Derweil in Tschechien... 25/26
26.06.2026
Nationalpark meldet höchste Waldbrandstufe
Seit der Nacht vom Mittwoch auf den Donnerstag gilt im Nationalpark Böhmische Schweiz die höchste Warnstufe vor Brandgefahr. Damit reagierte die Verwaltung des Nationalparks auf Daten aus Sensoren, die im Gebiet des Nationalparks angebracht sind. Berücksichtigt werden auch Vorhersagen des Tschechischen Hydrometeorologischen Dienstes.
Für Besucher des Nationalparks bedeutet das einige Einschränkungen. Markierte Wege dürfen nicht verlassen werden und zwischen 22 Uhr und 6 Uhr ist das Betreten des Nationalparkgebiets verboten. Besucher werden an 48 Zugangswegen zum geschützten Gebiet auf die Einschränkungen hingewiesen.
Die höchste Waldbrandstufe bedeutet auch eine erhöhte Bereitschaft der Ranger und anderer Mitarbeiter des Nationalparks. Immer morgens und in den Abendstunden lassen diese Beobachtungsdrohnen mit Wärmebildkameras aufsteigen. Ranger sind mit Notwassersäcken mit 20 Litern Wasser unterwegs und häufiger im Gelände als sonst. Wer gegen die Vorgaben verstößt, muss mit Strafen rechnen. Das gilt umso mehr für Vergehen gegen Regeln, die auch sonst gelten, wie das Verbot zu Zelten, Lagerfeuer anzufachen, das Rauchverbot oder die Nutzung von Kochern.
Bei aller Waldbrandgefahr ist die tschechische Feuerwehr für Einsätze in dem oft unwegsamen Gelände des Nationalparks inzwischen besser ausgestattet. „Quads und Drohnen helfen. Und es hat sich gezeigt, dass in so einem schwierigen Gelände das Löschen mit Hubschraubern am wirkungsvollsten ist“, zitiert die Tageszeitung Děčínský deník Martin Laníček, den Chef der Feuerwehr im Bezirk Ústí.
Verfassungsrichter schicken Präsident zum NATO-Gipfel
Das tschechische Verfassungsgericht hat in einer Eilentscheidung die Teilnahme von Staatspräsident Petr Pavel beim NATO-Gipfel in Ankara in zwei Wochen angeordnet. Die Regierung hat die Teilnahme zu ermöglichen und darf sie in keiner Weise behindern.
Das Gericht ging bei der Entscheidung von den bisherigen Gepflogenheiten aus. Demnach hatte der tschechische Präsident immer an NATO-Gipfeln teilgenommen. Nur einmal im Jahr 2022 musste der damalige tschechische Präsident Miloš Zeman seine Teilnahme wegen Krankheit absagen.
Präsident Pavel hatte am Montag eine Kompetenzklage beim Verfassungsgericht eingereicht, nachdem die Regierung entschieden hatte, dass der Präsident nicht teilnehmen und Premier Andrej Babiš die Delegation führen solle. Dabei geht es nicht nur um seine Teilnahme am Gipfel, sondern um die Verteilung der Kompetenzen unter den höchsten Staatsämtern wie Präsident und Premierminister. Diese Klage ist noch nicht entschieden. Beobachtern zufolge sei damit erst in einigen Monaten zu rechnen, weil es sich um eine grundlegende Frage handelt. Auch sei nicht entschieden, ob das Gericht dem Präsidenten letztendlich in allen Punkten folgt.
Mit der vorläufigen Entscheidung des Verfassungsgerichts ist der monatelange Streit um die Teilnahme des Präsidenten am NATO-Gipfel noch lange nicht beendet. Nun verlagert er sich zu der Frage, wer die Delegation führen soll. Die Regierung hatte dafür Premier Babiš vorgesehen. Rein protokollarisch führt die Delegation allerdings immer das höchste Verfassungsorgan, also der Präsident.
Premier Babiš kündigte an, die „ungewöhnlich schnelle“ Entscheidung zu respektieren, nannte sie aber „völlig absurd“. „Die Außenpolitik sollte auf dem NATO-Gipfel die Regierung verteidigen, die für sie auch laut Verfassung verantwortlich ist. Deshalb denke ich, dass die Entscheidung des Verfassungsgerichts gegen die Interessen der Tschechischen Republik verstößt“, erklärte Babiš auf dem Kurznachrichtendienst „X“. Außenminister Petr Macinka von den Motoristen wiederum warf Pavel einen „Verfassungsputsch“ vor. Macinka wolle das Urteil respektieren, fügte aber hinzu: „Der Präsident hat der Regierung den Krieg erklärt und hetzt die tschechische Gesellschaft auf.“
Proteste gegen Streichung der Rundfunkgebühren
Mitarbeiter von Tschechischem Fernsehen Česká televize (ČT) und Tschechischem Rundfunk Český rozhlas (ČRo) sind am Montag in einen 24-stündigen Warnstreik getreten. Knapp ein Viertel der Beschäftigten beteiligte sich aktiv, die übrigen sicherten den gesetzlichen Versorgungsauftrag ab. Zuschauer und Hörer konnten den Streik an verschiedenen Zeichen erkennen. Nicht nur, dass über ihn auf den Webseiten berichtet wurde. Es kam auch zu Protestminuten, in denen die Bildschirme schwarz bzw. die Radios still blieben. Die Mitarbeiter kamen an diesem Tag in schwarzer Kleidung auf Arbeit und formierten sich kurz vor Mittag zu einer Menschenkette rund um das Rundfunkgebäude im Stadtteil Vinohrady. Weitere Hundert Mitarbeiter des Fernsehens versammelten sich mittags zu einer einstündigen Protestveranstaltung vor dem Fernsehgebäude, bei der auch bekannte Künstler auftraten. Bereits am Sonntag waren mehrere Tausend Menschen einem Aufruf der Organisation Milion chvilek (Millionen Momente) zur Unterstützung öffentlich-rechtlicher Medien gefolgt.
Laut Regierung sollen die Medien nämlich künftig ihren öffentlich-rechtlichen Status verlieren. Die Rundfunkgebühren werden laut Regierungsbeschluss abgeschafft und durch eine Finanzierung aus dem Staatshaushalt ersetzt. Momentan beträgt die Gebühr für das Tschechische Fernsehen 150 Kronen (rund 6,25 Euro) und für Radio 55 Kronen (2,30 Euro) im Monat. Der Regierungsentwurf sieht vor, dass die Öffentlich-Rechtlichen nicht nur anders finanziert werden, sondern auch weniger Geld bekommen. So sollen die Zuwendungen künftig 15 Prozent unter dem jetzigen Niveau liegen, was Einsparungen von 1,4 Milliarden Kronen bedeutet. Das würde laut ČT und ČRo dazu führen, dass 470 bis 700 der 4.250 Beschäftigten entlassen werden müssten. Ein Entwurf des Parlaments wiederum rechnet mit Einsparungen eines höheren dreistelligen Millionen-Kronen-Betrags.
Der Streik wurde von der Mitarbeiterinitiative Veřejnoprávně initiiert. Es wurden weitere Aktionen angekündigt.
Polizei übernimmt ikonische Notenbank-Filiale
Für das ikonische Gebäude der Tschechischen Notenbank ČNB in Ústí nad Labem (Aussig) konnte ein Käufer gefunden werden. Für 43 Millionen Kronen geht es in den Besitz einer anderen staatlichen Institution über, denn hier zieht das Polizeipräsidium ein. Bis Jahresende wird die Notenbank noch Mieterin sein. Dann soll das Gebäude, das sich ganz in der Nähe des Hauptbahnhof und gegenüber dem Einkaufszentrum Forum befindet, saniert werden. Bekannt wurde das 1994 errichtete Gebäude durch das große Pendel an der Fassade.
Bis vor zwei Jahren konnte man hier noch an Schaltern alte Kronenscheine, die sich in Reisetaschen oder irgendwo in den Tiefen des Haushalts fanden, in aktuelle umwandeln. Ende 2024 stellte die Notenbank aus Spargründen jedoch den Betrieb mehrerer Filialen ein, darunter auch in Ústí. Zuerst endet der Schalterbetrieb, Ende dieses Jahres zieht die Bank ganz aus. Die nächste Stelle, wo man von Sachsen aus alte Kronenscheine eintauschen kann, ist nun die Zentrale in Prag. Außerdem gibt es noch die Filialen in Brno, Ostrava und Hradec Králové. Die Schließung der Filialen hängt mit dem Übergang der Notenbank zur digitalen Kommunikation zusammen, heißt es.
Tschechische Filme im Sommerkino Ústí
Nach 13 Jahren sind im Sommerkino von Ústí nad Labem wieder Filme zu sehen. Damit macht das Sommerkino seinem Namen wieder alle Ehre. Lange gab es hier maximal Konzerte und Partys, doch inzwischen erwartet die Besucher wieder ein breites Programm. Dazu gehören Yoga am Morgen und am Abend, Stand-up Comedy, Reisevorträge, Kindertheater, Konzerte und eben neuerdings wieder Filme. Als erster läuft am 5. August der Klassiker „Hoří, má panenko“ (Der Feuerwehrball) von Miloš Forman. Weitere Filme, die zur Aufführung kommen, sind „Brügge sehen ... und sterben?“, „Palm Springs“ oder der tschechische Film „Mimořádná událost“ (Ausnahmesituation), der 2022 bei den Tschechisch-Deutschen Kulturtagen gezeigt wurde. Wer also des Tschechischen mächtig ist und Klassiker in romantischer Sommeratmosphäre erleben will, sollte sich die Chance nicht entgehen lassen. Hat zwar nicht ganz das Flair wie am Elbufer, dafür kann man die großartige Überdachung des Architekten Josef Slíva und des Experten für Stahlkonstruktionen Josef Zeman aus dem Jahr 1954 bewundern.