Derweil in Tschechien... 31/26

Tschechien gedenkt der Niederschlagung des Prager Frühlings – Museen und Galerien einmal im Monat kostenlos – Nördlicher Prager Autobahnring soll ab 2028 gebaut werden – Wie oft geht man in Tschechien in die Pilze – Rekordbeteiligung an Gaston-Schwimmen

21.08.2026

Tschechien gedenkt der Niederschlagung des Prager Frühlings

Prag im August 1968 (© CIA via Flickr)

An vielen Orten Tschechiens wurde am Freitag der gewaltsamen Niederschlagung des Prager Frühlings gedacht. In der Nacht zum 21. August vor 58 Jahren begann die Invasion von Truppen der Sowjetunion, Polens, Ungarns und Bulgariens in die Tschechoslowakei, um den dortigen Versuch einer Reform des Sozialismus zu unterbinden. Dabei starben 58 Menschen. Bis Ende 1968 waren weitere 50 Opfer zu beklagen.

Mit dem Einmarsch endete der sogenannte Prager Frühling unter dem Sekretär der Kommunistischen Partei Alexandr Dubček, der dem Land vor allem in der ersten Hälfte des Jahres 1968 ungeahnte Freiheiten wie Pressefreiheit und Reisefreiheit, aber auch eine Vielfalt an bis heute bedeutenden Filmen und Büchern gebracht hatte. Die Okkupation, die eigentlich nur zeitweise dauern sollte, endete erst nach 1989, als die damalige Tschechoslowakei einen beschleunigten Abzug der sowjetischen Truppen aushandelte.

Am Gedenken beteiligten sich hohe Politiker, aber auch Zehntausende Menschen. In seiner Ansprache vor dem Gebäude des Tschechischen Rundfunks hob Präsident Petr Pavel die herausragende Rolle der Rundfunkjournalisten bei der Information der Bürger über den Verlauf der Invasion hervor. „Der Tschechische Rundfunk und auch das Tschechische Fernsehen spielen auch heute eine gewichtige Rolle im tschechischen medialen Raum nicht nur für die Berichterstattung, sondern auch im Investigativjournalismus, der Bildung, Kultur und Sport“, hob Pavel hervor. Die öffentlich-rechtlichen Medien stehen heute laut Pavel unter politischem Druck, ihre Freiheit und Unabhängigkeit zu begrenzen. Er bezog sich dabei auf die Entscheidung der tschechischen Regierung, die Rundfunkgebühren abzuschaffen und Rundfunk und Fernsehen direkt aus dem Staatshaushalt zu finanzieren. „Sie sind mit uns – seid mit ihnen!“, rief der Präsident in Anspielung auf die Losung der Rundfunkjournalisten von 1968 („Wir sind mit Ihnen, seien Sie mit uns!“) auf. Auch Senatspräsident Miloš Vystrčil von der oppositionellen ODS verband das Gedenken an die Invasion von 1968 mit einer Kritik am neuen Rundfunkgesetz. „Unabhängige Medien und Mut sind die ersten Ziele einer Macht, die normalisieren will“, sagte er.

Beim Gedenken traten auch Regierungspolitiker auf, die Pfiffe über sich ergehen lassen mussten. Premierminister Andrej Babiš ließ sich entschuldigen. Er hatte für einen der wichtigsten Gedenktage in Tschechien eine Reise nach Südböhmen geplant.

Staatliche Museen und Galerien einmal im Monat kostenlos

Glas- und Schmuckmuseum in Jablonec nad Nisou (© Steffen Neumann)

Die staatlichen Galerien und Museen in Tschechien können ab September jeden ersten Sonntag im Monat kostenlos besucht werden. Das teilte der Kulturminister Oto Klempíř mit. Der erste Tag mit freiem Eintritt ist damit der 6. September. Die Neuerung gilt zunächst bis Jahresende. Der Minister strebt allerdings eine dauerhafte Lösung an. Die Liste mit Einrichtungen, die davon betroffen sind, veröffentlichte das Kulturministerium auf seiner Facebook-Seite. Dazu gehören unter anderem fünf Objekte der Nationalgalerie in Prag, vier Objekte der Mährischen Galerie in Brünn (Brno) und zwei Objekte des Kunstmuseums in Olomouc (Olmütz). Freien Eintritt an den ersten Sonntagen des Monats gibt es auch im Staatlichen Glas- und Bijouteriemuseum in Jablonec nad Nisou (Gablonz). „Ziel ist, die Kultur einem möglichst breiten Spektrum an Menschen zugänglich zu machen“, so der Minister.

Die Neuerung knüpft an einen Pilotversuch im Frühjahr an, als jeweils am ersten Sonntag im Monat staatliche Galerien kostenlos geöffnet waren, am zweiten Sonntag die größten staatlichen Museen und am dritten die Regionalmuseen. Daraufhin waren die Besucherzahlen deutlich gestiegen im Vergleich zu anderen Sonntagen. Am 30. August und 27. September werden auch staatliche Schlösser und Burgen kostenlos geöffnet sein. Die Einrichtungen sollen im Gegenzug staatliche Kompensationszahlungen erhalten.

Nördlicher Prager Autobahnring soll ab 2028 gebaut werden

Der Bau des noch fehlenden nördlichen Stücks des Prager Autobahnrings soll in zwei Jahren beginnen. Wie die staatliche Straßen- und Autobahndirektion ŘSD mitteilt, sollen bis Ende des Jahres 2027 bis zu 90 Prozent der nötigen Grundstücke aufgekauft sein. Dann will die Direktion auch die Baugenehmigung beantragen. Der nördliche Teil ist eines der letzten großen Stücke des Rings, an dem noch gar nicht gebaut wird. Dagegen sind die Teile im Westen und Süden schon länger fertig, im Südosten wird das Teilstück zwischen der Autobahn D1 nach Brünn und dem Ort Běchovice gerade gebaut.

Der nördliche Teil hat vor allem für den Anschluss der D8 von Prag nach Dresden Bedeutung. Insbesondere der Weg zum Prager Flughafen würde sich dann signifikant beschleunigen. Allerdings rechnet das Verkehrsministerium mit Widerstand vor allem aus der Bevölkerung. Wann genau dann das nördliche Teilstück fertig wird, lässt sich daher noch nicht sagen.

Wie oft geht man in Tschechien in die Pilze?

Rein nach der Statistik gehen Tschechinnen und Tschechen jedes Jahr 33 mal auf Pilzsuche. Das geht aus Daten des Landwirtschaftsministeriums hervor, welche die Forst- und Holzverarbeitungsfakultät der Tschechischen Landwirtschaftlichen Universität ausgewertet hat. Da es auch in der tschechischen Bevölkerung weniger leidenschaftliche Pilzfreunde gibt und die Statistik auch Kinder umfasst, dürfte die Zahl der jährlichen Pilzunternehmungen deutlich höher liegen. Tschechische Pilzfreunde könnten demnach gut und gerne zweimal die Woche Pilze suchen gehen. Allein im vergangenen Jahr wurden dabei 20 Tonnen Pilze gesammelt.

Doch die Zahl der Pilzgänge ist rückläufig. Die 33 Pilzsuchtage beziehen sich auf das Jahr 2025. 2024 ging statistisch jeder Einwohner noch 44 mal in die Pilze, ein Jahr zuvor sogar 47 mal. Allerdings liegen selbst 33 Pilzgänge deutlich über dem langjährigen Mittel von 24.

Aus den Daten geht hervor, dass 65 Prozent der Menschen wenigstens einmal pro Monat auf Pilzsuche gehen. Weitere 21 Prozent der Befragten gab an, dies wenigstens einmal in der Woche zu tun, 14 Prozent sogar mehrfach pro Woche. Dagegen suchten 25 Prozent der Befragten nur ein bis zwei Mal im Jahr Pilze und fast 10 Prozent ignorieren dieses fast schon nationale Freizeitabenteuer.

Am aktivsten waren die Pilzsucher laut der Statistik in den Bezirken Liberec, Südböhmen und Plzeň.
Die Bedingungen in Tschechien laden zum Pilze sammeln regelrecht ein. Für private Zwecke kann unbegrenzt geerntet werden. Ausnahmen sind geschützte Pflanzen und umzäunte Grundstücke. Allerdings dürfte dieses Jahr aufgrund der Trockenheit vielen der Spaß vergangen sein.

Rekordbeteiligung an Gaston-Schwimmen

Gaston (© Vladimír Motyčka; CC BY-SA 3.0)

Das Elbeschwimmen „Gaston Memorial“ fand in diesem Jahr mit Rekordbeteiligung statt. 120 Teilnehmer legten die Strecke von Ústí nad Labem nach Děčín zurück oder schwammen zumindest einen Teil.

Als fixe Idee eines Kneipenabends begründet, hat das Event mit Start unweit der Staustufe am Schreckenstein eine gewisse Popularität erlangt. 2008 hatte sich im Restaurant „U Gastona“ das Wasserballteam nach dem Training „auf ein Bier“ getroffen. Da kam das Thema auf, wie lange man wohl von Ústí nach Děčín schwimmend braucht. „Einer unserer Wasserballspieler entschloss sich dann, das zu testen, und so begann alles“, sagte Tomáš Česnek, der Organisator des Elbeschwimmens, der Tageszeitung Děčínský deník.

Der Name des Elbeschwimmens ist ein Andenken an den südafrikanischen Seebären Gaston, der von 1991 bis 2002 im Prager Zoo lebte. Berühmt wurde er, als beim Hochwasser im August 2002 der Prager Zoo nahe der Moldau überschwemmt wurde und Gaston sich in die Moldau rettete. Nachdem es nicht gelang, ihn einzufangen, setzte er seinen Weg bis nach Wittenberg fort, wo er zwar von Tierpflegern aus der vollen Elbe geholt werden konnte, aber vor Stress und Erschöpfung starb. Der unter den Besuchern des Prager Zoo beliebte Seebär hatte verfolgt von den Tierpflegern und Zoologen gut 300 Kilometer im Elbe-Hochwasser zurückgelegt.

 


 

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