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Wochenrückblick Nr. 16

Neues Denkmal für Jan Palach und Jan Zajíc in Děčín – "Loch von Ústí" wird geschlossen – Ausufernde Parlamentsdebatte zu Briefwahl

19.01.2024

Einweihung des Denkmals für Jan Palach und Jan Zajíc in Děčín

Am Dienstag wurde in Děčín vor der evangelischen Kirche ein neues Denkmal für Jan Palach und Jan Zajíc eingeweiht. Die beiden Studenten hatten sich am 16.1. bzw. 25.2.1969 in Prag aus Protest gegen die Besetzung der Tschechoslowakei durch Truppen des Warschauer Paktes selbst verbrannt. Zum 50jährigen Jubiläum dieses Ereignisses wurde bemängelt, dass beiden kein Denkmal in Děčín gewidmet ist. Das nun vom berühmten Architekten David Vávra entworfene Denkmal besteht aus einer gläsernen Säule und den beiden Namen mit jeweils einem Handabdruck. Wenn man diese berührt, leuchtet die Säule in unterschiedlichen Farben.

Einweihung des Denkmals für Jan Palach und Jan Zajíc in Děčín am 16.1.24
Großer Andrang vor der Kirche (© EEL/Kubsch)

Der Andrang zur Zeremonie war überwältigend. Geschätzt wohnten ihr mindestens 200 Personen bei. Zur eigentlichen Enthüllung musste die Polizei den Verkehr vor der Kirche regeln, weil die vielen Gäste nur unter Nutzung der Straße Platz fanden. Anschließend gab es eine Reihe von Ansprachen in der Kirche, die trotz der niedrigen Temperaturen überfüllt war.

Der tschechische Senatspräsident Miloš Vystrčil betonte in seinem Beitrag, dass zwar keine direkte Verbindung zwischen den beiden jungen Männern und der Stadt Děčín bestünde, jedoch die Werte, für die sie gestorben sind, mit jedem Ort in Tschechien verknüpft sein sollten. Neben Vystrčil, Oberbürgermeister Anděl und anderen tschechischen Repräsentant/innen sprachen auch Vertreter/innen der Evangelischen Kirche in Sachsen bzw. Dresden. Das zeigte die engen Kontakte zur evangelischen Kirche in Děčín, die auch schon im Konzert zu Ehren Albert Schweitzers im September 2023 zum Ausdruck kamen. Auch aus der Partnerstadt Pirna waren Vertreter angereist.

Ein SZ-Artikel (leider hinter Bezahlschranke) beleuchtet die Hintergründe des Denkmals genauer.

Stadt kauft "Loch von Ústí"

Das "Loch von Ústí"
Das "Loch von Ústí" (© Deník/Janni Vorlíček)

Seit 15 Jahren wird das Stadtbild von einer Investruine an der oberen Ecke des Mírové náměstí verschandelt, die im Volksmund den Beinamen "Loch von Ústí" erhalten hat (mit zeitlicher Überschneidung zum "Wiener Loch" in Dresden, falls sich jemand erinnert). Der Eigentümer hatte mit dem Bau begonnen, musste diesen aber aus finanziellen Gründen schon im Kellergeschoss abbrechen. Seitdem lag die unschöne Baustelle still an prominenter Stelle zwischen Magistrat und Bezirksverwaltung und verfiel.

Nun hat die Stadt Ústí das Grundstück für 73 Mio. Kronen gekauft und will darauf selbst ein Gebäude mit einer öffentlichen Nutzung errichten. Nach derzeitiger Planung sollen die bisher gebauten Strukturen genutzt werden, das Erscheinungsbild wird am Ende aber sicher ein anderes sein als vor fast 20 Jahren geplant. Die Stadtverwaltung gab dazu noch keine genaueren Informationen, schätzte aber ein, dass man noch mindestens vier Jahre mit Bauzäunen wird leben müssen.

Ausufernde Parlamentsdebatte zu Briefwahl

Tomio Okamura am Rednerpult
Tomio Okamura am Rednerpult (© Zuzana Jarolímková, iROZHLAS.cz)

Im tschechischen Parlament wird derzeit über die Einführung von Briefwahl für im Ausland lebende Tschechinnen und Tschechen debattiert. Wobei das nicht ganz richtig ist, denn die anteilig meiste Zeit wird über ganz andere Themen gesprochen, um die Debatte in die Länge zu ziehen, wie verschiedene Medien berichten.

Am Mittwoch stand ANO-Chef Babiš bereits fast vier Stunden am Rednerpult und sprach dabei z.B. auch über den Autobahnbau nach Österreich. Dass er dabei die südlichen Nachbarn als "magor" (Spinner, Trottel, Narren) bezeichnete, sorgte für einige Aufregung.

Am nächsten Tag wurde das zeitlich noch getoppt vom Chef der rechtspopulistischen SPD, Tomio Okamura, der fast 11 Stunden redete, vor allem über historische Themen, und dabei z.B. eine wissenschaftliche Publikation zum berühmten Präsidenten der Ersten Republik Masaryk vorlas.

 

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