Willkommen bei der Euroregion Elbe/Labe!
Neuigkeiten
Liebe Tschechienfreunde,
nach den guten Erfahrungen mit dem tschechisch-deutschen Kneipenquiz im November haben wir beschlossen, das Format Pubkvíz jetzt regelmäßig anzubieten. Wir beginnen mit einer Wiederholung der Ausgabe vom November, weil damals viele Interessierte nicht zum Zuge gekommen waren.
Wer sein Wissen über Tschechien und Deutschland spielerisch auf die Probe stellen möchte, ist also herzlich eingeladen zur zweiten Ausgaben unseres Pubkvíz! In gemütlicher Atmosphäre erwarten euch zwei spannende Runden mit Fragen rund um Kultur, Geschichte, Sport, Kulinarik und viele weitere Themen – natürlich sowohl auf Deutsch als auch auf Tschechisch. Ob eingefleischter Quizfan oder neugieriger Neuling: Die besten Chancen habt ihr in gemischten Teams aus vier bis sechs Teilnehmern. Ihr könnt euch als Gruppe vorab anmelden oder euch spontan vor Ort zu Teams zusammenfinden – bei der Teamaufstellung helfen wir euch gerne weiter.
Wichtig ist uns Fairplay: Bitte verzichtet auf Handys oder andere Hilfsmittel – nur so bleibt der Spaß für alle erhalten. Das Quiz dauert etwa zwei Stunden und verspricht jede Menge Unterhaltung, Austausch und überraschende Aha-Momente.
Im Gartenlokal Fortschritt gibt es Küche. Ihr könnt also gleich vor Ort zu Abend essen. Einlass ist ab 17.30 Uhr.
Der Eintritt ist frei, aber aufgrund der begrenzten Platzzahl ist eine Anmeldung erforderlich unter www.elbelabe.eu/0502.
Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit dem Tschechischen Zentrum Berlin und CzechTourism Deutschland statt.
Kommt vorbei und testet euer Wissen – wir freuen uns auf euch!
Eure Euroregion Elbe/Labe
Beim Tschechischen Filmmittwoch am 4. Februar zeigen wir mit »Lásky jedné plavovlásky« (Die Liebe einer Blondine) den zweiten Film des großen Miloš Forman und ein Paradebeispiel der Tschechoslowakischen Neuen Welle, die den Ruhm des tschechischen Kinos in den 1960ern begründete.
Darin wird das Leben der jungen Fabrikarbeiterin Andula (Hana Brejchová) geschildert, die in einer Kleinstadt lebt, in der auf einen Mann 16 Frauen kommen und man nach Feierabend nichts erleben kann. Der örtliche Fabrikdirektor überzeugt deshalb die Armee, dort einen Standort zu eröffnen. Das klappt nur so halb, da statt junger Wehrpflichtiger ältere Reservisten kommen.
Die erste Hälfte des Film wird dominiert vom Tanzabend, bei dem die Soldaten und die Damen aus der Stadt sich kennenlernen sollen. Drei nicht mehr junge Herren haben es auf Andula und ihre Freundinnen abgesehen und versuchen, sie mit Wein von sich zu überzeugen. Andula aber landet stattdessen im Bett des Pianisten Míla (Vladimír Pucholt).
Das unerfahrene Mädchen, dass sich nach Liebe sehnt, glaubt leicht an Versprechungen und Schmeicheleien. Deshalb fährt sie bald darauf zu Míla nach Prag, der noch bei seinen Eltern wohnt, jedoch nicht da ist. Der Abend, der im Wesentlichen die zweite Hälfte des Film bildet, verläuft komplett anders, als sie sich das gedacht hatte. Es wird absurd und unangenehm...
Wie Formans andere beiden tschechischen Langfilme ist auch dieser von einem speziellen Humor geprägt, der gleichzeitig immer eine tragische Komponente enthält. Ein gewisses Fremdschämpotenzial in Bezug auf die Protagonisten, die in keinster Weise verklärt werden, vereint alle drei Filme. Gleichzeitig entwirft Forman ein ungeschminktes Bild der Zeit. Dieser Film gehört unzweifelhaft zu den Hauptwerken der Tschechoslowakischen Neuen Welle und damit natürlich in den Tschechischen Filmmittwoch. Da wir die anderen beiden Filme schon im Programm hatten, ist dies für uns leider der letzte Film von Miloš Forman.
Wir haben wieder zwei Vorstellungen angesetzt, aber die um 20 Uhr ist bereits ausverkauft. Für 18 Uhr sind noch Tickets erhältlich.
Schock nach Gewalttat in Chřibská
Bei einer Schießerei im Rathaus von Chřibská (Kreibitz) im Schluckenauer Zipfel wurden am Montag zwei Menschen getötet und sechs verletzt. Der Täter, laut Polizei ein 39-jähriger rückfälliger Straftäter, wohnhaft in Chřibská, hatte am Vormittag zunächst begonnen, das Rathaus vom Haus gegenüber zu beschießen, war danach mit vier Waffen in das Gebäude eingedrungen und hatte um sich geschossen. Dabei wurden der Bürgermeister Jan Macháč angeschossen und der Hausmeister erschossen sowie noch eine weitere Person verletzt. Als die Polizei eintraf, verletzte der Täter drei Beamte und erschoss sich dann selbst. Eine Mitarbeiterin des Rathauses wurde offenbar durch einen Schuss aus einer Polizeiwaffe angeschossen. Sie und noch die zweite verletzte Person befinden sich noch im Krankenhaus in Ústí nad Labem (Aussig), sind aber nicht in Lebensgefahr. Die anderen Verletzten wurden bereits nach Hause entlassen.
Als Motiv vermutet die Polizei persönliche Probleme des Täters. Einen Terrorakt schloss sie aus. Der Mann war drogenabhängig und handelte mit Drogen. Laut Polizei hatte es der Täter im Rathaus auf eine bestimmte Person abgesehen. Bei ihm in der Wohnung wurden von der Polizei noch zwei weitere Waffen gefunden. Keine der Waffen hielt der Täter auf legale Weise.
Der Schock in dem kleinen Städtchen, das für die einst älteste Glashütte Tschechiens bekannt ist, sitzt tief. Die Familie des erschossenen Hausmeisters erfuhr große Hilfsbereitschaft. Der Bezirk Ústí hat inzwischen ein Spendenkonto eingerichtet und selbst 200.000 Kronen (ca. 8.300 Euro) zur Unterstützung der Familie des Hausmeisters und der Verletzten sowie für alles, was sonst in Chřibská jetzt gebraucht wird, bereitgestellt.
Der Fall zeigt auch das Problem des illegalen Waffenbesitzes in Tschechien. Eine Amnestie soll bis Ende Juni ermöglichen, dass illegale Waffen bei der Polizei abgegeben oder legalisiert werden. Insgesamt steigt auch der legale Waffenbesitz seit Jahren an (wir berichteten in Ausgabe 2/26).
Bahnhofsgebäude Moldava steht wieder zum Verkauf
Das Projekt zum Aufbau eines Eisenbahnmuseums im Bahnhofsgebäude des Dorfes Moldava (Moldau) an der Grenze zu Sachsen ist gescheitert. Der Verein, der den Bahnhof im Herbst 2024 gekauft hat, konnte bis heute den Kaufpreis nicht zahlen. Die Gemeinde Moldava hat das Gebäude deshalb erneut zum Verkauf angeboten. Interessenten können bis Ende Februar ein Angebot einreichen. Es gibt keinen Mindestpreis. Die Höhe des Preises ist auch nicht zwangsläufig das entscheidende Kriterium. Die Gemeindevertretung, die über den Verkauf entscheidet, wird die Entscheidung auch von der künftigen Nutzung abhängig machen.
Dabei sah das Konzept eines Eisenbahnmuseums vielversprechend aus. Doch der Verein, der früher ein entsprechendes Museum mit eigenen Loks und weiteren Schienenfahrzeugen im mittelböhmischen Zdice betrieb, kam seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nach. Nach einer Anzahlung von 5000.000 Kronen kam nichts mehr. Man hatte sich auf einen Kaufpreis von 3 Millionen Kronen (125.000 Euro) geeinigt. "Wir hatten die Zahlungsfrist für die weiteren Raten schon zwei Mal verlängert. So ging das jetzt nicht mehr weiter", kommentierte der Bürgermeister von Moldava, David Leitermann.
Ob die neue Ausschreibung allerdings Erfolg haben wird, ist mehr als unsicher. Schon in der Vergangenheit hatte sich die Gemeinde wiederholt erfolglos um einen Verkauf bemüht. Wer möchte schon ein riesiges Gebäude am Ende einer Bahnstrecke direkt an der Grenze zu Sachsen? Helfen würde, wenn die früher durchgehende Eisenbahnverbindung von Most (Brüx) über Osek (Ossegg) und Dubí (Eichwald) und Moldava weiter nach Holzhau und Rechenberg-Bienenmühle wieder durchgängig bis Freiberg befahren würde. Bemühungen vor allem der Gemeinden an der Bahnstrecke waren allerdings bislang nicht von Erfolg gekrönt. Die deutsche Seite müsste das letzte Teilstück von Holzhau nach Moldava neu bauen.
Der Verein kämpft trotzdem um sein Museumsprojekt und hat eine Spendenaktion gestartet, mit der 1 Million Kronen eingenommen werden soll. Bis jetzt sind schon über 70.000 Kronen eingegangen.
Kofola übernimmt Naturkosmetikhersteller
Die Firma Nobilis Tilia mit Sitz in dem kleinen Dorf Vlčí hora (Wolfsberg) am Rande des Nationalparks Böhmische Schweiz hat sich bei der Herstellung von Naturkosmetik nicht nur in Tschechien einen Namen gemacht. Nun wurde das Unternehmen über 30 Jahre nach Firmengründung an einen neuen Eigentümer verkauft. Der hört auf den klangvollen Namen Kofola, welche auch in Sachsen einigen als tschechische Kola bekannt ist. Der Getränkehersteller Kofola mit Sitz in Ostrava produziert jedoch nicht nur die beliebte Kofola, sondern auch viele weitere Marken. Kofola hat 14 Produktionsbetriebe in fünf Ländern Mittel- und Südeuropas. Zum Portfolio gehören auch die Mineralwasser Rajec und Korunní, die Biersorten Holba, Zubr und Litovel, aber auch der Produzent von Kräutermischungen und Tees Leros. An Leros wird nun auch Nobilis Tilia angegliedert. Kofola wolle so Synergien schaffen und vor allem auf dem Gebiet der Naturkosmetik weiter wachsen.
Nobilis Tilia wurde 1990 von dem Lehrer und Naturwissenschaftler Zbyněk Šedivý gegründet. Dabei ist der Firmenname die lateinische Übersetzung von Krásná Lípa (Schönlinde), der Kleinstadt, auf deren Fluren sich auch Vlčí hora befindet. Seit Mitte der 1990er Jahre war am Unternehmen das Ehepaar Adela und Petr Zrubeckovi beteiligt. Das Trio konzentrierte sich vor allem auf Aromatherapie auf der Basis von ätherischen Ölen sowie Hautpflege. Am Firmensitz wurde nicht nur produziert, sondern in einem Laden auch verkauft. Es entstand eine Teestube, ein Kosmetiksalon sowie ein Kräutergarten. Nach und nach entwickelte sich Nobilis Tilia in dem touristisch geprägten Gebiet zu einem bedeutenden Arbeitgeber.
„Nach 30 Jahren unternehmerischer Tätigkeit haben wir gespürt, dass es an der Zeit ist, das Steuer weiterzugeben. Mit Kofola verbindet uns die gleiche Philosophie, Werte, aber auch die Leidenschaft für Kräuter und Nachhaltigkeit. Wir sehen in der Verbindung Potenzial für Synergien, die Entwicklung neuer Gelegenheiten sowie auch Expansion“, wird Adéla Zrubecká in einer Pressemitteilung zitiert.
Landkarte soll UNESCO-Erbe werden
Die älteste Landkarte Tschechiens ist auf dem besten Weg, Teil des UNESCO-Weltkulturerbes zu werden. Mit der Aufnahme in das Nationale Verzeichnis der Tschechischen Republik hat sie nun einen entscheidenden Schritt zur Nominierung genommen. Gedruckt im Jahr 1518, wird sie gar nicht so weit weg von Sachsen verwahrt, im Staatlichen Gebietsarchiv in Litoměřice (Leitmeritz). Das Archiv kümmert sich um das bedeutende Werk im Auftrag seines Eigentümers, des Bistums Litoměřice.
Die Landkarte mit der ältesten Darstellung Böhmens und Mährens ist das Werk des Lehrers, Arztes und Kartografen Nikolaus Claudianus, auf Tschechisch Mikuláš Klaudián, weshalb sie auch unter dem Namen Klaudián-Karte bekannt ist. Klaudián hatte mit der Karte aufklärerische Absichten. Er gehörte den Böhmischen Brüdern an oder der Unitas Fratrum (Brüder-Unität), wie sie sich selbst nannte. Diese war aus der Hussiten-Bewegung im 15. Jahrhundert hervorgegangen. Klaudián entwarf die Karte selbst, die übrigens für Pilger gedacht und deshalb nach Süden, also Richtung Rom, ausgerichtet war. Drucken ließ er sie 1518 beim Nürnberger Buchdrucker Hieronymus Höltzel.
Fluss Bílina wird aus Rohren befreit
In den 1980er Jahren musste der Fluss Bílina (Biela) in Rohren verschwinden. Grund war der Braunkohletagebau in Nordböhmen. Zwischen Chomutov (Komotau) und Most (Brüx) blieb kein Stein mehr auf dem anderen. Es wurden Städte und Dörfer abgerissen, Eisenbahnlinien und Straßen umgeleitet, Seen und Parks verschwanden. Bis heute wird die Landschaft durch Tagebaue, Kraftwerke, Hochspannungsleitungen und Kohlezüge geprägt. Einziges Verbindungsstück in der Mondlandschaft zwischen den beiden Städten war der Ervenický koridor, benannt nach der Kleinstadt Ervenice (Seestadtl) mit rund 5.000 Einwohnern, die in den 1950er Jahren ebenfalls den Tagebauen weichen musste. Über den Korridor führte fortan die Eisenbahnstrecke, eine vierspurige Straße sowie die Bílina in unterirdischen Rohren.
Das soll sich nun ändern. In diesem Jahr beginnt der Wasserbetrieb Povodí Ohře damit, den Fluss aus den Rohren zu befreien. Die ersten Arbeiten sollen je nach Wetterlage gleich im Frühjahr starten. Auf einer Länge von fast 5 Kilometern wird ein neues Flussbett geschaffen. Die Bílina wird vorübergehend in ein Behelfsbett geleitet. Nach der Fertigstellung sollen dann nach und nach auch wieder Lebewesen in den Fluss einziehen.
Die Bílina galt lange Zeit als der am meisten verschmutzte Fluss Tschechiens. Sie entspringt an der Uppilawiese im Erzgebirge, südlich des 878 Meter hohen Gipfels Kamenná hůrka (Steinhübel), fließt durch die Kleinstadt Jirkov (Görkau) und dann durch das Kohle- und Chemiegebiet im Erzgebirgsvorland, durch die Städte Most und Bílina (Bilin) an weiteren Tagebauen und Kraftwerken vorbei und später bei Ústí nad Labem am Chemiebetrieb Spolchemie vorbei, um nahe des Hauptbahnhofs in die Elbe zu münden.
Dolní Žleb bekommt Feuerwehrhaus
Tschechien verbessert den Hochwasserschutz für das kleine Dolní Žleb (Niedergrund) an der Elbe kurz vor der Grenze mit Sachsen. Dolní Žleb ist ein Ortsteil von Děčín (Tetschen), der bei Hochwasser regelmäßig nicht mehr per Auto, sondern nur noch per Bahn erreichbar ist. Deshalb mussten bisher Feuerwehr und Rettungsdienst bei Hochwasser ihre Technik aus Děčín vorab nach Dolní Žleb verlegen, für den Fall, dass es zum Einsatz kommt. Allerdings geschah dies unter sehr provisorischen Bedingungen. Nun hat das Dorf das passende Gebäude für die Feuerwehr und den Rettungsdienst gefunden. Denn die Stadt Děčín kaufte das alte Feuerwehrgebäude von einem privaten Eigentümer. Das Gebäude will die Feuerwehr aus eigener Kraft herrichten und hier künftig Technik lagern, aber auch einen beheizten Ruheraum, Dusche und Toilette einrichten. Teile der Löschtechnik und ein Fahrzeug sollen langfristig nach Dolní Žleb verlagert werden. Das gleiche gilt auch für den Rettungsdienst.
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Kabinett Babiš gewinnt Vertrauensabstimmung
Die neue tschechische Regierung hat die wichtige Vertrauensabstimmung im Parlament gewonnen. Nach einer zweitägigen Debatte stimmten 108 Abgeordnete der drei Regierungsparteien ANO, SPD und Motoristen der neuen Regierung das Vertrauen aus, 91 waren dagegen. Für einen Erfolg bei der Abstimmung brauchte die Regierung die einfache Mehrheit aller Abgeordneten.
Damit hat die Regierung des Premierministers Andrej Babiš (ANO) die letzte Hürde genommen. Die Mitglieder des Kabinetts waren bereits Mitte Dezember in ihre Ämter eingeführt worden und hatten die Arbeit aufgenommen. Die neue Regierung muss sich innerhalb von 30 Tagen nach ihrer Ernennung einer Vertrauensabstimmung im Parlament stellen.
In einer rekordverdächtig langen Debatte, die sich über zwei Tage hinzog, kritisierten Abgeordnete der Opposition die geplanten hohen Ausgaben der neuen Regierung und damit ein drohendes steigendes Haushaltsdefizit. Ein Thema waren auch die Gerichtsprozesse gegen Andrej Babiš wegen Fördermittelbetrug, die bereits vier Legislaturperioden andauern, sowie wegen verleumderischer Plakatwerbung gegen Parlamentspräsident Tomio Okamura. Beide genießen als Abgeordnete Immunität. Bei den Mehrheitsverhältnissen ist auch nicht zu erwarten, dass die Immunität der beiden aufgehoben wird.
Lösung für massive Zugverspätungen
Anfang Januar kam es erneut zu massiven Zugverspätungen zwischen Prag und Dresden sowie weiter nach Berlin. Grund war wieder ein Abschnitt in Roudnice nad Labem (Raudnitz) unterhalb der Ervin-Špindler-Brücke, die gerade saniert wird (wir berichteten in Ausgabe 46/25). Wegen der Bauarbeiten müssen Lokführer die Stromabnehmer für diese Strecke einzuziehen. Für den gelegentlich auftretenden Fall, dass sie das vergessen, reißen Sicherheitshaken die Stromabnehmer rabiat herunter. Die Folge ist nicht nur eine auf Stunden blockierte Strecke, sondern auch ein hoher Schaden an der Lokomotive, worüber sich vor allem die Transportunternehmen beschwert hatten. Seit Sommer war das bei 18 Zügen passiert.
Als neue Lösung präsentierte die Infrastrukturverwaltung nun eine Isolierung der Umgebung der Oberleitung an der Brücke in Form von Teflonstangen, die schnell installiert und wahrscheinlich günstiger waren, als die vielen zerstörten Stromabnehmer und die Verspätungen im Zugverkehr.
Die Lösung der vergangenen Monate, also jene Sicherheitshaken, welche die Bahninfrastrukturverwaltung so vehement als einzig mögliche verteidigt hatte, sind inzwischen Ziel von Spott und Häme geworden. So gibt es ein Lied über die Sicherheitshaken und ein Computerspiel, bei dem verliert, wer nicht schnell genug den Abnehmer einzieht.
Erstmals seit 60 Jahren: Elbe unter Eis
Zwar sind die Plusgrade inzwischen zurück, doch Anfang der Woche konnte im Elbtal bei Hřensko (Herrnskretschen) und flussaufwärts ein Spektakel beobachtet werden, das es mindestens 60 Jahre nicht mehr gab: Die Elbe war komplett von einem Eispanzer eingeschlossen. Dazu stapelten sich Eisschollen auf. Der Fluss kam fast zum Erliegen.
Verantwortlich für das inzwischen seltene Naturschauspiel war nicht nur die extreme Kälte von bis zu -17 Grad, sondern auch der niedrige Durchfluss. Der befindet sich gerade auf dem Niveau eines trockenen Sommers. Außerdem wurde durch das Kohlekraftwerk in Mělník weniger Wasser entnommen und damit auch weniger zurückgegeben. Das Wasser aus dem Kraftwerk ist dann meist etwas wärmer als vorher.
Dass es dieses Schauspiel schon so lange nicht mehr gab, hat etwas mit dem Bau der Talsperren an der Moldau zu tun, die das Wasser immer etwas wärmer abgeben, als es in die Stauseen hineingeflossen ist. Auch der zunehmende Anschluss von Gemeinden an Kläranlagen sorgt für tendenziell wärmeres Wasser. Da muss also schon einiges zusammenkommen, um für so einen Eispanzer zu sorgen.
Die Wasserstraßenverwaltung zog aus dem Phänomen die Konsequenzen und sperrte bis auf Weiteres die Wasserstraße von der Staatsgrenze mit Deutschland bis zur Staustufe in Střekov (Schreckenstein) in Ústí nad Labem (Aussig). Da noch ein weiterer Abschnitt zwischen Lovosice und Obříství gesperrt wurde, ist de facto die ganze Elbeschifffahrt zwischen Pardubice und Staatsgrenze außer Betrieb.
Erneuter Freispruch im Waldbrandprozess
Der ehemalige Ranger im Nationalpark Böhmische Schweiz Jiří L. wurde vom Bezirksgericht in Ústí nad Labem (Aussig) erneut vom Vorwurf der Brandstiftung des riesigen Waldbrandes im Sommer 2022 freigesprochen. Nach dem ersten Freispruch vor fast einem Jahr war die Staatsanwaltschaft in Revision gegangen. Das Berufungsgericht in Prag ordnete daraufhin eine erneute Verhandlung vor dem Bezirksgericht an. Die endete erneut mit einem Freispruch. Eine Verurteilung nur auf Basis der Aussagen des Angeklagten sei nicht zulässig. Für eine stichhaltige Verurteilung fehlten schlicht die Beweise. Bemängelt wurden auch Verzögerungen bei der Aufnahme von Spuren. Im Malinový důl (Himbeergrund), wo der Brand offenbar gelegt wurde, bewegten sich zu der Zeit eine Vielzahl von Menschen, so das Gericht.
Der verheerende Waldbrand im Sommer 2022 hatte große Teile des Waldes im Nationalpark Böhmische Schweiz zerstört, was heute noch sichtbar ist. Der Brand war im Gebiet am Großen Winterberg auch auf die deutsche Seite übergesprungen. In Mezná (Stimmersdorf) hatte der Brand drei Häuser komplett zerstört. Personen und weitere Häuser kamen wie durch ein Wunder nicht zu Schaden.
Tschechien rüstet ab
Illegaler Waffenbesitz ist auch in Tschechien ein Problem. Die Polizei nutzt ein neues Waffengesetz zur bereits sechsten Amnestie für illegal gehaltene Waffen. Diese können seit dem 1. Januar bis Ende Juni straffrei auf jeder Polizeidienststelle abgegeben oder legalisiert werden. Die Beamten fragen nicht nach dem Herkunft der Waffen, heißt es.
Laut Polizei wurden seit Jahresbeginn bereits über 200 Waffen und mehr als 2.000 Stück Munition abgegeben. Bei der letzten Waffenamnestie 2021 erhielt die Polizei über 3.800 Waffen und 133.000 Stück Munition. Der Waffenbesitz in Tschechien nimmt stetig zu. Im vergangenen Jahr wurden mehr als eine Million Waffen registriert. Die Zahl der Waffenscheine stieg auf über 324.000. In Tschechien leben über 10 Millionen Einwohner.
Wieder Glas aus Chřibská?
In Chřibská (Kreibitz) in der Böhmischen Lausitz befand sich einmal eine der ältesten Glashütten der Welt. Die 1414 begründete Glashütte wurde allerdings 2007 geschlossen. Damals galt sie als die älteste Tschechiens. Nun gibt es Versuche, die Glasproduktion in Form der Glasbläserei in Chřibská wieder heimisch zu machen. Die Produktion läuft zwar nicht am historischen Ort, doch in Zukunft könnte ein Anbau am Pfarrhaus die neue Heimstätte des Glases werden. Der Verein der Freunde der Glashütte Chřibská betreibt die Glasbläserei momentan auf dem Grundstück eines seiner Mitglieder. Es ist Vereinsgründungsmitglied Jaroslav Veselý, der bis 2007 noch im alten Glasbetrieb gearbeitet hatte. Das Interesse auch aus dem Ausland an den handgemachten Glasprodukten sei hoch.
Die Glasbläserei sei nur der erste Schritt. Der Verein braucht dringend Räumlichkeiten. Unterstützung erhält er von der Gemeinde. Für den Anbau an das Pfarrhaus sind allerdings Fördermittel nötig, die Gemeinde selbst hat das Geld nicht. Das zweite große Problem der Glasfreunde ist ihr Alter. Sie brauchen dringend Nachwuchs und hoffen auf Lehrlinge der Glasschulen.
Nordböhmen ist berühmt für seine Glaskunst. Die wichtigsten Zentren befinden sich in Kamenický Šenov (Steinschönau), Nový Bor (Haida) und Železný Brod (Eisenbrod).
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Bischof erinnert an Vertreibung
2026 soll das Jahr der Heilung werden, sagt der Bischof von Litoměřice (Leitmeritz), Stanislav Přibyl. In einem Hirtenbrief rief er zur Versöhnung in der Diözese auf. Diese umfasst den ganzen Bezirk Ústí (Aussig) und große Teile des Bezirks Liberec (Reichenberg) sowie Teile Mittelböhmens. Bischof Přibyl nimmt dabei Bezug auf die am 13. Januar vor 80 Jahren gegründete katholische Ackermann-Gemeinde, die sich von Beginn an um Versöhnung bemüht hat. Am 13. Januar wird auch die erste Versöhnungsmesse in der Diözese stattfinden, und zwar in Filipov (Philippsdorf) an der Grenze zur sächsischen Lausitz, wo an diesem Tag das Heilungswunder der Magdalena Kade geschah. Es sei ihr die Gottesmutter Maria mit den Worten „Von jetzt an heilt’s“ erschienen. Diese Worte begriffen die katholischen vertriebenen Sudetendeutschen 1946 als Hoffnung für die Aussöhnung zwischen Deutschen und Tschechen. Ein zweiter Grund für das Jahr der Versöhnung ist der 80. Jahrestag der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei. Nach der ersten wilden Phase 1945 fand sie vor allem im Jahr 1946 statt.
Außer in Filipov sind weitere Versöhnungsmessen und Gedenkveranstaltungen unter anderem in Terezín (Theresienstadt), Postoloprty (Postelberg), Žatec (Saaz), Ústí nad Labem, Osek (Ossegg), Česká Kamenice (Böhmisch Kamnitz) und Česká Lípa (Böhmisch Leipa) geplant. Dabei handelt es sich um Orte von Verbrechen an Sudetendeutschen, aber auch der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.
2026 ist auch das Jahr, in dem erstmals der Sudetendeutsche Tag in der Tschechischen Republik, in Brno (Brünn) stattfinden wird. Brno, wo 1945 ein Todesmarsch an die Grenze zu Österreich stattfand, hatte bereits vor zehn Jahren ein Jahr der Versöhnung ausgerufen.
Schnee sorgt für Behinderungen und Skispaß
Sturmtief Elli hat heute auch in Tschechien für Behinderungen gesorgt. Betroffen waren vor allem große Teile Süd- und Nordböhmens sowie von Mittelböhmen einschließlich der Hauptstadt Prag. Aufgrund des starken Schneefalls konnten die Straßen nicht rechtzeitig geräumt werden, weshalb es in den Städten zu teils starken Verspätungen im öffentlichen Nahverkehr kam. Auch Züge und der Regionalverkehr waren betroffen. Auf der Autobahn Prag-Dresden kam es auf tschechischer Seite zu Staus. Größere Unfälle blieben aber zunächst aus.
Dafür bedeutet der Schneesegen, dass sich die Öffnung von Skigebieten beschleunigt. Bereits am Freitagabend geht das gesamte Skigebiet in Klíny in Betrieb. Das heißt, dass nun auch der Vierersessellift fahren wird und nicht nur der Schlepplift. In Telnice und Český Jiřetín steht der Start auf den großen Skipisten wie Macháček und Piste 1 am Samstag an. In Telnice wird zugleich auch der Vierersessellift in Betrieb genommen. Am Bouřňák (Stürmer) bei Mikulov war noch unsicher, ob der wichtige Slalomhang am Samstag in Betrieb geht.
Auch für Langläufer herrschen gute Bedingungen. Die Loipen im böhmischen Erzgebirge werden dank guter Schneebedingungen regelmäßig gespurt. Den aktuellen Zustand der Loipen kann man in der Winterkarte von mapy.com verfolgen.
Neues Besucherzentrum in der Böhmischen Schweiz geplant
Der Nationalpark Böhmische Schweiz plant die Einrichtung eines neuen Besucherzentrums in Mezní Louka (Rainwiese). Dafür soll ein Gebäude genutzt werden, das sich im Besitz des Nationalparks befindet. Gemeinsam mit einer Erweiterung des nahen Erlebnisareals Luchsweg soll es bis 2028 fertig werden. Die Kosten belaufen sich auf umgerechnet 5,5 Millionen Euro. In dem neuen Zentrum soll eine Ausstellung entstehen, die sich mit der Natur im Nationalpark befasst, aber auch mit der Erholung des Waldes nach dem großen Waldbrand im Sommer 2022. Außerdem plant der Nationalpark einen Weg abseits der Straße zwischen Mezní Louka und Mezná (Stimmersdorf). Zudem soll die Sanierung des Wanderwegs von Tři prameny (Drei Quellen) zum Prebischtor (Pravčická brána) vorbereitet werden. Für eine sichere Wiedereröffnung des seit Sommer 2022 gesperrten Gabrielensteigs soll eine Studie angefertigt werden. Ein Datum zur Wiedereröffnung des beliebten Wanderwegs wurde nicht genannt.
Abgesagte Feuerwerke und zahnloses Pyroverbot
Der Abschied vom alten Jahr 2025 war in Tschechien der erste nach den umfassenden Einschränkungen für den Gebrauch von Pyrotechnik, den ein Gesetz seit Anfang Dezember 2025 regelt. Wie Medien berichten, war es zu Silvester in Nordböhmen zwar relativ ruhig. Auch die Zahl der Einsätze des Rettungsdienstes war auf Vorjahresniveau. Dafür erwies sich das Pyroverbot als ziemlich zahnlos. Seit letztem Jahr gibt es teils großflächige Zonen, in denen der Gebrauch von Pyrotechnik verboten ist, z.B. in der Nähe von Krankenhäusern, Tierheimen oder Zoos. Ausnahme sind nur Böller der Klasse F1, also Wunderkerzen und weitere Kinderböller.
Doch der Reporter der Tageszeitung Děčínský děník erlebte, wie auf dem Masaryk-Platz in Děčín (Tetschen) Raketen gezündet wurden, ohne dass die Polizei einschritt oder jemanden bestrafte. Im ganzen Bezirk Ústí (Aussig) kam es gerade einmal zu 46 Anzeigen im Zusammenhang mit dem Gebrauch von Pyrotechnik. Davon werden 17 Fälle als Ordnungsstrafen verfolgt, hieß es bei der Polizei. In Děčín aber, wo der unerlaubte Gebrauch beobachtet wurde, kam es zu gar keiner Ordnungsstrafe. Auch in Ústí nad Labem gab es keine einzige Anzeige, obwohl es auch dort mit privatem Feuerwerk zur Sache ging. Die Polizei entschuldigte das so, dass sie schon genug damit zu tun habe, auf Sicherheit und Ordnung zu achten. Außerdem sei es relativ kompliziert, jemanden des unerlaubten Gebrauchs von Pyrotechnik zu überführen. „Die einzig effektive Maßnahme wäre ein Verkaufsverbot von Pyrotechnik“, meint Marcel Horák, Chef der Stadtpolizei von Děčín. Die neue Situation führe absurderweise zudem dazu, dass Menschen Feuerwerk weit entfernt von Wohnbebauung in der Natur zünden, um sicher zu gehen, dass sie sich nicht in einer Verbotszone befinden.
Mit der Meinung, den Verkauf von Pyrotechnik zu verbieten, ist der Polizeichef nicht allein. Wegen der neuen Gesetzeslage wurden auch viele offizielle Feuerwerke abgesagt. Sie seien unter den neuen Bedingungen nicht durchführbar. Nur an wenigen Orten, wie in Litvínov (Oberleutensdorf) oder Ústí fand das städtische Feuerwerk statt. Aber auch diese Orte erwägen, in einem Jahr anders zu feiern. In Most fiel das traditionelle Feuerwerk auf dem Hausberg Hněvín aus und wurde durch eine Lichtshow und Videomapping auf Hausfassaden ersetzt.
Positiv ist, dass der Rettungsdienst in der Silvesternacht im ganzen Bezirk Ústí nur zu 170 Patienten ausrückte. Die Zahl blieb im Vergleich zum Vorjahr unverändert. Der Anteil der Personen, die sich mit Feuerwerk verletzten, war noch niedriger, unter den Verletzten waren allerdings auch drei Kinder.
Tschechien setzt Munitionsinitiative fort
Tschechien wird weiter Munition für die Ukraine organisieren. Das stellte Premierminister Andrej Babiš nach dem Treffen der Koalition der Willigen in Paris klar. Allerdings werde sich Tschechien nicht mehr finanziell beteiligen. Tschechien organisiert die Munition gemeinsam mit Dänemark und den Niederlanden. Der finanzielle Anteil Tschechiens lag bisher in einem sehr niedrigen Bereich, bei zwei bis drei Prozent. Die wichtigsten Geldgeber sind Deutschland, Kanada und die Niederlande.
Die Parteien ANO und SPD hatten im Wahlkampf vor den Parlamentswahlen im Herbst angekündigt, die Munitionsinitiative aufzugeben. Nun kam es bei ANO zum Meinungswechsel. Die Autofahrerpartei Motoristé war ohnehin für eine Fortsetzung. Die radikale SPD spricht nun von einem Kompromiss, bei dem die Hauptsache sei, dass dafür kein tschechisches Geld mehr ausgegeben werde. Außenminister Petr Macinka sagte, ein Abbruch der Initiative wäre ein großes Problem vor allem für Tschechien gewesen. Die Initiative, die unter der Vorgängerregierung und mit großer Mithilfe von Präsident Petr Pavel gestartet wurde, hätte dem Land zu gewaltigem Prestige verholfen.
Präsident Pavel lehnt Turek als Umweltminister weiter ab
Der tschechische Staatspräsident Petr Pavel hat bekräftigt, Filip Turek (Motoristen) nicht zum Umweltminister ernennen zu wollen. Das sagte er zum traditionellen Neujahrsessen mit Premierminister Andrej Babiš. Babiš hatte zuvor angekündigt, sich für eine Ernennung von Turek einzusetzen. Dieser habe eine zweite Chance verdient. Pavel begründet seine Ablehnung damit, dass Turek wiederholt einen Mangel an Respekt gegenüber dem Rechtsstaat zum Ausdruck gebracht habe. Turek hatte sich in der Vergangenheit wiederholt xenophob und diskriminierend gegenüber Minderheiten geäußert.
Die Motoristen halten aber auch nach der Ablehnung durch Pavel an Filip Turek als Umweltminister fest. Eine Kompetenzklage beim Verfassungsgericht gegen den Staatspräsidenten planen sie allerdings nicht. Motoristen-Chef und Außenminister Petr Macinka reiste indessen zum Antrittsbesuch nach Kiew zu einem Treffen mit seinem Amtskollegen Andrij Sybiha. Begleitet wurde er übrigens von Filip Turek, der stellvertretender Vorsitzender im Außenausschuss des tschechischen Parlaments ist.
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