Derweil in Tschechien... 37/26
02.10.2026
Prager Industriepalast wiedereröffnet
Prag hat eine bedeutende architektonische Perle zurück. Der Industriepalast auf dem Ausstellungsgelände im Stadtteil Bubeneč wurde nach einer aufwändigen Sanierung wiedereröffnet.
Ein Brand hatte am 16. Oktober 2008 den linken Flügel des Palastes zerstört. Erst Anfang 2022 begann der Wiederaufbau. Zugleich wurden der Mittelteil und der rechte Flügel saniert. Da es keine Vorlage für den linken Flügel gab, diente der Ostflügel als Vorbild, da er deckungsgleich in den genau gleichen Proportionen wie der Westflügel gebaut war. Das Gebäude zieht durch seine verglaste Fassade im Mittelteil und den Uhrturm mit Wendeltreppe und vier Ecktürmen die Blicke auf sich. Als der Palast 1891 aus Anlass der Jubiläumslandesausstellung nach Plänen von Bedřich Münzberger gebaut wurde, war es die erste Stahlkonstruktion in den Ländern der böhmischen Krone. Die damals gewagte Mischung aus Stahl und Glas war von der Weltausstellung 1889 in Paris beeinflusst.
Beim Wiederaufbau wurde der linke Flügel komplett unterkellert, wo Versorgungsleitungen und Anlagen untergebracht werden konnten, um den gesamten Bau für die Anforderungen an Brandschutz, Sicherheit und Stand der Technik zu ertüchtigen.
Der Industriepalast ist Teil des Messegeländes. Für die ersten Wochen bietet der Betreiber, die städtische Messegesellschaft, kommentierte Führungen an. Öffentlich zu besichtigen ist der Palast nur im Rahmen dieser Führungen. Sonst dient er wie vor dem Brand Messen, Kongressen, Firmenveranstaltungen oder auch Bällen.
Tschechien spendiert Tankrabatt
Seit Donnerstag gilt in Tschechien auf die Kraftstoffpreise an den Tankstellen ein staatlich gestützter Rabattpreis. Er setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen. Das tschechische Finanzministerium legt für jeden Tag einen maximalen Höchstpreis für Diesel und Benzin fest, der sich aus den Großhandelsindizes führender Handelsfirmen und den Börsenwerten der Plattform Platts ergibt. Dazu rechnet sie eine von ihr festgelegte maximale Einzelhandelsmarge von 2,50 Kronen je Liter (10,4 Cent) und die Umsatzsteuer. Für den 2. Oktober wurden für Benzin 45,92 Kronen (1,91 Euro) und Diesel 48,58 Kronen (2,02 Euro) festgelegt. Am 1. Geltungstag hatten die Preise in Reaktion auf die behördliche Preisdeckelung nachgegeben, allerdings bei Diesel stärker als bei Benzin. Belief sich der Unterschied bei den Dieselpreisen im Schnitt auf 13 bis 17 Cent, lag er bei Benzin nur bei 3 bis 8 Cent. Am stärksten sanken die Preise an Autobahntankstellen.
Der größere Nachlass auf Diesel hat auch mit einer weiteren Regierungsmaßnahme zu tun, die die Verbrauchssteuer auf Diesel von 9,95 Kronen je Liter auf 8,011 senkt.
Die Tankstellen hielten sich auch am 2. Oktober bei Benzin näher am Höchstpreis, während er bei Diesel stärker unterschritten wurde. So verkaufte die Tankstelle Prim in Děčín nahe Hauptbahnhof Benzin für 45,90 Kronen je Liter, also de facto zum Höchstpreis, und Diesel für 47,90 Kronen. Die Höchstpreise beziehen sich nur auf Kraftstoffe außerhalb des Premiumsegments. Die tägliche Festlegung gilt vorerst bis Ende Oktober. Die Regierung hatte auf diese Weise bereits im Frühling und im Sommer die Preise gedeckelt.
Die Regierung plant auch eine außerordentliche Besteuerung von Raffinerien rückwirkend für das vergangene sowie für dieses Jahr.
Gericht rehabilitiert Kardinal Trochta
Das Kreisgericht in Litoměřice (Leitmeritz) hat den früheren Kardinal Štěpán Trochta rehabilitiert. Dabei ging es um drei Jahre von 1950 bis 1953, als der damalige Bischof von Litoměřice von der Staatssicherheit StB in der Bischofsresidenz im Hausarrest festgehalten und im wahrsten Sinne des Wortes rund um die Uhr überwacht wurde. Die Überwachung ereignete sich sogar, wenn der Bischof schlief, heißt es.
Das Gericht beschloss die Rehabilitierung des Geistlichen auf der Basis von umfangreichen Materialien aus dem Amt für Dokumentation und Erforschung der Verbrechen des Kommunismus. Die Staatssicherheit habe intensiv und lange in die Menschenrechte eingegriffen, heißt es. Trochta war in der dreijährigen Zeit des Hausarrestes ständig von Personen umgeben, die jede auf ihre Weise Anweisungen zur Kontrolle des Bischofs hatte. „Das muss stressig und erschöpfend gewesen sein“, kommentierte der Staatsanwalt Jan Jakubec.
Der Hausarrest fiel in die Zeit der schlimmsten Verfolgungen durch das kommunistische Regime, das 1948 in der Tschechoslowakei gewaltsam die Macht übernommen hatte. Am 16. Januar 1953 wurde Trochta in seinem Hausarrest festgenommen und ins Gefängnis gebracht und infolge dessen zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. 1960 kam er durch eine Amnestie frei und wurde 1968 für seine Gefängniszeit rehabilitiert. Er durfte wieder sein Bischofsamt ausüben. Papst Paul VI. Ernannte ihn 1969 zum Kardinal. Doch nach der Niederschlagung des Prager Frühlings wurde der Druck wieder stärker. Am 6. April 1974 starb Trochta nach langen Polizeiverhören und Schikanen in Litoměřice.
Sessellift zum Mückentürmchen kommt auf Briefmarke
Dem Sessellift zum Komáří vížka (Mückentürmchen) wird die Ehre einer eigenen Briefmarke zuteil. Sie erscheint ab 14. Oktober in einer Auflage von 300.000 Stück und entspricht dem Markenwert „B“, der aktuell 31 Kronen kostet. Auf der Briefmarke, die von dem Künstler Milan Bauer gestaltet wurde, geht der Blick über einen Zweisitzer auf Sessellift und Berghotel auf dem Gipfel. Die Briefmarke erscheint aus Anlass der großen Sanierung der Seilbahn in den vergangenen Jahren. Die Tschechische Post bringt die Marke in ihrer Reihe "Technische Denkmäler" heraus. Für Sammler sicher interessant ist auch das Markenheft in einer Auflage von 10.000 Stück, wo unter anderem auch die Talstation mit dem Antriebsrad zu sehen ist.
Der Sessellift ist der längste seiner Art ohne Zwischenstation in Mitteleuropa. Er führt von Bohosudov (Mariaschein), dem Stadtteil von Krupka (Graupen) auf den Gipfel des Mückentürmchens und ist 2.348 Meter lang. Seit seiner Inbetriebnahme im Mai 1952 ist seine Technologie unverändert. Im Jahr 2013 wurde er zum kulturellen Denkmal der Tschechischen Republik erklärt.
Protest gegen Krankenhauskürzung in Rumburk
Hunderte Menschen haben am Donnerstag gegen die Schließung der Kinderabteilung im Krankenhaus Rumburk demonstriert. Außerdem ist in dem Krankenhaus auch die Intensivstation von der Schließung bedroht. Eine Petition gegen die Schließungen unterzeichneten bis Donnerstagabend mehr als 700 Menschen. Von der Schließung wären 10.000 Kinder betroffen. Die nächsten Krankenhäuser mit Kinderabteilung befinden sich in Liberec, Česká Lípa oder Děčín.
Die Teilnehmer der Demonstration beklagten auch einen intransparenten Entscheidungsprozess. Anfang August hatte die Tageszeitung Děčínský deník als erstes von der kommenden Schließung berichtet. Der bezirkliche Krankenhausverbund Krajská zdravotní, zu dem auch das Krankenhaus in Rumburk gehört, bestätigte die Information erst kürzlich bei einem Bürgermeistertreffen.
Wieder Temperaturrekord in Doksany
Der nordböhmische Ort Doksany bei Litoměřice (Leitmeritz) war am Mittwoch der zweitwärmste Ort Tschechiens. Auch in Tschechien hatte der Altweibersommer Einzug gehalten. In Doksany zeigten die Thermometer 26,1 Grad Celsius an. Damit gehörte Doksany zu den zwei Orten in Tschechien, wo die Temperatur auf über 26 Grad stieg. Der Wärmste Ort war Husinec-Řež, bei Prag mit 26,2 Grad Celsius. Weitere acht Wetterstationen überschritten die Temperatur von 25 Grad Celsius.
Doksany hatte bereits während der Hitzephase im Sommer Höchsttemperaturen gemeldet. Zum historischen Temperaturrekord reichten die Daten aber weder in Husinec-Řež, noch in Doksany. Die fielen dafür an drei Orten in Südböhmen, wo die Temperaturen für den jeweiligen Tag einen neuen Rekord darstellten.
Auch in Tschechien bleiben die sommerlichen Temperaturen noch bis mindestens Mitte der nächsten Woche erhalten.
Wenn Sie unseren Wochenrückblick regelmäßig in Ihr Email-Postfach bekommen möchten, melden Sie sich für unseren Newsletter an.