Euroregion Elbe/Labe

Derweil in Tschechien... 17/26

Tschechischer Umweltminister treibt Elbe-Staustufe voran – Kurze Wochen in Tschechien – Tochter von Karel Gott startet Karriere als Sängerin – Neuer Prager Erzbischof ins Amt eingeführt – Schicht-Familie erhält Grabstätte zurück – Straßensperrung in der Böhmischen Schweiz

30.04.2026

Tschechischer Umweltminister treibt Elbe-Staustufe voran

Visualisierung der Staustufe im Elbsandsteingebirge
Visualisierung der Staustufe im Elbsandsteingebirge (© Tschechische Wasserstraßendirektion ŘVC)

Der tschechische Umweltminister Igor Červený hat die Wichtigkeit des Baus einer Elbe-Staustufe bei Děčín (Tetschen) betont. Eine Elbe-Staustufe hätte Bedeutung für die Verteidigung des Landes, die Senkung der Kohlenstoffemissionen und auch für die Energieunabhängigkeit von Děčín und seinem Umland, sagte der Umweltminister vor Journalisten in Prag. Die Vorbereitung des Baus soll in einer Arbeitsgruppe koordiniert werden, die gemeinsam mit dem Verkehrsministerium gebildet wurde. Červený veranschlagt für den Bau Kosten in Höhe von 6-8 Milliarden Kronen (250-330 Millionen Euro). Sein Ziel sei, das Projekt bis zum Ende der Wahlperiode im Jahr 2029 so weit zu haben, dass der Bau beginnen kann.

Die Hauptargumente für die umstrittene Staustufe sind nicht neu. So soll die Elbeschifffahrt, die wegen niedriger Pegel momentan nur einen Teil des Jahres möglich ist, künftig mehr Güter aufnehmen, die sonst auf der Straße transportiert werden würden. Auch der Bau eines Wasserkraftwerks als Teil der Staustufe, mit dem bis zu einem Drittel des Energiebedarfs der Stadt Děčín gedeckt werden könnte, ist lange geplant, erhält aber angesichts hoher Energiepreise eine stärkere Dringlichkeit. Das Argument, dass die Staustufe auch der Verteidigungsfähigkeit des Landes dient, ist allerdings neu. Červený sprach von der strategischen Bedeutung des Děčíner Elbehafens, der übrigens dem Land Sachsen gehört, für die NATO.

Červený sagte gegenüber Journalisten auch, dass er bereits mit dem „Staatssekretär der sächsischen Republik“ gesprochen habe, ohne Namen zu nennen. Ein Treffen mit dem sächsischen Umweltminister Georg-Ludwig von Breitenbuch sei in Vorbereitung. Der Freistaat Sachsen hatte in der Vergangenheit große Vorbehalte gegenüber einem Bau einer Staustufe auf tschechischer Seite, nahe der Grenze. In Deutschland wird die Elbe bis auf eine Staustufe bei Geesthacht kurz vor Hamburg nicht angestaut.
Auch andere sächsische Institutionen sowie Umweltorganisationen befürchten negative Auswirkungen für Sachsen. Konkret werden unter anderem eine Verschlechterung der Wasserqualität, eine Einschränkung der Vielfalt der Pflanzen- und Tierwelt und negative Auswirkungen auf die Wassermenge erwartet.

Das Projekt einer Elbestaustufe wird in Tschechien bereits seit den 1990er Jahren verfolgt. Aktuell läuft eine neue strategische Umweltprüfung. Früheren Angaben zufolge soll sie 2027 abgeschlossen sein. Die Vorgängerregierung plante den Baubeginn für 2032.

Kurze Wochen in Tschechien

Traditionell Anfang Mai freuen sich die Tschechen über zwei Feiertage. Dieses Jahr fallen der 1. Mai und der 8. Mai sogar auf einen Freitag, was gleich zwei verlängerte Wochenenden macht. Nicht wenige nutzen das für einen Kurztrip.

Feiertage bedeuten aber auch geschlossene Läden. Dabei ist der 1. Mai (wie bei uns Tag der Arbeit) nur ein sogenannter kleiner Feiertag. Damit dürfen alle großen Geschäfte wie Supermärkte und Kaufhäuser offen bleiben. Am 8. Mai (Tag des Sieges über Hitlerdeutschland) dagegen müssen auch die geschlossen bleiben. Geschäfte mit weniger als 200 Quadratmeter Verkaufsfläche betrifft das zwar nicht. Da sich die Kundschaft allerdings auf die freien Tage einstellt bzw. verreist ist, lohnt es für die meisten nicht, zu öffnen. Alternativ beschränken sie die Öffnungszeit auf den Vormittag.

Auch Cafés öffnen wie kleine Läden häufig erst später. Während die Läden bald wieder schließen, bleiben die Cafés allerdings meist offen. Jedenfalls sollte man sich nicht wundern, wenn nicht nur Läden am Feiertag geschlossen bleiben. Auch für viele Dienstleister lohnt die Öffnung nicht, selbst wenn sie es dürften. Geöffnet sind allerdings meist alle touristisch relevanten Einrichtungen wie Museen, Schlösser, Zoos oder Restaurants.

Wer dringend einkaufen muss, kann sich zudem auf großen Bahnhöfen, Flughäfen oder an ähnlichen Orten mit hoher Konzentration an Menschen, wie es offiziell heißt, mit dem Nötigsten eindecken. Dort haben dann auch normale große Supermärkte geöffnet. 

Tochter von Karel Gott startet Karriere als Sängerin

Charlotte Gott
Charlotte Gott (© Instagram charlottegott_)

Bisher konnte es nur einen Gott geben – Karel Gott. Der 2019 verstorbene Schlagersänger war in Tschechien und Deutschland gleichermaßen beliebt. Doch nun schickt sich eine 20-jährige an, die Tradition des Namens Gott im Musikgeschäft fortzusetzen. Die Rede ist von Charlotte Gott, eine von zwei Töchtern der Ehe von Karel Gott und seiner Frau Ivana Gottová. Das in Tschechien bei Frauen übliche -ová am Namensende hat sie beschlossen, wegzulassen, was in Tschechien noch nicht so lange möglich ist. Der Name Gott sei international besser zu gebrauchen. Er ist aber einfach auch eine Marke, eben jene, die der Vater zu Berühmtheit brachte.

Karel Gott selbst hatte dafür gesorgt, dass seine zwei Töchter (die zweite ist zwei Jahre jünger und heißt Nelly) musikalisch aufwachsen. Charlotte sang bereits mit sieben Jahre in einem Musical. Mit zehn steuerte sie gemeinsam mit ihrem Vater zwei Lieder zum Soundtrack von Anděl Páně 2 bei, einem der erfolgreichsten tschechischen Filme. 2019 dann, kurz vor dem Tod ihres Vaters, nahm sie 13-jährig mit ihm das Lied „Srdce nehasnou“ (Herzen verlöschen nicht) auf, das zum letzten Hit ihres Vaters wurde – und zu ihrem ersten.

Am 30. April, dem Tag ihres 20. Geburtstags, veröffentlichte sie nun ihre Single „In too deep“, die in London produziert wurde. In dem Lied singt sie auf Englisch, was auch weiter die Sprache ihrer Lieder sein soll, wie sie sagte. Für den Herbst ist eine EP angekündigt. Gott sagte selbst, sie habe die Ambition, international erfolgreich zu sein. Dass das nicht leicht wird, dessen sei sie sich bewusst. Produziert wurde ihre Single von dem englischen Songschreiber und Produzenten Sacha Skarbek.

Neuer Prager Erzbischof ins Amt eingeführt

Pavel Přibyl noch als Bischof von Litoměřice
Pavel Přibyl noch als Bischof von Litoměřice (© Petr Synek/Člověk a víra)

Stanislav Přibyl ist neuer Erzbischof von Prag. Am 25. April wurde er in der Kathedrale der Heiligen Veit und Adalbert (Vít und Vojtěch) in Anwesenheit von 40 Bischöfen aus Tschechien und dem Ausland sowie des Präsidentenpaars Petr Pavel und Eva Pavlová feierlich ins Amt eingeführt. Am Montag nahm er offiziell die Amtsgeschäfte auf. Přibyl ist der 38. Erzbischof von Prag. Er ist 54 Jahre alt und es wird erwartet, dass seine Amtszeit länger dauern wird als die vieler seiner unmittelbaren Vorgänger. In der katholischen Kirche ist vorgesehen, dass Bischöfe mit 75 Jahren beim Papst ihre Absicht bekunden, vom Amt zurückzutreten. Aber auch dann können sie noch einige Zeit im Amt bleiben.

Sein Vorgänger Jan Graubner bat alle Gläubigen, gemeinsam mit dem neuen Erzbischof die Erneuerung der Kirche in Tschechien anzugehen. Přibyl hatte selbst vor einiger Zeit in einem Interview gesagt, er wollte zu einer Veränderung der Atmosphäre in der Kirche wie der Gesellschaft beitragen. „Ich habe das Gefühl, dass hier zu viel Spannung herrscht“, so Přibyl. Er war am 2. Februar von Papst Leo zum neuen Erzbischof von Prag ernannt worden.

Přibyl war seit 2023 Bischof von Litoměřice, wo er bereits bis 2016 als Generalvikar wirkte. Danach war er sieben Jahre Sekretär der Tschechischen Bischofskonferenz, in der Hierarchie ein wichtiger Posten. Přibyl hat nicht nur einen Doktortitel der Theologie, sondern er absolvierte auch ein Magisterstudium an der sozioökonomischen Fakultät der Jan-Evangelista-Purkyně-Universität in Ústí nad Labem (Aussig). 2025 wurde ihm von der Katholischen Fakultät der Karls-Universität Prag der Doktortitel für Kunstgeschichte verliehen. Seit 1995 ist er Mitglied des Redemptoristenordens.

Schicht-Familie erhält Grabstätte zurück

Die Grabstätte der Familie Schicht
Die Grabstätte der Familie Schicht (© Markus Göllnitz; CC BY-SA 4.0)

Die Familie Schicht erhält die Grabstätte des Unternehmers Johann Schicht in Ústí-Střekov (Aussig-Schreckenstein) zurück. Darauf einigte sich die Nachfahrin des berühmten Seifenkönigs Leonore Novotny-Schicht mit der Stadt. Die Stadt hatte die Grabstätte 2021 übernommen und der Nachbarschaftsstiftung von Ústí übergeben, die allerdings nicht ausreichend Mittel für die Restaurierung auftreiben konnte. Daraufhin fiel die Grabstätte im Januar wieder an die Stadt, die sie nun der Familie übergab. Allerdings ist die Familie verpflichtet, der Stadt 43.000 Kronen (knapp 1.800 Euro) zu zahlen. So viel kostete die Projektdokumentation zur Restaurierung der Grablege.

Die Familie Schicht erlebt nicht nur in Ústí gerade eine Renaissance. Die Villa von Heinrich Schicht aus den 1930er Jahren gehört ihr schon länger wieder. Außerdem wurde ein Film über die Unternehmerfamilie gedreht („Der König der Seifenblasen“), der die Macher des Schicht-Imperiums überhaupt in Tschechien bekannt machte. Er wird in diesem Jahr bei den Tschechisch-Deutschen Kulturtagen zu sehen sein. Und neuerdings wird eine Umbenennung der Žukov-Straße in Střekov in Schicht-Straße debattiert. Die Straße wird gerade saniert und führt direkt an den ehemaligen Schicht-Werken vorbei. Žukov wiederum war ein sowjetischer General, der in Tschechien nicht sonderlich beliebt ist. Eine schon einmal geplante Umbenennung in Marlene-Dietrich-Straße scheiterte allerdings schon einmal. Dietrich weilte oft in Ústí bei ihren Schwiegereltern.

Straßensperrung in der Böhmischen Schweiz

Die Straße von Hřensko (Herrnskretschen) nach Janov (Jonsdorf) in der Böhmischen Schweiz wird für einige Wochen gesperrt bleiben. Dabei kommt es bereits am 16. Mai zu einer ersten Sperrung, weil an dem Tag das traditionelle Bergzeitfahren Janovský trhák (Jonsdorfer Reißer) gefahren wird. Ab Montag, dem 18. Mai, rücken aber Baufahrzeuge an. Bis Ende Juni ist die Straße aufgrund von Bauarbeiten nicht befahrbar. Auf der Straße wird vor allem das Abflusssystem für Regenwasser erneuert sowie am Ende eine neue Asphaltschicht aufgetragen.

Für Autofahrer bedeuten das große Umleitung über Mezní Louka, Jetřichovice und Srbská Kamenice oder Děčín, Kámen und Arnoltice. Von der Sperrung ist auch der Busverkehr betroffen. Die Linie 441 entfällt für die Zeit der Bauarbeiten.

 

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