Die Satire „Panelstory“ von Regisseurin Věra Chytilová wirft einen ebenso humorvollen wie ungeschminkten Blick auf das Leben in einer gigantischen Prager Plattenbausiedlung, die sich Ende der 1970er-Jahre noch mitten im Bau befindet.
Statt des versprochenen sozialistischen Wohnparadieses erwartet die frischgebackenen Bewohner jedoch ein chaotischer Alltag zwischen unfertigen Fassaden, tiefem Baustellenschlamm, defekten Aufzügen, permanentem Baulärm und der Besetzung unfertiger Wohnungen. In diesem urbanen Labyrinth kreuzen sich die Wege unterschiedlichster Charaktere. Die beiden (ganz subjektiv) wichtigsten Helden sind ein kleiner Junge, der aus der Kita abhaut und den ganzen Tag neue Abenteuer erlebt, und ein alter Mann vom Lande, der etwas Menschlichkeit in das anonyme Nebeneinander bringen will. Wir lernen aber noch viele andere Figuren kennen, deren Wege sich im Laufe des Tages mehrfach kreuzen: eine schwangere Studentin, einen eitlen Schauspieler, der die Mutter der Studentin verführt, Bauarbeiter beim Bier, einen Maler, der sich von seiner Kundin erotisch dafür entlohnen lässt, etwas bessere Arbeit abzuliefern, usw.
Věra Chytilová verwebt viele kleine Anekdoten dieser Leute zu einem humorvollen Bild des chaotischen Lebens in einer chaotischen Umgebung. „Dabei handelt es sich nicht um eine kritische Reaktion auf das Regime, sondern vielmehr um eine Betrachtung menschlichen Verhaltens“, sagte sie später. Dennoch wurde ihre vergnügliche Gesellschaftssatire zwei Jahre lang zurückgehalten und in der ČSSR erst 1981 aufgeführt. So manche der Verhaltensweisen der Figuren (naja, eigentlich fast alle) passen sehr schlecht in die heile sozialistische Gesellschaft.
Věra Chytilová ist eine der wenigen Frauen, die an der berühmten Tschechoslowakischen Neuen Welle in den 1960ern beteiligt waren. Ansonsten werden da vor allem Namen wie Miloš Forman, Ivan Passer, Jaroslav Papoušek oder Jiří Menzel genannt. Berühmt wurde Chytilová durch Sedmikrásky (Tausendschönchen) von 1966. Panelstory ist nicht so wild, verweigert sich aber ebenfalls einem klaren Erzählstrang. Der chaotische Eindruck wird durch das wilde springen zwischen Anekdoten und Figuren verstärkt.
Dieser Film wird im Rahmen der Reihe "Tschechischer Filmmittwoch" gezeigt, wie immer in Originalfassung mit deutschen Untertiteln.
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