Derweil in Tschechien... 23/26

Eröffnung der neuen Bike Trails – Tschechien will mehr Güterverkehr auf die Schiene bringen – Zoo Ústí freut sich über Seehund-Nachwuchs – Gehälter in Tschechien steigen überraschend stark – Früherer Senator Oto Neubauer ist tot

12.06.2026

Eröffnung der neuen Bike Trails

Auf dem Borderless Trail bei Sebnitz
Auf dem Borderless Trail bei Sebnitz (© SoliVital Sebnitz/Luisa Aehlig)

Die neuen Radwege für Geländefahrten im deutsch-tschechischen Grenzgebiet von Sebnitz und Dolní Poustevna erlebten heute ihre Eröffnung. Die ersten vier der 14 sogenannten Trails sind fertig und werden das ganze Wochenende über festlich eingeweiht. Radfahrer können dann rund 10 der insgesamt 31 geplanten Kilometer testen. Die fertigen Trails befinden sich vor allem auf tschechischer Seite. Gefeiert wird aber auf beiden Seiten der Grenze mit Ständen und Parkmöglichkeiten am SoliVital sowie an den Fischteichen in Poustevna. Ganz fertig wird der grenzübergreifende Bike-Park „Borderless Trails“ im nächsten Jahr. Für das Frühjahr 2027 ist eine große Eröffnung geplant.

In Tschechien sind extra angelegt Geländewege für Räder schon länger sehr beliebt. Ein großer Park befindet sich im tschechisch-polnischen Grenzgebiet im Isergebirge. Nun gibt es die erste deutsch-tschechische Anlage, die sich rund um den Gerstenberg erstreckt. Die Strecken sind nach Schwierigkeitsgrad eingestuft, wobei auf den leichtesten, blauen Strecken auch Anfänger fahren können. Es gibt sowohl bergab als auch bergauf führende Strecken.

Finanziert wird der Bau der Anlage aus INTERREG-Mitteln der EU für den tschechisch-deutschen Grenzraum. Die Förderung beläuft sich auf über 2,8 Millionen Euro. Lead-Partner des Projekts ist die Große Kreisstadt Sebnitz. Weitere Projektpartner sind Dolní Poustevna und Neustadt in Sachsen.

Tschechien will mehr Güterverkehr auf die Schiene bringen

Der Verkehr auf den Straßen nimmt zu und Gütereisenbahnunternehmen stecken in Problemen. Außerdem gelingt es nicht, CO2 einzusparen. Ursprünglich hatte die EU geplant, bis 2030 30 Prozent des Güterverkehrs auf der Schiene zu haben. Momentan betrifft das nur 16 Prozent. Der Wert ist schlechter als noch vor Jahren, als er bei 20 Prozent lag.

Tschechien will das ändern und hat nun eine europäische Initiative zur Rettung des Güterverkehrs auf der Schiene angestoßen. Ziele sind der Abbau von Bürokratie und von immer noch vorherrschenden Barrieren im grenzüberschreitenden Verkehr sowie die Unterstützung der Infrastruktur. Nach mehreren Verhandlungen konnte der tschechische Verkehrsminister Ivan Bednárek (SPD) nun elf Staaten hinter der Initiative zusammenbringen, die inklusive Tschechien 42 Prozent der Einwohner der Europäischen Union repräsentieren. Das reiche laut Minister Bednárek aus, damit die Initiative von der EU-Kommission angenommen wird. Die muss sich nun damit befassen und Lösungen erarbeiten.

Ausschlaggebend für den Erfolg war letztendlich, dass sich auch Polen der Initiative anschloss. Frankreich sagte zu, sich mit dem Vorschlag noch zu befassen, ebenso Deutschland. Allerdings meinte Minister Bednárek im Interview mit der Tageszeitung Hospodářské noviny, dass ihm unter der Hand mitgeteilt worden wäre, dass die Schuldenbremse in Deutschland ein Hindernis wäre und europäische Fördermittel vor allem in den Erzgebirgsbasistunnel fließen sollten.

Zoo Ústí freut sich über Seehund-Nachwuchs

Nachwuchs bei den Seehunden
Nachwuchs bei den Seehunden (© Zoo Ústí)

16 Jahre musste der Bergzoo in Ústí nad Labem (Aussig) auf Nachwuchs bei den Seehunden warten. Die Tierart mit ihrem Felsenbassin gleich nahe dem unterem Eingang gehört zu den beliebtesten Tieren des Zoos. Wie der Zoo mitteilt, wurde das Seehundjunge in der Nacht vom Sonntag auf den Montag entbunden.

Für Besucher ist das Seehundbecken momentan gesperrt, denn die ersten Tage sind für ein Seehundjunges noch sehr kritisch und ein Überleben nicht gesichert. Auch die Zoobahn fährt nicht, denn ihre Strecke führt direkt an dem Becken vorbei. Bis auf weiteres fällt auch die öffentliche Fütterung der Seehunde aus.

Die erfolgreiche Seehundezucht ist etwas ganz Besonderes. 2010 war es erstmals gelungen, dass die Seehunde Nachwuchs bekamen. Die kleine Hündin starb allerdings nach drei Monaten an einem Gehirnschlag. Diesmal hofft der Zoo auf ein längeres Leben des Seehundjungen.

Gehälter in Tschechien steigen überraschend stark

Gute Stimmung in Tschechien. Wie das Statistikamt ČSÚ berichtet, stieg das Bruttodurchschnittsgehalt im ersten Quartal 2026 gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal um 8,1 Prozent auf 50.282 Kronen (2.067 Euro). Aufgrund der relativ niedrigen Inflation von 1,6 Prozent blieb eine durchschnittliche reale Steigerung von beachtlichen 6,4 Prozent.

Das Wachstum ist sowohl in den verschiedenen Branchen als auch regional sehr ungleich verteilt. Während die Gehälter von Mitarbeitenden in der Immobilienbranche (+22,1 Prozent), der Verwaltung (+18,8 Prozent) und dem Bauwesen (+12,6 Prozent) überdurchschnittlich zulegten, ging es für Mitarbeitende im Bereich Produktion und Verteilung von Strom, Gas, Wärme bei den Gehältern mit 2,1 Prozent nur leicht nach oben. Allerdings verdient das Personal in der Branche mit durchschnittlich 87.404 Kronen im Monat (3.592 Euro) ohnehin schon gut. Am besten werden Mitarbeitende in IT- und Kommunikationsfirmen bezahlt. Sie bekommen durchschnittlich 98.776 Kronen im Monat (4.060 Euro). Am unteren Ende der Gehaltstabelle hält sich das Hotel- und Gastgewerbe mit durchschnittlich 30.688 Kronen brutto im Monat (1.261 Kronen).

Wie gut man verdient, hängt in Tschechien auch ganz markant vom Wohnort ab. In Prag liegt das durchschnittliche Bruttomonatsgehalt bei 67.945 Kronen (2.793 Euro). Dagegen verdient man im Bezirk Karlovy Vary (Karlsbad) im Schnitt nur 42.391 Kronen (1.742 Euro).

Beobachter gehen davon aus, dass sich der starke Anstieg nicht fortsetzt. E sist zudem unsicher, wie sich die Inflation weiter entwickelt. Im ersten Quartal schlug der amerikanisch-iranische Krieg noch nicht ganz zu Buche. Die Inflation hatte in Tschechien zwischen 2021 und 2023 dafür gesorgt, dass real immer weniger verdient wurde. Seit Anfang 2024 steigen die Realgehälter ununterbrochen und haben die damaligen Verluste längst wettgemacht.

Früherer Senator Oto Neubauer ist tot

Oto Neugebauer (1931-2026)
Oto Neugebauer (1931-2026) (© Ústecký deník)

Der langjährige Bürgermeister der Stadt Trmice (Türmitz) bei Ústí nad Labem (Aussig) und Senator Oto Neubauer ist tot. Er starb am Tag seines 95. Geburtstags, am 8. Juni. Neubauer gehörte zu den Menschen, die nach 1989 aktiv die Stadt Trmice und die Politik mitgestaltet haben. Er trat damals in die wiedergegründete sozialdemokratische Partei ČSSD ein und half, die älteste Partei Tschechiens wieder zu etablieren. Von 1994 bis 2006 führte er als Bürgermeister die Geschicke seiner Stadt, die sich erst nach 1989 von Ústí nad Labem selbständig gemacht hatte. 1996 wurde Neubauer für den Wahlkreis Ústí nad Labem als erster Politiker in den neu gegründeten Senat gewählt. Er gestaltete Politik auch auf Bezirksebene, als er für vier Jahre bis 2004 Abgeordneter des Bezirksparlaments und danach Mitglied der Kommission für auswärtige Beziehungen war. Oto Neubauer war auch viele Jahre bis 2018 in der Euroregion Elbe/Labe aktiv und ist der Träger der Ehrenmedaille der Euroregion. 2014 erhielt er für seine Verdienste die Ehrenbürgerschaft von Trmice. 

 


 

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