Derweil in Tschechien... 24/26
19.06.2026
Lithium-Debatte in Dubí
Bis in die Nachtstunden dauerte die öffentliche Debatte über die Umweltfolgen einer künftigen Lithium-Förderung im böhmischen Erzgebirge. In das Volkshaus im Stadtteil Dubí-Pozorka waren am Mittwochnachmittag mehrere Hundert Menschen gekommen, darunter auch aus dem benachbarten Sachsen. Denn die Umweltverträglichkeitsprüfung für das strategische Vorhaben, im Erzgebirge Lithium zu fördern, hat grenzüberschreitenden Charakter, weshalb zuständige sächsische Behörden, Verbände und betroffene Gemeinden in das Verfahren einbezogen sind. Die Veranstaltung am Mittwoch wurde deshalb auch ins Deutsche gedolmetscht.
Wie umstritten die geplante Förderung ist, zeigt sich daran, dass die Anhörung erst kurz vor Mitternacht beendet war, nach fast neun Stunden intensiver Debatte. Sogar die Polizei war gekommen, um die Veranstaltung abzusicher. Immerhin, die Anhörung verlief nach Einschätzung der Polizei friedlich. Anwesend waren Vertreter der Bergbaufirma Geomet sowie Vertreter des Ingenieurbüros, das die 700-seitige Projektdokumentation für die Umweltprüfung erstellt hatte. Darin eingeflossen waren bereits Hunderte Stellungnahmen.
Es kamen vor allem Vertreter der direkt betroffenen Gemeinden wie Dubí, wo im Stadtteil Cínovec das Lithium gefördert werden soll, Újezdeček, wo das Abbauprodukt auf die Eisenbahn umgeladen werden soll, und Kadaň, in dessen Ortsteil Prunéřov das Lithium verarbeitet werden soll. Auch die Bürgermeister umliegender Gemeinden wie der Stadt Teplice sowie von Košťany und Novosedlice waren anwesend.
Allein die Stadt Dubí reichte 73 Forderungen ein. „Wir haben in der Vergangenheit bereits Bergbau erlebt. In Cínovec wurde bis 1990 Erz abgebaut, im unteren Teil von Dubí Braunkohle. Teile der Stadt wurden abgebaggert und die Umwelt zerstört. Jetzt, da sich die Umwelt wieder erholt hat, kommt das nächste Projekt. Die Stadt hat der Republik viel gegeben, die Menschen bekamen dafür 2.000 Kronen Beerdigungsgeld. Ich wundere mich überhaupt nicht, dass die Menschen Angst vor der Zukunft haben“, zitiert die Presseagentur ČTK den Bürgermeister von Dubí, Jiří Kašpar.
Die Stadt und ihre Einwohner fürchten nicht nur neue Umweltzerstörung, sondern auch erhöhte Staubbelastung, mehr Schwerlastverkehr auf den Straßen und Erschütterungen der Häuser. So fragten viele der Einwohner bei der Anhörung, mit welchen Kompensationen sie für die vom Bergbau verursachte Verschlechterung der Lebensverhältnisse sie rechnen können.
Die Bürgermeister interessierte aber auch, woher die Mitarbeiter für den Bergbau kommen sollten, woher sie einpendeln, wo sie wohnen. Teplice befürchtet eine Beeinträchtigung der Thermalquellen. Die Anwesenden kritisierten auch, dass sie für Stellungnahmen nur 30 Tage hatten, obwohl die Dokumentation 700 Seiten lang ist.
Bis Ende des Jahres folgt nun eine Bearbeitung der Stellungnahmen und ihre Einarbeitung in den Forderungskatalog, den Geomet erfüllen muss. Es folgt die Ausarbeitung eines Gegengutachtens und die Vorbereitung der verbindlichen Stellungnahme der Umweltprüfung. Die Umweltprüfung ist Voraussetzung zur Erlangung der Baugenehmigung.
Nicht nur für Tschechien ist der Lithium-Abbau ein strategisch wichtiges Projekt. Die Vorkommen sind auf tschechischer Seite des Erzgebirges deutlich reicher als auf der deutschen Seite. Pro Jahr sollen künftig 3,2 Millionen Tonnen gefördert werden, was einer Jahresproduktion 37.500 Tonnen Lithiumkarbonat entspricht. Daraus können Batterien für rund 1,3 Millionen E-Autos hergestellt werden. Es ist das größte Projekt zur Förderung und Verarbeitung von Lithium in der Europäischen Union.
Edmundsklamm wieder geöffnet
Seit Donnerstag ist die Edmundsklamm wieder für Besucher geöffnet. Seitdem läuft der Betrieb wieder so, wie schon in der letzten Saison, als erstmals seit dem Großbrand im Sommer 2022 wieder Besucher durch die Klamm gehen durften. Das ist weiterhin nur in Begleitung eines erfahrenen Naturführers möglich. Zwischen 9 und 17 Uhr dürfen pro Stunde immer 20-25 Personen in einer Gruppe durch die Klamm geführt werden und mit den Booten fahren. Ein- und Ausgang zur Klamm ist weiterhin nur von Hřensko aus möglich. Das Ticket für den Zutritt zur Klamm kostet inklusive Bootsfahrt 350 Kronen (rund 14 Euro). Tickets werden neuerdings direkt am Eingang zur Klamm verkauft, eine Vorbestellung ist nicht möglich. Die Gemeinde bereitet aber den Start eines Buchungssystems über das Internet vor.
In den vergangenen Monaten mussten gefährliche Felsblöcke beseitigt und stabilisiert werden. Außerdem wurden in der Schlucht umgestürzte Bäume beseitigt sowie Bäume, die umzustürzen drohten.
Abholzungsexperte wird Nationalparkchef
In den vergangenen Tagen wurden vom tschechischen Umweltministerium zwei wichtige Führungspositionen neu besetzt. Zum Direktor des Nationalparks Riesengebirge wurde Petr Moravec ernannt. Die schon länger vakante Position des Direktors der Umweltinspektion wurde mit Pavel Straka besetzt.
Damit setzt sich der Trend fort, dass wichtige Positionen mit der Partei der Autofahrer (Motoristé) nahen Personen besetzt werden. Das Umweltministerium wird von der Motoristenpartei geführt. Petr Moravec steht vor allem der Holzfällerindustrie nahe. Zuletzt wirkte er als Lehrer an der Forstakademie in Trutnov. Kritik an der Ernennung kam schon vor Wochen aus den an den Nationalpark angrenzenden Gemeinden wie Trutnov und Vrchlabí. Sie hatten vor Moravec gewarnt. Er sei nicht kompetent für den Job. Auch die Umweltorganisation Hnutí Duha (Bewegung Regenbogen) kritisierte die Ernennung. "Der Leiter des Nationalparks braucht vor allem Expertise in Naturschutz und Führungserfahrung. Moravec hat weder das eine noch das andere", sagt der Waldschutzexperte von Hnutí Duha, Jaromír Bláha.
Der bisherige Nationalparkchef wurde bald nach Übernahme des Umweltministeriums durch die Motoristen von seinem Amt entbunden. Dahinter stand auch die Betreiberin der Wiesenbaude (Luční bouda). Ihr hatte der Nationalpark verboten, Gästen des Hotels die Anfahrt mit dem Auto zu ermöglichen.
Die zweite Personalie ist allerdings noch kontroverser. Mit Pavel Straka wurde ein Immobilienunternehmer an die Spitze jener Organisation berufen, die die Einhaltung des Naturschutzes kontrollieren soll. Sie wird aktiv bei Umweltkatastrophen, kontrolliert große Emittenten von Schadstoffen und ahndet Verstöße gegen Umweltgesetzgebung. "Er hat weder Erfahrung noch Expertise. Er handelt mit Immobilien. Das ist unglaublich", zeigte sich der Umweltminister der Vorgängerregierung Petr Hladík (KDU-ČSL) entsetzt. Er befürchtet, dass sich Straka künftig parteiisch zu großen Umweltsündern verhält. "Das geht ganz leicht, indem man vorgesehene Kontrollen vernachlässigt oder sie erst später durchführt. Der Möglichkeiten sind viele", wird Hladík in der Tageszeitung Hospodářské noviny (HN) zitiert.
Neue Museen in Nordböhmen
In Nordböhmen, nahe der Grenze zu Sachsen, haben drei spannende neue Museen eröffnet. Seit Anfang Juni zeigt eine Ausstellung in Duchcov (Dux) das Erbe der figürlichen Porzellanproduktion. Bis vor drei Jahren wurden die Figuren und Plastiken aus dem weißen Gold sogar noch in der Stadt hergestellt. Die Fabrik Royal Dux war eine bekannte Marke, bevor die Eigentümerfirma Český porcelán das Werk schloss. Kleine Teile der Produktion wurden in das Hauptwerk nach Dubí verlagert. Die 170-jährige Porzellangeschichte in Duchcov dagegen war zu Ende. Die Ausstellung befindet sich am historischen Hauptplatz Náměstí republiky 49/10 im sogenannten Scheithauer-Haus. Hier befindet sich eine Filiale des Stadtmuseums. Geöffnet ist die Ausstellung von Juni bis September, Montag bis Freitag 11-15 Uhr und am Wochenende von 10-16 Uhr. Außerhalb dieser Monate ist eine Besichtigung nach vorheriger Vereinbarung mit dem Stadtmuseum möglich. In der Ausstellung können großartige künstlerische Porzellanwerke aus verschiedenen Epochen bewundert werden.
Auch in Bílina gibt es eine große Tradition und auch sie ist bedroht: die Produktion des bekannten Biliner Sauerbrunnens (Bílinská kyselka). Das bekömmliche Wasser hat nebenbei eine medizinische Wirkung, vor allem für den Verdauungsapparat. Berühmt wurde es zu den größten Zeiten des Kurwesens im nahen Teplice. Damals wurde der Sauerbrunnen auch verordnet, damit die Kurgäste sich auch mal ein Glas Wein genehmigen konnten. Der Sauerbrunnen war dann sozusagen die Kompensation. Gemixt mit Orangensaft schmeckt er wie Fanta. Die Firma Bohemia Healing Marienbad Waters, die bis heute den Sauerbrunnen auf Teilen des Geländes des früheren Kurbades abfüllt, ist in Konkurs gegangen, produziert aber weiter und machte sogar nach Jahren wieder Gewinn. Das weitere Schicksal ist trotzdem unklar. Dafür hat im Frühling in der Partnerstadt von Dippoldiswalde ein Museum für den Sauerbrunnen eröffnet. Es befindet sich auf dem Gelände des Abfüllbetriebs unterhalb des historischen Kurhauses und macht mit der Geschichte nicht nur des Sauerbrunnens, sondern noch weiterer Heilquellen aus der nordböhmischen Region bekannt. Sie befasst sich mit der Förderung der Heilquellen, der Entwicklung der Marken und dem Kurwesen. Das Museum hat täglich 8.30 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 150 Kronen, ermäßigt 70 Kronen.
Das jüngste Museum befindet sich in Sulejovice bei Lovosice unweit der Autobahnabfahrt. Das Dorf ist bekannt für seine große Baustofffabrik, die ebenfalls eine lange Tradition hat. Also wurde am vergangenen Samstag hier das erste Ziegelmuseum Tschechiens eröffnet. In der Sammlung befinden sich rund 800 Ziegel unterschiedlicher Herkunft. Das älteste Stück stammt aus dem Jahr 1765. Da gab es in Sulejovice noch keine Ziegelei. Die wurde auf Initiative der Familie Schwarzenberg im Jahr 1846 gegründet. Den Schwarzenbergs gehörten die Ländereien rund um Sulejovice und sie setzten sich sehr für den industriellen Fortschritt ein. Das Museum befindet sich im Ortsamt an der Adresse Náves 5 und hat Montag und Donnerstag 13-17 Uhr, Dienstag 8-12, Mittwoch 10-15 und Freitag 8-11 Uhr geöffnet. Gruppen können sich unter der Adresse muzeumsulejovice@seznam.cz auch außerhalb der Öffnungszeiten anmelden. Der Eintritt ist frei, eine Spende wird erbeten.
Bestsellerautorin Tučková gastiert in Dresden
Sie führt in Tschechien regelmäßig die Bestsellerlisten an. Kateřina Tučková wurde in Tschechien mit ihrem Roman "Die Vertreibung der Gerta Schnirch" auf einen Schlag bekannt. Der Roman, der von der Vertreibung der Deutschen aus der Stadt Brünn handelt, wurde auch ins Deutsche übersetzt. Auch jeder weitere Roman von ihr kam bei der Leserschaft in Tschechien sehr gut an. Am kommenden Dienstag gastiert sie mit ihrem neuen Buch "Weißwasser", tschechisch: Bílá voda, im Landhaus Dresden. Das Buch liegt bisher nur auf Tschechisch vor. Vielleicht wird ja am Dienstag bekannt gegeben, wann das spannende Buch auf Deutsch erscheint. Es handelt vom Schicksal eines Nonnenklosters in einem abgelegen Winkel an der polnischen Grenze. Der Ort war für Tučkovás Buch titelgebend. Beginn ist 19 Uhr, Karten für 5 und 3 Euro gibt es an der Abendkasse. Mit der Autorin spricht Šárka Atzenbeck, Tschechisch-Lektorin an der TU Dresden, die Übersetzerin Martina Lisa trägt Teile des Buches auf Deutsch vor.
Neuauflage für Ostrov-Festival
Einige Jahre war es wieder etwas ruhiger in dem Dorf Ostrov (Eiland), direkt an der Grenze zu Sachsen, eingerahmt von Felsen, abgeschieden, fast nicht mehr Tschechien und doch noch nicht Sachsen. Eine Idylle für Kletterer, aber auch all jene, die sich mal eine Auszeit nehmen wollen, auch vom Handysignal. Denn das ist hier nicht sehr stark.
Stark wird es aber an diesem Wochenende sein, und laut, denn es findet das deutsch-tschechische Festival Ostrov/Eiland statt. Freitag und Samstag spielen Bands aus Tschechien und Deutschland, darunter große Namen wie Letní kapela, Die Ukrainiens, Bratři. Květy musste leider absagen. Dafür kommen noch weitere Bands von beiden Seiten der Grenze, die wahrscheinlich bald bekannt werden. Der Eintritt kostet 500 Kronen, ermäßigt 200. Übernachten ist vor Ort auf dem Campingplatz möglich.
Ausrichter des Festivals sind der Verein Kultura Tisá und Jugendclub Rosenthal e.V., die dabei mit EU-Fördermitteln unterstützt werden. Mancher wird sich noch an das Festival Rock on the Rocks erinnern, das hier vor Jahren Fans anlockte. Auch das war ein deutsch-tschechisches Festival und der Verein Kultura Tisá schon damals mit an Bord. Nun gibt es also eine Fortsetzung.