Derweil in Tschechien... 46/25
28.11.2025
Auswärtiges Amt warnt vor Hepatitis in Tschechien
Das Auswärtige Amt hat auf den Anstieg der Hepatitis-A-Infektionen in Tschechien hingewiesen und eine Einreise nur mit Impfung gegen die Krankheit empfohlen. Besonders betroffen seien laut Auswärtigem Amt die Hauptstadt Prag sowie die Bezirke Karlovy Vary (Karlsbad), Mittelböhmen und Mährisch-Schlesien. „Achten Sie auf grundlegende Hygienemaßnahmen, insbesondere auf eine konsequente Handhygiene“, heißt es auf der Webseite des Auswärtigen Amtes.
Tschechien erlebt derzeit die größte Hepatitis-A-Epidemie der letzten Jahrzehnte. Bis Mitte November wurden über 2.500 Ansteckungen gemeldet, viermal mehr als vor einem Jahr und so viele wie noch nie seit 1989. Die letzte Hepatitis-A-Epidemie datiert mit über 32.000 Infizierten aus dem Jahr 1979.
Erste Kohlekraftwerke werden schon 2027 geschlossen
Bereits Ende nächsten Jahres gehen in Tschechien erste Kohlekraftwerke vom Netz. Die Firma Sev.en hat angekündigt, die Kraftwerke Počerady und Chvaletice sowie das Kraftwerk in Kladno im Dezember 2026 abzuschalten, spätestens im März 2027. Grund sei die schwierige Marktsituation. Konkret geht es um die Höhe des Preises für die Emissionszertifikate sowie die Marktpreise für Elektroenergie sowie Gas. Damit würden die Kraftwerke weit vor dem bisherigen Regierungsplan abgeschaltet. Der war von einem Kohleausstieg im Jahr 2033 ausgegangen.
Das Kraftwerk Počerady liegt in Nordböhmen südlich von Most (Brüx). Das Kraftwerk in Chvaletice befindet sich an der Elbe im Bezirk Pardubice östlich von Kolín. Beide gehören zu den größten Kohlekraftwerken Tschechiens. Zusammen mit dem Kraftwerk in Kladno haben sie eine installierte Leistung von fast 2.400 Megawatt. Das Kraftwerk in Kladno hat zudem eine installierte Wärmeleistung von 950 Megawatt.
Sev.en fährt mit den Kraftwerken bereits das zweite Jahr in Folge hohe Verluste ein. Das Problem sind die hohen CO2-Emissionen. Sev.en braucht für die Herstellung einer Megawattstunde genau ein Emissionszertifikat. Zum Vergleich: Die Kohlekraftwerke des staatlichen Energiekonzerns ČEZ brauchen im Schnitt nur 0,8 Zertifikate. Die Kraftwerke von Sev.en verfügen auch über einen schlechteren Wirkungsgrad, der bei 32 bis 33 Prozent liegt.
Die große Frage wird sein, welche Auswirkungen die Schließung von gleich drei Kraftwerken auf das Netz und die Energieversorgung haben wird. Das muss die Netzgesellschaft ČEPS prüfen. In einer früheren Projektion war ČEPS bereits davon ausgegangen, dass eine Abschaltung gleich mehrerer Kraftwerke Tschechien zu einem Importeur von Elektroenergie machen würde. Das Land ist bisher traditionell Exporteur von Energie. Sollte es volkswirtschaftlich nötig sein, gibt es in Tschechien das Instrument, ein Kraftwerk mit staatlicher Hilfe weiterproduzieren zu lassen.
Eine wichtige Rolle spielt auch der bevorstehende Regierungswechsel. Die drei beteiligten Parteien haben bereits angekündigt, Kohlekraftwerke mit staatlicher Unterstützung länger laufen zu lassen.
Eine Oberleitung sorgt für Zugchaos zwischen Prag und Berlin
Zugumleitungen und stundenlange Verspätungen: Am 26. November (Mittwoch) mussten Bahnreisende von Prag über Dresden und weiter nach Berlin viel Geduld aufbringen. Ursache war eine nächtliche Havarie an der Oberleitung auf der Strecke Prag-Děčín, hieß es in einer Eilmeldung der Tschechischen Eisenbahn České dráhy. Zwischen den Stationen Hrobce und Roudnice nad Labem (Raudnitz) war der Bahnverkehr unterbrochen. Internationale Züge wurden mit erheblichen Verspätungen über die rechtselbische Alternativstrecke über Lysá nad Labem und Mělník umgeleitet, was sich dann auch auf den Verkehr zwischen Dresden und Berlin auswirkte. Erst ab 14 Uhr war die Strecke am Ort der Havarie wieder befahrbar, die Verspätungen zogen sich noch bis in die Abendstunden.
Was die Bahn allerdings nicht mitteilte: Zu einem Oberleitungsschaden kam es innerhalb von knapp neun Monaten bereits zum 16. Mal, das letzte Mal am vergangenen Wochenende. Und der Schaden entsteht nicht zufällig irgendwo auf freier Strecke, sondern mitten in Roudnice nad Labem. Er ist gewissermaßen ein Schaden mit Ansage. In Roudnice wird nämlich seit März die historische Špindler-Brücke über die Elbe saniert. Die Stahlkonstruktion aus dem Jahr 1910 war in die Jahre gekommen. Die internationale Bahnstrecke führt auf der Stadtseite direkt unter der Brücke hindurch. Als die Strecke elektrifiziert wurde, stand die Brücke bereits, weshalb die Oberleitung relativ niedrig hängt. Um die Brückensanierung und vor allem die Bauarbeiter nicht zu gefährden, wurde der Teil unter der Brücke vom Netz genommen. Lokführer müssen für die Zeit den Stromabnehmer einziehen. Um ganz sicher zu gehen, hat das Bahninfrastrukturunternehmen Správa železnic vorher und nachher Sicherheitshaken einbauen lassen. Bleibt der Stromabnehmer oben, wird er als Notlösung von den Haken heruntergerissen. Dann bleibt die Oberleitung zwar ganz, aber der Zug kommt mit kaputtem Stromabnehmer nicht weiter und blockiert die Strecke, bis eine neue Lokomotive beschafft ist.
Momentan schieben sich Infrastrukturunternehmen und Lokführer die Schuld gegenseitig in die Schuhe. Die einen beklagen ignorante Lokführer. Die anderen fühlen sich schlecht vorgewarnt. In der Tat, blinkende Warnsignale wurden erst vor kurzem installiert. Außerdem werden die Lokführer neuerdings angerufen und erinnert, den Stromabnehmer runterzufahren. Trotzdem kam es in der Nacht zu Mittwoch erneut zu einer Havarie. Die Lokführer meinen auch, dass sich das Problem technisch anders lösen ließe und die Stromabnehmer unnötig zerstört werden. Správa železnic bestreitet, dass es eine andere technische Lösung gibt.
Eine schlechte Nachricht dürfte es in dem Zusammenhang gewesen sein, als im Oktober bekannt wurde, dass die Brücke viel länger saniert werden muss als ursprünglich vorgesehen. Eigentlich sollte die Sanierung nämlich schon jetzt abgeschlossen sein. Da sowohl Stahlkonstruktion als auch Sandsteinträger in Teilen ausgetauscht werden müssen, dauert die Sanierung nun bis Herbst nächsten Jahres. Der Bezirk Ústí, dem die Brücke gehört, hat angekündigt, das Brückenstück, unter dem die Bahnstrecke führt, so schnell wie möglich fertigstellen zu wollen. Bis dahin drohen im erneuten Havariefall wieder stundenlange Verspätungen.
Nordböhmische Städte bieten Stipendien für Rückkehrer
Um den Wegzug vor allem gut ausgebildeter Fachkräfte zu stoppen, setzen Städte in Nordböhmen auf Stipendien. So bietet die Kurstadt Teplice (Teplitz) jedes Jahr 100.000 Kronen für all jene, die nach ihrem Studium nach Teplice zurückkehren und dort arbeiten oder unternehmerisch tätig sind. Bedingung ist, dass sie nach Beendigung des Studiums mindestens die gleiche Zeit in Teplice bleiben, wie sie das Stipendium empfangen haben. Das Interesse ist allerdings begrenzt. Gerade einmal fünf haben sich gemeldet. Umgerechnet kommt das Stipendium auf 4.167 Euro im Jahr. Das hört sich nicht viel an, aber kann schon weiterhelfen. Anders als bisher: Da hatte die Stadt nur ein Jahresstipendium von 10.000 Kronen geboten, also 417 Euro. Für so wenig Geld wollte sich niemand an die alte Heimat binden.
Noch geringer ist das Interesse an der Hopfen- und UNESCO-Welterbe-Stadt Žatec (Saaz). Für ein Jahresstipendium, das allerdings nur bei 50.000 Kronen liegt, hat sich seit Einführung im Jahr 2022 noch niemand gemeldet. In Žatec beschränkt sich das Angebot auch auf künftige Hausärzte, Kinderärzte und Zahnärzte.
Auch der Bezirk Ústí (Aussig) teilt Stipendien aus. Bis zu 100.000 Kronen kann man hier bekommen. Das Stipendium ist allerdings inzwischen auf künftige Lehrer beschränkt. Immerhin zehn pro Jahr meldeten sich. Das war früher anders, als das Stipendium noch ohne Einschränkung für andere Fächer bezogen werden konnte.
Auch der Stadt Aš im sächsisch-bayerisch-tschechischen Dreiländereck geht es vor allem um Lehrer. Studenten können pro Jahr bis zu 96.000 Kronen erhalten (4.000 Euro). Dazu kommt nach dem Studium ein einmaliges Startgeld von noch einmal 150.000 Kronen (6.250 Euro). Außerdem können die künftigen Lehrer langfristig an der Miete sparen. Sie bekommen sogar bevorzugt eine städtische Wohnung zugewiesen, die sie ein Jahr mietfrei nutzen können. Danach zahlen sie zwar die Miete selbst, aber nur halb so viel wie in anderen städtischen Wohnungen.
Gute Verbraucherstimmung in Tschechien
Für Einzelhändler dürfte das vor Weihnachten eine gute Nachricht sein: In Tschechien ist das Vertrauen der privaten Haushalte in die Wirtschaft im November sprunghaft um 4,3 Punkte auf 111,7 gestiegen. Das ist der höchste Wert seit sechs Jahren. Analysten führen das gestiegene Vertrauen in Teilen auf das Ergebnis der Parlamentswahlen im Oktober zurück. „Von der neuen Regierung versprechen sich die Haushalte bestimmte wirtschaftliche Verbesserungen“, wird der Chefanalyst von Provident Financial Petr Javůrek zitiert. Die Hoffnung bezieht sich konkret auf die Versprechen, die Energiepreise zu senken.
Der Anstieg findet aber auch vor dem Hintergrund einer guten wirtschaftlichen Entwicklung statt. Die Wirtschaft wächst schneller als erwartet, und auch die Löhne haben gut zugelegt. Alles zusammen dürfte der Grund für die gute Stimmung sein.
Anders allerdings bei den Unternehmen, wo das Vertrauen in die wirtschaftliche Entwicklung um 3,5 Punkte auf 99,9 nach unten ging. Damit liegt es leicht unter dem Durchschnitt. Das sei ein klares Indiz dafür, dass die gute wirtschaftliche Entwicklung in Tschechien weiterhin vom privaten Verbrauch angekurbelt wird. Aber auch in der Wirtschaft ist das Bild nicht einheitlich. Während in der Industrie und im Bauwesen die Stimmung nach unten geht, ist sie im Dienstleistungssektor prächtig.
Analysten erwarten 2025 ein Wirtschaftswachstum um 2,5 Prozent. Von einer Erholung in der Industrie gehen sie erst im Laufe des nächsten Jahres aus.
Weitere neun sächsisch-tschechische Projekte bewilligt
Heute wurde vom Lokalen Lenkungsausschuss die Förderung von weiteren neun sächsisch-tschechischen Kleinprojekten aus dem Kleinprojektefonds in der Euroregion Elbe/Labe bewilligt. Die Verteilung war diesmal sehr ungleich: Acht tschechischen Projekten stand nur eines aus Sachsen gegenüber. Insgesamt erhalten die Projekte eine Förderung in Höhe von 80.469,60 Euro.
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