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Derweil in Tschechien... 12/26

Radio Prag vor dem Aus? – Massenprotest in Prag – Tyssaer Wände beschränken Zutritt – Weniger Bier aus Velké Březno – Verein rettet Ballsaal im Schicht-Werk – Tschechen steigen wegen Benzinpreisen auf Öffis um

27.03.2026

Radio Prag vor dem Aus?

Logo Radion Prag InternationalDie internationalen Sender des tschechischen Rundfunks Český rozhlas sollen laut Außenminister Petr Macinka abgeschafft werden. Kommende Woche will der Minister mit dem Sender, dessen Auslandsradios vom Außenministerium finanziert werden, einen neuen Vertrag über die Finanzierung für dieses Jahr unterzeichnen. Demnach würde der Sender nur noch etwas über 26 Millionen Kronen erhalten, statt wie geplant 35 Millionen. 2027 möchte der Minister die Förderung komplett einstellen. Er halte den Sender für überflüssig. Bei einem TV-Interview stellte sich heraus, dass der Minister dachte, der Sender sei für jene Tschechen, die im Ausland leben. Die mehrsprachigen Sender (unter anderem auf Englisch, Deutsch, Französisch) werden aber von Menschen gehört, die des Tschechischen nicht mächtig sind und die sich für Tschechien interessieren. Die Auslandssender sind daher eine Form der Werbung im Ausland. Die internationalen Webseiten besuchten laut Český rozhlas im letzten Jahr rund 8 Millionen Menschen, die meisten aus Deutschland, Frankreich, USA, Österreich, Spanien und Großbritannien. Am meisten werden die Sendungen auf Englisch, Deutsch und Französisch gehört. Ein Ende der finanziellen Unterstützung würde auch das Ende der Auslandssender bedeuten, die in diesem Jahr ihren 90. Geburtstag feiern.

Ob es zur Einstellung der finanziellen Unterstützung kommt, hängt nun vom Medienausschuss des tschechischen Parlaments ab. Wie Medien berichten, stößt eine mögliche Abschaffung der Auslandssender bei den Abgeordneten der Regierungspartei ANO auf Widerspruch. Die Oppositionsparteien kritisieren das Unterfangen ohnehin.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht in Tschechien derzeit unter immensen Druck. Die Regierung möchte die Mittel drastisch kürzen, die Gebühren abschaffen und den Rundfunk direkt aus dem Staatshaushalt finanzieren. Treiber sind vor allem die beiden kleinen Parteien in der Regierung, die rechtsradikale SPD und die Autofahrer, deren Stimmanteile in Umfragen momentan unter der 5-Prozent-Hürde liegen.

Massenprotest in Prag

Zdeněk Sverák bei Demonstration am 21.03.2026 in Prag
Zdeněk Sverák bei Demonstration am 21.03.2026 in Prag (© Milan Bureš)

Fast eine Viertel Million Menschen protestierte am vergangenen Samstag in Prag gegen die aktuelle tschechische Regierung. Die Demonstration im Letná-Park stand unter dem Motto "Wir lassen uns nicht unsere Zukunft stehlen" und warf der Regierung Korruption, Machtmissbrauch, Abschaffung von Institutionen und die Einführung von Manieren osteuropäischer Autokraten vor. Die Demonstranten befürchten vor allem eine Erosion der demokratischen Institutionen und beklagen die Aggressivität vor allem der beiden kleinen Regierungsparteien. Zu der Demonstration hatte der Verein "Milion chvilek pro demokracii" (Eine Million Augenblicke für die Demokratie) aufgerufen. Es sprachen unter anderem bekannte Schauspieler wie der 90-jährige Schauspieler und Drehbuchautor Zdeněk Svěrák ("Kolja"), der Schauspieler Ondřej Trojan und die Sängerin Aneta Langerová.

Der Letná-Park ist der Ort für große Demonstrationen in Tschechien. Eine ähnlich große Demo 2019 läutete das Ende der ersten Regierung ein. Der Verein Milion chilek ist unabhängig von Parteien und Politikern und stützt sich rein auf die Zivilgesellschaft. Im Letná-Park fand auch die bisher größte Demonstration in der Geschichte Tschechiens und auch der Tschechoslowakei statt. 1989 demonstrierten hier auf dem Höhepunkt der Samtenen Revolution 750.000 Menschen aus der ganzen Tschechoslowakei.

Tyssaer Wände beschränken Zutritt

Wer seinen Osterausflug zu den Tyssaer Wänden (Tiské stěny) plant, sollte nichts dem Zufall überlassen. Denn sonst könnte es passieren, dass man zwar in Tisá ist, aber die Wände nur von Ferne sieht. Denn die Gemeinde wird mit Beginn der neuen Ausflugssaison am 1. April täglich nur noch maximal 2.000 Menschen in die beliebte Felsenwelt lassen. An Tagen mit vielen Besuchern wie zu Ostern kann es also passieren, dass schlicht ausverkauft ist.

Dass der Zutritt zur Felsenwelt Geld kostet, ist nichts Neues. Eintrittskarten gibt es an kleinen Verkaufsbuden an den zwei Eingängen. Das Ticket für Erwachsene kostet aktuell 100 Kronen, also etwas mehr als 4 Euro. Kinder bis 15 Jahre, Studenten bis 26 Jahre und Senioren mit über 65 Jahren zahlen nur die Hälfte. Es gibt auch ein Familienticket für bis zu drei Kindern für 250 Kronen. Kinder unter 6 Jahren zahlen nichts.

Allerdings könnten sogar Frühaufsteher leer ausgehen, denn die Gemeinde hat ein Online-Ticketsystem gestartet. Wer also für den Osterausflug auf Nummer Sicher gehen möchte, sollte die Eintrittskarten hier kaufen. Auf der Ticket-Plattform wird auch angezeigt, wie viele Eintrittskarten noch erhältlich sind. Für den Ostersonntag sind momentan noch alle 2.000 Tickets zu haben. Die Plattform hat eine tschechische, deutsche und englische Sprachversion.

Die Gemeinde Tisá plant übrigens mit regelmäßigen Ticketkontrollen. Das Gebiet ist ja nicht eingezäunt, weshalb sich findige Besucher am Einlass vorbei mogeln könnten. Das möchte die Gemeinde verhindern und wird regelmäßig mit zwei bis drei Personen zum Kontrollieren im Terrain sein.

Einschränkungen beim Besuch von beliebten Ausflugszielen nehmen in den letzten Jahren zu. Zuerst kam es dazu in der Felsenwelt von Adršpach, einer ähnlich faszinierenden Landschaft wie den Tyssaer Wänden, nur größer. In der Böhmischen Schweiz gibt es seit letztem Jahr einen begrenzten Ticketverkauf für die Edmundsklamm (Edmundova soutěska). Das ist zwar bedingt durch die Zerstörungen während des Waldbrands vor vier Jahren. Doch die Gemeinde Hřensko (Herrnskretschen), der die Wege in der Klamm gehören und welche die Kahnfahrten organisiert, möchte den begrenzten Zutritt auch künftig beibehalten, wenn auch mit höherer Personenzahl pro Tag, sobald dies möglich ist.

Weniger Bier aus Velké Březno

Der niederländische Braukonzern Heineken hat angekündigt, in seiner Brauerei in Velké Březno (Großpriesen) künftig weniger Bier zu brauen. Hintergrund ist die sinkende Nachfrage nach Bier, nicht nur in Tschechien, sondern weltweit. So möchte der Konzern weltweit 5.000 bis 6.000 Stellen streichen. In Velké Březno sollen keine Mitarbeiter entlassen werden, heißt es. Allerdings wird es bis auf Weiteres auch keine Brauereiführungen mehr geben.

Logo BřezňákFür die Region ist das ein harter Schlag. Heineken hatte nach der Übernahme bereits die Brauerei Zlatopramen in Ústí nad Labem (Aussig) im dortigen Stadtteil Krásné Březno (Schönpriesen) geschlossen. In Velké Březno wird das beliebte Bier Březňák gebraut, das auch nach Deutschland exportiert wird.

Das Bier ist vor allem für sein Logo bekannt. Das ziert nämlich seit 1906 das Konterfei des früheren Bahnmitarbeiters Viktor Cibich (1856-1916). Seine Identität fand der frühere Leiter des Stadtarchivs von Ústí nad Labem, Vladimír Kaiser, in langen Recherchen heraus. Kaiser fand letztendlich auch das Grab von Cibich. Der wohlgenährte und zufriedene Cibich war sogar Vorbild für weitere Logos im Ausland. Wohlgenährt und zufrieden konnte Cibich schon deshalb sein, weil ihm als Gegenleistung eine lebenslange Bierrente zugestanden wurde. Sein Bier bekam er also in den örtlichen Lokalen kostenlos.

Verein rettet Ballsaal im Schicht-Werk

Tanzsaal der ehemaligen Schicht-Fabrik in Ústí nad Labem
Tanzsaal der ehemaligen Schicht-Fabrik in Ústí nad Labem (© Střek-ON z.s.)

Der historische Ballsaal der Schicht-Werke in Ústí nad Labem im Stadtteil Střekov (Schreckenstein) erlebt seine Wiedereröffnung. Wo Generationen das Tanzbein geschwungen haben, eröffnet am Samstag eine Fotoausstellung. Die Ausstellung ist eine Benefizveranstaltung zur Rettung des Ballsaals. Gezeigt werden unter anderem Motive des Verwaltungsgebäudes der berühmten Schicht-Werke mit ihrem opulenten Ballsaal.

Vor wenigen Jahren schien allerdings das Ende dieses historischen Gebäudes gekommen. Wo die Familie Schicht im 19. Jahrhundert mit der Produktion von Seifen begann, entstand schnell eines der größten Werke der Monarchie. Neben Seifen wurde unter anderem auch Magarine und weitere Drogeriewaren hergestellt. Berühmt war die Seife mit dem Hirsch (Jelen) als Logo. Hier ist die Wiege des heutigen Weltkonzerns Unilever. Nach 1945 wurde das Werk in Ústí jedoch verstaatlicht, trotzdem produzierte es bis in die 2010er Jahre. Dann wurde das Werk aufgespalten. Heute wird hier weder Seife, noch Margarine produziert. Das Verwaltungsgebäude steht seit 2011 leer und sollte vor drei Jahren abgerissen werden. Dazu kam es auch zum Teil, ein Flügel musste weichen. Der ältere Teil mit dem Ballsaal wurde jedoch unter Denkmalschutz gestellt. Deshalb konnte der Verein Střek-ON den Eigentümer überzeugen, den Saal zu vermieten.

Nach einem Jahr ist es nun so weit, der Saal wird mit einer Vernissage eingeweiht. Der Eintritt kostet 70 Euro für zwei Personen. Der Erlös ist für die sensible Sanierung des Saals und seinen weiteren Betrieb bestimmt. Nach der Vernissage mit Musik und Tanz, die 15 Uhr beginnt, wird bis 22 Uhr gefeiert. Auch am Sonntag ist der Saal den ganzen Tag geöffnet. Weitere Informationen unter Sál Šichtovka.

Tschechen steigen wegen Benzinpreisen auf Öffis um

Gestiegene Preise für Benzin und vor allem Diesel sind inzwischen auch in Tschechien angekommen. Laut eines Berichts der Tageszeitung Mladá fronta Dnes (MfD) macht sich das inzwischen im Verkehrsverhalten bemerkbar, auch im Bezirk Ústí. Vor allem auf Buslinien, die kleinere Orte mit Städten verbinden, sei die Auslastung gestiegen. Belastbare Zahlen liegen dem Bezirk, der die Fahrten bestellt, nicht vor. Die Zeitung stützt sich aber auf Aussagen von Passagieren und Busfahrern. Demnach seien einige Verbindungen vor allem im Berufsverkehr viel stärker ausgelastet als noch vor zwei Wochen.

Arbeitspendler, die auf einen öffentlichen Verkehr umsteigen können, der regelmäßig, planbar und vor allem in einer mit dem Auto vergleichbaren Fahrtzeit unterwegs ist, sind deshalb laut der Wissenschaftlerin Hana Brůhová Foltýnová von der Universität in Ústí nad Labem (UJEP) auch die ersten, die vom Auto auf Bus oder Zug umsteigen. Sie erwartet aber nicht, dass Autofahrer in größerer Menge auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Je 10 Prozent Teuerung seien es erfahrungsgemäß 1 bis 4 Prozent der Autonutzer, die umsteigen.

Die Preise für Benzin und Diesel liegen inzwischen deutlich höher als noch vor Wochen. Benzin kostete im Schnitt 1,75 Euro der Liter, Diesel 1,95 Euro. Damit ist der alte Abstand zwischen deutschen und tschechischen Preisen von gut 30 Cent fast wieder hergestellt.

In Tschechien waren die Preise zunächst langsamer gestiegen als in Deutschland, weil der Staat über seine Firma Čepro die Preise niedrig hielt. Čepro betreibt die Netze Eurooil und Robin Oil mit fast 300 Tankstellen, was schon eine kleine Marktmacht darstellt. Industrieminister Karel Havlíček hatte Čepro angewiesen, die Kraftstoffe weiter zu den Preisen zu verkaufen, wie sie vor dem Angriff auf Iran eingekauft wurden. In Deutschland hatten Tankstellenketten dagegen die Preise sofort erhöht, hier ist allerdings auch der Staat an keinen Tankstellen beteiligt.

 


 

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