Derweil in Tschechien... 27/26
10.07.2026
Tschechien erneuert Gräber bedeutender Deutscher
Das tschechische Ministerium für regionale Entwicklung finanziert die Restaurierung von Grabanlagen sowie Denkmälern bedeutender Deutscher. Rund 9,5 Millionen Kronen (ca. 390.000 Euro) verteilt das Ministerium an 55 Projekte. Gefördert wird bis zu 70 Prozent der Gesamtkosten. Dabei geht es um Objekte in sieben Bezirken Tschechiens, vor allem im Grenzgebiet. So fördert das Ministerium zum Beispiel die Erneuerung des Grabes von Franz Tschinkel in Lovosice (Lobositz) mit 150.000 Kronen (rund 6.250 Euro). Franz Tschinkel gründete gemeinsam mit seinen Brüdern und seinem Vater 1856 in Lovosice eine Fabrik zur Herstellung von Kaffeeersatz aus Zichorie. Die Fabrik entwickelte sich zu einem Unternehmen, das seit 1938 den Namen „Deli“ trug und aus der heute bekannte Marken wie Deli (Riegel), Tatranka (Waffeln) oder Esíčka (Kekse) hervorgingen. Mittlerweile gehört die Firma zum Konzern Mondelēz International.
Unterstützt wird auch die Sanierung des Grabes der Familie Brettschneider in Děčín (Tetschen) mit 56.975 Kronen. Rudolf Brettschneider war Eigentümer der hiesigen Druckerei.
Die Förderung durch das Ministerium basiert auf Vereinbarungen im Deutsch-Tschechoslowakischen Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit aus dem Jahr 1992.
Gericht bestätigt Auslieferung von Rechtsextremistin Liebich
Tschechien liefert die Rechtsextremistin Marla Svenja Liebich an Deutschland aus. Das bestätigte das Oberste Gericht in Prag. Damit ist das zuvor vom Bezirksgericht in Plzeň (Pilsen) gefällte Urteil rechtskräftig. Liebich war in Berufung gegangen, um seine Auslieferung zu verhindern. Sie war im April in Aš aufgrund eines internationalen Haftbefehls festgenommen worden. Den hatte die Staatsanwaltschaft in Halle/Saale ausgestellt. Liebich war bereits 2023 – damals noch als Mann mit dem Vornamen Sven – zu einer 1,5-jährigen Haftstrafe wegen Volksverhetzung, übler Nachrede und Beleidigung verurteilt worden, entzog sich der Haft allerdings durch ihre Ausreise nach Tschechien.
Amnestie bringt 6.000 Waffen ein
Es war eine der erfolgreichsten Waffenamnestien in der tschechischen Geschichte. Seit Jahresbeginn bis Ende Juni konnten in Tschechien straffrei nicht angemeldete Waffen legalisiert werden. Davon machten mehr Menschen Gebrauch als bei ähnlichen Amnestien. Insgesamt wurden nicht nur 5.918 Waffen abgegeben, sondern auch 213.000 Stück Munition und 64 Kilogramm Sprengsätze.
Häufig handelte es sich aber auch um historische und damit teils sehr wertvolle Waffen, zum Beispiel ein britisches Maschinengewehr vom Typ Sten MK II. Mit so einer Waffe war 1942 das Attentat auf den brutalen nationalsozialistischen Vize-Reichsprotektor Reinhard Heydrich verübt worden. Im Bezirk Ústí fand sich unter den abgegeben Waffen ein deutsches Maschinengewehr Vollmer-Erma EMP mit 9 mm Luger-Projektil, das heute rund 24.000 Kronen wert wäre (ca. 1.000 Euro).
Die Waffen werden erfasst und einer ballistischen Prüfung unterzogen, um sicherzugehen, dass damit in der Vergangenheit keine Straftaten verübt worden. Wenn der Eigentümer der Waffe alle gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt, erhält er bei Interesse und nach Registrierung die Waffe zurück. Die übrigen Waffen kommen in den Sammelbestand des Polizeimuseums oder des Kriminalistischen Instituts. Waffen, für die kein Interesse besteht, werden vernichtet.
Fluss Bílina wird aus Rohren befreit
Der Fluss Bílina (Biela) wird in den kommenden Jahren wieder in einem natürlichen Flussbett fließen. Nach 40 Jahren soll er aus Rohren befreit und wieder sichtbar werden. In die Rohre war er auf drei Kilometern Länge zwischen den Städten Chomutov (Komotau) und Most (Brüx) verschwunden, um einen sicheren Braunkohlebergbau zu gewährleisten. Dafür wurde der Fluss in vier große Rohrleitungen gepresst. Das Gebiet diente für den Bergbau als Halde und es drohte ein Wasserdurchbruch in den Tagebau, wenn man den Fluss an der Oberfläche belässt. In dem Gebiet wurden wegen der Braunkohle auch viele Gemeinden abgerissen, darunter die Kleinstadt Ervěnice (Seestadtl), die einmal über 5.000 Einwohner hatte.
Da die Bílina künftig wieder naturnah fließen soll, verlängert sich ihr Flusslauf wegen der Mäander auf insgesamt 4,7 Kilometer. Nach und nach sollen auch Lebewesen wie Pflanzen und Tiere in den Fluss zurückkehren und er soll später zum Anglerparadies werden.
Die Bílina galt einst als der am schwersten verschmutzte Fluss in Tschechien. Er entspringt im Erzgebirge als klarer Gebirgsbach, durchfließt später nicht nur das Kohlegebiet, sondern auch an vielen Chemiefabriken vorbei und mündet in Ústí nad Labem (Aussig) in die Elbe.
Neuer Weg sakraler Denkmäler in Šluknov
In der Kleinstadt Šluknov (Schluckenau) kann man neuerdings auf einem Lehrpfad eine Vielzahl von sakralen Denkmälern erwandern. Die elf Kilometer lange Strecke verbindet insgesamt 18 Denkmäler wie Kreuze, Kapellen und Kreuzwege. Von denen gibt es allein auf den Fluren von Šluknov drei. Der ohnehin an sakralen Denkmälern reiche Schluckenauer Zipfel zeigt sich in der namensgebenden Stadt der Region besonders ausgestattet. Der Kreuzweg nahe dem Stadtzentrum ist zugleich der älteste im Zipfel. Die vielen Denkmäler verweisen auf die Zeit vor 1945. Spätestens seit der Rekatholisierung war der Zipfel zu einer der gläubigsten Regionen in ganz Böhmen und Mähren geworden. Martin Chroust, Leiter der Abteilung für Entwicklung und Umwelt bei der Stadt Šluknov, erklärt das mit der Nähe von Sachsen, das seit der Reformation protestantisch war und an dem die Rekatholisierung vorbeiging. „Die überwiegend deutschen Einwohner des Zipfels waren von ebenfalls Deutschen umgeben, allerdings protestantischen Glaubens. Mit den Kreuzen und Statuen wollten sie ihnen ihre katholische Ergebenheit demonstrativ zeigen“, erklärt Chroust. Mit dem neuen, gelb markierten Weg wurden zugleich an fünf Denkmälern erstmals Informationstafeln angebracht.
Bereits im letzten Jahr wurden in und um Šluknov vier Rundwege markiert. Sie widmen sich den Themen „Architektur“, „Steinbrüche“, „Fukov - Pfad durch das verschwundene Dorf“ und „Großer Aussichtsrundweg“.
Kirche in UNESCO-Altstadt bekommt neue Fassade
Die Fassade der spätgotischen Mariä-Himmelfahrtskirche in Krupka (Graupen) wird umfassend saniert. Der Kirchenbau ist eines der wichtigsten Baudenkmäler von Krupka und befindet sich mitten in der von der UNESCO geschützten Altstadt. Diese ist Teil der UNESCO-Montanregion.
Die Sanierung erfolgt nicht durch die Kirche, sondern die Stadt, der der Bau seit 2016 gehört. Seitdem wurde bereits eine komplette Sanierung des Inneren der Kirche durchgeführt. Die Sanierung der Fassade umfasst auch eine statische Absicherung und die Restaurierung zahlreicher bildhauerischer Elemente. Die Fertigstellung ist für Oktober 2027 vorgesehen. Die Kosten belaufen sich auf fast 20 Millionen Kronen (830.000 Euro). Die Stadt wird bei der Fassadensanierung finanziell vom Bezirk Ústí und dem Kulturministerium unterstützt. Den Großteil von rund 13 Millionen Kronen steuert aber die Stadt bei.