Meanwhile in Czechia... 20/26
22.05.2026
Neues zur Schnellbahnstrecke Dresden-Prag
Auf dem Weg zur Realisierung des Erzgebirgsbasistunnels für die Schnellbahnstrecke Dresden-Prag wurde nun ein wichtiger Schritt gemacht: Nach einem positiven Votum des Verkehrsausschusses hat am Donnerstag der Bundestag der von der Bahn vorgelegten Vorplanung für die Neubaustrecke Dresden–Prag zugestimmt. Diese sieht einen Volltunnel ab Heidenau vor. In den ursprünglichen Planungen der Deutschen Bahn sah das noch anders aus, doch die intensive Arbeit der Bürgerinitiative „Basistunnel nach Prag“ hat sich ausgezahlt
Gleichzeitig geht aus dem Bericht, der dem Beschluss zugrunde lag, hervor, dass die Kosten für die Strecke auf deutscher Seite auf bis zu 8 Mrd. Euro steigen können. Vor einigen Jahren war von 1,3 Mrd. Euro die Rede, vor zwei Jahren noch von ca. 2,3 Mrd. Euro. Nun geht man von Kosten in Höhe von 5,6 Mrd. Euro aus, zu denen Puffer für steigende Baukosten und weitere unvorhersehbare Kosten gerechnet werden, die zur Schätzung von 8 Mrd. Euro führen. Darin wäre die Finanzierung von weiteren Forderungen aus der Region wie mehr Lärmschutz oder besserer Ausstattung der Feuerwehren noch gar nicht enthalten. Dennoch schätzt die Bundesregierung das Vorhaben als wirtschaftlich ein. Man hofft auf eine großzügige Förderung durch die EU.
Die Strecke war auch das wichtigste Thema des Treffens von Sachsens Infrastrukturministerin Regina Kraushaar mit dem neuen tschechischen Verkehrsminister Ivan Bednárik. Beide betonten die hohe Bedeutung des Vorhabens und drängen den Bund, den für die weiteren Planungen notwendigen Staatsvertrag abzuschließen sowie die rund 20 Mio. Euro an Planungskosten in den nächsten Haushalt einzustellen. Die Staatsministerin hatte am Donnerstag in einer Rede im Bundestag nochmals für die Zustimmung zu dem Projekt geworben.
Der Tunnel wird einmal ca. 30 Kilometer lang sein, davon 18 km auf deutscher Seite. Die Züge sollen im Tunnel bis zu 200 km/h erreichen, später auf tschechischer Seite Richtung Prag sogar bis zu 320 km/h. Durch das gesamte Vorhaben soll man Prag von Dresden in einer Stunde statt heute 2,5 Stunden erreichen. Die Deutsche Bahn hat bisher das Jahr 2032 für den Baustart avisiert und möchte rund 12 Jahre später fertig sein.
Schädel der heiligen Zdislava gerettet
Vorige Woche wurde der als Reliquie verehrte Schädel der Heiligen Zdislava aus der Basilika des Heiligen Vavřinec (Laurentius) im nordböhmischen Jablonné nad Podještědí (Gabel) gestohlen. Die Polizei fasste den Täter bereits nach zwei Tagen, wie wir letzte Woche vermelden konnten. Er hatte jedoch den Schädel in Beton gegossen, um ihn in einem Fluss zu versenken, weil er mit der Zurschaustellung nicht einverstanden war.
Restauratoren ist es gelungen, den Schädel nahezu unversehrt aus dem Beton zu befreien. Die Dominikaner, zu deren Kloster die Basilika gehört, sprachen daraufhin von einem Wunder. Allerdings waren beim Diebstahl fünf Absplitterungen vom Schädel entstanden, weil der Täter ein zu kleines Loch ins Schutzglas geschlagen hatte. Diese Splitter sollen nun wieder befestigt werden.
Hakenkreuze in Cheb
Auf das Gebäude in Cheb (Eger), in dem u.a. der "Bund der Deutschen - Landschaft Egerland" seinen Sitz hat, wurden in der Nacht zum Mittwoch Hakenkreuze gesprüht. Die Polizei ermittelt, und die Stadt Cheb verurteilte die Tat sehr deutlich. Der Bürgermeister erklärte, dass es in Cheb keinerlei Probleme mit den deutschen Landsleuten gebe, ganz im Gegenteil: „Wir verstehen uns gut mit dem Büro des Bundes der Deutschen und stehen in Kontakt; auch deshalb haben wir ihnen einen Platz direkt auf dem Marktplatz zur Verfügung gestellt. Was in der Nacht passiert ist, ist für uns daher inakzeptabel“.
Es ist vermutlich nicht zu weit hergeholt, einen Zusammenhang zwischen dieser Tat und der durch den ablehnenden Beschluss des tschechischen Parlaments zur Ausrichtung des Sudetendeutschen Tages in Brno (wir berichteten) erzeugten Diskussion zu sehen. Richard Neugebauer, Präsident der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik (LV), äußerte sich diesem Sinne. Und in dieselbe Richtung gehen auch einige Kommentare unter einem entsprechenden Facebook-Beitrag der Stadt Cheb, sowohl dafür als auch dagegen. Sollte sich das bewahrheiten, würde es die letzte Woche hier geäußerte Befürchtung bestätigen, dass das Ausspielen der antideutschen Karte im politischen Wettbewerb nicht ohne Folgen bleiben kann, auch wenn die Initiatoren des Parlamentsbeschlusses das verneinen.
Der Sudetendeutsche Tag begann am Donnerstag mit einer Gedenkveranstaltung an die Opfer des Nationalsozialismus am Bahnhof in Brno. Dagegen protestierten rund 100 Menschen, die ausgerechnet bei dieser Veranstaltung den Vorwurf der Nähe zum Nationalsozialismus auf ihre Plakate schrieben. Wir sind vor Ort und werden nächste Woche an dieser Stelle ein Resümee des gesamten Wochenendes ziehen.
Hinsichtlich der durchaus geteilten Meinung der tschechischen Bevölkerung zur Einladung des Sudetendeutschen Tages nach Brno hat Radio Prag einen sehr aufschlussreichen Artikel verfasst.