Euroregion Elbe/Labe

Derweil in Tschechien... 10/26

Hollywood dreht wieder in Úštěk  – Tschechiens populärster Talkmaster wirft hin – Aus für Direktor des Nationalparks Riesengebirge – Böhmische Schweiz erweitert Ruhezonen für Brutvögel – Bahnhofsgebäude in Moldava ist verkauft – Litoměřice setzt auf Erdwärme – Weitere 16 Projekte gefördert

13.03.2026

Hollywood dreht wieder in Úštěk

Bis Martin Scorsese kommt, müssen diese Autos weg sein.
Bis Martin Scorsese kommt, müssen diese Autos weg sein. (© Steffen Neumann)

Das verträumte nordböhmische Städtchen Úštěk (Auscha) liegt etwas abseits. Trotz seiner kompakten und gut erhaltenen Altstadt, gelegen auf einem Sandsteinsporn, finden Touristen eher selten hierher. Unter Filmleuten ist diese Kleinstadt mit nicht einmal 3.000 Einwohnern allerdings gut bekannt. Wer eine unverfälschte natürliche Kleinstadtkulisse braucht, wird von Location-Scouts gern hierher geführt. Und so zieht am kommenden Montag wieder einmal Hollywood in die Altstadt ein. Sogar davon, dass Leonardo Di Caprio bei den Dreharbeiten zu Wochenbeginn in der Stadt anzutreffen sein würde, war die Rede. Das verweist der Bürgermeister Ondřej Elísek allerdings ins Reich der Mythen. Doch ein bisschen Glanz fällt dennoch auf die Stadt, denn kein Geringerer als Star-Regisseur Martin Scorsese wird zu den Dreharbeiten persönlich anwesend sein. Der 83-jährige war im Februar schon einmal da. Nun wird es also ernst. Der Film läuft momentan noch unter dem Arbeitsnamen Schnapps.

Bereits am Samstag wird die Altstadt auf die Dreharbeiten vorbereitet. Gedreht wird den ganzen Montag, und läuft alles wie geplant, wird am Dienstag schon wieder abgebaut. Das hängt vor allem vom Wetter ab. Úštěk wird für den Dreh mit Kunstschnee bestäubt. Für die Einwohner und Gewerbetreibenden in der Altstadt bedeutet der Dreh erhebliche Einschränkungen. Autos müssen komplett vom westlichen Teil des Hauptplatzes Mírové náměstí verschwinden. Zu ihren Häusern erhalten die Einwohner aber Zugang. Betroffen ist vor allem der Mírové náměstí mit den umliegenden Straßen.

In der Vergangenheit war Úštěk bereits Drehort der bitterbösen Komödie "Jojo Rabbit". Auch der mit einem Oscar prämierte tschechische Film "Kolja" wurde hier gedreht.

Tschechiens populärster Talkmaster wirft hin

Václav Moravec
Václav Moravec (© Jindřich Nosek; CC BY-SA 4.0)

Václav Morávec ist der berühmteste Talkmaster Tschechiens und seine Sendung "Otázky Václava Morávce" die populärste Talksendung im tschechischen Fernsehen. Seit 21 Jahren lief sie jeden Sonntagmittag im öffentlich rechtlichen Sender Česká televize (ČT), und speziell für alle Politiker war es das erste Ziel, dort Redezeit zu erhalten. Dabei waren die Auftritte bei Morávec für die Politelite kein Spaziergang. Der Journalist gilt als gefürchtet. Doch das ist nun Vergangenheit. Am Sonntag verkündete Morávec zum Ende der Sendung seinen Abschied. Dazu werde er vom Geschehen rund um den den öffentlich-rechtlichen Rundfunk bewogen. Den letzten Anstoß bildete ausgerechnet eine Debatte, ob man einem Politiker in einem der höchsten Staatsämter weiterhin eine Einladung in die Sendung verwehren könne.

Es geht um den Rechtsaußen Tomio Okamura. Der tschecho-japanische Politunternehmer hatte es bisher noch nie in Morávec' Sendung geschafft, was ihn offenbar mächtig wurmte. Auf so viel Aufmerksamkeit, die der quotenstarken Sendung beschieden ist, wollte denn auch ein TV-erprobter Politiker wie Okamura nicht verzichten. Und seit seine Partei SPD Teil der Regierung und er selbst Präsident des Parlaments ist, macht er mächtig Druck. Dem Parlamentspräsidenten könne man einen Auftritt nun nicht mehr verwehren. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen steht zudem unter wachsendem Druck. Vor allem die SPD hatte im Wahlkampf eine Abschaffung der Rundfunkgebühren gefordert. In Tschechien gibt es für die Finanzierung ein ähnliches Modell wie in Deutschland. Nun treibt die Regierung dessen Änderung voran. Gegen den erklärten Willen von Morávec hatte die neue Dramaturgin des Fernsehens Tomio Okamura in die Sendung eingeladen. Morávec erklärte daraufhin seinen Rücktritt. Er wehre sich gegen eine Pseudoausgewogenheit und können die Unabhängigkeit des Fernsehens nicht garantieren.

Česká televize hat inzwischen schon Ersatz angekündigt. Für den kommenden Sonntag wurden jeweils drei Parteivertreter der Regierungsparteien und drei Vertreter der Opposition eingeladen. Tomio Okamura wird nicht unter ihnen sein. Die Moderation übernehmen die Lukáš Dolanský und Vanda Kofroňová.

Aus für Direktor des Nationalparks Riesengebirge

Die Wiesenbaude im Riesengebirge
Die Wiesenbaude im Riesengebirge (© Dingoa, Wikipedia; CC BY-SA 3.0)

Der langjährige Direktor des Nationalparks Riesengebirge, Robin Böhnisch, wurde entlassen. In einer Mitteilung des Umweltministeriums hieß es, man trenne sich im gegenseitigen Einvernehmen. Eine Begründung wurde nicht angegeben. Die Umweltorganisation Hnutí Duha (Bewegung Regenbogen) warf Umweltminister Igor Červený (Motoristen) vor, grundlos einen erfolgreichen Manager zu entlassen. Als treibende Kraft hinter der Entlassung nannte die Tageszeitung Deník N die Unternehmerin Klára Sovová, die im Riesengebirge die Wiesenbaude und die Elbbaude betreibt. Vor einem Jahr war sie mit dem Nationalpark in Konflikt geraten, weil sie gegen dessen Regeln verstieß. Nach mehrfacher Warnung hatte der Nationalpark daraufhin den Zufahrtsweg zur Wiesenbaude versperrt. Daraufhin ließ Sovová die Baude, in der sich ein Hotel und ein Restaurant sowie eine Brauerei befinden, für Besucher schließen. Pikant ist, dass sich Sovová auf dem Ticket der Motoristen im Herbst erfolglos um einen Sitz im Landesparlament beworben hatte.

"Sollte Minister Červený weiter Personen wie Klára Sovová zur Hand gehen, bedeute dies den Anfang vom Ende der Nationalparks in Tschechien", erklärt Hnutí Duha in einer Stellungnahme. Laut der Umweltorganisation sei der nächste Kandidat für eine Abberufung der Direktor des Nationalparks Böhmerwald (Šumava), Pavel Hubený. Für dessen Posten hat der frühere Nationalparkdirektor Jiří Mánek Ambitionen angemeldet. Wenig überraschend steht er den Motoristen nahe.

Böhmische Schweiz erweitert Ruhezonen für Brutvögel

Schwarzstorch
Schwarzstorch (© Václav Sojka)

Der meteorologische Frühling ist da, und bei den Vögeln beginnt wieder die Zeit der Fortpflanzung. Um geschützten Vögeln wie Wanderfalken, Uhus und Schwarzstörchen eine ungestörte Paarung und Aufzucht ihres Nachwuchses zu ermöglichen, sperrt der Nationalpark Böhmische Schweiz wie jedes Jahr zusätzlich zu den Ruhezonen weitere Gebiete. Betroffen sind in der Regel keine markierten Wanderwege. Die Sperrung ist durch dreisprachige Schilder (Tschechisch, Deutsch, Englisch) und teils auch Absperrbänder markiert. Sie gilt seit 1. März bis Ende Juni. In Brutgebieten des Schwarzstorches gilt die Sperrung bis Ende Juli.

Bahnhofsgebäude in Moldava ist verkauft

Bahnhofsgebäude in Moldava
Bahnhofsgebäude in Moldava (© Steffen Neumann)

Das Schicksal des riesigen Bahnhofsgebäudes im Dorf Moldava (Moldau) direkt an der Grenze zu Sachsen wendet sich in eine neue Richtung. Nachdem der letzte Eigentümer hier ein Eisenbahnmuseum mit historischen Exponaten einrichten wollte, plant der neue nun ein Luxushotel. Der Gemeinde ist es nämlich gelungen, für das sanierungsbedürftige Gebäude einen neuen Eigentümer zu finden. Dabei handelt es sich um den Immobilienunternehmer und ehemaligen Politiker aus Teplice, Petr Benda. Er zahlt für die Immobilie gerade einmal 1,69 Millionen Kronen, umgerechnet ca. 70.000 Euro.

Die Gemeinde hatte das Gebäude vor zehn Jahren noch für 3 Millionen Kronen gekauft und weitere rund 600.000 Kronen in die nötigsten Reparaturen gesteckt. Vor zwei Jahren hatte Moldava das Gebäude noch für 3 Millionen Kronen an einen Museumsverein verkaufen können. Doch der konnte das Geld nicht aufbringen, weshalb die Gemeinde eine neue Ausschreibung startete. 

Offizieller Käufer des Gebäudes ist die Firma Hotel Prince de Ligne. Das gleichnamige 4-Sterne-Hotel gehört Petr Benda. Der Plan ist, das Bahnhofsgebäude zu einer Filiale des Hotels umzubauen. Die Gemeindevertreterin Iveta Boudišová bezweifelt, ob der Plan je umgesetzt wird. Sie hatte gegen den Verkauf gestimmt. Allerdings verbindet sie mit Benda eine herzliche Feindschaft aus früheren Zeiten, wobei es um das Skigebiet am Berg Bouřňák ging, wo Boudišová das Berghotel gehörte, das allerdings schon lange geschlossen ist. Petr Benda und seinem Bruder Jan (einem Rechtsanwalt) gehört das Skigebiet.

Zweifel an den wahren Absichten von Benda sind allerdings nicht völlig unbegründet. Benda war Chef der Sozialdemokraten im Bezirk Ústí zu Zeiten, in denen es zu einem der größten Korruptionsfälle mit Fördermitteln der Europäischen Union kam. Millionen wurden damals bevorzugt an befreundete Unternehmer, aber auch Fußballklubs und andere Pseudoprojekte ausgeteilt. Die Sozialdemokraten regierten in jener Zeit (2008-2012) den Bezirk. Politiker der Partei wurden angeklagt und rechtskräftig verurteilt.

Litoměřice setzt auf Erdwärme

Unabhängig sein vom Öl- und Gaspreis auf den Weltmärkten, das hätten momentan viele gern. Die nordböhmische Stadt Litoměřice (Leitmeritz) macht allerdings ernst. Sie könnte ab 2028 ihren Wärmebedarf zu 15 Prozent aus unterirdischer Speicherwärme decken. Derzeit werden im Umkreis der ehemaligen Kaserne "Jiří z Poděbrad" 100 Bohrungen vorgenommen. Die bis zu 100 Meter tiefen Bohrungen sollen in Zukunft überschüssige Wärme einlagern und sie wenn nötig in der kalten Jahreszeit in das Wärmenetz einspeisen. Die Temperatur in der Schicht in 100 bis 400 Meter Tiefe beträgt 12 bis 15 Grad. Dort soll die Wärme als bis 90 Grad heißes Wasser eingelagert werden. Das erwärmt die Erdschicht. Die Wiedernutzung hätte einen Wirkungsgrad von 80 Prozent.

Noch spektakulärer sind allerdings zwei weitere Bohrungen, die ebenfalls bis 2028 abgeschlossen sein sollen. Dabei handelt es sich um Bohrungen bis in 3,5 Kilometer Tiefe. Daraus soll später Erdwärme gewonnen werden. Das würde den Wärmebedarf gleich zu 60 Prozent decken. Die Investitionen in den Bau des Erdwärmekraftwerks und des Wärmespeichers belaufen sich insgesamt auf 1,5 Milliarden Kronen (62,5 Millionen Euro). Der größte Teil der Kosten entfällt dabei auf die Bohrungen.

Weitere 16 Projekte gefördert

In seiner heutigen Sitzung hat der Lokale Lenkungsausschuss im Kleinprojektefonds der Euroregion Elbe/Labe die Förderung für 16 deutsch-tschechische Projekte bewilligt. Die Zahl tschechischer Anträge lag mit 11 wieder deutlich höher als die sächsischen mit sechs. Das spiegelt sich auch in der bewilligten Fördersumme wieder: 98.238 Euro für tschechische gegenüber 46.300 Euro für sächsische Projektträger. Die komplette Liste der geförderten Projekte finden Sie auf unserer Website.

Nach dieser Entscheidungsrunde stehen bis Ende 2028 noch rund 1,9 Mio. Euro an Fördermitteln für grenzüberschreitende Projekte zur Verfügung. Wenn Sie eine Projektidee haben, zögern Sie nicht, sich für einen Beratungstermin anzumelden. Wir rufen Sie gern zurück, erläutern Ihnen das Förderprogramm und qualifizieren Ihre Idee gemeinsam zu einem Projektantrag weiter.

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