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Derweil in Tschechien... 15/26

Neuer Wanderweg über die tschechische Grenze – Streit um NATO-Gipfel – Aufsteiger im tschechischen Wohlstandsindex – Zulassungsprüfungen für weiterführende Schulen gestartet – Schloss günstig zu verkaufen – Menschenkette für den Wolfsberg

17.04.2026

Neuer Wanderweg über die tschechische Grenze

Am neuen grenzüberschreitenden Wanderweg
Am neuen grenzüberschreitenden Wanderweg (© Správa NP České Švýcarsko)

Wanderer haben eine neue Möglichkeit, von Sachsen nach Tschechien zu wandern und umgekehrt. Am 11. April wurde der neue markierte Wanderweg von Schmilka nach Hřensko (Herrnskretschen) in der Sächsisch-Böhmischen Schweiz eingeweiht. Die neue Route führt streng genommen nicht nach Hřensko, sondern mündet rund 100 Meter oberhalb der Wasseraufbereitungsanlage auf den markierten roten Wanderweg zum Prebischtor (Pravčická brána).

Er ist daher auch eine gute Alternative für alle, die das beliebte Wanderziel ansteuern und nicht auf der Straße von Schmilka nach Hřensko laufen möchten. Außerdem muss man nicht an einer Vielzahl von Verkaufsbuden eher fragwürdigen Angebots vorbei. Insgesamt hat der neue markierte Weg eine Länge von knapp drei Kilometern.

Von Schmilka kommend, kann man am oberen Ende des Dorfes nach rechts auf den gelb markierten Wanderweg mit dem Querstrich einbiegen. Der führt auf dem historischen Grenzweg zur tschechischen Grenze. Eine erste Abzweigung Richtung Tschechien lässt man noch rechts liegen, um später auf den durch ein grünes Dreieck markierten grenzüberschreitenden Wanderweg zu stoßen. Die vertraute Markierung im System des Klubs tschechischer Touristen wurde nicht vorgenommen.

Der erste Teil, der an den Hängen des Langen Horns (Dlouhý roh) aufwärts führt, ist komplett neu und wurde am steilen Hang größtenteils mit Stufen gesetzt. Oben angekommen führt der Weg auf der „Prasečí cesta“ (wörtlich: Schweineweg) ins Tal der Suchá Bělá (Dürre Biele) und stößt dort auf den erwähnten rot markierten Wanderweg zum Prebischtor. Leider müssen Wanderer wie bisher dann doch noch ein längeres Stück entlang der Straße laufen. Ein Wanderweg entlang der Ruhezone, der direkt im Wald an den Aufstieg zum Prebischtor anschließt, wurde nicht markiert. Alternativ kann man am Abzweig zum Prebischtor auch den gelb markierten Weg Richtung Mezná (Stimmersdorf) wählen.

Für den Rückweg nach Schmilka kann man sich von Hřensko auch in den Bus setzen. Die Linie 435 von Mezná nach Schmilka verkehrt am Wochenende stündlich. Sie hält auch in Mezní Louka (Rainwiese) und am Abzweig zum Prebischtor (Tři prameny). Es empfiehlt sich, ein Einzelticket in der deutschsprachigen App DÚKapka zu kaufen. Das Elbe-Labe-Ticket gilt zwar auch, lohnt sich allein für die kurze Strecke aber nicht.

Der neue Weg ist der erste grenzüberschreitende markierte Wanderweg seit Gründung des Nationalparks Böhmische Schweiz. Allerdings befindet er sich ganz am Rand der Nationalparke. Ohne Verbindung bleibt weiter das Gebiet zwischen der Grenze bei Schmilka und dem Grenzübergang am früheren Zadní Jetřichovice (Hinterdittersbach). Den Aufruf, einen der bestehenden historischen Wanderwege wie den Stimmersdorfer Weg oder die Verbindung zum Großen Zschand wieder zu öffnen, lehnt der Nationalpark ab.

Streit um NATO-Gipfel

Das nächste Gipfeltreffen der NATO-Länder ist zwar erst im Juli., doch in Tschechien wird seit Wochen erbittert gestritten, wer die tschechische Delegation leiten und wer an ihr beteiligt sein wird. Geht es nach Außenminister Petr Macinka (Autofahrerpartei), wird die Delegation nicht von Präsident Petr Pavel geleitet, wie es traditionell bisher der Fall war. Macinka möchte Pavel auch sonst nicht in der offiziellen Delegation dabeihaben. Ein aktueller Regierungsbeschluss über die Nutzung der offiziellen Flugzeuge weist für die Delegation zum NATO-Gipfel als Teilnehmer nur Premierminister Andrej Babiš, Außenminister Macinka und Verteidigungsminister Jaromír Zůna (SPD) aus.

Der Präsident repräsentiert Tschechien in Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik. Dafür hat er weitreichende Vollmachten. So wird kein Botschafter ohne die Zustimmung des Präsidenten entsandt. Daraus resultiert die bisherige Praxis, dass der Präsident nicht nur Teil der Delegation bei NATO-Gipfeln ist, sondern sie auch führt. Dass Macinka mit dieser Tradition ausgerechnet bei dem früheren Vorsitzenden des NATO-Militärausschusses brechen will, lässt sich nur mit dem monatelangen Streit um die Besetzung des Umweltministeriums verstehen. Präsident Pavel hatte sich geweigert, den Kandidaten der Autofahrer, Filip Turek, zu ernennen. Grund war für Pavel Tureks frühere rechtsextreme und fremdenfeindliche Äußerungen. Im Februar musste die Autofahrerpartei, deren Vorsitzender Macinka ist, Turek als Kandidat kleinlaut zurückziehen.

Präsident Pavel hatte zuletzt in einem Brief an Premier Andrej Babiš unterstrichen, dass er davon ausgeht, die tschechische Delegation zum NATO-Gipfel anzuführen. Beide Politiker treffen sich in der nächsten Woche und werden wohl auch über diese Frage beraten. Die Frage, wer am NATO-Gipfel teilnimmt, ist aber auch inhaltlich pikant. Während Pavel als Befürworter erhöhter Militärausgaben gilt, hat die Regierung von Andrej Babiš im Haushalt 2026 die Mittel für den Verteidigungsetat auf unter zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts heruntergefahren. Das ist deutlich unter dem Ziel, zu dem sich die NATO-Mitgliedsstaaten verpflichtet haben.

Aufsteiger im tschechischen Wohlstandsindex

Litoměřice
Litoměřice (© VitVit, Wikipedia; CC BY-SA 4.0)

Von Platz 162 auf 90. Das ist die Bilanz der Stadt Litoměřice (Leitmeritz) im tschechischen Wohlstandsindex der Regionen innerhalb eines Jahres. Den Wohlstandsindex stellt die Bank Česká spořitelna jedes Jahr neu auf Basis der Datenplattform „Europa in Daten“ zusammen und entwickelt nach 49 Indikatoren eine Rangfolge. Zu den Indikatoren gehören unter anderem die wirtschaftliche Situation, Zugang zu medizinischer Pflege, Bildung, Wohnung, die Umwelt oder die Freizeitangebote, aber auch die Geschwindigkeit des Internets.

Zu den größten Aufsteigern zählten in diesem Jahr zwei weitere Städte aus den sogenannten Sudeten, wie die Gebiete an der Grenze zu Deutschland, Österreich und Polen in Tschechien genannt werden. Die schneiden bei solchen Erhebungen häufig schlecht ab. Doch Nový Bor (Haida) machte einen noch größeren Satz von 174 auf 92. Zweitbester Aufsteiger war die Kleinstadt Králíky (Grulich) in Ostböhmen, nahe der Grenze zu Polen, die von Platz 108 auf 35 sprang.

Spitzenreiter wurde zum zweiten Mal in Folge die Stadt Turnov (Turnau) im Bezirk Liberec am Rande des Böhmischen Paradieses (Český ráj). Danach folgt wie schon im letzten Jahr der beliebte mährische Kurort Luhačovice. Auf den dritten Platz schaffte es überraschend die ostböhmische Kleinstadt Žamberk (Senftenberg).

Auch wenn mit Litoměřice eine Stadt aus dem Bezirk Ústí einen Achtungserfolg zielen konnte, sieht es für den Rest des Bezirks trübe aus. Neben Litoměřice platzierte sich mit Varnsdorf nur noch eine Stadt unter den ersten 100 Regionen. Dagegen fanden sich mit Chomutov (Komotau), Litvínov (Oberleutensdorf), Teplice (Teplitz), Louny (Laun), Podbořany (Podersam) und Bílina (Bilin) gleich sechs Städte und Regionen unter den letzten zehn Plätzen. Bílina landete dabei knapp vor dem westböhmischen Horšovský Týn (Bischofteinitz) auf dem vorletzten Platz..

Zulassungsprüfungen für weiterführende Schulen gestartet

Für alle Neuntklässler in Tschechien ist es gerade eine entscheidende Zeit, denn am 10. April begannen die Aufnahmetests für die weiterführenden Schulen. Wer nach der Grundschule, die in Tschechien nach der neunten Klasse endet, das Abitur anstrebt, kann sich wahlweise an einem Gymnasium, einer Mittelschule, einer Mittelfachschule oder einer Handelsakademie bewerben. Außer am Gymnasium besteht auch die Möglichkeit, die Schule mit einer Berufsausbildung abzuschließen. Mittelschulen weisen zudem auch schon eine Fachspezialisierung auf, selbst wenn man mit Abitur abschließt.

Doch der Weg zu Gymnasium oder Mittelschule führt ausschließlich über einen Test, der landesweit einheitlich ist. Er besteht aus einer Prüfung in Mathematik (70 Minuten) und in Deutsch (60 Minuten).

In der Regel beginnen die Grundschüler schon ein Jahr früher mit der Vorbereitung. Die Tests sind gefürchtet. Selbst Schüler mit gutem Allgemeinwissen sind schon gescheitert. Man muss eher die innere Logik des Tests verstehen, um erfolgreich zu sein. Deshalb gibt es spezielle Agenturen, die die Schüler gezielt auf die Aufnahmetests vorbereitet. Kaum ein Schüler kommt ohne solch eine Agentur aus. Das ist also ein interessanter Unternehmenszweig in Tschechien im Bereich Bildung/Fortbildung.

Schüler können sich an bis zu drei Schulen bewerben. An welcher Schule es mit der Aufnahme klappt, hängt auch vom Renommee der Schule ab. Für manche Schulen braucht es ein erstklassiges Testergebnis, bei anderen reicht ein gutes. Die Ergebnisse stehen Mitte Mai fest.

Schloss günstig zu verkaufen

Schloss Milešov
Schloss Milešov (© Petr Kinšt, Wikipedia; CC BY-SA 4.0)

Es ist bereits der vierte Versuch, das Schloss von Milešov zu verkaufen. Und diesmal entschied sich der Bezirk Ústí als Eigentümer zu einem rasanten Schritt: Der Preis fiel auf 29,9 Millionen Kronen, umgerechnet rund 1,25 Millionen Euro. Damit liegt er noch unter der Empfehlung eines Gutachtens, das seinen Wert auf 33 Millionen Kronen geschätzt hatte. Bei der ersten Versteigerung vor zwei Jahren kostete das Schloss noch 99 Millionen Kronen, also über 4 Millionen Euro. Die öffentliche Versteigerung findet am 13. Mai statt. Interessenten müssen als Sicherheit fast 3 Millionen Kronen hinterlegen. Zum Schloss gehören mehrere Bauobjekte.

Was nach einem Schnäppchen aussieht, wird noch viel Geld kosten. Denn der Zustand des Schlosses macht Investitionen erforderlich. Immerhin ist es noch nicht so lange her, dass in dem Schloss gewohnt wurde. Bis vor drei Jahren diente das Schloss noch als Altersheim. Davor war es schon Schule, Erholungsheim und Heilanstalt.

Gebaut wurde es im 14. Jahrhundert auf einem Felsensporn. Im 16. Jahrhundert wurde es zu einem Renaissanceschloss umgebaut. Es folgte ein barocker Umbau zur Mitte des 17. Jahrhunderts sowie eine weitere Renovierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Das Schloss liegt malerisch am Fuße des höchsten Gipfels des Böhmischen Mittelgebirges Milešovka (Milleschauer).

Milešov ist übrigens nicht das einzige Schloss, das gerade verkauft wird. Immobilienmakler bieten auch die Schlösser in Encovany, Cítoliby und Vršovice bei Louny zum Verkauf.

Menschenkette für den Wolfsberg

Menschenkette auf den Wolfsberg am 11.04.26
Menschenkette auf den Wolfsberg am 11.04.26 (© Facebook Krásná Lípa)

Wie bekommt man 800 Sack Zement, eine Menge Formsteine und weiteres Baumaterial auf den 591 Meter hohen Gipfel Vlčí hora (Wolfsberg) nahe Krásná Lípa (Schönlinde)? Am besten, indem ganz viele Menschen mit anpacken. Denn der Wolfsberg hat zwar einen Aussichtsturm, aber keinen Lastenaufzug. Also musste das ganze Material per Hand nach oben getragen werden. Dass es aber so schnell geht, wie am vergangenen Samstag, hätte wohl der kühnste Optimist nicht zu glauben gewagt. Binnen zwei Stunden war alles oben. Zu verdanken war das den 127 Freiwilligen, die nicht nur mit anpackten, sondern gleich eine Menschenkette bildeten. Insgesamt waren knapp 20 Höhenmeter auf 150 Metern Länge zu überwinden. Also für jeden etwas mehr als einen Meter.

Aus dem Baumaterial entsteht in den kommenden Wochen eine Aussichtsplattform an dem Ort, an dem einst eine Berghütte stand. Die wurde allerdings vor drei Jahren durch Brandstiftung zerstört. Dabei wurde auch der Aussichtsturm in Mitleidenschaft gezogen, der aber wieder erneuert und eröffnet werden konnte.

Die Menschenkette kümmerte sich aber nicht nur um den Transport des Materials. Für jeden transportierten Sack Zement wurden auch 20 Kronen für die medizinische Behandlung eines kranken Jungen aus Dolní Podluží (Niedergrund) gespendet.

 

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