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Derweil in Tschechien... 19/26

Tschechisches Parlament lehnt Sudetendeutschen Tag ab – Diebstahl und Rückkehr einer Heiligenreliquie in Tschechien – Schwere Ausschreitungen beim Fußballgipfel – Schadensbilanz für Waldbrand in der Böhmischen Schweiz – Tschechien ringt um Vorranggebiete für Windkraft – Tschechien unterstützt Dorfläden

15.05.2026

Tschechisches Parlament lehnt Sudetendeutschen Tag ab

Sudetendeutscher Tag 2026 in Brno

© Sudetendeutsche Landsmannschaft

Erstmals in seiner Geschichte wird der Sudetendeutsche Tag auf dem Gebiet Tschechiens stattfinden: In diesem Jahr wird das von der Sudetendeutschen Landsmannschaft traditionell zu Pfingsten veranstaltete Treffen auf Einladung in Brno (Brünn) unter dem Motto "Alles Leben ist Begegnung" gefeiert.

Wenige Tag vor Beginn dieses historischen Ereignisses hat sich nun eine knappe Mehrheit im tschechischen Parlament gegen das Treffen ausgesprochen. Einer Vorlage der tschechischen Regierungskoalition aus ANO, Motoristen und der rechtsextremen SPD stimmten 73 von nur 77 anwesenden Abgeordneten zu. Drei ANO-Abgeordnete und der Umweltminister für die Motoristen Igor Červený enthielten sich der Stimme. Insgesamt umfasst das Parlament 200 Abgeordnete, die Regierungskoalition hat 108 Sitze. Die Parlamentarier der Opposition verließen für die Zeit der Abstimmung geschlossen den Saal.

Mit dem Beschluss lehnt das Parlament die 76. Auflage des Sudetendeutschen Tags auf dem Boden der Tschechischen Republik ab und rief die Organisatoren auf, die Veranstaltung abzusagen. Der Beschluss verweist zudem auf die Teile der Sudetendeutschen, die die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestehenden Verhältnisse in Zweifel ziehen. Er verurteilt jegliche Äußerungen des historischen Revisionismus, Relativierung nationalsozialistischer Verbrechen und eine Anfechtung der Rechts- und Eigentumsverhältnisse im Tschechien der Nachkriegszeit, sprich die sogenannten Benesch-Dekrete. Dabei muss erwähnt werden, dass sich die Sudetendeutsche Landsmannschaft unter Bernd Posselt schon vor 11 Jahren von solchen Forderungen verabschiedet hat. Ohne diese Fortschritte wäre die Einladung nach Brno niemals erfolgt.

Redner der Regierungskoalition verwiesen außerdem darauf, dass die Beziehungen zwischen Deutschland und Tschechien die besten in der modernen Geschichte seien und dass die Ablehnung des Sudetendeutschen Tags diese auch nicht beeinträchtigen sollten. Die Ausrichtung des Sudetendeutschen Tags in Brünn sei allerdings „nicht sehr glücklich und öffne alte Wunden“, so die Rednerin der ANO-Partei Taťána Malá, bzw. „eine politische Provokation“, so der Redner der Motoristen, Sportminister Boris Šťastný. Gleichzeitig hob das Parlament die Bedeutung der Deutsch-Tschechischen Deklaration von 1997 hervor, welche die Existenz der Benesch-Dekrete bestätigt, aber in die Vergangenheit verweist. Eine wichtige Folge der Deklaration war die Gründung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, zu dessen weiterer Finanzierung sich die Außenminister beider Staaten, Johann Wadephul und Petr Macinka, vergangene Woche in Berlin bekannten.

2023 dankte Bernd Posselt (r.) Mikuláš Bek für die erste Rede eines tschechischen Ministers beim Sudetendeutschen Tag
2023 dankte Bernd Posselt (r.) Mikuláš Bek für die erste Rede eines tschechischen Ministers beim Sudetendeutschen Tag (© Tobias Eisch, Landesecho)

Der Sudetendeutsche Tag in Brno findet auf Einladung der Organisation Meeting Brno statt. Sie organisiert seit Jahren den Versöhnungsmarsch, der an die Vertreibung der Brünner Deutschen nach dem 2. Weltkrieg erinnert. Die Organisatoren bestätigten, dass der Sudetendeutsche Tag trotz der Entscheidung der Parlamentarier wie geplant stattfindet. Sie sehen im Beschluss des Abgeordnetenhauses einen Ausdruck der Schwäche und Angst vor der eigenen Vergangenheit und keinen Ausdruck des nationalen Selbstbewusstseins. Der Vorsitzende der Piratenpartei in Brünn, Adam Zemek, bezeichnete den Beschluss als eine Schande.

Der Vorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bernd Posselt (CSU), hat die Abstimmung als „Farce und Karikatur eines parlamentarischen Prozesses“ bezeichnet. Er wies darauf hin, dass auch von den Abgeordneten der Regierungsparteien etwa ein Drittel nicht erschienen sei oder nicht mitgestimmt habe, darunter Ministerpräsident Babiš (Partei Ano).

In der Vergangenheit hatte die rechtsextreme SPD bereits eine Protestveranstaltung gegen den Sudetendeutschen Tag durchgeführt. Mehrere Online-Petitionen auf dem Portal Petice.com mit insgesamt knapp 30.000 Unterzeichnern wenden sich gegen den Sudetendeutschen Tag in Tschechien. Eine weitere Petition von Anfang Mai zur Unterstützung des Sudetendeutschen Tags zählt bislang etwas über 6.000 Unterzeichner.

Die Zahl tschechischer Teilnehmer beim Sudetendeutschen Tag steigt schon seit Jahren. Gleichzeitig nimmt der Anteil der tschechischen Bevölkerung, die gegenüber Deutschland und den Deutschen Vorbehalte haben, stetig ab, liegt aber Umfragen zufolge immer noch bei etwa 25 bis 30 Prozent.

Ein paar politische Punkte bei diesem Teil der Bevölkerung zu machen, dürfte das wesentliche Ansinnen der beiden kleinen rechtslastigen Regierungsparteien gewesen sein, die beide (inbesondere die Motoristen) in Umfragen sehr schlecht dastehen. Auch wenn sie betonen, die deutsch-tschechischen Beziehungen mit dem Beschluss nicht zu belasten, ist es ein Spiel mit dem Feuer, wenn immer wieder die antideutsche Karte gezogen wird, sobald man sich einen kleinen Vorteil davon verspricht.

Diebstahl und Rückkehr einer Heiligenreliquie in Tschechien

Reliquienschrein vor dem Diebstahl
Reliquienschrein vor dem Diebstahl (© Barbora Nosková / Člověk a Víra)

Schock in Tschechien: Am Dienstagabends stahl ein Unbekannter den Schädel der Heiligen Zdislava aus Basilika des Heiligen Vavřinec (Laurentius) im nordböhmischen Jablonné nad Podještědí (Gabel) nahe der Grenze zu Sachsen. Der Täter soll laut Polizei ausgenutzt haben, dass die Alarmanlage kurz vor der Messe am Abend ausgeschaltet war. Als sich der Priester für die Messe vorbereitete, zerschlug er das zweifache Glas des Reliquienschreins. Der Priester konnte nur noch sehen, wie der Täter aus der Kirche verschwand. Zur Tat soll es demnach zwischen 18 und 18.15 Uhr gekommen sein.

Bereits am Donnerstagabend meldete die Polizei aber, den Tatverdächtigen im benachbarten Bezirk Mittelböhmen gefasst zu haben. Der Täter soll sich nach er Tat umgezogen haben und nach Mladá Boleslav gefahren sein. Zugleich deutete die Polizei bereits an, zu wissen, wo sich die 800 Jahre alte Reliquie befindet. Am Freitagnachmittag teilte sie dann bei einer Pressekonferenz in Česká Lípa (Böhmisch Leipa) weitere Einzelheiten mit. Demnach hatte der Täter den Schädel in Beton gegossen, um ihn im Fluss zu versenken. Der Verdächtige habe sich laut Polizei zum Diebstahl bekannt. Er hatte den Schädel aber nicht verkaufen wollen. Ihn ärgerte, dass er abgetrennt vom Körper in der Kirche ausliegt, und er wollte ihm ewige Ruhe verschaffen.

Ob sich der Schädel unversehrt aus dem Beton auslösen lässt, war am Freitag noch unklar. Momentan wird das von Restauratoren versucht. Für Gläubige hat der Schädel vor allem einen geistlichen Wert. Zdislava war eine böhmische Adlige, die sich vor allem für Arme einsetzte. Sie begründete auch das Kloster in Jablonné v Podještědí. Sie starb mit gerade einmal 32 Jahren und wurde in der Laurentiusbasilika zur letzten Ruhe gebettet.

1907 erfolgte die Seligsprechung und 1995 wurde sie von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen. Sie wird als Schutzheilige der Armen und Leidenden verehrt. Seit dem Jahr 2000 ist sie auch die Patronin der Diözese Litoměřice (Leitmeritz). Zum Schrein mit ihrem Schädel pilgern jedes Jahr Zehntausende Menschen. In Jablonné wird ihr immer am 30. Mai mit einer Wallfahrt gedacht. Bis dahin soll in der Basilika ein neuer Schrein mit Panzerglas installiert werden.

Schwere Ausschreitungen beim Fußballgipfel

Das gestürmte Spielfeld
Das gestürmte Spielfeld (© Vít Šimánek, ČTK)

Nach schweren Ausschreitungen im Spitzenspiel der tschechischen Fußballliga zwischen Slavia Prag und Sparta Prag verhängte der Ligaverband schwere Strafen vor allem gegen die Heimmannschaft Slavia. Beim Spiel am vergangenen Samstag hatten Slavia-Fans kurz vor Ende der Nachspielzeit den Rasen gestürmt und mehrere Spieler von Sparta Prag angegriffen. Am schwersten betroffen war der Torhüter der Gäste, Jakub Surovčík. Das Spiel, das zum Zeitpunkt des Fansturms 3:2 für Slavia stand, wurde 3:0 für Sparta gewertet. Slavia erhielt die Höchststrafe von 10 Millionen Kronen (ca. 400.000 Euro) und muss vier Heimspiele ohne Zuschauer austragen. Das betrifft noch zwei Heimspiele in der Meisterrunde und die ersten zwei Heimspiele in der neuen Saison 2026/27.

Durch die neue Wertung des Spiels war das Rennen um die Meisterschaft kurzzeitig noch mal offen. Nach einem Sieg im nächsten Spiel (vor leeren Rängen) bei gleichzeitigem Unentschieden von Sparta konnte sich Slavia dennoch vorzeitig die Meisterschaft und die Teilnahme an der Gruppenphase der Champions League in der kommenden Saison sichern. Zum Feiern war Slavia aber nicht zumute. Der Vorfall wird den Klub noch eine Weile beschäftigen. Die Randalierer sollen lebenslängliche Stadionverbote erhalten. Die Polizei meldete bereits, einen Großteil der Personen identifiziert zu haben. Die polizeilichen Ermittlungen werden fortgesetzt. Auch Sparta Prag erhielt eine kleinere Strafe, da auch Sparta-Anhänger den Rasen gestürmt hatten. Slavia Prag geht aufgrund der Randale von Verlusten in Höhe von 50 Millionen Kronen (ca. 2 Millionen Euro) aus.

Schadensbilanz für Waldbrand in der Böhmischen Schweiz

Der Nationalpark beziffert den durch den Waldbrand Anfang Mai verursachten Schaden auf 15 bis 20 Millionen Kronen, also auf bis zu 800.000 Euro. Das betrifft vor allem den Schaden, den das Feuer am Wald verursacht hat, aber auch die Kosten des Löscheinsatzes. Der Nationalpark macht nun seinen Versicherungsschutz geltend.

Zugleich teilte der Nationalpark mit, dass das betroffene Gebiet zwischen den Orten Rynartice und Chřibská länger gesperrt bleibt. Denn es drohen weitere Schäden durch umstürzende Bäume, aber auch Felsstürze sind möglich. Das müssen nun untersucht werden. Außerdem sind Wege zu beräumen und Risikobäume zu fällen. Viele Wege wurden auch durch den Löscheinsatz in Mitleidenschaft gezogen. Der Brand vernichtete zudem junge Buchen und Tannen, die erst 10 bis 15 Jahre alt waren.

Er war in unwegsamen Gelände am 2. Mai ausgebrochen. Bis zum 7. Mai, als der Brand auch dank einsetzenden Regens endgültig gelöscht wurde, kamen 2.581 Feuerwehrleute zum Einsatz. Hubschrauber kippten über dem Brandgebiet fast 3 Millionen Liter Wasser aus. Trotz des schwierigen Geländes konnte die Ausbreitung des Brandes nach 52 Stunden gestoppt werden. Vom Brand waren 100 Hektar Wald betroffen, zehnmal weniger als beim riesigen Waldbrand im Sommer 2022.

Tschechien ringt um Vorranggebiete für Windkraft

Die tschechischen Ministerien für Umwelt, Industrie und Handel sowie für regionale Entwicklung haben 80 Gebiete für den schnelleren Bau von Windkraftanlagen und 14 Gebiete für den Bau von Fotovoltaikanlagen ausgewiesen. Ein Beschluss über die Vorranggebiete bis Ende August ist eine Voraussetzung, um EU-Mittel zu erhalten. Momentan läuft das Verfahren für öffentliche Stellungnahmen.

Für den Bezirk Ústí sind zwei Gebiete vorgesehen: eins bei Kryštofovy Hamry im Erzgebirge und eins bei Podbořany im Kreis Louny. Ein weiteres liegt zwar vor allem im Mittelböhmischen Bezirk, befindet sich aber in der Nähe zum ikonischen Berg Říp. Diesen Standort lehnt die Bezirksverwaltung von Ústí ab. Auch gegen den Erzgebirgsstandort hat die Verwaltung wegen der Nähe zu einer Funkanlage der Armee Vorbehalte. Im Bezirk Liberec sind Windkraftanlagen im ehemaligen Sperrgebiet Ralsko und im Kreis Semily vorgesehen.

Allerdings fährt der Politiker der Motoristen, Filip Turek, derzeit eine Kampagne gegen den Bau von Windrädern. Turek ist Beauftragter der Regierung für Klimapolitik und den Green Deal, allerdings ein erklärter Gegner dessen. Eigentlich wollte er Umweltminister werden, was Staatspräsident Petr Pavel allerdings ablehnte. Nun möchte Turek über das neue Baugesetz dafür sorgen, dass trotz Vorranggebieten wenig Windkraftanlagen gebaut werden. So möchte er im Gesetz die Abstandsregelungen verschärfen. In Vorranggebieten müssen Windräder mindestens 900 Meter von Wohnhäusern entfernt sein, so seine Vorstellung. Außerhalb von Vorranggebieten sollen es 1,2 Kilometer sein, wenn das Windkraftwerk nicht höher als 240 Meter ist.

Tschechien liegt beim Bau von Windkraftwerken deutlich hinter anderen Ländern der Europäischen Union. Bisher sind in dem Land etwas über 200 Windräder in Betrieb. Diese produzieren ungefähr ein Prozent der elektrischen Energie in Tschechien. Um die Verpflichtung von 3 Gigawatt installierte Leistung zu erfüllen, müssten 500 bis 600 weitere Windräder errichtet werden.

Industrieminister Karel Havlíček hatte bereits gesagt, dass das von der Vorgängerregierung bis 2030 erklärte Ziel von 30 Prozent Energie aus erneuerbaren Quellen nicht erreichbar ist. Aktuell werden in Tschechien 18 Prozent aus erneuerbaren Quellen produziert. Dominant ist Atomenergie, an zweiter Stelle steht noch die Stromerzeugung aus Kohle. Tschechien möchte aber in den 2030er Jahren aus der Kohleverstromung aussteigen.

Angeblich sind in Tschechien Windräder nicht beliebt. Eine Umfrage des Instituts STEM/MARK zeigt aber ein anderes Bild. Demnach sehen 74 Prozent der Befragten Windkraft positiv. Noch beliebter sind Wasserkraftwerke und Solaranlagen. Atomkraft steht bei zwei Dritteln der Befragten hoch im Kurs. Am unbeliebtesten ist die Kohle, die nur 23 Prozent der Befragten positiv sehen.

Tschechien unterstützt Dorfläden

Der Bezirk Ústí beteiligt sich erneut am Programm des Ministeriums für Industrie und Handel zur Unterstützung von Dorfläden. Konkret bewirbt sich der Bezirk um 3,8 Millionen Kronen (knapp 160.000 Euro), die an Läden in Dörfern bis 1.000 Einwohner ausgegeben werden. Seit dem Start des Programms im Jahr 2021 hat der Bezirk so bereits 17 Millionen Kronen (700.000 Euro) an 200 Läden in der Region verteilt. Das Geld ist für die Auszahlung von Gehältern für Verkaufspersonal, für die Begleichung von Energie-, Telefon- und Internetkosten oder für Kassengebühren gedacht. Jeder Laden kann zwischen 20.000 und 100.000 Kronen (800-4.100 Euro) erhalten. Voraussetzung ist, dass die Läden vornehmlich Lebensmittel, Getränke und Tabakwaren anbieten.

Die Zahl von Läden bis 400 Quadratmeter Fläche lag 2023 in ganz Tschechien bei 11.701. Gegenüber 2017 ging ihre Zahl damit um mehr als 2.000 Geschäfte zurück. Allerdings hat sich der Rückgang inzwischen verlangsamt. Gegenüber 2019 waren es nur 400 Verkaufsstellen weniger.

 


 

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