Derweil in Tschechien... 32/26
28.08.2026
Tschechien baut drei neue Talsperren
Die lange Trockenheit hat auch die Politik in Tschechien wachgerüttelt. Premier Andrej Babiš reaktivierte die Nationale Koalition gegen die Trockenheit, die künftig unter seiner Führung arbeiten wird und sich unter anderem eine Beschleunigung des Neubaus von Talsperren und Stauseen zum Ziel gesetzt hat. Allerdings sind die meisten Schritte zum ersten Talsperrenneubau nach der Samtenen Revolution bereits vor der Reaktivierung der Trockenheitskoalition gegangen worden, so dass die Talsperre in Nové Heřminovy nun kurz vor dem Baubeginn steht. Bis 2033 soll die Talsperre fertig sein und eine Wasserfläche von 130 Hektar haben.
Danach folgen die Talsperren in Vlachovice bei Zlín (156 Hektar) und in Kryry bei Louny (73 Hektar), deren Bau jeweils 2031 und 2035 abgeschlossen werden soll. Weniger konkret sind weitere Talsperren in Senomaty und Šanov an der Grenze der Bezirke Mittelböhmen und Ústí. Auch sie befinden sich im Kryry-Gebiet, langfristig eines der trockensten Gebiete Tschechiens.
Um den Ausbau zu beschleunigen, legt die Regierung bis Oktober ein neues Gesetz für weitere Talsperren vor. In ihrem langfristigen Masterplan rechnet die tschechische Regierung mit 86 Standorten.
Kreis Děčín verliert seinen größten See
In diesen trockenen Zeiten, in denen jeder Wasserspeicher gebraucht wird, ist der größte See im Kreis Děčín verschwunden. Wo bis vor zwei Jahren noch 36 Hektar mit Wasser bedeckt waren, befindet sich im besten Fall nun noch ein Feuchgebiet – fast 400.000 Kubikmeter Wasser einfach weg.
Dabei handelt es sich um den Velký rybník, wörtlich übersetzt Großer Fischteich, der im Deutschen als Bernsdorfer See bekannt ist. Er befindet sich auf den Fluren des Ortes Rybniště (Teichstatt), am nordöstlichen Ende der Gemeinde. Wie der Name bereits vermuten lässt, handelt es sich um eine künstlich angelegt Fläche, die bereits im 16. Jahrhundert erwähnt wurde, damals noch unter dem Namen Pelmensdorffer Teich. Damit erinnerte er an das einstige Pelmennsdorff, das heute Horní Podluží (Obergrund) heißt und Richtung Osten an den Teich grenzte.
Der Hauptgrund, warum die riesige Wasserfläche, die sogar als Naturreservat eingestuft und ein wichtiger Lebensraum für Zugvögel sowie den Seeadler und den Graureiher ist, liegt in dem nicht mehr stabilen Staudamm. Als vor zwei Jahren der Dammbruch drohte, ordnete die Stadtverwaltung von Varnsdorf (Warnsdorf) an, das Wasser abzulassen. Ein Dammbruch hätte katastrophale Folgen für die anliegenden Gemeinden Horní Podluží und Dolní Podluží, aber auch Varnsdorf und die angrenzenden Gemeinden in Sachsen gehabt. Die Wassermassen wären naturgemäß dem Flusslauf der Lausur gefolgt, die in Tschechien als Lužnička als einer von zwei Flüssen im Velký rybník angestaut wurde und in Großschönau in die Mandau mündet.
Allerdings schaffte es der Eigentümer bisher nicht, den Damm zu sanieren. In der Zwischenzeit tat die große Trockenheit ihr Übriges, und von der riesigen Wasserfläche blieb fast nichts mehr übrig. Das ändert sich zwar mit Zunahme der Niederschlagstätigkeit in den kalten Monaten wieder. Allerdings ist zu allem Überfluss auch die Abflusssteuerung kaputt, so dass das Wasser auch nicht auf niedrigerem Niveau zurückgehalten werden kann. Damit der Stausee sich wieder füllen kann, ist die Sanierung des Staudamms entscheidend. Der Eigentümer, bei dem es sich um den Besitzer der Varnsdorfer Firma Velveta handelt, versichert allerdings, dass er sich um eine baldige Sanierung bemühe, schreibt die Tageszeitung Děčínský deník.
Kabeldiebe stoppen Zug von Zittau nach Liberec
Eigentlich müsste der Zug von Liberec nach Zittau jetzt schnell unterwegs sein. Tschechien hatte mit Millionensummen die Strecke von Liberec bis zur tschechisch-polnischen Grenze ausgebaut. Auch auf deutscher Seite ist viel passiert. Und am Ende konnte auch die polnische Seite endlich überzeugt werden, den kleinen Streckenabschnitt ohne Halt durch ihr Land zu sanieren. Auf der ehemaligen Langsamfahrstrecke mit höchstens 30 km/h sind nun bis zu 100 km/h möglich.
Doch nun wird der Zug wieder auf dem kleinen Abschnitt durch Polen ausgebremst. Dort treiben nämlich Kabeldiebe ihr Unwesen. Immer wieder werden Glasfaserkabel entwendet und sorgen so für Ausfälle. Da der Fahrplan nun auf der höheren Geschwindigkeit beruht, summieren sich zudem schnell die Verspätungen.
Bezirkshauptmann Martin Půta hat das Problem nun zur Chefsache gemacht. Půta stammt ja aus Hrádek nad Nisou und verfügt zudem über gute Kontakte nach Polen. Immerhin handelt es sich um die Strecke im Bezirk Liberec mit der zweithöchsten Auslastung. Täglich fahren mit dem Zug im Schnitt 2.500 Fahrgäste.
Der Bezirk wünscht sich eine schnellere Beseitigung von Schäden durch den Streckenverwalter und fordert eine grenzübergreifende polizeiliche Zusammenarbeit. Ziel ist, die Strecke bis zum Beginn des neuen Schuljahrs (am Dienstag, 1.9.) zu stabilisieren.
Šluknov will Plattenbauten zurückkaufen
Der geplante Rückkauf von 400 Wohnungen in der Plattenbausiedlung von Šluknov (Schluckenau) nimmt Formen an. Da die Stadt allein nicht über die nötigen Mittel verfügt, hat sie den Staat und den Bezirk Ústí um Unterstützung gebeten. Da der Staat ursprünglich zugesagte Mittel in Höhe von 200 Millionen Kronen (8,3 Millionen Euro) nicht bereitstellen konnte, wurde entschieden, den EU-Fonds „Gerechte Transformation“ um das Kapitel „Wohnen“ zu erweitern. Die Entscheidung über die Zusage der Mittel steht kurz bevor. Eigentlich ist der Fonds für Gebiete gedacht, wo früher bzw. immer noch Kohle gefördert wurde. Das war in Šluknov nie der Fall. Die klassischen Kohlegebiete befinden sich bei Ústí und weiter westlich. Allerdings wird Nordböhmen allgemein als problematisch angesehen, weshalb sich hier auch eine Vielzahl sogenannter sozial abgehängter Orte befindet.
Nicht nur in Šluknov ist die Hoffnung groß, dass es mit den Fördermittel klappt. Der Bezirksrat von Ústí hat seinerseits bereits einer Summe von 60 Millionen Kronen zugestimmt. Die letzte Entscheidung liegt beim Bezirksparlament. Die Stadt selbst gibt bis zu 30 Millionen Kronen. Ingesamt beläuft sich die Kaufsumme auf 285 Millionen Kronen. Der Kauf soll noch in diesem Jahr über die Bühne gehen.
Das Plattenbaugebiet ist nicht nur sanierungsbedürftig. Es leidet auch unter seiner ungünstigen Einwohnerstruktur. Neben Senioren wohnen hier vor allem Menschen, die auf Sozialhilfe angewiesen sind. Insgesamt leben in der Siedlung 1.500 Menschen, über ein Viertel der ganzen Stadt. Der bisherige Eigentümer wiederum kassiert für die einfachen, teils stark sanierungsbedürftigen Wohnungen eine verhältnismäßig hohe Miete. Da das Wohngeld die Miete bis zu einer gewissen Höhe finanziert, hat der Vermieter sein Geld sicher – ein Geschäftsmodell, das in Tschechien sehr verbreitet ist.
Sobald die Wohnungen zurück in Stadtbesitz sind, will die Stadt mit der Sanierung beginnen. Ein Teil soll auch abgerissen werden. Für die Mieter müssen Zwischenlösungen gefunden werden. Vor allem will die Stadt den Menschen wieder eine Perspektive geben. In Zusammenarbeit mit dem Bezirk Ústí sollen die Probleme der Menschen angegangen werden. Dafür sucht der Bezirk gerade Sozialarbeiter, die ab 1. Oktober in der Siedlung mit den Menschen arbeiten sollen. Insgesamt sind 7,5 Stellen ausgeschrieben.
Beneš-Brücke wird teurer und später fertig
Seit Frühling 2025 wird die Beneš-Brücke in Ústí nad Labem (Aussig) saniert. Das bedeutet erhebliche Verkehrseinschränkungen, ist sie doch eine von nur zwei Straßenbrücken über die Elbe in der Bezirksstadt. Nun wurde bekannt, dass die ursprünglich Ende dieses Jahres geplante Wiedereröffnung nicht mehr zu schaffen ist.
Der Grund dafür waren unvorhergesehene Ereignisse. Das wichtigste waren die Rohre des Baches Střibrnický potok, durch die dieser in der Stadt fließt. Sie befinden sich am Brückenkopf zum Stadtzentrum hin. Bei den Arbeiten wurde festgestellt, dass die Rohre baufällig sind. Da diese der Stadt gehören, musste man sich mit der Stadt über die Sanierung abstimmen. Alles zusammen hat das 100 Tage gekostet. Doch damit nicht genug. Mit den 100 Tagen Verspätung rutscht man nun voll in die kalte Jahreszeit, in der viele Arbeiten nicht möglich sind, wie zum Beispiel das Aufbringen der Asphaltschicht. Je nachdem, wie lange die Frostphase ist, verlängert sich die Zeit bis zur Eröffnung noch einmal um weitere zwei Monate, so dass die Brücke erste Ende Mai 2027 eröffnet werden kann.
Bis dahin müssen die Autofahrer weiter auf die Marienbrücke ausweichen. Fußgänger und Radfahrer können eine provisorische Brücke neben der historischen Beneš-Brücke nutzen.
Nicht nur die Wiederöffnung verschiebt sich, auch die Kosten steigen. Laut Bezirk Ústí schnellten die Kosten um rund 14 Prozent auf 720 Millionen Kronen (30 Millionen Euro) in die Höhe.
Bereits der Baubeginn der Brücke hatte sich so lange verzögert, dass sie zuletzt sogar für schwere Fahrzeuge gesperrt werden musste. Die Busse durften die Brücke nur allein kreuzen. Die Sanierung war überfällig.
Die Dr.-Edvard-Beneš-Brücke wurde 1934 bis 1936 gebaut und war seinerzeit eine der modernsten Stahlkonstruktionen. Mit einer Spannweite zwischen den Pfeilern von 123,6 Metern hielt sie damals den Rekord in der Tschechoslowakei.
Die Schule beginnt!
Während Schülerinnen und Schüler in Sachsen schon wieder seit zwei Wochen in die Schule gehen, können die Kinder in Tschechien immer noch ihre Ferien genießen. Für sie geht es erst nächsten Dienstag wieder los, traditionell am 1. September. Den älteren Ostdeutschen wird das bekannt vorkommen, war das doch früher auch hier der Termin für den Start ins neue Schuljahr. Kein nerviges Hin und Her mit den Ferienterminen. Keine Schule im heißen August oder im mindestens so heißen Juli. OK, dafür auch mal noch Schule, wenn sächsische Kinder im Juni noch dazu in der Vorsaison bereits die Beine in den Strandsand strecken können.
Trotzdem erscheinen die langen großen Ferien vor dem Hintergrund der Temperaturen durchaus vernünftig, zumal auch das schon von Politikern vorgeschlagen wurde. Regelmäßig wird dann gewarnt, dass die Kinder in der langen Zeit alles verlernen, was ihnen beigebracht wurde. Ein Argument so gähnend flach wie das Sommerloch. Was sollen dann die Kinder aus südlichen Ländern sagen?
Doch Vorsicht: Auch in Tschechien entbrennt die Debatte um die langen Sommerferien immer wieder neu. Jedes Jahr stehen die Eltern vor der Aufgabe: Was mache ich mit meinen Kindern, die neun Wochen frei haben, während mein Jahresurlaub gerade mal für etwas mehr als die Hälfte reicht? Da wird schon mal das Homeoffice in den Urlaub verlegt, werden Ferien gern bei Oma und Opa verbracht und sind Ferienlager so schnell ausgebucht wie ein Oasis-Konzert.
Es wundert daher nicht, dass der Schulminister kürzlich auf seinem Account in den sozialen Medien fragte, ob man an dem 101 Jahre alten System der Ferien nicht mal was ändern sollte? Zum Beispiel die großen Ferien besser übers Jahr verteilen. Angesichts der Wehklagen nicht weniger Eltern über die Ferienplanung fielen die Reaktionen überraschend negativ aus: die einen verdächtigten den Minister, er wolle Ferien kürzen, die anderen warfen ihm eine Verlängerung der Ferien vor und alle erklärten ihn für verrückt. Darum stellte der Minister nun in einem Interview klar, dass sich rein gar nichts ändern wird und alles so bleibt wie es immer war. Die großen Ferien bleiben in Tschechien groß und dauern auch in Zukunft vom 1. Juli bis zum 31. August.
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