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Derweil in Tschechien... 18/26

Wieder Großbrand in der Böhmischen Schweiz – Děčín hat eine neue Elbbrücke – Tschechische Wirtschaft in Wachstumslaune – Mobile Übernachtungswagen im Erzgebirge – Endlich Direktverbindung Prag-Kopenhagen – Vorsicht vor Zecken in Tschechien

08.05.2026

Wieder Großbrand in der Böhmischen Schweiz

Löscharbeiten in der Böhmischen Schweiz am 2.5.26
Löscharbeiten in der Böhmischen Schweiz am 2.5.26 (© Tomáš Salov)

Sechs Tage kämpfte die Feuerwehr gegen die Flammen in der Böhmischen Schweiz. Mit dem Regen, der am Mittwoch einsetzte, konnten die Flammen endlich besiegt werden. Es war nach 2022 der zweite Großbrand in der Böhmischen Schweiz. Dass er nicht größer wurde, war dem schnellen Handeln von Nationalparkrangern und Feuerwehr zu verdanken. Der Nationalpark konnten den Ausbruch am 2. Mai im Gebiet zwischen Rynartice und Dolní Chřibská schnell lokalisieren. Dennoch – wie fast überall in dem felsigen Gebiet des Nationalparks – waren die Löscharbeiten aufgrund des anspruchsvollen Geländes schwierig. Innerhalb von sechs Tagen waren bis zu 600 Feuerwehrleute aus Tschechien und der Slowakei im Einsatz. Außerdem halfen acht Hubschrauber, welche die Armee und die Polizei stellten. Zwei Black-Hawk-Hubschrauber kamen aus der Slowakei zu Hilfe. Angaben der Feuerwehr zufolge brannten rund 100 Hektar Fläche. Zum Vergleich: Im Sommer 2022 brannten 1.000 Hektar und es waren bis zu 6.000 Feuerwehrleute nicht nur aus Tschechien, sondern auch aus Polen, Italien, Deutschland, Schweden und der Slowakei beteiligt.

Wegen des Waldbrandes gesperrter Bereich
Wegen des Waldbrandes gesperrter Bereich (© Správa NP České Švýcarsko)

Die Feuerwehr hat das betroffene Gelände wieder dem Nationalpark übergeben, wird aber noch 14 Tage Brandwache halten. Gleichzeitig treibt die Polizei die Ermittlungen nach der Brandursache voran. Die wichtigste Frage ist, ob der Brand mit Absicht gelegt wurde. Erste Indizien sind zum Ursprungsort des Brandes gefunden. Weitere Informationen möchte die Polizei allerdings nicht veröffentlichen, um den weiteren Fortgang der Ermittlungen nicht zu gefährden.

Der Brand warf erneut die Frage auf, wie mit Totholz im Wald umgegangen werden sollte. 2022 hatten Kritiker des Nationalparks das viele Totholz als Brandbeschleuniger ausgemacht. Im Nationalpark wird Totholz nicht in dem Maße wie in anderen Wäldern aus dem Wald geräumt. Umweltminister Igor Červený, der sich selbst ein Bild von der Brandbekämpfung gemacht hatte, bekannte sich dazu, Totholz im Wald zu lassen, rief aber dazu auf, die Strategie unideologisch zu überarbeiten und damit den neuen Realitäten anzupassen.

Wie der Nationalpark mitteilt, bleiben das Brandgebiet sowie unmarkierte Wege in dem Gelände bis auf weiteres gesperrt. Markierte Wanderwege, die wegen des Brandes gesperrt worden waren, sollen schrittweise wieder öffnen.

Děčín hat eine neue Elbbrücke

Fußgänger- und Radfahrerbrücke über die Elbe in Děčín
Fußgänger- und Radfahrerbrücke über die Elbe in Děčín (© Stadt Děčín)

Nach fast zwei Jahren Bauzeit wurde die neue Elbbrücke in Děčín (Tetschen) für Fußgänger und Fahrradfahrer eröffnet. Sie hängt zum Teil an die bestehende Eisenbahnbrücke und verbindet die Ufer des linkselbischen Stadtteils Podmokly (Bodenbach) mit der Děčíner Altstadt. Damit erhofft sich die Stadt auch eine Verbesserung der Verkehrssituation. Vor allem Radfahrer hatten bisher das Problem der Elbquerung, wechselt doch der gut genutzte Elberadweg in der Stadt die Ufer. Dafür war die Tyrš-Brücke vorgesehen. Dort sollten Radfahrer bisher einen Fußgängerstreifen der Brücke nutzen, was immer wieder zu Konflikten führte, ebenso bei der Nutzung der Straße über die Elbbrücke. Nun haben Fußgänger und Radfahrer eine ganz eigenständige Querung.

Erste Ideen für die Brücke gehen auf das Hochwasser im Jahr 2002 zurück. Bei der Sanierung der Eisenbahnbrücke vor 12 Jahren wurden bereits Anker zur Aufhängung der künftigen Fußgänger- und Radfahrerbrücke installiert. 2018 wurde ein Architekturwettbewerb gestartet, den das Prager Büro um den Architekten Alexandr Kotačka gewann.

Auffällig ist die rote Farbe, mit der die Metallflächen gestrichen wurden. Handläufe und Wegplatten sind aus Holz. An den für die Dehnung geschaffenen Übergängen ließen die Architekten sogar Platz für Lyrik. Auf den roten Metallplatten wurden Gedichte des Děčíner Lyrikers Radek Fridrich zum Thema der 12 barocken Laster und Tugenden eingebrannt.

Die Baukosten für die Brücke beliefen sich auf 130 Millionen Kronen (5,3 Millionen Euro). Davon wurden 42,5 Millionen Kronen aus EU-Fonds finanziert.

Tschechische Wirtschaft in Wachstumslaune

Die tschechische Wirtschaft ist vorläufigen Angaben zufolge im ersten Quartal auf Jahressicht um 2,1 Prozent gewachsen. Auch im Vergleich mit dem letzten Quartal 2025 ergab sich ein Wachstum, nämlich um 0,2 Prozent. Ähnlich wie Deutschland fehlen in Tschechien die Impulse vom früher so starken Außenhandel. Dafür springt eine solide Inlandsnachfrage bei. Vor allem der Konsum privater Haushalte zeugt von Vertrauen und Zuversicht, unterstützt durch eine niedrige Arbeitslosigkeit und steigende Gehälter. Positiv wirkte sich auch der Anstieg der Bruttoanlageinvestitionen aus.

Trotz der guten Werte, über die man in Deutschland hochzufrieden wäre, hagelte es von Analysten eher Kritik. Der Wert sei der niedrigste seit dem 1. Quartal 2024 und bliebe hinter den Erwartungen zurück. Umso mehr, da das erste Quartal noch nicht so stark von den Auswirkungen des Krieges im Iran betroffen war. Diese Folgen dürften sich viel stärker in den weiteren Quartalsstatistiken niederschlagen. Sollte der Konflikt mit dem Iran länger dauern, werde es schon ein großer Erfolg, wenn das Wachstum im Gesamtjahr 2026 bei 2 Prozent liegt, so die Vorhersage.

Mobile Übernachtungswagen im Erzgebirge

Die beiden Unterkünfte in Cínovec
Die beiden Unterkünfte in Cínovec (© Karlovarský kraj)

Weitwandern liegt in Tschechien schon einige Jahre im Trend. So auch im Erzgebirge. Über den Kamm auf tschechischer Seite verlaufen mit den Wegen Stezka Českem (Pfad um Tschechien) und Hřebenovka (Kammweg) gleich zwei Fernwanderwege. Dem trägt die Tourismusagentur Krušnohoří (Erzgebirge) Rechnung, indem sie Übernachtungsplätze einrichtet. Nachdem bereits stationäre Plätze eingerichtet wurden, folgten nun vier mobile. In einer Art Bauwagen wurden jeweils vier Liegeplätze eingerichtet. In Cínovec (genauer Standort hier) und bei Hora Svatého Šebestiána stehen seit Ende April jeweils zwei dieser Wagen. Neben den insgesamt acht Liegeplätzen besteht im Bereich der Wagen auch die Möglichkeit zu zelten.

Um in die Wagen zu kommen, müssen sich Wanderer bei verantwortlichen Personen melden. Die Kontaktdaten sind an den Übernachtungswagen angegeben. In Cínovec ist das Vendula Laštovková, die schon länger mit dem Fernwanderweg Stezka Českem verbunden ist.

Die Herrichtung der Wagen kostete inklusive mobiler Toilette 2,6 Millionen Kronen (107.000 Euro). Finanziell unterstützt wurde das Unterfangen von den Bezirken Ústí und Karlovy Vary. Insgesamt sollen in Zukunft zehn Übernachtungsplätze über das Erzgebirge verteilt sein, immer aller rund 25 Kilometer. Die Tourismusagentur erhofft sich davon nicht nur eine Zunahme der Fernwandertouristik, sondern auch mehr Ordnung und weniger Müll rund um die Übernachtungsplätze.

Die vier Wagen werden am Ende jeder Wandersaison wieder weggefahren. Für ihre Aufstellung war so keine Baugenehmigung nötig, da es sich um temporäre Bauten handelt.

Endlich Direktverbindung Prag-Kopenhagen

Am 1. Mai fuhr erstmals ein Zug die lang geplante Direktverbindung der Tschechischen Eisenbahn České dráhy von Prag nach Kopenhagen. Die Sanierung und Vollsperrung der Strecke Berlin-Hamburg hatte den Start der Verbindung zunächst verzögert. Zwar wird immer noch gebaut und der Zug muss momentan noch einen Umweg über Stendal, Uelzen und Lüneburg nehmen. Aber immerhin gibt es so eine neue Direktverbindung mit der Bahn nicht nur für Prag, sondern auch Ústí nad Labem, Děčín, Bad Schandau und Dresden, die alle an der Strecke liegen.

Noch komfortabler wird es ab Mitte Juni, wenn die Bauarbeiten zwischen Hamburg und Berlin endgültig abgeschlossen sein werden. Dann schafft der Zug die gesamte Strecke um 75 Minuten schneller. Außerdem wird es dann gleich drei Zugpaare pro Tag geben, davon eine Verbindung über Nacht. České dráhy setzt für die Verbindung ihre modernsten ComfortJet-Züge mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 230 Stundenkilometer ein. Auch ein Bordrestaurant mit frisch gezapftem tschechischen Bier darf natürlich nicht fehlen.

Vorsicht vor Zecken in Tschechien

Der Tschechische Hydrometeorologische Dienst hat vor verstärkter Zeckenaktivität gewarnt. Zwar sei sie durch den Niederschlag etwas abgedämpft, aber die Gefahr bleibe auch trotz Regen hoch. Aufgrund der milden Winter beginnt die Zeckenaktivität teils schon im Februar.

Zecken können Krankheiten übertragen. Dabei bestehe häufig der Irrtum, dass man sich solche eher beim Ausflug in die Natur einfangen könne. Doch in der Stadt ist eine Übertragung zum Beispiel von Borrelien viel höher. Trägt auf dem Land ungefähr jede zehnte Zecke diese Bakterien in sich, ist es in der Stadt jede vierte. Und gerade dort sei die Vorsicht deutlich geringer, so die Beobachtung von Experten. Die Warnung vor hoher Zeckenaktivität gilt für die ganze Tschechische Republik.

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