Derweil in Tschechien... 1/26
09.01.2026
Bischof erinnert an Vertreibung
2026 soll das Jahr der Heilung werden, sagt der Bischof von Litoměřice (Leitmeritz), Stanislav Přibyl. In einem Hirtenbrief rief er zur Versöhnung in der Diözese auf. Diese umfasst den ganzen Bezirk Ústí (Aussig) und große Teile des Bezirks Liberec (Reichenberg) sowie Teile Mittelböhmens. Bischof Přibyl nimmt dabei Bezug auf die am 13. Januar vor 80 Jahren gegründete katholische Ackermann-Gemeinde, die sich von Beginn an um Versöhnung bemüht hat. Am 13. Januar wird auch die erste Versöhnungsmesse in der Diözese stattfinden, und zwar in Filipov (Philippsdorf) an der Grenze zur sächsischen Lausitz, wo an diesem Tag das Heilungswunder der Magdalena Kade geschah. Es sei ihr die Gottesmutter Maria mit den Worten „Von jetzt an heilt’s“ erschienen. Diese Worte begriffen die katholischen vertriebenen Sudetendeutschen 1946 als Hoffnung für die Aussöhnung zwischen Deutschen und Tschechen. Ein zweiter Grund für das Jahr der Versöhnung ist der 80. Jahrestag der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei. Nach der ersten wilden Phase 1945 fand sie vor allem im Jahr 1946 statt.
Außer in Filipov sind weitere Versöhnungsmessen und Gedenkveranstaltungen unter anderem in Terezín (Theresienstadt), Postoloprty (Postelberg), Žatec (Saaz), Ústí nad Labem, Osek (Ossegg), Česká Kamenice (Böhmisch Kamnitz) und Česká Lípa (Böhmisch Leipa) geplant. Dabei handelt es sich um Orte von Verbrechen an Sudetendeutschen, aber auch der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.
2026 ist auch das Jahr, in dem erstmals der Sudetendeutsche Tag in der Tschechischen Republik, in Brno (Brünn) stattfinden wird. Brno, wo 1945 ein Todesmarsch an die Grenze zu Österreich stattfand, hatte bereits vor zehn Jahren ein Jahr der Versöhnung ausgerufen.
Schnee sorgt für Behinderungen und Skispaß
Sturmtief Elli hat heute auch in Tschechien für Behinderungen gesorgt. Betroffen waren vor allem große Teile Süd- und Nordböhmens sowie von Mittelböhmen einschließlich der Hauptstadt Prag. Aufgrund des starken Schneefalls konnten die Straßen nicht rechtzeitig geräumt werden, weshalb es in den Städten zu teils starken Verspätungen im öffentlichen Nahverkehr kam. Auch Züge und der Regionalverkehr waren betroffen. Auf der Autobahn Prag-Dresden kam es auf tschechischer Seite zu Staus. Größere Unfälle blieben aber zunächst aus.
Dafür bedeutet der Schneesegen, dass sich die Öffnung von Skigebieten beschleunigt. Bereits am Freitagabend geht das gesamte Skigebiet in Klíny in Betrieb. Das heißt, dass nun auch der Vierersessellift fahren wird und nicht nur der Schlepplift. In Telnice und Český Jiřetín steht der Start auf den großen Skipisten wie Macháček und Piste 1 am Samstag an. In Telnice wird zugleich auch der Vierersessellift in Betrieb genommen. Am Bouřňák (Stürmer) bei Mikulov war noch unsicher, ob der wichtige Slalomhang am Samstag in Betrieb geht.
Auch für Langläufer herrschen gute Bedingungen. Die Loipen im böhmischen Erzgebirge werden dank guter Schneebedingungen regelmäßig gespurt. Den aktuellen Zustand der Loipen kann man in der Winterkarte von mapy.com verfolgen.
Neues Besucherzentrum in der Böhmischen Schweiz geplant
Der Nationalpark Böhmische Schweiz plant die Einrichtung eines neuen Besucherzentrums in Mezní Louka (Rainwiese). Dafür soll ein Gebäude genutzt werden, das sich im Besitz des Nationalparks befindet. Gemeinsam mit einer Erweiterung des nahen Erlebnisareals Luchsweg soll es bis 2028 fertig werden. Die Kosten belaufen sich auf umgerechnet 5,5 Millionen Euro. In dem neuen Zentrum soll eine Ausstellung entstehen, die sich mit der Natur im Nationalpark befasst, aber auch mit der Erholung des Waldes nach dem großen Waldbrand im Sommer 2022. Außerdem plant der Nationalpark einen Weg abseits der Straße zwischen Mezní Louka und Mezná (Stimmersdorf). Zudem soll die Sanierung des Wanderwegs von Tři prameny (Drei Quellen) zum Prebischtor (Pravčická brána) vorbereitet werden. Für eine sichere Wiedereröffnung des seit Sommer 2022 gesperrten Gabrielensteigs soll eine Studie angefertigt werden. Ein Datum zur Wiedereröffnung des beliebten Wanderwegs wurde nicht genannt.
Abgesagte Feuerwerke und zahnloses Pyroverbot
Der Abschied vom alten Jahr 2025 war in Tschechien der erste nach den umfassenden Einschränkungen für den Gebrauch von Pyrotechnik, den ein Gesetz seit Anfang Dezember 2025 regelt. Wie Medien berichten, war es zu Silvester in Nordböhmen zwar relativ ruhig. Auch die Zahl der Einsätze des Rettungsdienstes war auf Vorjahresniveau. Dafür erwies sich das Pyroverbot als ziemlich zahnlos. Seit letztem Jahr gibt es teils großflächige Zonen, in denen der Gebrauch von Pyrotechnik verboten ist, z.B. in der Nähe von Krankenhäusern, Tierheimen oder Zoos. Ausnahme sind nur Böller der Klasse F1, also Wunderkerzen und weitere Kinderböller.
Doch der Reporter der Tageszeitung Děčínský děník erlebte, wie auf dem Masaryk-Platz in Děčín (Tetschen) Raketen gezündet wurden, ohne dass die Polizei einschritt oder jemanden bestrafte. Im ganzen Bezirk Ústí (Aussig) kam es gerade einmal zu 46 Anzeigen im Zusammenhang mit dem Gebrauch von Pyrotechnik. Davon werden 17 Fälle als Ordnungsstrafen verfolgt, hieß es bei der Polizei. In Děčín aber, wo der unerlaubte Gebrauch beobachtet wurde, kam es zu gar keiner Ordnungsstrafe. Auch in Ústí nad Labem gab es keine einzige Anzeige, obwohl es auch dort mit privatem Feuerwerk zur Sache ging. Die Polizei entschuldigte das so, dass sie schon genug damit zu tun habe, auf Sicherheit und Ordnung zu achten. Außerdem sei es relativ kompliziert, jemanden des unerlaubten Gebrauchs von Pyrotechnik zu überführen. „Die einzig effektive Maßnahme wäre ein Verkaufsverbot von Pyrotechnik“, meint Marcel Horák, Chef der Stadtpolizei von Děčín. Die neue Situation führe absurderweise zudem dazu, dass Menschen Feuerwerk weit entfernt von Wohnbebauung in der Natur zünden, um sicher zu gehen, dass sie sich nicht in einer Verbotszone befinden.
Mit der Meinung, den Verkauf von Pyrotechnik zu verbieten, ist der Polizeichef nicht allein. Wegen der neuen Gesetzeslage wurden auch viele offizielle Feuerwerke abgesagt. Sie seien unter den neuen Bedingungen nicht durchführbar. Nur an wenigen Orten, wie in Litvínov (Oberleutensdorf) oder Ústí fand das städtische Feuerwerk statt. Aber auch diese Orte erwägen, in einem Jahr anders zu feiern. In Most fiel das traditionelle Feuerwerk auf dem Hausberg Hněvín aus und wurde durch eine Lichtshow und Videomapping auf Hausfassaden ersetzt.
Positiv ist, dass der Rettungsdienst in der Silvesternacht im ganzen Bezirk Ústí nur zu 170 Patienten ausrückte. Die Zahl blieb im Vergleich zum Vorjahr unverändert. Der Anteil der Personen, die sich mit Feuerwerk verletzten, war noch niedriger, unter den Verletzten waren allerdings auch drei Kinder.
Tschechien setzt Munitionsinitiative fort
Tschechien wird weiter Munition für die Ukraine organisieren. Das stellte Premierminister Andrej Babiš nach dem Treffen der Koalition der Willigen in Paris klar. Allerdings werde sich Tschechien nicht mehr finanziell beteiligen. Tschechien organisiert die Munition gemeinsam mit Dänemark und den Niederlanden. Der finanzielle Anteil Tschechiens lag bisher in einem sehr niedrigen Bereich, bei zwei bis drei Prozent. Die wichtigsten Geldgeber sind Deutschland, Kanada und die Niederlande.
Die Parteien ANO und SPD hatten im Wahlkampf vor den Parlamentswahlen im Herbst angekündigt, die Munitionsinitiative aufzugeben. Nun kam es bei ANO zum Meinungswechsel. Die Autofahrerpartei Motoristé war ohnehin für eine Fortsetzung. Die radikale SPD spricht nun von einem Kompromiss, bei dem die Hauptsache sei, dass dafür kein tschechisches Geld mehr ausgegeben werde. Außenminister Petr Macinka sagte, ein Abbruch der Initiative wäre ein großes Problem vor allem für Tschechien gewesen. Die Initiative, die unter der Vorgängerregierung und mit großer Mithilfe von Präsident Petr Pavel gestartet wurde, hätte dem Land zu gewaltigem Prestige verholfen.
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