Derweil in Tschechien... 29/26

Škoda trotzt Trend bei Volkswagen – Škoda vs. Škoda – Tschechien für Verletzung von Menschenrechten verurteilt – Veto von Präsident Pavel – Elb-Staustufe könnte ab 2029 gebaut werden – Skulptur in Prag eingestürzt

24.07.2026

Škoda trotzt Trend bei Volkswagen

Der zur Volkswagen-Gruppe gehörende tschechische Autobauer Škoda steigerte im ersten Halbjahr 2026 sowohl Umsatz als auch Gewinn, während Volkswagen in Deutschland Verluste hinnehmen muss und einen massiven Stellenabbau ankündigt. Das geht aus dem heute veröffentlichen Halbjahresfinanzbericht hervor.

Bei Škoda stieg der Umsatz von 15 auf 16 Mrd. Euro und der Gewinn von 1,29 auf 1,37 Mrd. Euro. Zu verdanken sei dies vor allem den elektrischen Modellen Elroq und Enyaq. Insgesamt konnte Škoda mit rund 630.000 Fahrzeugen ca. 8% mehr verkaufen als im Vorjahreszeitraum.

Volkswagen in Deutschland steht aufgrund von Umsatz- und Gewinnrückgängen vor einer größeren Restrukturierung. Škoda Auto hat diesen Monat verlautbart, dass das keine direkten Auswirkungen auf die eigenen Aktivitäten hätte. In Medien wurde jedoch bereits die Befürchtung geäußert, dass die Gewinne von Škoda zum Ausgleich der Verluste von Volkswagen in Deutschland verwendet werden könnten.

Škoda vs. Škoda

Aus historischen Gründen gibt es zwei Unternehmen mit dem Namen Škoda in Tschechien: den bereits erwähnten und bekannteren Autobauer Škoda Auto mit Sitz in Mladá Boleslav und das Unternehmen Škoda Transportation mit Sitz in Plze´n (Pilsen). Letzteres stellt vor allem Schienenfahrzeuge und Busse her. Beide Unternehmen teilen sich bisher das Logo mit dem geflügelten Pfeil, aber nicht mehr lange. Der Sprecher von Škoda Transportation gab diese Woche bekannt, dass dieses Logo ab Juni 2029 nur noch von Škoda Auto verwendet werden wird. Die grundsätzliche Einigung dazu wurde 2022 erzielt, jetzt wurde der Zeitplan bekanntgegeben. So soll im Frühjahr 2028 das neue Logo für Škoda Transportation vorgestellt werden.

Tschechien für Verletzung von Menschenrechten verurteilt

Tschechien wurde kürzlich in zwei Fällen vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte schuldig gesprochen, in denen es beide Male um die Rechte von Roma ging.

Der eine Fall betraf den Tod eines 46jährigen Rom Stanislav Tomáš in Teplice während eines Polizeieinsatzes im Jahr 2021. Dieser hatte unter Drogeneinfluss randaliert. Auf einer Amateurvideoaufnahme ist zu sehen, dass die Polizisten bei der Festnahme mehrere Minuten lang auf dem Nacken des Mannes knieten. Die Generalinspektion der Sicherheitskräfte hatte damals die Ermittlungen mit dem Ergebnis abgeschlossen, dass die Polizisten keine Straftat begangen hätten. Nachdem das tschechische Verfassungsgericht eine Klage in dieser Sache 2023 abgewiesen hatte, hatten Anwälte des Europäischen Zentrums für Roma-Rechte (ERRC) und des Forums für Menschenrechte (FORUM) Klage beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eingereicht.

Das Urteil nach zwei Jahren lautet nun, dass die Polizeibeamten eine schutzbedürftige Person in einer potenziell lebensgefährlichen Position festhielten, ohne ihren Gesundheitszustand ordnungsgemäß zu überwachen oder schnell genug zu reagieren, nachdem sie das Bewusstsein verloren hatte. Die Behörden hätten weder einen angemessenen Rechtsrahmen für die Anwendung der Bauchlage geschaffen noch eine angemessene Schulung der Polizeibeamten sichergestellt. Damit habe die Polizei das Recht auf Leben verletzt.

Der zweite Fall betrifft einen Angriff auf Roma durch Fußball-Hooligans im Jahr 2021 in Sokolov. Der Europäische Gerichtshof stellte fest, dass die Ermittlungen unzureichend und unangemessen waren und die tschechischen Behörden ein mögliches rassistisches Motiv ausgeschlossen hatten. Der Fall wird nun vom Justizministerium bearbeitet.

Veto von Präsident Pavel

Präsident Pavel im Video

Der seit Monaten schwelende Konflikt zwischen der Regierung Babiš und Präsident Pavel erhält neue Nahrung. Am Mittwoch hat der Präsident sein Veto gegen ein Gesetz eingelegt, welches der Regierung umfassende Befugnisse zur Aufnahme neuer Schulden gegeben hätte. Der Präsident kritisiert dieses in mehreren Punkten als zu weitgehend und wird in dieser Einschätzung von diversen Experten unterstützt. In einem Video erläutert Pavel seine Beweggründe ausführlich.

Das Veto des Präsidenten hat nur aufschiebende Wirkung und kann vom Parlament mit einfacher Mehrheit überstimmt werden. Das wird voraussichtlich am 25. August geschehen, womit das Gesetz nur rund einen Monat verzögert wird. Dennoch kritisieren Vertreter der Regierungsparteien den Präsidenten überaus harsch und werfen ihm Machtmissbrauch und Demagogie vor. Dies passt in die lange Reihe verbaler Angriffe auf den Präsidenten in den letzten Monaten, vor allem im Streit um dessen Teilnahme am NATO-Gipfel in Ankara. In diesem Zusammenhang greifen die Regierungsparteien auch gleich noch das Verfassungsgericht an, welches dem Präsidenten vorläufig Recht gegeben hatte. Eine solche Diskreditierung anderer Verfassungsorgane ist kein gutes Zeichen in einer Demokratie.

Elb-Staustufe könnte ab 2029 gebaut werden

Wie die tschechische Wasserstraßenverwaltung ŘVC kürzlich mitteilte, könnte der Bau der Staustufe bei Děčín Anfang 2029 beginnen, wenn die Genehmigungsverfahren gemäß dem vorgesehenen Zeitplan fortgesetzt würden. Die Inbetriebnahme könnte dann im Jahr 2033 erfolgen. Die Staustufe solle die Schiffbarkeit der Elbe auf tschechischer Seite verbessern und gleichzeitig ein Wasserkraftwerk beinhalten, welches einen Großteil der Haushalte in Děčín mit Strom versorgen könne.

Die Schifffahrtsbedingungen auf der Elbe sind laut ŘVC derzeit äußerst unvorhersehbar, da während des größten Teils des Jahres kein ausreichender Tiefgang gewährleistet sei, was eine langfristige Planung des Schiffsverkehrs unmöglich mache und zu einer Verlagerung des Transports auf Straße und Schiene führe. Ein Vertreter der Binnenschiffer erklärte, dass es im März dieses Jahres gelungen sei, mehrere übergroße Sendungen zu befördern, wobei einige Stückgüter fast zwei Jahre lang auf ihren Transport gewartet hätten. Seit Ende März wäre es aber wieder problematisch.

Umweltschützer protestieren seit Langem gegen den Bau der Staustufe. Laut ŘVC verfüge man jedoch über Fachstudien und Analysen, die belegen, dass die notwendigen Ausgleichsmaßnahmen technisch machbar wären. Neben einer Fischtreppe seien darunter auch Maßnahmen zur Schaffung und Erhaltung natürlicher Lebensräume in der Umgebung des Flusses.

Ein wichtiger Streitpunkt in der ganzen Sache ist, ob sich die hohen Investitionen und die Umwelteingriffe lohnen, wenn die Schiffbarkeit der Elbe auf deutscher Seite ohnehin oft nicht gegeben ist. Die Staustufe würde nur die Schiffbarkeit auf tschechischer Seite um ein paar Kilometer verlängern, könnte jedoch die von der ŘVC als Begründung angeführte Verbindung tschechischer Binnenhäfen mit internationalen Häfen nicht gewährleisten.

Skulptur in Prag eingestürzt

Wie der Dresdner Carolabrücke erging es letzten Freitag der Beton-Skulptur „Rovnováha“ (Gleichgewicht) in Prag neben der Barrandov-Brücke: Sie stürzte unerwartet ein. Die trotz des Namens mangelnde Stabilität der Skulptur war bereits bekannt, weshalb der Bereich darunter abgesperrt war.

Schon am Montag hat der Prager Stadtrat nun beschlossen, das Werk des Bildhauers Josef Klimeš originalgetreu zu rekonstruieren und die dafür notwendigen rund 13 Mio. CZK (ca. 530.000 Euro) bereitzustellen. Dabei soll die gleiche Bauweise wie 1989 angewendet werden.

Sommerpause

Unser Newsletter macht nun zwei Wochen Sommerpause. Die nächste Ausgabe kommt am 14. August. Bis dahin wünschen wir eine schöne Sommerzeit.

 


 

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