Derweil in Tschechien... 11/26
20.03.2026
Über 100 neue tschechische Bücher auf Deutsch
Seit 2024 erschienen auf Deutsch mindestens 102 Neuübersetzungen tschechischer Literatur. Das sagte der Generaldirektor der Mährischen Landesbibliothek, Professor Tomáš Kubíček, anlässlich der Eröffnung des tschechischen Stands auf der Buchmesse in Leipzig. Die Vielzahl der Übersetzungen ins Deutsche wurde massiv vom tschechischen Kulturministerium unterstützt. Die Zahl von 102 Übersetzungen sei zudem noch nicht endgültig, so Kubíček weiter. Er leitet auch das Projekt Czechia2026, das den Auftritt Tschechiens als Gastland bei der Frankfurter Buchmesse im Oktober dieses Jahres organisiert. Aus diesem Anlass hatte das tschechische Kulturministerium zusätzliche 1,2 Mio. Euro (ca. 50.000 Euro) zur Unterstützung von Übersetzungen in die deutsche Sprache freigegeben. In den Jahren 2022 bis 2024 betrug die Förderung jährlich rund 18 Mio. Kronen (750.000 Euro).
Auf der Buchmesse in Leipzig ist Tschechien mit 14 Autorinnen und Autoren bei 17 Veranstaltungen zu Gast. Der tschechische Stand gehört zudem zu den größten der Messe.
Rosengarten auf Schloss Děčín öffnet wieder
Der Rosengarten auf Schloss Děčín (Tetschen) öffnet am Samstag wieder seine Tore. Nach über zweijähriger Sanierung erleben Besucher den beliebten Garten anders als zuvor. Denn die Anlage zeigt sich nun so, wie sie zu Barockzeiten aussah. So kehrten in den Garten Brunnen, Wasserspiele und historische Rosensträucher zurück. Insgesamt können sich Besucher auf 700 Rosenstöcke freuen. Erstmals nach langer Zeit haben Besucher auch wieder Zutritt zu den Bastionen.
Im Zuge der Wiederherstellung des Rosengartens wurden auch der Pavillon Sala terrena und die Zufahrtsstraße Lange Fahrt saniert. Letztere ist schon länger wieder fertig. Im Rosengarten selbst wurde die Beleuchtung erneuert. Damit werden nun einzelne Statuen angeleuchtet.
Luchs in der Böhmischen Schweiz gesichtet
Freitag der 13. war für Familie Visokai ein Glückstag. In den späten Abendstunden gelang der Familie nämlich ein ganz besonderer Schnappschuss. Bei der Fahrt mit dem Auto nach Doubice sichteten sie einen Luchs. Das Tier bewegte sich zunächst im Wald am Straßenrand und es waren nur die leuchtenden Augen zu sehen, weshalb die Familie mit einem Fuchs rechnete. Geistesgegenwärtig bremste die Familie das Auto ab und hielt an. Das bewegte den Luchs dazu, sich so sicher zu fühlen, dass er vor den Augen der Familie die Straße querte. Die Fotos veröffentlichte der Nationalpark Böhmische Schweiz später auf seiner Webseite.
Ein Foto von einem Luchs in der Böhmischen Schweiz ist eine seltene Angelegenheit. Bisher gab es Fotos aus den Jahren 2011 und 2020. Der Luchs bewegte sich zudem an der Grenze der Böhmischen Schweiz zum Landschaftsschutzgebiet Lausitzer Gebirge. Er hat also ein größeres Einzugsgebiet. Ob der Luchs das Gebiet nur passiert hat oder ob er bereits heimisch ist, sollen weitere Untersuchungen zeigen.
Czech In! macht Lust auf Tschechien
Am Vitzthum-Gymnasium in Dresden-Zschertnitz stand vergangene Woche das Nachbarland Tschechien im Mittelpunkt. Zu Gast war die Initiative "Czech In!", die sich ehrenamtlich auf die Fahne geschrieben hat, das Land mehr ins Bewusstsein junger Menschen zu rücken. Referenten aus den Reihen des Projekts präsentierten Tschechien in vier informativen wie anschaulichen Vorträgen für insgesamt rund 100 Schülerinnen und Schüler der zehnten Klassenstufe.
Dabei ging es nicht nur um trockene Fakten zu Land und Kultur, sonders die Referenten erzählten auch von ihren ganz eigenen Erfahrungen bei Auslandsaufenthalten in der Tschechischen Republik und gaben praktische Tipps zu Freiwilligendiensten, Praktika, bilateralen Begegnungsprojekten, Austausch- oder Studienprogrammen. Viele der Jugendlichen erfuhren erstmals, welche Möglichkeiten sich im nahe gelegenen Nachbarland bieten und dass dafür zahlreiche Fördermöglichkeiten zur Verfügung stehen, die man nur kennen und nutzen muss.
Mit den Veranstaltungen möchte "Czech In!" junge Menschen in Deutschland ermutigen, den Blick über die Grenze zu wagen. Denn das Nachbarland ist gerade von Sachsen aus nicht nur schnell erreichbar, sondern bietet auch spannende Karrierechancen für junge Menschen, von neuen persönlichen Kontakten über Grenzen hinweg ganz zu schweigen. "Czech In!" war schon wiederholt an Dresdner Schulen zu Gast. Die kostenfreien Informationsvorträge können direkt beim Projekt angefragt werden (auch bei Facebook und Instagram).
Tschechien verbietet HHC
Die tschechische Regierung hat den Besitz von Hexahydrocannabinol (HHC) verboten. Damit wird automatisch auch der Verkauf eingeschränkt. Gesundheitsminister Adam Vojtěch informierte über die Entscheidung, die mit Veröffentlichung in der Gesetzessammlung in Kraft treten soll. Bereits die Vorgängerregierung hatte den Stoff unter Beobachtung gestellt. Substanzen mit HHC waren in Tschechien frei verkäuflich und tauchten in entsprechenden Automaten, häufig aber ebenso in Supermärkten vor allem auch im Grenzgebiet zu Sachsen auf. Dort wurden sie auch gern von deutschen Einkaufstouristen erworben. Dabei sind die Wirkungen von HHC nicht endgültig erfasst. Sobald die Gesetzesnovelle im Gesetzbuch erscheint, ist der Besitz von HHC strafbar.
Güterschifffahrt hadert mit Elbpegel
Auf der Elbe sind gerade auffällig viele Güterschiffe unterwegs. Nach monatelangem Niedrigwasser versuchen die Firmen nun, so viel wie möglich Schiffe vor allem mit großformatigen Gütern die Elbe flussabwärts zu schicken. Eine der Firmen ist Chart Ferox in Děčín, die große Tanks herstellt, die auf dem Landwege nicht zu transportieren sind. Der Kunde in Schweden wartet allerdings schon fast ein Jahr auf seine Ware. Eine erste Charge mit vier großen Tanks ist jetzt auf dem Weg. Noch einmal zwei solche Transporte sollen folgen. Die Tanks sind unter anderem für die Befüllung mit Wasserstoff, aber auch Flüssiggas bestimmt. Die Fracht wird auf der Elbe nach Hamburg verschifft.
Grund für die Betriebsamkeit vor allem im Hafen Děčín Rozbělesy ist der momentan günstige Elbpegel, der dank dem Tauwetter in den Mittelgebirgen für die Schiffbarkeit so großer Güterschiffe mit schwerer Fracht sorgt. Doch die Reeder sind sich bewusst, dass sich das Zeitfenster bald wieder schließen könnte. Auch große Generatoren werden auf der Elbe transportiert. "Sechs Generatoren haben wir bereits nach Bremerhaven geschafft, wo sie auf zwei weitere Generatoren warten, die wir jetzt losschicken", sagt Lukáš Hradský von der Reederei Evropská vodní doprava (EVD). Später soll noch ein weiterer Generator mit 220 Tonnen Gewicht auf die Reise elbabwärts gehen. "Mehr Transporte haben wir nicht geplant, denn danach wäre ein Transport wegen sinkenden Pegels zu risikoreich", so Hradský in tschechischen Medien.