Euroregion Elbe/Labe

Wochenrückblick Nr. 12

Nationalparkbahn fährt weitere 10 Jahre – Auf den Weihnachtsmarkt nach Tschechien – Bezirk Ústí verliert Einwohner – Děčín baut Geburtsklinik – Tschechiens Wirtschaft schrumpft deutlich

15.12.2023

Nationalparkbahn fährt weitere 10 Jahre

Der Betrieb der grenzüberschreitenden Nationalparkbahn in der Sächsisch-Böhmischen Schweiz ist für die kommenden zehn Jahre gesichert. Der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) hat einer Verlängerung des Vertrages mit der Tschechischen Eisenbahn České dráhy (ČD) zugestimmt. Zuvor hatte bereits der Bezirk Ústí České dráhy mit 10 weiteren Jahren Betrieb beauftragt. Die Nationalparkbahn wurde Anfang Juli 2014 nach fast 70-jähriger Unterbrechung wieder in Betrieb genommen. Voraussetzung war der Lückenschluss zwischen Sebnitz und Dolní Poustevna, um den zuvor jahrzehntelang gerungen wurde. Seitdem fährt die Bahn als tschechische Linie U28 von Děčín über Bad Schandau und Sebnitz weiter nach Dolní Poustevna und über Šluknov bis nach Rumburk.

Auf den Weihnachtsmarkt nach Tschechien

Engelsflug beim Adventsmarkt Úštěk
Engelsflug beim Adventsmarkt Úštěk (© Město Úštěk)

Die Weihnachtsmärkte in Nordböhmen putzen sich immer mehr heraus. Mit einem neuen Konzept hat Děčín seinen mehrwöchigen Weihnachtsmarkt an den Fuß des Schlosses und damit in ein Ambiente mit Weihnachtsflair verlegt. Auch die Märkte in Litoměřice und Teplice haben an weihnachtlicher Atmosphäre gewonnen. Besonders lohnenswert für einen Besuch sind aber weiterhin die Märkte, die nur an einem oder zwei Tagen stattfinden. Davon gibt es am dritten Adventswochenende mehrere: der schon legendäre Adventsmarkt in Úštěk, der Weihnachtsmarkt auf dem Schlossplatz in Teplice oder auch der Schlossmarkt in Děčín. Wir haben für Sie eine Auswahl der schönsten Weihnachtsmärkte im sächsisch-tschechischen Grenzgebiet zusammengestellt.

Zu den Weihnachtsmärkten in Tschechien und Sachsen

Bezirk Ústí verliert Einwohner

In Tschechien leben neuesten Daten zufolge fast 11 Millionen Einwohner. Wie das Statistikamt ČSÚ berichtet, gewann das Land im dritten Quartal 54.700 Einwohner hinzu. Nunmehr leben 10,88 Millionen Einwohner in Tschechien. Im Zuge der Covid-Pandemie und der hohen Zahl von Toten waren die Einwohnerzahlen erstmals seit langer Zeit gesunken. Die Situation veränderte sich aber schlagartig nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine. Zeitweise kamen 600.000 Flüchtlinge nach Tschechien, wo ohnehin schon eine starke ukrainische Minderheit lebte. Auch die neusten Zuwächse bei den Einwohnerzahlen beruhen nicht auf einem Geburtenüberschuss, sondern auf Einwanderung. Die Zahl der Geburten war dagegen niedriger als die der Todesfälle.

Während durchweg alle Regionen Tschechiens wachsen, bleibt der Bezirk Ústí der einzige, der mit sinkenden Einwohnerzahlen zu kämpfen hat, und das bereits das dritte Jahr in Folge. Im dritten Quartal 2023 verlor der Bezirk 2.113 Einwohner, aktuell leben hier 810.224 Menschen. Einzig der Kreis Litoměřice legte gegen den Trend bei der Einwohnerzahl zu.

Děčín baut Geburtsklinik

Bis 2026 bekommt das Krankenhaus in Děčín eine neue Geburtsklinik. Der Krankenhausverbund des Bezirks Ústí, Krajská zdravotní, baut für 477 Millionen Kronen (rund 20 Millionen Euro) eine neue Klinik, die wie es heißt Geburtswesen und Gynäkologie gleichermaßen vereinen soll. Neben modernster Technik sollen die Eltern maximale Privatsphäre genießen. Gleichzeitig steht der Neubau der Klinik für Intensivmedizin und die Notaufnahme vor dem Abschluss. Erste Patienten sollen in dem neuen Gebäude im April 2024 einziehen.

Die Geburtsklinik in Děčín versorgt neben den Einwohnern der knapp 50.000 Einwohner zählenden Stadt nicht nur umliegende Städte wie Česká Kamenice, Benešov nad Ploučnicí oder Jílové, sondern auch die Böhmische Schweiz sowie den gesamten Schluckenauer Zipfel. Dort gibt es zwar das Krankenhaus in Rumburk, wo aber eine Geburtsstation vor Jahren geschlossen wurde. Damals gehörte das Krankenhaus noch der Stadt Rumburk. Inzwischen hat es die Krajská zdravotní in ihren Verbund integriert, eine Geburtsstation ist jedoch bislang nicht wieder vorgesehen. Eltern müssen also im Falle einer Geburt auf dem Weg ins Krankenhaus eine Stunde und länger mit dem Auto fahren, was im Winter auf den Gebirgsstraßen zu einem Abenteuer werden kann. Ein sächsisch-tschechisches Memorandum aus dem Jahr 2019, das vor allem tschechischen Patienten im Grenzgebiet die kostenneutrale Behandlung in den nahen sächsischen Krankenhäusern ermöglichen sollte, blieb bislang ohne Ergebnis.

Tschechiens Wirtschaft schrumpft deutlich

Die tschechische Wirtschaft befindet sich mitten in einer Rezession. Im dritten Quartal sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf Jahresbasis um 0,7%, gegenüber dem zweiten Quartal um ein halbes Prozent. Hintergrund für diese Entwicklung ist der weiter schwache Konsum privater Haushalte sowie rückläufige Vorräte. Negativ wirkte aber auch die schwache Investitionstätigkeit vor allem der Privatwirtschaft und ein schwächelnder Export, sonst eine wichtige Säule des Wirtschaftswachstums in Tschechien. Einzig die Investitionstätigkeit der öffentlichen Haushalte sorgte für positive Impulse, konnte den Rückgang der Wirtschaftsleistung aber nicht drehen, zumal der Staat sich ein Sparpaket auferlegt hat. Analysten gehen nun davon aus, dass die Wirtschaftsleistung auch im Gesamtjahr rückläufig sein wird. Das Bruttoinlandsprodukt entfernt sich damit weiter von dem Wert, den es 2019, vor der Covid-Pandemie schon einmal hatte. Tschechien ist damit das einzige Land in Europa, das das Vor-Corona-Niveau noch nicht erreicht hat. Lesen Sie dazu die interessante Analyse bei Radio Prag.

Die Aussichten sind auch für 2024 nicht sehr rosig. Das Sparpaket der Regierung wird nicht für Impulse sorgen und die privaten Haushalte ächzen weiter unter der starken Inflation, die Realeinkommen und Sparguthaben auffrisst. Gespart wird vor allem bei kurz- und mittellebigen Konsumgütern. Zwar sank die Inflation zuletzt weiter, lag aber mit 7,3 Prozent im November immer noch deutlich höher als in Deutschland. Und ob sie tatsächlich 2024 deutlicher sinkt, ist weiter offen, denn schon stehen weitere Preiserhöhungen an. Der Lebensmittelhandel hat trotz Absenkung der Mehrwertsteuer weitere Preissteigerungen angekündigt. Die Wasserpreise werden sich zu Jahresbeginn je nach Region um bis zu einem Viertel erhöhen, und auch  Gastronomen setzen weitere Preissteigerungen durch.

 


 

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