Derweil in Tschechien... 34/26
11.09.2026
Johannes der Täufer zurück in Fláje
Ende der 1950er Jahre musste das Dorf Fláje (Fleyh) nahe der Grenze zu Sachsen dem Bau einer Talsperre weichen. Heute ist Fláje Teil von Český Jiřetín und besteht nur aus wenigen Gebäuden nahe der Staumauer. Genau dort, nur wenige Meter von der Staumauer entfernt, steht seit Juli eine Statue Johannes des Täufers. Am vergangenen Freitag wurde sie vom Prager Erzbischof und apostolischen Verwalter der Diözese Litoměřice (Leitmeritz) Stanislav Přibyl gesegnet.
Die Bronzestatue ist eine Arbeit der Künstlerin Petra Wolfová. Johannes der Täufer war der Schutzheilige von Fláje. Eine Statue von ihm gab es schon einmal ab dem Jahr 1760. Der originale Sockel steht heute in Český Jiřetín.
In die neue Statue ist in die Brust eine Öffnung in Form eines Kreuzes eingelassen. Hinter der Statue erstreckt sich die Wasserfläche der Trinkwassertalsperre aus dem Jahr 1963. „Die Attribute des heiligen Johannes des Täufers sind das Kreuz und das Wasser. Mir gefiel der Gedanke, dass das Wasser durch diese Kreuzöffnung hindurch zu sehen ist“, erklärt die Künstlerin ihr Werk.
Die Statue ist eine Initiative des Vereins "Českojiřetínský spolek". Ein erste StatueJohannes des Täufers aus Stein war wegen Verunreinigungen im Stein fehlerhaft und deshalb nicht wie ursprünglich vorgesehen an der Staumauer, sondern in der Nähe des Standorts der ehemaligen Kirche am östlichen Ufer der Talsperre aufgestellt worden.
PISA-Schock auch in Tschechien
Auch in Tschechien hat die neue PISA-Studie über den Bildungsstand von 15-jährigen Spuren hinterlassen. Das Land hat zwar immer noch eine bessere Position inne und konnte in allen Teildisziplinen überdurchschnittliche Ergebnisse vorweisen. Allerdings haben sich die Leistungen seit der letzten Untersuchung vor vier Jahren deutlich eingetrübt und der einst komfortable Vorsprung vor den meisten Ländern in der Europäischen Union ist dahin. Am deutlichsten war der Einbruch beim Leseverständnis. Langfristig geht es aber vor allem in Mathematik nach unten. Tschechien hat schon länger einen hohen Anteil Kinder, die nicht einmal Basisniveau erreichen. Auch die Schüler mehrjähriger Gymnasien verschlechterten sich.
„Immer noch spielt das soziale Umfeld eine entscheidende Rolle“, sagt Oberschulinspektor Tomáš Zatloukal der Tageszeitung Hospodářské noviny. „Die Ergebnisse sind keine Überraschung, weil wir seit Jahrzehnten den gleichen Unterricht führen“, so Zatloukal weiter. „Wir verlassen uns zu sehr auf die Unterstützung durch die Familien, und wenn es die nicht gibt, bleiben die Schüler zurück und ihre Probleme häufen sich.“
Interessant ist auch ein Blick auf die Schularten. So haben sich Schüler von sogenannten mehrjährigen Gymnasien deutlich verschlechtert, während Schüler von vierjährigen Gymnasien sich sogar verbessert haben. Auf mehrjährige Gymnasien wechselt man bereits nach der 5. Klasse. Die anderen Schüler bleiben länger auf der Grundschule und wechseln erst nach der 9. Klasse. Laut PISA zeigen sie inzwischen bessere Leistungen als jene, die schon vier Jahre vor ihnen aufs Gymnasium gewechselt sind. Zatloukal sieht darin zwei Gründe: „Nach der 5. Klasse wechseln nicht die besten Schüler. Gleichzeitig ist der Unterricht an den mehrjährigen Gymnasien am meisten veraltet.“
Das einzige Fach, in dem tschechische Schüler langfristig stark sind und sich auch diesmal nicht verschlechtert haben, ist die digitale Erziehung.
Freispruch im Waldbrandprozess
Der verheerende Großbrand in der Böhmischen und teils auch Sächsischen Schweiz im Sommer 2022 hat keinen bekannten Verursacher. Der bislang einzige Verdächtige wurde vom Obersten Gericht in Prag freigesprochen. Genauer gesagt bestätigte das Gericht den Freispruch der Vorinstanz. Das Bezirksgericht in Ústí hatte Jiří L. bereits im Januar 2025 freigesprochen. Nachdem das Gericht den Fall vom Berufungsgericht zurückerhielt, wiederholte es sein Verdikt. Das Oberste Gericht in Prag wies nun den Einspruch der Staatsanwältin zurück.
Der frühere ehrenamtliche Nationalparkranger Jiří L. hatte zunächst zweimal gestanden, den Großbrand gelegt zu haben, danach aber sein Geständnis widerrufen. Er hätte dabei unter Drogen gestanden. Wie das Oberste Gericht nun feststellte, seien keine neuen Beweise aufgetaucht, welche den Angeklagten hätten belasten können. Außerdem war bereits das Geständnis teils widersprüchlich.
Jiří L. war bereits wegen Brandstiftungen kleinerer Objekte im Umkreis von Krásná Lípa zu zwei Jahren Freiheitsentzug verurteilt worden, welche er bereits in der Untersuchungshaft abgesessen hatte. Später wurde Jiří L. in eine geschlossene Abteilung überwiesen. Bei der Verhandlung vor dem Obersten Gericht wurde die Überweisung in eine geschlossene Abteilung nun in eine ambulante Behandlung umgewandelt.
Der Waldbrand in der Böhmischen Schweiz war Untersuchungen zufolge im Tal Malinové údolí bei Hřensko entstanden und hatte sich bei aufkommendem Wind schnell ausgebreitet, auch Richtung Sachsen. Im Dorf Mezná (Stimmersdorf) fielen dem Brand vier Häuser zum Opfer. Menschenleben waren zum Glück nicht zu beklagen. Gegen das Feuer kämpften über mehrere Wochen Tausende Feuerwehrleute.
Wald- und Flurbrände haben in diesem Jahr zugenommen. Gegenüber dem Vorjahr musste die Feuerwehr in ganz Tschechien über 300 Brände mehr löschen, davon die meisten im Mittelböhmischen Bezirk, im Bezirk Plzeň und im Südmährischen Bezirk. Der Bezirk Ústí lag mit 142 Bränden auf dem 5. Platz. Die meisten Flur- und Waldbrände in Tschechien gab es 2023, im Bezirk Ústí lag das Maximum aber im Jahr 2022 mit 259 Bränden.
Aus für rechtselbische Personenzüge zwischen Děčín und Ústí
Nur noch wenige Wochen fahren die Personenzüge am rechten Elbufer zwischen Ústí-Střekov (Aussig-Schreckenstein) und Děčín (Tetschen) Hauptbahnhof. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember wird die regelmäßige Zugverbindung eingestellt. Daran änderte auch eine Petition von rund 1.300 Personen nichts, die vom Bezirk Ústí als Besteller eine Fortführung der Verbindung über den Fahrplanwechsel hinaus forderte.
Der Bezirk Ústí nahm die Petition lediglich zur Kenntnis und bleibt bei seiner Entscheidung. Der Grund ist eine zu geringe Nutzung. Gleichzeitig ist die Zugverbindung teurer als die parallele Busverbindung. Der Bezirk wird deshalb die Buslinie 450 in der Spitze verstärken.
Rechtselbisch werden deshalb künftig nur noch Güterzüge fahren. Linkselbisch sind neben Eurocitys auch Schnell- und Regionalzüge unterwegs.
Tipp: Ausflug zu verschwundenem Dorf mit Konzert
Der Verein Schuberts e.V. aus Bad Gottleuba hat am Sonnabend, dem 26. September, ein besonderes Angebot: eine Führung durch das fast verschwundene Nakleřov mit einem anschließenden Konzert in der Kirche mit dem gläsernen Dach in Petrovice.
Durch Nakleřov wird der Chemnitzer Journalist Oliver Hach führen, der in seinem kürzlich erschienenen "Atlas der verschwundenen Dörfer im böhmischen Erzgebirge" viele Orte vorstellt, die nach 1945 ein ähnliches Schicksal erlitten und heute nur noch in Spuren vorhanden sind.
Im Anschluss wird in der Kirche des Hl. Nikolaus mit gläsernem Dach in Petrovice ein Konzert des deutsch-britischen Duos ME&T stattfinden. Tamara und Tristan, die zufällig auch in Chemnitz wohnen, bringen gemeinsam mit Schlagzeuger Daniel Selle innovativen Pop mit unerwartetem Sounddesign auf die Bühne. Sie betrachten ihre Songs als musikalische Experimente, in denen sie mit absoluter Ehrlichkeit das alltägliche Leben genau so widerspiegeln, wie es ist.
Zur Führung und dem Konzert wird ein Busshuttle von Dresden über Pirna und Bad Gottleuba fahren. Alle Infos dazu finden Sie unter folgendem Link.
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