Derweil in Tschechien... 35/26
18.09.2026
Prag zeigt Kronjuwelen
Seit Dienstag ist es wieder so weit. Im Vladislav-Saal der Prager Burg (Hradschin) werden die Kronjuwelen ausgestellt. Seitdem dürfen Schulklassen die wertvollen Stücke besichtigen. Ab Samstag bis zum 28. September stehen die Kronjuwelen dann für die breite Öffentlichkeit zur Besichtigung. Die Kronjuwelen bestehen neben der Wenzelskrone auch aus dem Königszepter und dem Reichsapfel.
Die Kronjuwelen sind im Veitsdom in der Kronenkammer verschlossen und wurden in der Vergangenheit nur selten der Öffentlichkeit gezeigt. Präsident Petr Pavel entschied, die Juwelen jedes Jahr für zwei Wochen zu zeigen. Um die Kammer zu öffnen, müssen sich alle sieben Schlüsselträger auf einmal versammeln. Dabei handelt es sich um den Staatspräsidenten, den Premierminister, die Präsidenten der beiden Parlamentskammern, den Prager Erzbischof, den Oberbürgermeister von Prag sowie den Dekan des Metropolitankapitels beim heiligen Veit in Prag.
Die Besichtigung des Symbols der tschechischen Staatlichkeit ist jeden Tag von 9 bis 17 Uhr möglich. Der letzte Tag der Besichtigung, der 28. September, ist zugleich der Tag der tschechischen Staatlichkeit, der Tag, an dem der Böhmenfürst, der heilige Wenzel, 935 ermordet wurde.
60. Geburtstag eines genialen Tschechen
Außerhalb Tschechiens wird der Name Jára Cimrman nur einigen wenigen Eingeweihten ein Begriff sein. Dabei handelt es sich bei ihm um ein Genius von Weltrang, der sich um viele bekannte Erfindungen verdient gemacht hatte.
In Wirklichkeit ist Cimrman eine reine Erfindung, entsprungen der Phantasie der Drehbuchautoren und Rundfunkjournalisten von Jiří Šebánek und Zdeněk Svěrák. Das erste Mal erklang der Name am 16. September 1966 im Tschechischen Rundfunk. Ein Jahr später ging das Jára-Cimrman-Theater in seine erste Spielzeit, das bis heute aktiv ist. Es entstanden nicht nur eine Vielzahl an Theaterstücken, die Cimrman geschrieben haben soll, aber die eigentlich aus der Feder von Zdeněk Svěrák und Ladislav Smoljak stammten. Untrennbarer Bestandteil einer Theateraufführung waren und sind zudem Vorlesungen zu Forschungen über und von Jára Cimrman. Ein Cimrman-Forscher wird in Tschechien als Cimrmanolog bezeichnet.
Die Stücke und Zitate daraus gehören in Tschechien zum Allgemeinwissen, viele Zitate haben sich verselbständigt. Auch Jára Cimrman hat sich auf gewisse Weise verselbständigt. In Umfragen nach den berühmtesten Tschechen landete das Phantom regelmäßig unter den ersten zehn, in trauter Gesellschaft mit Personen wie Kaiser Karl IV., dem heiligen Wenzel, Johann Amos Comenius, Jan Hus, Tomáš Garrigue Masaryk, Václav Havel, Martina Navrátilová oder Karel Gott.
Cimrman soll eigentlich irgendwann im 19. Jahrhundert gelebt haben. Anfangs als Fahrer einer Dampfwalze und Hobby-Bildhauer bekannt, wurde er kurz darauf zum Genius, der unter anderem den Joghurt erfand, in Paraguay ein Puppentheater gründete, den Nordpol um schlappe 7 Meter verfehlte, Thomas Alva Edison bei der Erfindung der Glühlampe half und Gustave Eiffel ein Zimmer vermietete.
Auch in der Nähe der sächsisch-tschechischen Grenze hinterließ er seine Spuren. Im Ausflugsrestaurant des Mückentürmchens (Komáří vížka) soll ihm auf der dortigen Toilette die geniale Idee eines Sitzfasses gekommen sein. Die Logik war die: Wenn Menschen das Bier im Sitzen trinken, warum soll es dann nicht auch in den Fässern im Sitzen reifen.
Eine der größten Orgeln Tschechiens spielt wieder
Eine der größten Orgeln Tschechiens erklingt seit Anfang September ganz in der Nähe zu Sachsen. Der Erzbischof von Prag und apostolische Administrator der Diözese Litoměřice (Leitmeritz) Stanislav Přibyl segnete am 6. September die Orgel der Mariä-Himmelfahrts-Klosterkirche von Osek (Ossegg) in einem Festgottesdienst. Am gleichen Tag fand ein festliches Eröffnungskonzert statt. An der Orgel spielte der tschechische Organist Daniel Knut Pernet.
Es war sogar das erste Mal, dass die Orgel in vollem Klang zu hören war. Denn als sie 1933 von der berühmten Orgelbaufirma Gebrüder Rieger aus Krnov (Jägerndorf) errichtet wurde, konnten nur drei Manuale fertiggestellt werden. Danach kam der Krieg und später die Vertreibung der vorwiegend deutschen Bevölkerung. Mit der gewaltsamen Machtübernahme 1948 durch die Kommunisten begann auch eine Verfolgung der Kirche und der Orden, die zudem verboten wurden. Das Zisterzienserkloster wurde zu einem Internierungslager für Nonnen und Mönche. Später litt die Bausubstanz unter der fehlenden Nutzung und Pflege. Das galt auch für die Orgel.
Nach der umfassenden Sanierung der Klosterkirche zwischen 2018 und 2021 begann 2021 auch die Restaurierung der Orgel. Diese wurde wieder das Werk einer Firma aus Krnov. Das Ausschreibungsverfahren gewann die Firma Ponča. Im Zuge der Restaurierung wurde zugleich das ursprünglich geplante vierte Manual eingebaut. Dabei handelt es sich um ein Manual, das über dem Kirchenchor positioniert aus der Ferne von der Orgelempore aus gespielt wird. Damit verfügt die Orgel nun über 6.003 Pfeifen, mehr als die neue Orgel im Veitsdom zu Prag, mit 5.755 Pfeifen. Dafür hat die Orgel in Prag 121 Register, die erweiterte Orgel in Osek 83.
Die Restaurierung und Erweiterung der Orgel kostete 24 Millionen Kronen (rund 1 Million Euro). Die Sanierung der Klosterkirche hatte zuvor 130 Millionen Kronen (5,4 Millionen Euro) gekostet.
Streit um Kriegsdenkmal in Dubí
Ein Denkmal zum Andenken an die Gefallenen des ersten Weltkriegs entwickelt sich in Dubí (Eichwald) gerade zum großen Streitfall. Die Stadt hatte beschlossen, das Denkmal zu restaurieren und an seinem früheren Platz in einem kleinen Wäldchen über dem Goethe-Park wiederzuerrichten. Das Denkmal hat eine bewegte Geschichte: Nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung nach dem zweiten Weltkrieg wurde es abgerissen und in der Erde vergraben. Anfang der 1990er Jahre grub es Lubomír Koudelka mit einem Freund wieder aus und stellte es in seinem Garten auf. Es bestand aus einem Quader, auf dem in Deutsch die Namen der Gefallenen aus Dubí aufgeführt waren. Auf dem Quader stand der Torso eines Soldaten. Der Soldat steht nun extra einige Meter vom Denkmal entfernt. Dafür hat das neue Denkmal einen rostigen Helm auf dem Sockel.
Mit dem Besitzer Lubomír Koudelka hat sich die Stadt bereits auf die Schenkung des Denkmal geeinigt, auch mit dem Grundstücksbesitzer, wo das Denkmal wieder aufgestellt werden soll, steht eine Einigung bevor.
Inzwischen ist aber offen, ob es überhaupt zur Wiedererrichtung kommt, denn die tschechischen Legionäre aus Teplice wenden sich in einem offenen Brief gegen die Erneuerung des Denkmals. Das sei angeblich in einer bereits faschistisch aufgeheizten Atmosphäre entstanden, wofür sich allerdings keine Beweise finden. Die Legionäre waren im ersten Weltkrieg tschechische Kämpfer, die nicht in der Armee Österreich-Ungarns kämpften, sondern auf der Seite der Entente, also Großbritanniens, Russlands und Frankreichs. Nach dem Ersten Weltkrieg gehörten sie zum Kern der Armee des neuen Staates Tschechoslowakei. Später waren sie auch im antifaschistischen Widerstand aktiv.
Allerdings scheint hinter dem offenen Brief der Legionäre eher eine kommunalpolitische Auseinandersetzung zu stehen. Angeführt werden die Legionäre nämlich von Petr Pípal, dem früheren langjährigen Bürgermeister von Dubí, der in den Wahlen im Oktober ins Rathaus zurückkehren will. Der jetzige Bürgermeister Jiří Kašpar hatte die Wiederaufstellung des Denkmals initiiert. Das Denkmal sei Teil der Geschichte, es werde Bürgern der Stadt gedacht, die ihr Leben ließen, und das seien nicht nur Deutsche gewesen. Außerdem handelt es sich um ein Kriegsdenkmal, das in der Datenbank des Verteidigungsministeriums registriert ist, weshalb die Stadt die Pflicht habe, sich darum zu kümmern. Für die Finanzierung der Wiederaufstellung stünden auch Gelder des Ministeriums bereit.
Der Historiker Jan Grisa weist auf das untypische Verhalten der Legionäre hin. In ganz Tschechien werden Kriegsdenkmäler wieder aufgestellt oder saniert, häufig mit der Zustimmung der örtlichen Bevölkerung und nicht selten unter dem Zutun der Legionäre, und das auch in den einst deutsch besiedelten Gebieten.
Trauer um Architekt Ivan Nosek
Im Alter von 85 Jahren starb der Architekt Ivan Nosek. Er war Schöpfer der Wenzelskapelle in dem Dorf Bílka pod Milešovkou am Fuße des Milešovka (Milleschauer) im Böhmischen Mittelgebirge. Die künstlerische Ausgestaltung im Innern der Kapelle hatte sein Künstlerfreund Jan Koblasa beigetragen. Beide wirkten nach ihrer Emigration in Deutschland. Nosek arbeitete eine Zeit lang auch für den Magistrat von Köln. Nach 1989 kehrte er zeitweise nach Tschechien zurück und verbrachte die Sommer im Wochenendhaus seiner Familie in Bílka. Sein Vater, ebenfalls Architekt, wurde 1948 gezwungen, mit seiner Familie nach Nordböhmen zu ziehen. Nosek wuchs deshalb in Teplice auf, absolvierte die Mittelschule für Industrie in Děčín und ging zum Studium nach Prag.
In der Zeit seiner Emigration war die historische Kapelle in Bílka verfallen. In den 1990er Jahren begann er mit der Planung einer neuen Kapelle. Der moderne Bau steht fast genau an der Stelle des Vorgängerbaus. Gemeinsam mit Koblasa machte er sich auch um den Freundschaftsweg verdient. Dabei geht es um Wege um das Dorf Bílka, an denen insgesamt 14 Kunstwerke von tschechischen und deutschen Künstlern stehen.
Nosek begründete mit seiner Familie auch die Tradition des Wenzelfestes, das traditionell in zeitlicher Nähe zum Feiertag des heiligen Wenzel stattfindet. Er starb nur wenige Tage vor dem traditionellen Fest, das in diesem Jahr am 26. September stattfindet.
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