina Tučková "Die Vertreibung der Gerta Schnirch". Der Zweiteiler mit dem einfachen Titel "Gerta Schnirch" ist eine Koproduktion des Tschechischen Fernsehens Česká televize und von Arte. Auf beiden Sendern wird es zwar erst im Herbst gezeigt und auch Anfang Oktober auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert. Zu sehen ist die Miniserie von jeweils 90 Minuten aber bereits jetzt auf HBO plus. Und die Nachfrage der ersten Wochen stimmt die Produzenten optimistisch.

Der Zweiteiler des Regisseurs Tomáš Mašín wurde nach dem Drehbuch von Alice Nellis, Ondřej Gabriel und Tomáš Mašín gedreht, das von dem Erfolgsroman von Tučková inspiriert ist. Der Film handelt von der jungen Frau Gerta Schnirch, die in der Zeit vor und während der deutschen Besatzung (1939-1945) in einer deutsch-tschechischen Familie aufwächst. Nach 1945 wird sie mit hunderten weiteren Brünner Deutschen auf den leidvollen Marsch nach Österreich getrieben, der in Pohořelice endet.

Obwohl die Romanhandlung in Brünn spielt, wurde auch in Grenznähe zu Sachsen gedreht. Mehrere Tage verbrachte das Filmteam in Děčín (Tetschen).

Tschechien hat neuen Umweltminister

Präsident Pavel übergibt Igor Červený die Ernennungsurkunde als Umweltminister.
Präsident Pavel übergibt Igor Červený die Ernennungsurkunde als Umweltminister. (© Tomáš Fongus, Odbor komunikace KPR)

Fünf Monate nach der Wahl und zwei Monate nachdem die neue tschechische Regierung ihre Arbeit aufgenommen hat, ist sie nun komplett. Am Montag ernannte Staatspräsident Petr Pavel den Kandidaten der Motoristen-Partei Igor Červený zum neuen Umweltminister. Bislang wurde das Amt von Außenminister und Motoristen-Chef Petr Macinka kommissarisch geführt. Červený kündigte an, das Ministerium im Triumvirat mit dem Regierungsbeauftragten für Green Deal und Klimapolitik, Filip Turek, und dem Oberdirektor der Sektion Technischer Umweltschutz Jaromír Wasserbauer führen.

Einkaufszentrum Olympia Teplice wird erweitert

An der Fernstraße von Ústí nad Labem (Aussig) nach Teplice (Teplitz) befinden sich kurz vor der Kurstadt Bauarbeiten in vollem Gange. Das große Einkaufszentrum Olympia vor den Toren der Stadt wurde seit September 2024 um einen Flachbau direkt an der Fernstraße erweitert. Auch das alte Zentrum wurde modernisiert. Im Mittelpunkt stand dabei eine energetische Sanierung. Im Frühling soll der Neubau eröffnen. Während der Betreiber mit einer Senkung der Betriebskosten rechnet, freuen sich Kunden auf neue Geschäfte. Auf den 8.000 Quadratmetern zusätzlicher Ladenfläche sollen 13 Geschäfte eröffnen. Bereits bestätigt sind Filialen von Penny, Jysk, Rossmann, dem Elektronikhändler Planeo, Action (Deko, Einrichtungsgegenstände) sowie Kytky od Pepy (Blumen). Außerdem zieht in den Neubau ein Burger King ein.

Allerdings stößt der Neubau nicht nur auf Vorfreude. Kritiker bemängeln, dass das Zentrum vor der Stadt weitere Kaufkraft aus der Innenstadt abziehe. Dort befinden sich bereits zwei weitere Einkaufszentren (Fontána und Galerie). Für kleine Läden werde es in der Kurstadt damit immer schwerer.

 


 

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