Derweil in Tschechien... 38/26
09.10.2026
Tschechien feiert Václav Havel
Am Montag, dem 5. Oktober, wäre Václav Havel 90 Jahre alt geworden. Im ganzen Land wurde an den Schriftsteller, Dissident und Staatspräsident erinnert. Ústí nad Labem (Aussig) feierte Havel gleich mit einem ganzen Festival 15 Tage lang mit Konzerten, Theaterstücken, Ausstellungen und auch einer Wanderung entlang von Häusern im Böhmischen Mittelgebirge, die vor 1989 von Oppositionellen bewohnt wurden und deshalb unter besonderer Beobachtung der Staatssicherheit standen. Das Festival wurde von mehreren Institutionen organisiert.
Auch in Dresden wird an Václav Havel erinnert. Die Galerie nEUROPA auf der Bautzner Straße zeigt Fotos des Fotografen Bohdan Holomíček, einem engen Wegbegleiter Havels. Holomíčeks Fotos zeigen Havel denn vor allem als Menschen – im Alltag, im Kreis der Familie oder auf Reisen. Holomíček tritt selbst zum Abschluss der Ausstellung am 13. November im Rahmen der Tschechisch-Deutschen Kulturtage auf.
Václav Havel wurde am 5. Oktober 1936 in Prag geboren und starb am 18. Dezember 2011 auf seinem Wochenendhaus im Dorf Hrádeček bei Trutnov (Trautenau). Von 1989 bis 1992 war er Präsident der Tschechoslowakei und von 1993 bis 2003 Präsident der Tschechischen Republik.
Kommunalwahlen in Tschechien
Heute um 14 Uhr öffneten in Tschechien die Wahllokale. Bis zum morgigen Samstag, 14 Uhr, sind alle Wahlberechtigten aufgerufen, ihre Kommunalparlamente neu zu wählen. Außerdem wird ein Drittel der Sitze im Senat, dem Oberhaus des tschechischen Landesparlaments, neu besetzt.
In Tschechien werden die Parlamente in den Städten und Gemeinden für vier Jahre gewählt. Oberbürgermeister und Bürgermeister werden nicht direkt gewählt, sondern auf Basis von Koalitionen durch die Gemeindevertretung. Es kann also noch etwas dauern, bis die Namen der Bürgermeister feststehen. Schon jetzt ist klar, dass es in der Bezirksstadt Ústí nad Labem (Aussig) ein neues Oberhaupt geben wird, denn der bisherige Oberbürgermeister Petr Nedvědický (ANO) tritt nicht mehr an. Ob es auch weiterhin ein Bürgermeister von ANO sein wird, ist noch offen. Ein großes Mehrparteienbündnis macht sich Hoffnungen, die Wahl zu gewinnen. Doch Ústí gilt seit jeher als zuverlässige ANO-Bastion.
Schlagzeilen machte im Zusammenhang mit den Wahlen Staatspräsident Petr Pavel, der ursprünglich ankündigte, nicht wählen zu gehen, dies jedoch inzwischen anscheinend wieder geändert hat. Pavel ist in der nordböhmischen Gemeinde Černouček gemeldet. Allerdings lebe er seit 3,5 Jahren in Prag, und in seinem Wahlkreis werde auch kein neuer Senator gewählt. Der Präsident hält sich bis Ende nächster Woche mit Motorradfreunden in Marokko auf. Dass er nicht an den Wahlen teilnehmen kann, sei einem Planungsfehler geschuldet, der ihm leidtue. In Tschechien gibt es für die Kommunalwahl keine Möglichkeit der Briefwahl.
Die meisten Kommentatoren können diese Argumentation allerdings nicht nachvollziehen. Erstens sei es der Präsident, der den Zeitpunkt der Wahlen festlegt, und zweitens sei der Präsident Vorbild. Man könne nicht eine geringe Wahlbeteiligung beklagen und dann selbst nicht wählen gehen. Das Team des Präsidenten wollte Pavel angeblich weiter überzeugen, doch noch zu den Wahlen zurückzukehren, und letzten Meldungen zufolge scheint das Erfolg gehabt zu haben. Liveticker melden, dass er zurückgekehrt sei und heute Nachmittag bereits gewählt habe.
Ghetto-Museum in Theresienstadt wird modernisiert
Noch bis zum 2. November kann das Ghetto-Museum in Terezín (Theresienstadt) besucht werden. Dann legt das Museum eine über zweijährige Umbaupause ein. Zugleich wird die Ausstellung modernen Maßstäben angepasst. 2029 soll das Ghetto-Museum dann wiedereröffnet werden.
Dann wird das Museum durch einen Glasanbau auch ein völlig neues Aussehen erhalten. Aus einem Architekturwettbewerb, an dem sich 22 Teams beteiligten, ging das Atelier SKUPINA unter Führung der Architektin Marcela Steinbachová hervor. Sie lud auch den amerikanischen Architekten Steven Holl zur Mitarbeit ein. Holl ist in dem siegreichen Entwurf Autor des Glasturms, genannt Turm des Lichts, dessen Aussehen und Name sich an der Lebensgeschichte von Petr Ginz orientiert, der während seiner Internierung in Theresienstadt das Gemälde „Mondlandschaft“ schuf.
Neben dem Anbau und der Modernisierung des Museumsgebäudes wird bis 2029 auch die Infrastruktur für Besucher, eine völlig neue Ausstellung sowie die Umgebung des Museums neugestaltet. Bis dahin zieht das Museum in Teilen in die Magdeburger Kaserne.
Im vergangenen Jahr hatte der Gedenkkomplex, der auch das ehemalige Gestapo-Gefängnis in der Kleinen Festung umfasst, 240.000 Besucher.
Von 1940 bis 1945 verschleppten die Nationalsozialisten in das Ghetto 140.000 Menschen, vor allem Juden. 35.000 starben unter den schlechten Haftbedingungen, die meisten anderen wurden in die Vernichtungslager im heutigen Polen deportiert.
Knochenfund am Ort des Massakers
Bauarbeiter haben im tschechischen Postoloprty (Postelberg) menschliche Überreste gefunden. Die Bauarbeiten finden am Ort einer früheren Kaserne statt, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zum Schauplatz eines der größten Massaker in Europa wurde. Bis Srebrenica war es Historikern zufolge sogar das größte Massaker.
Die Kaserne war damals Stab der 1. Division der Tschechoslowakischen Armee, denen sich die Revolutionsgarden anschlossen. Sie hatten die Aufgabe, Postoloprty sowie das nahe Žatec (Saaz) und die Dörfer in der Umgebung von der deutschen Bevölkerung zu säubern. In der Kaserne wurden vor allem Männer versammelt, gefoltert und umgebracht. Quellen sprechen von nachweislich mindestens 763 Toten. Es dürften aber noch mehr sein, teilweise ist sogar von über 2.300 Toten die Rede.
Der Fund ereignete sich an der Stelle, wo sich einmal Schützengräben befanden. In die wurden viele der ohne Prozess Hingerichteten verscharrt, andere in Massengräber in der Umgebung. Anstelle der Kasernen, die 2016 abgerissen wurden, sollen Einfamilienhäuser entstehen.
Rudolfstein bleibt bis Ende Oktober geschlossen
Eine der beliebtesten Aussichten in der Böhmischen Schweiz, der Rudolfův kámen (Rudolfstein), bleibt bis Ende Oktober geschlossen. Der Nationalpark Böhmische Schweiz lässt die kleine Hütte auf dem Gipfel des Felsens sanieren. Auch der untere Teil des Aufstiegs muss erneuert werden. Die Treppen im oberen Teil des Aufstiegs waren schon vor Jahren erneuert worden.
Die beiden anderen beliebten Aussichten im Gebiet der Dittersbacher Felsen (Jetřichovické skály), der Marienfelsen (Mariina skála) und die Wilhelminenwand (Vilemínina stěna), sind weiter begehbar.
Zu viele Tote – Krematorium in Ústí bekommt dritte Anlage
Das Neue Krematorium in Ústí-Střekov (Aussig-Schreckenstein) erhält eine dritte Verbrennungsanlage. Eine entsprechende Ausschreibung veröffentlichte die Stadt. Grund sei die hohe Auslastung. Zu viele Tote, für die eine Feuerbestattung gewählt wurde, sorgten dafür, dass das Krematorium an seine Grenzen stieß. Momentan kann die Nachfrage nur durch einen früheren Arbeitsbeginn bedient werden.
Dabei hatte die Stadt bereits eine der beiden Verbrennungsanlagen erneuert. Das hatte auch den Grund, dass in der Vergangenheit schwergewichtige Tote nicht in Ústí verbrannt werden konnten. Nun wurde die Anlage für Tote bis zu 300 Kilogramm ausgelegt. Durch die neue Anlage soll nicht nur die Kapazität gesteigert, sondern auch die Abwärme besser genutzt werden.
Das Neue Krematorium in Ústí wurde 1986 gebaut. Es dient nicht nur zur Verbrennung der Toten aus der Bezirksstadt, sondern auch aus der weiteren Umgebung bis hin zu Toten aus dem Ausland.
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