Das Leben bleibt eine Baustelle für die Mieter*innen in einer nur halbwegs fertiggestellten Prager Plattenbausiedlung. Zwischen den Häusern müssen sich junge Mütter mit ihren Kinderwagen durch Schlammmassen quälen, und auch in den Wohnungen liegt vieles im Argen: Hier bleibt ein korpulenter Mann wegen einer unbeweglichen Tür stecken, dort kommt kein Wasser aus dem Hahn, dafür aber ein Dialog aus der Nachbarwohnung durchs Rohr. Und aus dem Heizungsraum gibt es kein Entkommen, weil der Türgriff fehlt.
Einen Tag in diesem baulichen Durcheinander schildert Věra Chytilovás Spielfilm anhand der Erlebnisse einer Handvoll Menschen unterschiedlichen Alters, die sich im Chaos eines als „Gartenvorstadt“ konzipierten Dauerprovisoriums zurechtfinden müssen. Věra Chytilová, 2002: „Dabei handelt es sich nicht um eine kritische Reaktion auf das Regime, sondern vielmehr um eine Betrachtung menschlichen Verhaltens.“ Dennoch wurde ihre vergnügliche Gesellschaftssatire zwei Jahre lang zurückgehalten und in der ČSSR erst 1981 aufgeführt.
Věra Chytilová ist eine der wenigen Frauen, die an der berühmten Tschechoslowakischen Neuen Welle in den 1960ern beteiligt waren. Ansonsten werden da vor allem Namen wie Miloš Forman, Ivan Passer, Jaroslav Papoušek oder Jiří Menzel genannt. Berühmt wurde Chytilová durch Sedmikrásky (Tausendschönchen) von 1966.
Dieser Film wird im Rahmen der Reihe "Tschechischer Filmmittwoch" gezeigt, wie immer in Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
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