Derweil in Tschechien... 33/26

Gebeine von Jan Masaryk – Privater Konsum lässt tschechische Wirtschaft wachsen – Dittrich-Mausoleum bekommt Bleiglasfenster zurück – Bei Lovosice startet Produktion von CO2-armem Zement – Ernteausfälle in Nordböhmen – Děčíns Busflotte wird fast komplett elektrisch

04.09.2026

Gebeine von Jan Masaryk exhumiert

Jan Masaryk (© Anonymous)

Fast 80 Jahre nach seinem Tod wurden die sterblichen Überreste des ehemaligen Außenministers Jan Masaryk exhumiert. Dafür wurde das Familiengrab auf dem Friedhof in Lány bei Kladno geöffnet. In dem Ort befindet sich der Sommersitz der tschechischen Präsidenten.

Der Sohn des ersten Präsidenten der Tschechoslowakei Tomáš Garrigue Masaryk starb in der Nacht zum 10. März 1948 infolge eines Sturzes aus seiner Dienstwohnung im Außenministerium in Prag. Sein Leichnam wurde unter dem offenen Fenster des Badezimmers gefunden. Offiziell war von einem Selbstmord die Rede. Wenige Wochen zuvor hatte die Kommunistische Partei in der Tschechoslowakei gewaltsam die Macht übernommen. Jan Masaryk war einer der wenigen verbliebenen unabhängigen Minister in der überwiegend kommunistischen Regierung und hatte auch dank seines Renommees und seiner Beliebtheit in der Bevölkerung einen nicht zu unterschätzenden Einfluss. Insofern konnte den kommunistischen Machthabern der Tod von Masaryk nur recht sein.

Der Exhumierung soll eine Untersuchung mit neuesten polizeilichen Methoden folgen, um die Umstände von Masaryks Tod aufzuklären. Anlass für die Untersuchung sind zudem neue Erkenntnisse und Unterlagen. Dazu gehören unter anderem Übersetzungen von Dokumenten aus diplomatischen Archiven in Frankreich, den USA und Großbritannien.

Privater Konsum lässt tschechische Wirtschaft wachsen

Die tschechische Wirtschaft ist im zweiten Quartal auf Jahresbasis um 1,9 Prozent gewachsen. Im Vergleich zum ersten Quartal stieg die Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent. Unterstützt wurde das Wachstum vor allem durch den privaten Konsum, der auf Jahresbasis um 2,7 Prozent zulegte. Auch der Zuwachs der Bruttoanlageinvestitionen um 7,1 Prozent trug zum guten Ergebnis der tschechischen Wirtschaft bei. Der staatliche Konsum legte um 1 Prozent zu. Die Bruttowertschöpfung erhöhte sich gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal um 1,8 Prozent. Der Anstieg wurde vor allem von der Industrie, dem Handel, dem Verkehr, dem Tourismus und der Informations- und Kommunikationsbranche unterstützt. Die Beschäftigung legte um 1,5 Prozent zu und die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden erhöhte sich um 2,8 Prozent.

Analysten erwarten auch für das Gesamtjahr ein Wachstum knapp unter 2 Prozent. Das sei in dem schwierigen globalen Umfeld ein großer Erfolg. Als Risikofaktoren gelten neben dem Krieg im Nahen Osten auch die schwache deutsche Wirtschaft, mit der die tschechische Wirtschaft stark verbunden ist.
Dass es der tschechischen Wirtschaft dennoch so viel besser geht als der deutschen, liegt am weiter ungebremsten privaten Konsum. Die Realgehälter steigen schon seit einer Weile an, die Inflation kann trotz gestiegener Ölpreise unter Kontrolle gehalten werden. In dieser Situation holten private Haushalte viele Anschaffungen nach, die zu Zeiten galoppierender, deutlich zweistelliger Inflation nicht realisiert worden waren.

Allerdings dürfte sich der Konsum absehbar abschwächen, da private Haushalte vermehrt zum Sparen übergehen wollen.

Dittrich-Mausoleum bekommt Bleiglasfenster zurück

Mosaik im Untergeschoss in gold und blau (© SchiDD; CC BY-SA 4.0)

Das Mausoleum der Industriellenfamilie Dittrich in Krásná Lípa (Schönlinde) am Rande der Böhmischen Schweiz erhält seine Bleiglasfenster zurück. Möglich wird das, weil im Museum von Rumburk (Rumburg) eine Originalskizze aus dem Jahr 1888 gefunden wurde. Daraus gehe hervor, dass die Fenster eine ungewöhnlich reiche Bebilderung hatten, heißt es in einem Bericht des Tschechischen Rundfunks Český rozhlas.

Die Wiederherstellung der Bleiglasfenster wird ein weiterer Schritt bei der Restaurierung der Grablege, die bereits seit Jahren läuft und noch sehr viel Geld kosten wird. In diesem Jahr wurde endlich die Reparatur des Daches abgeschlossen, so dass nun erstmals seit Jahren kein Regenwasser mehr eindringen kann. Erneuert wurde bereits die Metalltür sowie die gesamte Vorderfassade.

Eigentümerin der Grablege ist die Stadt Krásná Lípa, die in den kommenden Jahren das Mausoleum komplett sanieren möchte. Dazu zählt neben den Bleiglasfenstern die gesamte Innenausstattung einschließlich faszinierender Goldmosaiken im Untergeschoss. Faszinierend ist vor allem die Vielzahl an Goldschattierungen. Auch das benachbarte Heizhaus mit Schornstein soll wiederhergestellt werden. Die Grablege war durch ein raffiniertes System beheizt worden, um eine stabile Temperatur im Innern zu gewährleisten. Architekt des Mausoleums war Julius Carl Raschendorff, der vor allem für den Berliner Dom bekannt ist.

Bei Lovosice startet Produktion von CO2-armem Zement

Der schweizerische Baustoffkonzern Holcim hat in seinem Werk im nordböhmischen Čížkovice bei Lovosice eine moderne Produktionsanlage zur Herstellung von emissionsarmem Zement in Betrieb genommen. Die Zementproduktion erfolgt künftig auf Basis von kalziniertem Ton, der Zementklinker ersetzt. Die neue Technologie soll die Emission von Kohlendioxid um bis zu 30 Prozent senken und damit 45.000 Tonnen Kohlendioxidausstoß vermeiden. Für so eine Einsparung müssten laut Holcim 2 Millionen Bäume neu angepflanzt werden. Für die Herstellung von kalziniertem Ton sind nur 800 Grad Celsius nötig, für Zementklinker wird eine Temperatur von 1.450 Grad Celsius gebraucht. Die Anlage ist laut Holcim die erste in Mitteleuropa. Zuvor war die Technologie in Frankreich getestet worden. Die Kosten für die neue Anlage belaufen sich auf umgerechnet rund 41 Millionen Euro. Ein Drittel der Summe erhielt Holcim aus dem Modernisierungsfonds des tschechischen Umweltministeriums.

Holcim ist in Tschechien hinter Heidelberg Cement und Cemex der drittgrößte Zementproduzent.

Ernteausfälle in Nordböhmen

Die Ernte in Nordböhmen steht kurz vor ihrem Ende und eine erste Bilanz ist niederschmetternd. 15 bis 20 Prozent weniger ernteten die Bauern im an Sachsen grenzenden Bezirk Ústí. Zugleich fiel die Ernte in Nordböhmen schlechter aus als im Rest des Landes. So wurden im Schnitt 4,77 Tonnen Getreide je Hektar geerntet. Das ist 0,6 Hektar unter dem landesweiten Schnitt.

Die Bauern machten für das schlechte Ergebnis vor allem den fehlenden Niederschlag verantwortlich. So fiel örtlich weniger als ein Drittel des langjährigen Mittels. Einbußen gab es bei so gut wie allen Produkten. Noch nicht geerntet ist Futtermais, wo man aber auch von einem starken Rückgang ausgeht. Besonders deutlich war der Rückgang der Ernte der Zuckerrübe. Probleme erwarten die Bauern nun auch beim Tierfutter, da weniger Heu produziert werden konnte.

Děčíns Busflotte wird fast komplett elektrisch

Elektrobusse von MAN für den ÖPNV in Děčín (© Město Děčín)

Děčín schafft für seinen öffentlichen Personennahverkehr bis Ende 2029 neue Elektrobusse an. Danach werden durch die Stadt mit knapp 50.000 Einwohnern mit wenigen Ausnahmen nur noch Busse mit Elektroantrieb unterwegs sein. In einer aktuellen Ausschreibung kündigt die Stadt den Kauf von insgesamt 21 Autobussen mit Elektroantrieb an, darunter neben 18 Meter langen Gelenkbussen und neun kürzere Bussen (10-11 Meter) vor allem die in der Stadt üblichen 12 Meter langen Busse. Durch seine Lage am Rande von Böhmischen Mittelgebirge und Elbsandsteingebirge umfasst das Streckennetz auch Straßen mit steilen Anstiegen, für die entsprechend kürzere Busse notwendig sind. Die ersten neuen Busse sollen bis Ende Oktober 2027 geliefert werden. Die Stadt erwartet einen Kaufpreis von fast 250 Millionen Kronen (fast 10,5 Millionen Euro). Zur Finanzierung will Děčín Mittel aus dem Modernisierungsfonds beantragen.

Bis jetzt hat Děčín bereits 21 Elektrobusse im Stadtverkehr. Die Busse der Firma MAN werden seit August im Testbetrieb eingesetzt.

 


 

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