Euroregion Elbe/Labe

Derweil in Tschechien... 9/26

Kraftstoffpreise in Tschechien steigen langsamer – "Chaotische" Rückführung aus Krisengebiet – Deutsche Bahn sperrt Elbtalstrecke – Kaum Einsparungen für Firmen bei Abwanderung nach Tschechien – Städte im Grenzgebiet investieren in Schwimmhallen – Ausstellung aus Sicht der Pflanzen

06.03.2026

Kraftstoffpreise in Tschechien steigen langsamer

Auf einmal ist Tanken in Tschechien bei Deutschen wieder beliebt. Deutsche Medien berichteten von langen Schlangen an Tankstellen direkt an der Grenze. Eine Station in Dolní Poustevna (Niedereinsiedel) bei Sebnitz soll zeitweise sogar ausverkauft gewesen sein. Hintergrund für die große Nachfrage sind die sprunghaft gestiegenen Kraftstoffpreise für Benzin und erst recht für Diesel in Deutschland nach dem Angriff Israels und der USA auf den Iran.

Tankstellenpreise in Tschechien, Bsp. aus Südmähren
Tankstellenpreise in Tschechien, Bsp. aus Südmähren (© FB Třinec živě)

Doch die Situation beginnt sich zu ändern. Bereits wenige Tage nach dem Ansturm deutscher Autofahrer steigen auch die Preise in Tschechien, nur eben langsamer. Die Tageszeitung Děčínský deník berichtete am Donnerstag von Preisen für den Liter Natural 95, das dem deutschen Normal-Benzin entspricht, in Děčín (Tetschen) zwischen 33,50 Kronen (1,40 Euro) und 36,40 Kronen (1,52 Euro). Für Diesel müssen Autofahrer im Schnitt sogar zwischen 34 und 35 Kronen je Liter zahlen, das entspricht zwischen 1,42 Euro und 1,46 Euro.

Laut Děčínský deník stiegen die Preise seit dem Angriff auf den Iran umgerechnet um im Schnitt zwischen 8 und 25 Cent je Liter, also deutlich langsamer als in Deutschland.

Ein Grund dafür sieht die Tageszeitung Hospodářské noviny in der neuen Preispolitik der Tankstellen EuroOil und RobinOil. Die gehören zum staatlichen Erdölunternehmen Čepro, das auch eine Raffinerie und Öllager betreibt und im Auftrag des Staates eine Ölreserve vorhält. Sowohl EuroOil als auch RobinOil halten an ihren rund 300 Tankstellen den Preis so niedrig wie möglich. Dass dies politischer Wille ist, schließt die Tageszeitung aus einem Interview des Servers Echo24 mit Industrieminister Karel Havlíček (ANO) am Donnerstag, in dem er die Preispolitik der Čepro-Tankstellen erklärte: "Sie halten den Preis so niedrig wie möglich. Sie werden weder spekulieren noch die Situation ausnutzen. Dann kann sich jeder ein eigenes Bild machen, wie die reale Situation auf dem Markt aussieht, wenn jemand anfängt die Preise zu erhöhen." Diese Politik geht offenbar zunächst auf, da rund 300 Tankstellen eine gewisse Marktmacht ausmachen. Zusätzlich lässt das Finanzministerium Unregelmäßigkeiten bei der Preisbildung prüfen.

Zu normalen Zeiten beträgt der Preisunterschied zwischen Benzin in Deutschland und Tschechien rund 30 Cent je Liter.

"Chaotische" Rückführung aus Krisengebiet

Anders als bei der Reaktion auf den Anstieg der Ölpreise handelt die Regierung bei der Rückführung tschechischer Staatsbürger aus dem Nahen Osten offenbar weniger koordiniert. Speziell Außenminister Petr Macinka (Autofahrerpartei) machte wieder unrühmlich auf sich aufmerksam, als er den Staatsbürgern in der Krisenregion empfahl, "die Zeit zu genießen. Es werde bestimmt ein Erlebnis", so der Außenminister. Für die über 5.000 betroffenen tschechischen Staatsbürger war das kein Trost. Mit fast 4.000 befinden sich die meisten in den Vereinten Arabischen Emiraten. Eine besondere Herausforderung stellt der Oman dar, der die Genehmigung für Evakuierungen vorübergehend gestoppt hat. Dort stecken immerhin etwas mehr als 1.300 Menschen fest, die zweithöchste Zahl tschechischer Staatsbürger in der Region. Mehrere Hundert Menschen befinden sich in Jordanien, Katar, Saudi-Arabien und Israel.

Der Parlamentsabgeordnete der Piraten, Zdeněk Hřib, kritisierte vor allem das Kommunikationschaos der Regierung: "Chaotisch wie zu Corona-Zeiten", sagte der Pirat. Viele Staatsbürger fühlten sich schlecht informiert und es fehlte jegliche staatliche Unterstützung. Ganz zu Beginn hatte Außenminister Macinka gesagt, dass die Regierung keine Evakuierungsflüge plane. Inzwischen hat er offenbar seine Meinung geändert oder wurde innerhalb der Regierung dazu gedrängt. Bereits am Montag begann die Planung von Evakuierungsflügen mit Hilfe der tschechischen Fluggesellschaft Smartwings und des tschechischen Militärs. Die ersten Flugzeuge landeten am Dienstag in Prag. Sie kamen aus Oman, Ägypten und Jordanien. Am Mittwoch erfuhren die Heimkehrer von Außenminister Petr Macinka, dass sie für ihren Rückflug selbst zahlen müssten, im Schnitt 15.000 Kronen pro Person (625 Euro), was Premierminister Andrej Babiš jedoch kategorisch ablehnte. Am Donnerstag dann tat Macinka so, als ob er nie davon gesprochen hätte, dass jemand seinen Flug bezahlen muss. 

Auf sich allein gestellt bleiben aber die Tausenden Tschechen, die sich im Fernen Osten in Thailand, Vietnam oder auf den Malediven befinden. Diese haben in der Regel Flüge mit Umstieg in der Golfregion gebucht. Premierminister Andrej Babiš teilte mit, dass die Regierung ihnen vorerst nicht helfen kann.

Deutsche Bahn sperrt Elbtalstrecke

Ein Eurocity-ComfortJet-Zug der Tschechischen Bahn im Elbtal in Tschechien.
Ein Eurocity-ComfortJet-Zug der Tschechischen Bahn im Elbtal in Tschechien. (© České dráhy)

Bahnreisende müssen sich auf neue Sperrungen im Elbtal in Richtung Tschechien einstellen. Zwar wurden die jahrelange Sanierung und der Ausbau des Güterbahnhofs Bad Schandau abgeschlossen. Nun stehen aber weitere Modernisierungsarbeiten an. Deshalb nimmt die Deutsche Bahn in den kommenden Monaten neue Sperrungen vor. Konkret wird der Abschnitt zwischen Bad Schandau und dem Grenzort Schöna vom 15. bis 22. März täglich von 9 bis 17 Uhr gesperrt. Danach bleibt sie bis November immer montags außer an Feiertagen zwischen 9 und 19 Uhr dicht. Eine weitere Totalsperrung ist vom 14. bis 19. April jeweils von 9 bis 17 Uhr geplant. Nachtsperrungen gibt es zudem vom 13. bis 17. April sowie vom 25. bis 29. April jeweils von 21 bis 3 Uhr. Während der Vollsperrungen fahren als Ersatz für den Eurocity zwischen Dresden und Ústí nad Labem (Aussig) Busse. Von Juni bis November 2026 sollen weitere Sperrungen folgen. Details werden von der Deutschen Bahn rechtzeitig bekannt gegeben, heißt es.

Unabhängig davon kommt es auf dem Abschnitt zwischen Heidenau und Kurort Rathen noch bis 11. April zu Einschränkungen. Tagsüber ist aufgrund von Bauarbeiten immer nur ein Gleis befahrbar. Nachts kommt es zu Totalsperrungen.

Kaum Einsparungen bei Abwanderung nach Tschechien

Die Verlagerung von Produktionsstätten aus Deutschland nach Polen oder Tschechien bringt für die Firmen weniger Einsparung als erhofft. Wie das Handelsblatt unter Berufung auf eine Studie des Consultingunternehmens Strategy& berichtet, zeigen sich neben den vergleichsweise geringen Einsparungen bei den Löhnen noch weitere Probleme wie Fachkräftemangel und zu geringe Automatisierung der Industrie.

Anlass der Studie waren die vermehrten Investitionen deutscher Industrieunternehmen in den östlichen Nachbarländern, da die Arbeitskosten in Deutschland um 30 Prozent höher seien als im EU-Schnitt. Die sinkende Attraktivität von China in den vergangenen Jahren lasse die nähere Umgebung stärker in den Blick von Unternehmen geraten. Deshalb seien die zwei beliebtesten Länder zwischen 2015 und 2024 Polen und Tschechien gewesen. 

Doch die Hoffnung auf größere Einsparungen werde häufig enttäuscht. Wichtige Nachteile der Region sind die Arbeitskosten, die in den letzten Jahren dreieinhalbmal so schnell gestiegen seien wie die Produktivität, der Mangel an Fachkräften für die Industrie, der um 16 Prozent größer wäre als in Deutschland, und die Energiepreise, die sich innerhalb von fünf Jahren nahezu verdreifacht hätten. 

Städte im Grenzgebiet investieren in Schwimmhallen

Aquapark Děčín
Aquapark Děčín (© Stadt Děčín, idecin.cz)

Der Aquapark in Děčín gehört zu den Besuchermagneten in der Elbestadt. Fast 300.000 Menschen besuchen ihn jedes Jahr. Das ist aber auch das Problem. Die Anlage, die um die Jahrtausendwende durch ein modernes Spaßbad ergänzt wurde, stößt an ihre Kapazitätsgrenzen. Vormittags tummelt sich hier der Schulunterricht, es kommen auch Kitas. Nachmittags trainieren Vereine. Für die Öffentlichkeit gibt es immer nur kurze Zeitfenster am Morgen, gegen Mittag und dann abends.

Die Stadt Děčín plant deshalb die Erweiterung und Modernisierung. Der Plan ist, dass die Vereine ganzjährig im Außenbereich trainieren sollen. Auch wenn das Wasser durch Thermalquellen warm ist, muss das Becken zusätzlich überdacht werden, um ein ganzjähriges Training zu gewährleisten. Gleichzeitig muss das 50-Meter-Becken durch ein neues ersetzt werden. Erste Entwürfe sollen der Öffentlichkeit noch im Frühling vorgestellt werden. Die Kosten werden auf bis zu 200 Millionen Kronen geschätzt. Das entspricht rund 8,3 Millionen Euro. Für den Haushalt der 50.000-Einwohner-Stadt ist das viel zu viel. Deshalb kann die Erweiterung nur starten, wenn ein geeignetes Fördermittelprogramm aufgelegt wird.

Nicht nur Děčín, auch Rumburk (Rumburg) im Schluckenauer Zipfel plant die Modernisierung seines Hallenbads. Genaue Pläne sind noch nicht bekannt. Fest steht nur, dass die Technik ausgetauscht und eine Fotovoltaikanlage eingebaut werden soll. Die soll außerdem mit der Fotovoltaikanlage auf dem Dach der nahen Schule verbunden werden. Damit will die Stadt Betriebskosten sparen. Außerdem soll eine Saunawelt eingebaut werden.

Rumburk ist bei der Modernisierung ebenfalls von Fördermitteln abhängig. Auch dort spricht man bei den Kosten von rund 200 Millionen Kronen. Die Modernisierung hätte auch grenzüberschreitende Auswirkungen, denn schon heute trainieren in der Halle auch Vereine aus dem nahen Sachsen. Mit der Sauna dürfte die Halle für Gäste aus Sachsen noch interessanter werden.

Ausstellung aus Sicht der Pflanzen

Blick in die Ausstellung "Die Welt der Pflanzen".
Blick in die Ausstellung "Die Welt der Pflanzen". (© Gebietsmuseum Ústí nad Labem)

Wie sieht die Welt eigentlich für Pflanzen aus? Eine Ausstellung im Gebietsmuseum in Ústí nad Labem (Aussig) möchte Besuchern helfen, sich in die Pflanzen hineinzuversetzen. Die Ende Februar eröffnete Ausstellung mit dem Titel "Planeta Plantae" (Die Welt der Pflanzen) verteilt sich auf drei Räume und umfasst auch echte Pflanzen, meist Zimmerpflanzen, welche die Zeit der Ausstellung bis zum 2. August auch überleben. Im ersten Saal zeigen die Ausstellungsmacher, wie Pflanzen die Welt formen und Leben für Menschen und Tiere möglich gemacht haben. Im zweiten Raum wird das Leben der Wurzeln unter der Erde dargestellt. Im dritten Saal zeigt die Ausstellung, worin sich Pflanzen und Menschen ähneln und worin sie sich unterscheiden.

Die Ausstellung ist multimedial aufbereitet und verspricht geringe Textlastigkeit, so dass sie auch für Besucher, die des Tschechischen nicht mächtig sind, attraktiv ist. Es gibt zudem mehrere interaktive Angebote. Die Ausstellung lässt sich zudem gut mit einem Besuch der Dauerausstellung "Unsere Deutschen" im gleichen Hause verbinden. Exotische Pflanzen suchen Besucher aber vergebens. Das geben die Raumverhältnisse nicht her. Dafür ist aber ein Besuch des Botanischen Gartens in Teplice (Teplitz) empfohlen. Dort läuft noch bis Ende März eine Ausstellung zu Pflanzenduft und Parfümerie.

Die Ausstellung im Museum in Ústí ist täglich außer montags von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

 


 

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