Euroregion Elbe/Labe

Wochenrückblick Nr. 7

Schicht-Werk erhält Denkmalstatus - Talsperre Kyjov wird saniert - Waldbrandstifter angeklagt

10.11.2023

Schicht-Werk erhält Denkmalstatus

Verwaltungsgebäude Setuza halb abgerissen, 13.3.2023
Verwaltungsgebäude Setuza halb abgerissen, 13.3.2023 (© FUD UJEP)
Verwaltungsgebäude Setuza vor dem Abriss
Verwaltungsgebäude Setuza vor dem Abriss (© FUD UJEP)

Das tschechische Kulturministerium hat dem Verwaltungsgebäude der historischen Schichtwerke in Ústí nad Labem (Aussig) den Denkmalstatus zuerkannt. Dabei handelt es sich nur noch um einen Teil des Gebäudes. Den ältesten Teil hatte der Eigentümer, die Firma STZ Development, im März zugunsten eines Parkplatzes abreißen lassen. Dagegen hatte sich starker Protest durch Architekten, Historiker und viele Bürger geregt. Doch die Abrissgenehmigung war gültig, unter anderem auch, weil das Gebäude damals nicht denkmalgeschützt war.

Eine Initiative hatte deshalb daraufhin sofort den Denkmalschutz beim Kulturministerium beantragt, der ihm nun zugesprochen wurde. Allerdings ist diese Entscheidung noch nicht rechtskräftig, die Firma STZ Development hat dagegen Einspruch eingelegt.

Die Schichtwerke befinden sich auf der rechtselbischen Seite von Ústí im Stadtteil Střekov (Schreckenstein) und haben entscheidenden Anteil am Aufstieg von Ústí zu einer Industriestadt von europäischem Rang. Die Werke der Familie Schicht fusionierten in den 1920er Jahren mit der niederländischen Margarine Unie und der britischen Lever Brothers zum Konzern Unilever, der bis heute besteht.

Talsperre Kyjov wird saniert

Erstmals nach 47 Jahren wurde die Talsperre Kyjov (Khaa) am Rande der Böhmischen Schweiz abgelassen. Hintergrund ist die fällige Sanierung des Bauwerks aus den 1960er Jahren. Die Talsperre soll als Löschwasserstausee ertüchtigt werden. Ein von der tschechischen Regierung geschaffener Fonds zur Brandschutzvorsorge in der Böhmischen Schweiz übernimmt mit 15 Millionen Kronen den Großteil der Kosten. Allein durch den Aushub von 7.500 Kubikmeter Sediment erhöht sich das Fassungsvermögen der Talsperre. Durch die verbesserte Wassertiefe wird zugleich eine Wasserentnahme durch Hubschrauber möglich. Außerdem wird das Stauwehr erneuert. Es entsteht eine befestigte Löschwasserentnahmestelle mit Zufahrt. Auch der Zugang für Badende soll verbessert werden. Die Talsperre ist nämlich ein beliebter Badesee. Im Frühjahr 2025 soll die Sanierung abgeschlossen sein und die Talsperre wieder mit Wasser gefüllt werden.

Da sich ein Ufer der Talsperre schon im Nationalpark Böhmische Schweiz befindet, muss die Stadt Krásná Lípa (Schönlinde), zu der Kyjov gehört, mehrere Auflagen erfüllen. So darf der Schlamm nur bis Ende Februar 2024 ausgebaggert werden. "Dann werden wir diese Arbeiten erst einmal unterbrechen und erst im nächsten Winter wieder aufnehmen", sagt Bürgermeister Jan Kolář. Beim Ablassen des Wassers wartete auf die Gemeinde eine Überraschung: Im Wasser und dem Schlamm befanden sich Massen von Großen Teichmuscheln. "Wir hatten mit einigen Hundert gerechnet, am Ende waren es aber fast 20.000", sagt Kolář. Diese unglaubliche Zahl konnte nur teilweise auf die andere gemeindeeigenen Teiche verteilt werden. Nachbargemeinden wie Chřibská (Kreibitz) halfen aus. Ein sehr kleiner Teil der Muscheln diente als Futter für Waldtiere wie Füchse und Wildschweine.

Waldbrandstifter angeklagt

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den mutmaßlichen Verursacher des Waldbrands erhoben, der im vergangenen Sommer große Teile der Böhmischen und auch Teile der Sächsischen Schweiz erfasst und zerstört hatte. "Die Anklageschrift wurde diese Woche an das Bezirksgericht gesandt", bestätigte Kateřina Doušová, Staatsanwältin der Bezirksstaatsanwaltschaft Ústí, gegenüber dem Server idnes.cz. Die Staatsanwaltschaft wirft dem ehemaligen Nationalparkranger nicht nur Brandstiftung bei dem Großbrand vor, sondern auch weitere Taten wie den Brand von Teilen des Aussichtsturms auf dem Vlčí hora (Wolfsberg) und des benachbarten Gebäudes, von Hochsitzen und Futterstellen. Laut Polizei soll der 36-jährige die Taten eingeräumt haben.

Der größte Waldbrand in der Geschichte der Böhmischen Schweiz verursachte einen Schaden von 350 Millionen Kronen. Damit erhöht sich das maximal mögliche Strafmaß für Brandstiftung auf 15 Jahre Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft fordert für den Angeklagten 12 Jahre Freiheitsentzug.

 

 

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